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Kazantzakis, Nikos

Nikos Kazantzakis (geb. 18.Februar 1883 in Heraklion/Kreta; gest. 26.Oktober 1957 in Freiburg/Breisgau) war ein griechischer Schriftsteller, Philosoph, Zeitungskorrespondent und Übersetzer.

Leben

Nikos Kazantzakis wurde am 18.Februar 1883 in Heraklion (Iraklion) auf Kreta geboren. Als Kind erlebte er noch die Aufstände der Kreter gegen die Türkenherrschaft mit. Seine Eltern flüchteten mit ihm auf die Insel Naxos, um den blutigen Unruhen zu entgehen. Kazantzakis wurde bei französischen Mönchen eingeschult. Hier erwachte seine Liebe zur französischen Sprache. 1902 wechselte Kazantzakis auf eine Schule in Heraklion und beendete dort seine Schulzeit. Anschließend studierte er in Athen Jura. Später nahm er vorübergehend eine Professur an der rechtswissenschaftlichen Fakultät in Athen an.

Seine nächste Station war Paris, wo er sich von 1907 bis 1909 zu Studienzwecken aufhielt. Er setzte sich mit der Literatur, Religion, Philosophie und Politik seiner Zeit auseinander. Die mystisch ausgeprägte Lebensphilosophie Henri Bergsons? (1859–1941) beeinflusste ihn, Bergsons „élan vital“ („lebendige Begeisterung“) wirkte auf ihn inspirierend. Um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können, sah sich Kazantzakis zeitlebens genötigt, als Korrespondent Artikel für Zeitungen zu schreiben oder Übersetzungen ins Neugriechische anzufertigen. Unter anderem übersetzte er Goethes Faust (Teil I), Homer, Nietzsche, Dantes? „Göttliche Komödie“.

1911 heiratete Kazantzakis Galatea Alexiou, die selbst als Schriftstellerin in Heraklion arbeitete. 1926 ließen sie sich scheiden. 1945 heiratete Kazantzakis seine neue Lebensgefährtin Eleni Samiou. Sie verwaltete später den Nachlass? ihres Mannes.

Wanderungen durch Griechenland

Als Freiwilliger kämpfte K. während der beiden Balkankriege (1912–1913) in der griechischen Armee. Mit seinem Freund Angelos Sikelianos (1884–1951) unternahm er mehrere Wanderungen durch Griechenland, die ihren Niederschlag in Reisebeschreibungen fanden („Im Zauber der griechischen Landschaft“). 1914 erwanderten beide den Berg Athos und blieben dort 40 Tage in den Klöstern. Kazantzakis begann Dantes Werke und über Buddha zu lesen. Nach dem Athosaufenthalt fühlte er sich gleichsam berauscht und nannte seine Wanderung eine „Hochzeitsreise der Seele“. Er sah seine Reisen zunehmend als „Pilgerschaft“ an, wollte sein Land intensiv kennenlernen und suchte eine Verknüpfung zwischen dem antiken Griechenland und der neuen griechischen Seele zu finden. Sein Fazit: „Griechenland vermag die Verbindung zwischen Europa und Asien herzustellen.“

1919 ernannte Premierminister Elefterios Venizelos den Schriftsteller zum Leiter einer Kommission zur Repatriierung von 150 000 Griechen aus Südrussland und dem Kaukasus. Sie wurden in Mazedonien und Trazien untergebracht. Im August fuhr Kazantzakis nach Versailles und berichtete Venizelos von den Umsiedlungen. Außerdem nahm er an den Friedensverhandlungen teil.

Krankheit und Geldnot

1922 litt Kazantzakis erstmals an Gesichtsekzemen. Er ließ sich in Wien behandeln. 1952 erkrankte er zusätzlich an einer ernsten Augeninfektion; für diese Behandlung fuhr er nach Holland. Die Ekzeme entwickelten sich zu einer lymphatischen Leukämie, 1954 wurde diese Diagnose in einer Freiburger Klinik gestellt. Kazantzakis reiste wieder viel und verarbeitete seine Eindrücke in Reisetagebüchern und Artikeln für Zeitungen. Er besuchte unter anderem Russland, Spanien, Ägypten, China und Japan.

Wieder in Geldnöten, publizierte er 1930 eine zweibändige „Geschichte der russischen Literatur“ und schrieb Filmdrehbücher (1932), die allerdings kein Erfolg waren. Drei Textbücher - nach allgemeinem Urteil von minderer Qualität - stammen ebenfalls aus dieser Zeit. So versuchte Kazantzakis eine Karriere außerhalb Griechenlands zu etablieren. Er schrieb in französischer Sprache den Roman „Le Jardin des Rochers“ (1936; deutsch: „Der Felsengarten“, 1959), in dem er seine Reiseeindrücke im Fernen Osten verarbeitete.

1935 hatte K. etwas Land auf der Insel Ägina erworben. Dort richtete er sich 1936 zum ersten Mal dauerhaft ein. Sein neues Heim wurde zu seinem Refugium, besonders während der deutschen Besatzungszeit ab 1940. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte er hauptsächlich in Frankreich (Antibes). Mehr und mehr verlegte er sich aufs Romanschreiben, da er meinte, so näher an die Menschen heranzukommen als durch seine Theaterstücke.

