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Initiale

Eine Initiale (lat. initium = Anfang, Beginn) ist ein Anfangsbuchstabe? am Beginn eines Textes zur Einleitung eines Kapitels, Abschnitts? oder einer Zeile?, der durch seine Größe, Schriftart, Verzierung oder Farbe besonders hervorgehoben ist. Sie hat für den Leser eine Signalfunktion und kann sich aus bis zu drei Komponenten zusammensetzen. Der Initialenkörper besteht aus dem Buchstaben selbst, im Inneren bilden Verzierungen den Initialengrund und der sie umgebende Schmuck wird Initialenfolie genannt.

Buchgeschichtliche Einordnung

Die ältesten Initialen finden sich in griechischen und koptischen Handschriften? aus dem 4. Jahrhundert?. In der mittelalterlichen Buchmalerei? vom 8. bis zum 15. Jahrhundert entfalteten sie sich äußerst prachtvoll und gehörten zu den wichtigsten künstlerischen Ausdrucksformen neben der Miniatur?. Die Initialen konnten ornamental, figural, zoomorph, historisiert oder mit ausuferndem Rankenwerk gestaltet sein.

Ihre früheste Blütezeit hatten illuminierte Handschriften? bereits im 7. Jahrhundert in Irland. In der so genannten insularen Buchmalerei? erscheinen die Initialen im keltischen Stil mit aufwendig verschlungenen Mustern aus Spiralen, Knoten und Tierfiguren. Auch auf Europa übte die angelsächsische Initialkunst bald ihren Einfluss aus. Zur Zeit der Ottonen (919-1024) vermischten sich die keltischen Formen mit den karolingischen. Die romanischen Handschriften? aus dem 11. und 12. Jahrhundert schließlich zeigen eine vielfältige Mischung aus Elementen früherer Stile, wie den Flechtmustern der keltischen Buchmalerei?, der ikonischen Darstellung von Figuren aus Byzanz und der Entwicklung figürlicher Initialen.

Der folgende gotische Stil zeichnet sich bald durch ein zunehmendes Interesse am Realismus aus. Die symbolischen Grotesken der Frühgotik im 12. Jahrhundert verschwanden bis zum 15. Jahrhundert zugunsten naturalistischer Blüten. Die Verwendung von Reliefgold? und weißen Hochlichtern wurde charakteristisch. Die Renaissance ging weiterhin einher mit der Wiederentdeckung klassischer Texte und einer Orientierung an den Handschriften? des 10. und 11. Jahrhunderts. Komplizierte Flechtmuster und Gold fanden hier eine reiche Anwendung.

Techniken

In Inkunabeln wurde zunächst der Platz für die Initiale freigelassen und allenfalls mit einem kleinen Repräsentanten versehen. Bei der Nachbearbeitung durch Rubrikatoren? wurden die Initialen dann per Hand nach Vorbild der Handschriften-Initiale eingefügt. Peter Schöffer? versuchte erstmals 1457 in dem Mainzer Psalter? die Initialen in einem Arbeitsgang mit dem Text zusammen zu drucken?. Der hier verwendete Metallschnitt? kam seitdem aber selten zum Einsatz, häufiger wurden sie im Holzschnitt ausgeführt.

Erhard Ratdolt? verwendete als erster ausschließlich gedruckte Holzschnitt-Initialen. Seine so genannten litterae florentes?, die aus Blättern und Blumen gebildet sind, waren wegweisend. Auch namhafte Künstler wie Holbein, Dürer, Cranach, Menzel oder Slevogt schufen illustrierte Initialen.

Neben den humanistischen? Handschriften? im Stil der weißen Ranken bildete sich in Norditalien der klassizistische Stil aus. Die Buchstaben? basieren auf alten römischen Steininschriften? und sind mit architektonischen und anderen antiken Motiven verziert.

Weitere Entwicklungen

Bei der weiteren Entwicklung des Buchdrucks? und der Emanzipation der Buchgestaltung vom handschriftlichen Vorbild wurde die Initiale auf eine einfache Schmuckfunktion reduziert und verlor seit dem 17. Jahrhundert an Bedeutung. In der Zeit der Buchkunstbewegung? fand sie eine Wiederbelebung.

Vertreter der modernen Buchkunst?, wie beispielsweise Anna Simons?, Ernst Schneidler?, Walter Tiemann? oder Carl Ernst Poeschel?, gestalteten ihre Initialen betont schlicht und sachlich. Im heutigen Buch bleibt ihre Verwendung dennoch oft auf anspruchsvoll gestaltete Bücher und bestimmte Textsorten beschränkt.

Ein ähnlicher Begriff: Initialen

Als Initialen werden auch die Anfangsbuchstaben eines Namens bezeichnet. Künstler signieren? mit ihnen häufig ihre Werke. Dabei können die Buchstaben künstlerisch gestaltet sein, wie beispielsweise das bekannte Initialzeichen A.D. von Albrecht Dürer.

Literatur

  • Lexikon der Buchkunst und der Bibliophilie. Hrsg. von Karl Klaus Walther. K.G. Saur, München 2006, ISBN 978-3937872278
  • Morgan, Margaret: Enzyklopädie Schmuckinitialen. Fleurus, Köln 2006, ISBN 978-3897174276
  • Reclams Sachlexikon des Buches. Hrsg. von Ursula Rautenberg. 2. verb. Aufl. Philipp Reclam, Stuttgart 2003, ISBN 978-3150105429
  • Wörterbuch des Buches. Hrsg. von Helmut Hiller / Stephan Füssel. 7. grundlegend überarb. Aufl. Vittorio Klostermann, Frankfurt a. M. 2006, ISBN 978-3465034957

Weitere Begriffe:

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