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Gutenberg, Johannes

Johannes Gutenberg (geb. um 1400 in Mainz; gest. 3. Februar 1468 in Mainz) ist ein Pionier des Buchdrucks. Er erfand den Buchdruck mit beweglichen, wieder verwendbaren Lettern?. Mit dieser Erfindung löste er in Europa einen einmaligen Innovationsschub aus.

Leben

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Über das Leben Johannes Gutenbergs ist nur wenig Verlässliches bekannt. Da fast keine Quellen erhalten sind, bewegt man sich bei der Rekonstruktion seines Lebens und Wirkens überwiegend im Reich der Spekulation. Übrigens sehr zur Freude von Schriftstellern und Filmregisseuren, die aus Gutenbergs weitgehend unbekannten Lebensumständen einen reichen Legendenteppich weben konnten. Trägt man alle sicheren Quellen zusammen und ergänzt sie durch einige nicht allzu waghalsige Vermutungen, dann erhält man folgendes Lebensbild.

Johannes Gutenberg wurde als Johann Gensfleisch zur Laden zwischen den Jahren 1394 und 1408 in Mainz geboren. Er war der Sohn des Patriziers Friedrich Gutenberg und seiner Frau Else. Sein Geburthaus war der elterliche Gutenberg Hof in Mainz, daher auch kurz als Gutenberg bezeichnet. Wahrscheinlich wurde er in der nur wenige Gehminuten vom Gutenberg Hof entfernt gelegenen Kirche St. Christoph getauft. Da sich sein Geburtsdatum nicht genau ermitteln ließ, legte die Mainzer Gutenberg-Gesellschaft am Ende des 19. Jahrhunderts das Geburtsdatum auf 1400 fest - mit dem sicherlich nicht unerwünschten Nebeneffekt, dass man im Jahr 1900 seinen 500. Geburtstag feiern konnte. Im Sommer des Jahres 1901 öffnete übrigens das Gutenberg-Museum seine Pforten.

Foto: Michael Schönitzer / Wikipedia.org

Flucht aus Mainz

Die Schuljahre Gutenbergs liegen im Dunkeln. Vermutlich hat er die südöstlich vor Mainz in Weisenau gelegene Klosterschule des Stifts St. Viktor besucht, in der Mönche und Nonnen den Unterricht in Bibel und Latein erteilten. Die nächste heiße Spur findet sich in Erfurt: Aufgrund eines Eintrags in den Immatrikulationsbüchern der Erfurter Universität für die Jahre von 1419 bis 1420 wird vermutet, dass es sich bei dem dort genannten Studenten Johannes de Altavilla um Johannes Gutenberg handelte. Altavilla bzw. Eltville ist der Name der größten Stadt im Rheingau, wo die Familie Gutenberg aus mütterlichem Erbe einen Haushof besaß.

Über Gutenbergs Lebensweg in den Jahren von 1420 bis 1434 ist nur wenig bekannt. Es wird von Erbstreitigkeiten der Geschwister Gutenberg und einer Halbschwester nach dem Tod des Vaters 1419 berichtet. Etwa um 1428 verließ die Familie Gutenberg aus Protest gegen Steuerforderungen die Stadt Mainz, das geht aus einer Quelle zu den immer wieder aufflammenden Auseinandersetzungen zwischen Zünften und Patriziern hervor. Unter diesen Konflikten hat die Stadt Mainz sehr gelitten. Viele Menschen, die über Geldmittel verfügten, verließen in dieser Zeit die Stadt und suchten woanders ihr Glück. Manche kehrten später zurück. So wohl auch die Gutenbergs. 1433 starb Gutenbergs Mutter in Mainz. Als die Mutter starb, hat sich Gutenberg vermutlich schon in Straßburg aufgehalten. Sein Aufenthalt in Straßburg ist für die Jahre von 1434 bis 1444 zuverlässig dokumentiert.

