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Reiseliteratur

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Reiseliteratur handelt fiktiv oder in Sach-? bzw. Ratgeberform vom Reisen und von Reiseerlebnissen. Sie hat den Zweck, zu informieren oder zu unterhalten. Bei erzählender Reiseliteratur kann sich in einem weiteren Sinne auch um das Leben und die Entwicklung von Figuren an einem bestimmten Ort oder in einer bestimmten Welt handeln. Zur Reiseliteratur gehören unter anderem der Reiseführer und -bericht, der Reiseroman und die Reisefiktion.

Foto: Rainer Sturm / Pixelio.de

Reisebericht

Der Reisebericht wird vom Autor bereits während der Reise verfasst, das geschieht meist in Form eines Tagebuchs. Nach der Reise werden die erlebten Momente in einem Bericht? erzählt. Die Form des Berichts verhindert jegliche fiktionale Dimension. Meist erfolgt die Gliederung? des Reiseberichts nach der tatsächlichen Reiseroute des Autors. Diese Form der Reiseliteratur hat nicht zur Aufgabe, Fakten über das erkundete Land, oder die Route zu liefern, obwohl sie auch Gegenstand des Berichts sein können. Vielmehr gibt der Reisebericht Auskunft über die Besonderheiten der Reise des Autors und seiner Erfahrungen.

Der Leser hat die Möglichkeit, den Autor direkt auf seiner Reise zu begleiten - auch dann, wenn einige Jahre zwischen dem Lesen und der wirklichen Reise vergangen sein sollten. Der Leser ist der unsichtbare Schatten des Autors und lernt ein Land oder eine Route an der Seite des wirklich Erlebenden kennen. So können wir zum Beispiel heute noch Goethe in seinem Werk? „Italienische Reise“ nach Neapel begleiten. Exotischere Ziele werden uns heute von National Geographic? in verschiedenen Sprachen vorgeschlagen.

Der Reisebericht kann unter anderem dazu dienen, eine eigene Reise vorzubereiten. Er ist oft, neben dem Reiseführer, eine zusätzliche Quelle authentischer Eindrücke, die dem Land, der Region oder der Route neben der sterilen Fachliteratur? eine wirkliche Dimension gibt.

Reiseroman

Der Reiseroman gehört der Fiktion an. Die Figuren des Romans reisen in der wirklichen Welt, durch Städte und Landschaften, die tatsächlich existieren. Oft verliert sich der Autor in detaillierten Beschreibungen?, die dem Leser einen Eindruck der Reise geben sollen.

Die bekanntesten Beispiele dafür befinden sich in den Werken von Victor Hugo?, der dem Leser historische Präzisionen und genaue Wegbeschreibungen von Paris gibt. In „Les Misérables - Die Elenden“ finden sich viele solcher Indizien, die sich aber zum Teil mit der Reisefiktion verbinden.

Der Reiseroman beschäftigt sich weniger mit der Beschreibung? eines Landes, einer Region oder einer Stadt als mit den Erlebnissen der Protagonisten. Oft wird die Reise als Entwicklungsmöglichkeit für den Protagonisten gesehen. Die Figur reift durch ihre Erlebnisse und verändert sich etappenweise. Die Reise oder der Hintergrund eines bestimmten Ortes kann auch zur Untermalung des Erlebten dienen. Bestimmte Ereignisse können sich nur an bestimmten Orten abspielen. Ein Beispiel dafür ist Patrick Süskinds? „Das Parfüm“. Die Gestalt Grenouille kann sich in seiner Art nur mittels eine Reise durch verschiedene Orte entwickeln. Seine Reise stellt nicht nur Etappen seines Wissenstandes dar, sondern auch seiner persönlichen Entwicklung.

Einige Reiseromane in der Ich-Perspektive machen es uns schwer zu entscheiden, ob der Roman autobiografisch ist oder doch größtenteils der Fiktion entspringt. Dies trifft vor allem auf Autoren zu, die in ein Land immigriert sind und nun eine Reise in das ursprüngliche Heimatland beschreiben. Malika Mokeddem? in „L’interdite“ zum Beispiel verwischt die Grenzen zwischen purer Fiktion und autobiographischen Erlebnissen.

Reisefiktion

Im Gegensatz zum Reiseroman beschreibt die Reisefiktion eine Reise durch ein imaginäres Land oder eine imaginäre Stadt. Einer der bekanntesten Autoren ist Jules Verne? mit „20.000 Meilen unter dem Meer“. Reisefiktionen finden wir vor allem in der Science-Fiction, so wie es das Beispiel von Stephen Kings „Der dunkle Turm“ zeigt.

Diese fiktionalen Reisen dienen dazu, der Wirklichkeit zu entfliehen und ein „Woanders“ herzustellen. Die Flucht aus der Realität kann verschiedene Gründe haben. Einerseits kann es sich darum handeln, eine Utopie zu schaffen, in der alles besser ist. Andererseits kann es sich aber auch um das genaue Gegenteil handeln und eine Welt wird geschaffen, die die Unsrige wie das Paradies erscheinen lässt.

Die fiktionalen Reisen interessieren sich gleichermaßen für die im Buch erschaffene Welt wie für die Erlebnisse der Protagonisten. Das eine kann ohne das andere nicht existieren. Es handelt sich um ein homogenes Bild. Ohne die Welt im Erdinneren könnte es einen Kapitän wie Nemo nicht geben. Er hätte keinen Grund zu existieren. In der Reisefiktion stehen die Protagonisten in unmittelbarer Verbindung zu der fiktiven Welt.

Beispiele aus der Literatur

  • Reise-Bücher bei Jokers

Reisebericht

  • Staden, Hans: Wahrhaftige Historia und beschreibung eyner Landtschafft der Wilden Nacketen, Grimmigen Menschfresser-Leuthen in der Newenwelt America gelegen. 1557
  • Goethe, Johann Wolfgang: Italienische Reise. Fischer (Tb.), Frankfurt 2009
  • Farovik, Tor: Indien und seine tausend Gesichter. Malik National Geographic, München 2006
  • Bücher von Hans Staden bei Jokers
  • Bücher von Johann Wolfgang von Goethe bei Jokers
  • Bücher von Tor Farovik bei Jokers

Reiseroman

  • Hugo, Victor: Les Misérables - Die Elenden. Aufbau (Tb.), Berlin 2008, ISBN: 978-3746617008
  • Mokeddem, Malika : L’interdite. Livre de Poche, 2007
  • Süskind, Patrick: Das Parfüm. Diogenes Verlag, Zürich 1994, ISBN: 978-3257228007
  • Bücher von Victor Hugo bei Jokers
  • Bücher von Malika Mokeddem bei Jokers
  • Bücher von Patrick Süskind bei Jokers

Reisefiktion

  • Verne, Jules: 20.000 Meilen unter dem Meer. Fischer (Tb.), Frankfurt 2003, ISBN: 978-3596157143
  • King, Stephen: Der dunkle Turm. Heyne Verlag, München 2003, ISBN: 978-3453875579
  • Bücher von Jules Verne bei Jokers
  • Bücher von Stephen King bei Jokers

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