Auf einer Chinareise 1957 brach Kazantzakis’ Krankheit erneut heftig aus. Er fuhr zurück nach Freiburg ins Krankenhaus. Aufgrund einer zusätzlichen asiatischen Grippeinfektion war sein Körper so geschwächt, dass er am 26.Oktober 1957 verstarb. Kazantzakis wurde nach Kreta überführt und auf der venezianischen Stadtmauer der „Martinengo-Bastion“ in Heraklion begraben. Auf der schlichten Grabplatte steht die von ihm selbst gewählte Inschrift in seinen Schriftzügen: „Den elpizo tipota. Den fovumai tipota. Eimai eleftheros.” (“Ich erhoffe nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei.“)

Schreiben

Nikos Kazantzakis wird als „Stimme Kretas“ bezeichnet. In seinem Roman „Freiheit oder Tod“ (1950/1953) setzte er dem kämpferischen und wilden kretischen „Palikare“ („junger Kämpfer“) ein Denkmal in der Literatur. Die Kreter waren berühmt für ihre Unbeugsamkeit gegenüber der venezianischen, der türkischen und später der deutschen Besatzung.

Kritisch setzte sich Kazantzakis mit Nietzsche und dem Christentum auseinander. Zeitweise wendete er sich dem Kommunismus zu, den er zunächst als überzeugende Philosophie ansah. 1924 wurde er Anführer einer kommunistischen Zelle der griechischen Asienflüchtlinge. Doch bald enttäuschte ihn die Realität des sowjetischen Experiments. Er suchte nach einer Synthese der unterschiedlichen Religionen und Weltanschauungen.

Im Alter neigte Kazantzakis mehr und mehr zum Buddhismus, dem seiner Ansicht nach der Spannungsausgleich im Leben am besten zu gelingen schien. In seinem philosophischen Credo „Askititi“ („Rettet Gott“. 1927/1928) suchte er den Kommunismus mit dem Buddhismus zu versöhnen. Das Theaterstück „Buddha“ (1943) enthält gewissermaßen sein Lebensfazit: dass es das beste sei, den Dingen ihren Lauf zu lassen. Damit war für Kazantzakis seine Suche nach Harmonie des Lebens, nach Läuterung, sein Streben nach Überwindung der dunklen Seite im Menschen beendet. Er selbst sah dieses Werk als seinen „Schwanengesang?“ an.

In mächtigen Bildern und einer wortgewaltigen Sprache, die an Homer erinnert, schrieb Kazantzakis viele Romane und Theaterstücke. Dabei war er eher ein Philosoph als ein Dichter. In einer Tagebuchaufzeichnung von 1915 nannte er als seine Lehrer Homer, Dante? und Bergson. Er „reinigte“ („katarevusa“) das Neugriechische vom byzantinischen Ballast und machte das Volksgriechische literaturfähig. Mehrfach wurde er für den Nobelpreis vorgeschlagen, der ihm aber versagt blieb. Als einzigen Preis erhielt Kazantzakis am 28. Juni 1956 den Internationalen Friedenspreis in Wien.

Kazantzakis' bewegtes, unruhiges Leben war geprägt von Leiden, Zweifeln und der Suche nach Gott, Harmonie. Noch 1936 klagte er, er habe ein „Herz, das sich im leeren Raum sucht und sich verliert“. Bezeichnend für seine eigenen „Irrfahrten“ ist sein Hauptwerk „Odyssee“ (1938), an dem er dreizehn Jahre lang arbeitete. Es versteht sich als moderne Fortsetzung der „Odyssee“ von Homer. Kazantzakis’ Epos umfasst 24 Gesänge? in 33 333 Versen.

Seinen literarischen Durchbruch und Weltgeltung erlangte Kazantzakis mit seinem Roman „Alexis Sorbas“ (1946), der mit Anthony Quinn in der Hauptrolle und der Musik von Mikis Theodorakis erfolgreich verfilmt wurde (1964). Ab 1952 wurden seine Romane in Großbritannien, Norwegen, Schweden, Finnland, Holland, Dänemark und Deutschland veröffentlicht – nur nicht in Griechenland. Die griechisch-orthodoxe Kirche beobachtete Kazantzakis Arbeiten mit Misstrauen. Sie erwog strafrechtliche Maßnahmen (1953) gegen viele Seiten des Romans „Freiheit oder Tod“ und bezeichnete das gesamte Buch „Die letzte Versuchung“ als Sakrileg. Papst Pius XII. setzte dieses Werk auf den katholischen Index der verbotenen Bücher. In „Die letzte Versuchung“ setzte sich Kazantzakis mit dem Religiösen auseinander.

Nikos Kazantzakis änderte seine Arbeiten häufig und schrieb verschiedene Fassungen seiner Werke. Dies gilt etwa für „Odyssee“, „Askititi“ und die Prometheus-Trilogie?.

Übrigens

Der Hauptflughafen im kretischen Heraklion ist nach Nikos Kazantzakis benannt.

Auszeichnungen

  • 1956 Internationaler Friedenspreis des Weltfriedensrates

Werke (Auswahl)

  • Werke von Nikos Kazantzakis bei Jokers
  • Askititi („Rettet Gott“) (1927; 1928 mit geändertem Schluss)
  • Le Jardin des Rochers („ Der Felsengarten“) (1936)
  • Odyssee (1938)
  • Buddha (1943)
  • Alexis Sorbas (1946)
  • Brudermörder (1949)
  • Freiheit oder Tod (1950/1953)
  • Die letzte Versuchung (1951/1955)
  • Griechische Passion (1954)
  • Mein Franz von Assisi (1956)
  • Rechenschaft vor El Greco (posthum 1961)

Sekundärliteratur

  • Bien, Peter: Kazantzakis. Politics of the Spirit. Princton University Press 1990
  • Gallas, Klaus: Kreta. Köln 1975
  • Pongs, Hermann: Das kleine Lexikon der Weltliteratur. Bensheim 1976
  • Rosenthal-Kamarinea, Isodora (Hg.): Nikos Kazantzakis. Im Zauber der griechischen Landschaft. München 1984

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