Gutenberg als Liebhaber und Geschäftsmann

Die erhaltenen Straßburger-Quellen zeigen Gutenberg als eifrigen Geschäftsmann und mindestens ebenso fleißigen, aber wohl nicht ganz einwandfreien Liebhaber. Gerichtsakten berichten davon, dass die angesehene und bei allen Leuten geachtete Bürgertochter Ennelin von der Isern Türe ihn wegen einer nicht eingehaltenen Verlobung verklagte. Warum Gutenberg das Verlöbnis platzen ließ und wie der Prozess endete, ist nicht bekannt. Die Protokolle eines weiteren Verfahrens verraten, dass Gutenberg an einer Werkgemeinschaft beteiligt war, die Wallfahrtsspiegel? für die traditionsreiche Wallfahrt nach der Heiligen Stadt Aachen herstellte. Ob er gleichzeitig auch als Goldschmied arbeitete, wie heute vielfach behauptet wird, lässt sich anhand der vorhandenen Quellen nicht mit Sicherheit belegen.

Wahrscheinlich ist, dass Gutenberg sich seit 1440 vermehrt mit Druckversuchen beschäftigt hat. Darauf weisen Geschäftsunterlagen und Darlehensgesuche hin. Da Gutenberg nicht über hinlangendes Kapital verfügte und seine kostspieligen Druckexperimente ihm so gut wie nichts einbrachten, musste er sich immer wieder Geld leihen - Geld, das er nicht zurückzahlen konnte, was ihn häufig vors Gericht brachte. Schlecht für Gutenberg, gut für die späteren Chronisten, denn die Prozessakten lassen Rückschlüsse auf seine Erfolge und Misserfolge als Geschäftsmann zu. Das meiste Geld investierte er wohl in eine Druckwerkstatt? und Mitarbeiter.

Die Gutenberg-Bibel entsteht

Im Jahr 1448 siedelte Gutenberg wieder nach Mainz über. Es folgten weitere Kreditaufnahmen und wohl auch erste erfolgreich verlaufende Druckversuche in seiner Werkstatt im Humbrechthof. Ein wichtiger Finanzier war der Mainzer Kaufmann und Geldverleiher Johann Fust?, den die Legende häufig zum Faust (man denke an Goethe) macht. Ob da etwas dran ist? Reizvoll ist der Gedanke allemal. Als frühstes Druckzeugnis Gutenbergs gilt ein Gedicht in deutscher Sprache, das allerdings nur als Fragment? überliefert ist und weder Erscheinungsjahr noch Druckort? aufweist. Der Kaufmann Fust? ließ sich 1452 als Teilhaber an Gutenbergs Unternehmen eintragen - ein Schritt, der später noch unangenehme Folgen für Gutenberg haben sollte.

Zwischen 1449 und 1455 (hier werden in der Forschungsliteratur stark abweichende Jahreszahlen genannt) druckte Gutenberg die weltberühmte 42-zeilige Bibel? in lateinischer Sprache, die auch unter der Bezeichnung Gutenberg-Bibel? bekannt geworden ist. Sie gilt als Meisterwerk der typografischen Kunst. Der Druck besteht aus zwei Bänden? im Folio-Format. Der erste Band? umfasst 648 Seiten?, der zweite 643 Seiten?. Die Auflage? soll rund 200 Stück betragen haben. An der Arbeit waren etwa 20 Mitarbeiter beteiligt. Neben den ca. 170 auf Papier gedruckten Bibeln gab es etwa 30 Ausgaben auf Pergament?. Wie der Vertrieb? organisiert war, ist unbekannt. Ob Gutenberg die Bibel selbst angeboten und verkauft hat? Vielleicht 1454 während des Frankfurter Reichstages? Dem Bibeldruck waren übrigens diverse Kleindrucke wie Wörterbücher?, Ablassbriefe und Kalender? vorangegangen.

