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Gruppe 47

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Die Gruppe 47 war ein Zusammenschluss von Schriftstellern der Nachkriegszeit, später auch von Literaturkritikern und Lektoren. Zwischen 1947 und 1967 versammelte sie sich zweimal im Jahr, um neue, noch unveröffentlichte Texte vorzustellen und gegenseitig zu kritisieren. Ab 1950 wurde der Preis der Gruppe 47? verliehen, der bald einer der bedeutendsten Literaturpreise der Bundesrepublik wurde.

Entstehung und Entwicklung

Die Gruppe 47 war ein Kind der Nachkriegszeit. Ein Kind des Willens für einen unbedingten Neuanfang der Deutschen, nach dem Zweiten Weltkrieg. Doch vor allem war die Gruppe 47 eine Literaturwerkstatt?. Eigentlich wollten ihre Gründer eine literarisch-satirische Zeitschrift? mit dem Namen „Der Skorpion“ herausgeben, die ihren Stachel gegen die restaurative Politik Deutschlands richten sollte.

Denn die führenden Köpfe dieses Projekts – die Schriftsteller Hans-Werner Richter?, Alfred Andersch? und Walter Kolbenhoff? – traten für einen demokratischen Sozialismus ein und für einen radikalen Neuanfang. Sie lehnten die damals vorherrschende Kollektivschuldthese ab und entwarfen das Bild eines vereinten, unbesetzten Deutschlands als Brücke zwischen Ost und West. Folgerichtig kritisierten sie auch die Politik der Besatzungsmächte.

Richter und Andersch waren 1946 aus amerikanischen Kriegsgefangenenlagern zurückgekehrt, in denen deutsche Antifaschisten während des Krieges festgehalten und zu Verwaltungskräften der Alliierten für den neuen Staatsapparat im befreiten Deutschland ausgebildet worden waren. Als das Zeitungsprojekt scheiterte – „Der Skorpion“ wurde von den Alliierten verboten, mit der Begründung, er sei zu „nihilistisch?“ – blieb nur der Geist der ersten Redaktionssitzung einer Gruppe von jungen Schriftstellern und Journalisten?, am 6. und 7. September 1947 am Bannwaldsee bei Füssen: Man hatte sich gegenseitig seine Texte vorgelesen und kritisiert. Man hatte analysiert und Stilmittel verworfen oder anerkannt. Alles unter dem Gesichtspunkt, dass Sprache ein Werkzeug sei – vor allem ein politisches Werkzeug, denn: „(...) das hatten wir im dritten Reich gesehen, was mit Sprache alles möglich ist. Für uns war nicht nur eine Säuberung der Literatur damit verbunden, sondern eine Säuberung der Sprache überhaupt, der politischen Sprache“ (Hans-Werner Richter).

Die frühen Werke der Gruppe 47 gehören zu der sogenannten „Kahlschlag-“ oder „Trümmerliteratur“. Beispielhaft für diese Richtung ist das Gedicht „Inventur“ von Günter Eich?.

Die Treffen der Gruppe 47 (der Name geht zurück auf die spanische „Gruppe 98“, die nach dem Krieg Spaniens gegen die USA 1898 die spanische Literatur wieder aufbauen wollte) wurden danach fortgesetzt. Man traf sich zweimal jährlich und einmal im Jahr wurde ein Preis an den besten Autor verliehen. Die alte Struktur – das Vorlesen? der Texte und die unmittelbare Kritik – blieb dabei erhalten. Allmählich, im Laufe der 1950er- und 1960er-Jahre entwickelten sich die Tagungen zu einer Art Literaturbörse, einem Marktplatz, wo sich junge Autoren potentiellen Verlegern präsentieren konnten.

Es kamen professionelle Literaturkritiker dazu (u.a. Marcel Reich-Ranicki), die das Gelesene bewerteten. Fiel die Kritik gut aus, war ein Vertrag mit einem Verlag sicher, wenn nicht, endete hier meist die Karriere. Auch die Medien? begannen sich für die Tagungen zu interessieren und bald hatten die Gruppentreffen ihren intimen Charakter eines „literarischen Freundeskreises“ verloren.

Da sich fast alle Nachwuchsautoren hier vorstellten (u.a. Günter Eich?, Heinrich Böll?, Ingeborg Bachmann, Martin Walser und Günter Grass) kann man die Gruppe 47 als einen Spiegel der deutschen? Nachkriegsliteratur sehen. Doch andererseits führte der große Zuwachs dazu, dass die Literatur immer kommerzieller wurde, da es nur noch darum ging, vor den Kritikern zu bestehen.

Ihren Höhepunkt an Popularität erreichte die Gruppe 47 in der 1960er-Jahren, wo sie sogar ins Ausland eingeladen wurde: (1964 nach Sigtuna, Schweden, und 1966 nach Princeton, USA. Die Auszeichnung Heinrich Bölls mit dem Literaturnobelpreis 1972 bestätigte den weltweiten Erfolg der neuen deutschen Literatur. Doch der Ruhm nach außen brachte den Bruch im Inneren der Gruppe. Man konnte die vielen neuen Stimmen nicht mehr integrieren, die neuen Einflüsse der Postmoderne passten nicht zu der Erzählstruktur der Trümmerliteraten.

Bei dem - ungeplant - letzten Treffen von 1967 in Waischfeld/Oberfranken entrollten draußen vor dem Tagungslokal Apo-Studenten Transparente gegen die Gruppe, beschimpften diese als "Papiertiger" und verbrannten Bild"-Zeitungen. So wollten sie die Literaten zu politischen Taten auffordern. Danach rief Hans-Werner Richter die Gruppe nicht mehr zusammen. Im September 1977 verkündete er bei der sogenannten "Begräbnistagung" in Saulgau das Ende der Gruppe.

Sekundärliteratur

Hörbücher

  • Arnold, Heinz L.: Die Gruppe 47. 2 Audio-C Ds?. Dhv der Hörverlag, Hamburg 2001, ISBN: 978-3899400144


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