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Paula Modersohn-Becker oder: Wenn die Kunst das Leben ist

von
Barbara Beuys

Sobald Jubiläen, Geburts- oder Todestage berühmter Personen nahen, häufen sich die Biographien. So auch im Fall der Künstlerin Paula Modersohn-Becker. Am 20. November 1907 starb jene Lichtgestalt des frühen Expressionismus, deren Name bis heute untrennbar mit der Künstlerkolonie Worpswede verbunden ist.

Ihre Biographin, Barbara Beuys, arbeitete jahrelang als Journalistin und Redakteurin für den „Stern“, später für „Merian“ und die „Zeit“. Seit 2001 ist die promovierte Historikerin als freie Autorin tätig und veröffentlichte bereits Biographien über Annette von Droste-Hülshoff und Hildegard von Bingen?. Ihr neuestes Buch widmete sie Paula Modersohn-Becker und wählte den durchaus passenden Untertitel? „Wenn die Kunst das Leben ist“. Denn die Worpsweder Malerin war eine Ausnahmekünstlerin, deren Beruf nicht nur Berufung, sondern ihr Leben war.

Im Künstlerdorf Worpswede

Barbara Beuys erzählt die Lebensgeschichte der Paula Modersohn-Becker chronologisch. Geboren am 8. Februar 1876 in Dresden, verbringt Paula ihre Kindheit im Schoß einer weltoffenen, liberalen Familie des gehobenen Bürgertums. Als Zwölfjährige siedelt sie gemeinsam mit ihren Eltern und Geschwistern nach Bremen über. Dort verlebt sie eine normale Jugend als „Backfisch“. In der Beziehung zu ihren Familienangehörigen ist Paula „verantwortungsbewusst“, wie Barbara Beuys bemerkt. Während eines mehrmonatigen Englandaufenthalts 1892 besucht Paula eine private Kunstschule in London. Ihre Liebe zur Malerei ist geweckt, doch zunächst bereitet sie sich 1893 bis 1895 in Bremen auf das Lehrerexamen vor.

All diese Stationen in Modersohn-Beckers Leben gibt Beuys nicht spröde wieder, sondern dokumentiert sie anhand von Briefen und Tagebuchnotizen. Die Korrespondenz innerhalb der Familie gewährt aufschlussreiche Einblicke in die Familiengeschichte und liefert überdies interessante Epochenbelege. 1896 beginnt Paula Becker in Berlin ihre Ausbildung an der Mal- und Zeichenschule des „Vereins der Berliner Künstlerinnen“, 1898 zieht sie als freischaffende Malerin nach Worpswede. Hier lernt sie den Maler Otto Modersohn kennen, den sie 1901 heiratet. Insgesamt neun Jahre, unterbrochen von mehreren Studienaufenthalten in Paris, lebt und arbeitet Paula Modersohn-Becker im Künstlerdorf Worpswede nordöstlich von Bremen. 1907 stirbt sie, nur wenige Tage nach der Geburt ihrer Tochter Mathilde.

Pionierin der künstlerischen Moderne

Rein biographische Fakten dieses kurzen, aber künstlerisch überaus produktiven Lebens (Paula Modersohn-Becker hinterließ ein Werk von 750 Bildern) überblendet Barbara Beuys mit aufschlussreichen Charakterstudien. Diese entwickelt sie vor allem aus der Freundschaft zwischen Modersohn-Becker und Clara Westhoff, jener Bildhauerin, die später Rainer Maria Rilkes Ehefrau wurde. Der private und künstlerische Umgang der beiden Künstlerinnen offenbart viel über die Person Paula Modersohn-Becker. Eine Bildertafel ihrer bedeutendsten Werke befindet sich im Anhang und unterstützt die biografischen Aussagen der vorausgehenden Kapitel.

Paula Modersohn-Becker verfolgte ihre künstlerischen Ziele entschieden und gegen die Widerstände ihrer Zeit. Ihr Werk umfasst Porträts, Kinderbildnisse, die Darstellung der bäuerlichen Lebenswelt in Worpswede, Landschaften, Stillleben und zahlreiche Selbstporträts, die sie während ihrer gesamten Schaffensperiode malte. Sie war ein Kind des Fin de Siècle, eine außergewöhnliche Frau und Malerin und wurde zu einer Pionierin der künstlerischen Moderne.

Literaturangaben

  • Paula Modersohn-Becker oder: Wenn die Kunst das Leben ist. Carl Hanser Verlag, München 2007. 344 S., ISBN: 978-3446208353


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