Zerwürfnis mit Fust und Ernennung zum Hofedelmann

Über das Zerwürfnis zwischen Gutenberg und seinem Teilhaber Fust? berichtet das so genannte Helmaspergersche Notariatsinstrument von 1455, das der Mainzer Notar Ulrich Helmasperger angefertigt hat. Dieser Urkunde zufolge musste Gutenberg wegen säumiger Rückzahlungen an seinen Kreditgeber Johann Fust? große Teile seiner Druckwerkstatt? und wohl auch die Bibeldrucke abtreten. Fust? führte mit Gutenbergs Mitarbeiter Peter Schöffer? das Geschäft mit Erfolg weiter: Im Jahr 1457 wurde in der Druckerei? der erste Dreifarbendruck? hergestellt, ein zweiter folgte 1459. Gutenberg kehrte in sein Elternhaus, den Gutenberg Hof, zurück und gründete dort erneut eine Druckerei?.

Gutenberg, ab 1465 Hofedelmann des Erzbischofs Adolf von Nassau, starb am 3. Februar 1468 in seiner Geburtsstadt Mainz. Er wurde in der Mainzer Franziskanerkirche beigesetzt. In einem frühen Mainzer Druck findet sich von unbekannter Hand der Vermerk. „Anno Domini 1468 uf Sankt-Blasius-Tag starb der ehrsam Meister Henne Gensfleisch, dem Gott gnade.“ Ohne diesen Vermerk wüssten wir heute nicht, wann Gutenberg gestorben ist.

Würdigung

Johannes Gutenberg, der „ehrsam Meister“, wie es in dem zitierten Mainzer Druck heißt, war ein Pionier des Buchdrucks. Aber es gehört wohl ins Reich der Legende, dass er mit einem Schlag den Druck mit beweglichen, wieder verwendbaren Lettern? erfunden hätte. Diese Legende stammt aus einer Zeit, in der es die Historiker noch liebten, alle die Geschichte der Menschheit revolutionierenden Erfindungen „großen Männern“ und „genialen Augenblicken“ zuzuschreiben. Es gilt als sicher, dass Gutenberg den Buchdruck lange Jahre hindurch plante und mehr als ein Jahrzehnt mit aufwändigen und kostspieligen Experimenten verbrachte. Die Frage, ob Gutenberg der einzige Erfinder war, kann nicht mit letzter Sicherheit beantwortet werden. Starke Impulse gingen wahrscheinlich auch von Johann Fust? und Peter Schöffer? aus.

Um Gutenbergs Leben und Werk, das in Europa einen einmaligen Innovationsschub auslöste, in der Erinnerung zu behalten und vor dem Vergessen zu bewahren, werden Ausstellungen veranstaltet, Jahrbücher? herausgegeben und Buchhandlungen nach ihm benannt. Die wohl gelungenste und bekannteste Form der Würdigung seines Wirkens ist das Projekt Gutenberg-DE, das literarische Werke?, deren Copyright? abgelaufen ist, frei zugänglich im Internet veröffentlicht.

Übrigens ...

sind von Gutenberg keine authentischen Bildnisse überliefert. Es existieren zwar zahlreiche Kupferstiche, Holzschnitte und andere Bildnisse, doch wurden diese erst lange nach seinem Tod angefertigt und sind reine Phantasieprodukte.

Zu Ehren Johannes Gutenbergs werden alle hundert Jahre Gutenbergfeste gefeiert.

Literatur

  • Bücher über Johannes Gutenberg bei Jokers
  • Füssel, Stephan: Johannes Gutenberg. Rowohlt Verlag, Reinbek 1999, ISBN: 978-3499506109
  • Mahnke, Helmut: Der kunstreiche Johannes Gutenberg und die Frühzeit der Druckkunst. Neue Erkenntnisse und Hypothesen. Books on Demand, Norderstedt 2009, ISBN: 978-3837050417
  • Neubauer, Annette: Tatort Forschung. Anschlag auf die Buchwerkstatt. Ein Ratekrimi um Johannes Gutenberg. Loewe Verlag, Bindlach 2007, ISBN: 978-3785545621

Hörbücher

  • Schulz-Reiss, Christine / Yogeshwar, Ranga: Wer war das? Forscher und Erfinder 1. Johannes Gutenberg, Leonardo da Vinci, Galileo Galilei, Isaac Newton. Hörcompany, Hamburg 2008, ISBN: 978-3939375395

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