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Leppin, Paul

Paul Leppin (geb. 27. November 1878 in Prag; gest. 10. April 1945 in Prag) war ein deutschsprachiger Erzähler, Lyriker? und Dramatiker?.

Leben und Schreiben

Paul Leppin wurde am 27. November 1878 in Prag geboren, wo er in einfachen Verhältnissen aufwuchs. Am Prager Stephansgymnasium machte er das Abitur. Aus Geldmangel konnte er nicht die Universität besuchen. Er trat 1897 in den Dienst der Post- und Telegraphendirektion, aus dem er im Alter von 50 Jahren wegen Krankheit wieder ausschied. Kurz darauf wurde er pensioniert.

In der Zeit um die Jahrhundertwende war Paul Leppin der Wortführer der „Frühlings-Generation“?. Die „Frühlings-Generation“ war ein loser Zusammenschluss junger Prager Dichter, die durch ihr anti-bürgerliches Lebensgefühl verbunden waren. Ihr Protest kam in lasziven Erzählungen, Gedichten und Bänkelliedern? zum Ausdruck. Die konservative Literaturkritik um Hugo Salus? und Friedrich Adler? warf den Jungen Pornographie? vor. Mit der Herausgabe? der lyrischen Flugblätter? „Frühling“? bot Paul Leppin der jungen Prager Boheme eine publizistische? Plattform. Oskar Wiener?, Stefan Zweig und Rainer Maria Rilke veröffentlichten hier Beiträge.

Im Alter von 23 Jahren legte Paul Leppin sein Romandebüt? „Die Thüren des Lebens“ (1901) vor. Der Roman spielt im Dirnenmilieu. Das Bordell erscheint als ein Ort, der den vom Alltag ermüdeten Menschen die Flucht in das wahre Leben ermöglicht. 1905 folgte Leppins Roman „Daniel Jesus“, in dem er die Geschichte eines verzweifelten Menschen erzählt, der in den Zwiespalt von Geist und Sexualität geraten ist und daran zu Grunde geht. Der Kritiker Arthur Eloesser? schrieb in der „Neuen Rundschau“?, dass er selten ein widerlicheres Buch in den Händen gehalten habe. Else Lasker-Schüler war begeistert. Sie hatte auch Anteil daran, dass Herwarth Walden? 1910 den Roman in seiner avantgardistischen? Literaturzeitschrift? „Der Sturm“? noch einmal abdruckte. Nach dem Ersten Weltkrieg erschien im Wiener Verlag Ed. Strache? eine Neuauflage von „Daniel Jesus“, deren Umschlagzeichnung? Alfred Kubin? besorgt hatte.

1914 erschien Paul Leppins zweiter Roman „Severins Gang in die Finsternis“. Die Hauptfigur ist der Büroangestellte Severin, der nach Dienstschluss durch das nächtliche Prag streift. Er geht die Moldau entlang, überquert Brücken und ist in engen Gassen unterwegs – dabei ist er immer auf der Suche nach einer Liebschaft. Am Ende des Romans hält Severin eine Bombe in der Hand. 1918 veröffentlichte der Deutsch-Österreichische Verlag? Paul Leppins Roman „Hüter der Freude“, in dem er das Leben der jungen Prager Literaten? schildert. Obwohl „Severins Gang in die Finsternis“ und „Hüter der Freude“ zur Zeit des Ersten Weltkriegs publiziert wurden, hat sich das aktuelle Zeitgeschehen nicht in den Romanen niedergeschlagen. Sie sind das literarische Zeugnis einer Epoche, die mit dem Ersten Weltkrieg zu Ende ging.

In den Zwanziger Jahren erschien von Paul Leppin die populärwissenschaftliche Studie? „Venus auf Abwegen. Zur Kulturgeschichte der Erotik“ (1920), der Novellenband „Das Paradies der Andern“ (1920) und das Theaterstück „Der blaue Zirkus“ (1928). Außerdem schrieb er den Roman „Blaugast“, der postum 1984 veröffentlicht wurde. „Blaugast“ ist der Roman eines Mannes, der von seiner sexuellen Besessenheit gepeinigt wird.

Zu offiziellen Ehren gelangte Paul Leppin 1934 mit der Verleihung des Schiller-Gedächtnispreises?. 1938 erhielt er zu seinem 60. Geburtstag die Ehrengabe für Schriftsteller? vom tschechoslowakischen Kultusministerium.

Den Höhepunkt seiner literarischen Laufbahn erreichte Paul Leppin mit dem Prosaband „Frühling um 1900“ (1936) und der zweibändigen Ausgabe? „Prager Rhapsodie“(1938), zu der Stefan Zweig das Vorwort? verfasste.

Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Prag wurde Paul Leppin verhaftet, interniert und nach einer Woche wieder freigelassen. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits ein von der Syphilis gezeichneter Mann. 1944 erlitt er einen Schlaganfall und war fortan an den Rollstuhl gefesselt.

Paul Leppin starb am 10. April 1945 in Prag.

Übrigens ...

Paul Leppins Schauspiel „Der blaue Zirkus“ wurde 1924 an der Kleinen Bühne des Neuen Deutschen Theaters in Prag uraufgeführt?. Die Resonanz war gering. Ein Erfolg wurde das Stück erst in der tschechischen Übersetzung, die 1925 in der Prager Komedia mehr als 40 Aufführungen erlebte.

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

  • Alt-Prager Spaziergänge. Ravensburg, P. Selinka Verlag 1990, ISBN: 978-3926532268
  • Daniel Jesus. Berlin, Elfenbein Verlag 2001, ISBN: 978-3932245473
  • Hüter der Freude. Zürich, SSI 2007, ISBN: 978-3952117231
  • Prager Rhapsodie. Kleine Prosa und Poesie. Prag, Vitalis Verlag 2003, ISBN: 978-3899190298
  • Severins Gang in die Finsternis. Ein Prager Gespensterroman. Ravensburg, P. Selinka Verlag 1988, ISBN: 978-3926532138

Hörspiele

Sekundärliteratur

Links


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