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Schulze, Ingo

Ingo Schulze (geb. am 15. Dezember 1962 in Dresden) ist ein deutschsprachiger Schriftsteller in Berlin. Er erhielt den Preis der Leipziger Buchmesse 2007. Für seine Romane und Erzählungen, die unter anderem in Jena und Altenburg spielen, wurden ihm 2007 außerdem der Thüringer Literaturpreis? und der Preis der Leipziger Buchmesse verliehen.

Leben

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Ingo Schulze wurde am 15. 12. 1962 in Dresden geboren. Seine Mutter, Dr. Christa Schulze, arbeitete als Ärztin und sein Vater, Prof. Dr. Werner Schulze, war als Physiker tätig. Durch die Scheidung seiner Eltern wuchs Ingo Schulze seit seinem zweiten Lebensjahr als Einzelkind bei seiner nun alleinerziehenden Mutter auf.

Nach dem Abitur 1981 und dem 18monatigem Grundwehrdienst in der Nationalen Volksarmee in Oranienburg studierte er von 1983 bis 1988 klassische Philologie (Altgriechisch, Latein) in Kombination mit Germanistik und Kunstgeschichte in Jena. Anschließend arbeitete bis 1990 als Schauspieldramaturg? am Landestheater Altenburg in Thüringen. Hier zeichnete er sowohl für kleine Märchenstücke, einige Komödien aber auch für ernstere Werke wie beispielsweise "Die Richtstadt" verantwortlich.

1990 bis 1992 leitete er die selbstgegründeten Anzeigenblätter "Altenburger Wochenblatt" und "Anzeiger". Während seines halbjährigen Aufenthaltes von Januar bis Juli 1993 in St. Petersburg baute er das ähnliche kostenlose Blatt “Priwet Peterburg" auf. Im September 1993 siedelte Ingo Schulze nach Berlin über. Hier lebt er seitdem mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern und arbeitet als freier Autor.

1996 wechselte er seinen Aufenthaltsort von Berlin, gefördert durch ein Arbeitsstipendium der "Stiftung Kulturfonds e.V.", für ein halbes Jahr nach New York. Hier wohnte er zunächst in einem Hinterhofquartier auf der Lower Eastside und später dann in einem Appartement auf der Upper Westside, die als Zentrum für etablierte Künstler und Intellektuelle gilt.

Ingo Schulze ist seit 2006 Mitglied der Berliner Akademie der Künste. Seit 2007 ist er außerdem Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt.

Eine kontroverse Diskussion entfachte Ingo Schulzes Reaktion auf seine Auszeichnung mit dem Thüringer Literaturpreis? 2007. Gegenüber dem MDR sowie in seiner Dankesrede zur Preisverleihung brachte er sein Unbehagen darüber zum Ausdruck, dass der Thüringer Literaturpreis von der "E.ON Thüringer Energie AG" gestiftet worden ist. Es gehe ihm dabei nicht um das Unternehmen an sich, sondern vielmehr darum, dass sich der Staat mehr und mehr aus der Verantwortung für den Kulturbetrieb zurückziehe und somit der Wirtschaft zunehmenden Einfluss gewähre. Er nehme eine "Tendenz zur Re-Feudalisierung des Kulturbetriebes" und zu einer "allgemeinen Privatisierung und damit Ökonomisierung aller Lebensbereiche" wahr. Als Konsequenz stellte Ingo Schulze sein Preisgeld in Höhe von 6.000 Euro der Thüringer Literaturförderung zur Verfügung.

Literarische Arbeiten

Schon als Jugendlicher mit 13 Jahren hatte Ingo Schulze begonnen zu schreiben. Nach seinen Jahren als Dramaturg und Zeitungsherausgeber etablierte er sich Mitte der 1990er-Jahre als freiberuflicher Autor.

"33 Augenblicke des Glücks" (1995)

1995 erschien "33 Augenblicke des Glücks". Der Roman setzt sich aus 33 Erzählungen zusammen, die auf den in St. Petersburg gesammelten Eindrücken basieren. Für seinen Erstling erhielt Ingo Schulze mehrere literarische Preise (siehe unten).

"Simple Storys. Ein Roman aus der ostdeutschen Provinz" (1998)

1998 veröffentlichte Ingo Schulze seinen zweiten Roman, "Simple Storys. Ein Roman aus der ostdeutschen Provinz". Schulze schildert darin alltägliche Ereignisse aus dem Leben einiger Menschen in Altenburg. Hinter dieser unspektakulären Fassade werden die dramatischen Brüche deutlich, die sich nach der Wende und der Wiedervereinigung durch die Biografien vieler Ostdeutscher ziehen. So verteilt etwa ein Mann im Taucheranzug und auf Schwimmflossen in der Altenburger Fußgängerzone Flyer für ein Fischrestaurant und wird dabei von einem Passanten verprügelt, ein vor kurzem noch widerständiger Lehrer bekommt einen Herzinfarkt, der Schuldirektor verliert seine Arbeitsstelle und dreht durch, und ein kubanischer Taxifahrer wird auf offener Straße niedergestochen.

Die Episoden erscheinen zunächst miteinander unverbunden - mit fortschreitender Lektüre offenbart sich jedoch ein innerer Zusammenhang. Jeder Geschichte hat Schulze bewusst antiquierte Inhaltsangaben vorangestellt. Das Buch erinnerte die Rezensenten wegen seines knapperen, härteren Stils an die Schreibweise amerikanischer Autoren? - Schulze hatte 1996 ein halbes Jahr in New York verbracht. Zugleich feierte die Kritik "Simple Storys" als den lang ersehnten Wenderoman? - eine Einschätzung, die seither noch anderen Werken anderer Autoren zuteil werden sollte.

"Neue Leben" (2005)

2005 erschien "Neue Leben. Die Jugend Enrico Türmers in Briefen und Prosa, herausgegeben, kommentiert und mit einem Vorwort versehen von Ingo Schulze", ein 800-seitiger Briefroman?, der wiederum als Wendeliteratur? gefeiert wurde.

Im Mittelpunkt steht der Theatermann, Schriftsteller und Zeitungsmann Enrico Türmer, der zu Beginn der 1990er-Jahre in Briefen über seine Kindheit und Jugend, über seine NVA-Zeit und seinen weiteren Werdegang berichtet: Vom Pseudo-Schriftsteller, der vor der Misere der ostdeutschen Provinz ins Schreiben flüchtet, wandelt sich Türmer nach der Wende vom Ostalgiker zum Erzkapitalisten und baut, ausgehend von einem kleinen Anzeigenblättchen, ein zeitweiliges Medienimperium auf. Dabei steht ihm ein schillernder, regelrecht teuflischer Geschäftsmann zur Seite, weshalb die Kritik in Türmer schon mal den neuen "Dr. Faustus" erkannte.

Als Türmers Imperium zusammenbricht, "türmt" der Bankrotteur. Doch er hinterlässt seine Briefe, die Ingo Schulze als fiktiver Herausgeber? mit Fußnoten? und einem Anhang? aus angeblich verworfenen Texten ausstattet.

"Handy - Dreizehn Geschichten in alter Manier" (2007)

In seinem 2007 erschienenen Erzählband "Handy - Dreizehn Geschichten in alter Manier" kehrte Ingo Schulze zur episodischen Form zurück. Die Geschichten spielen an verschiedensten Orten - etwa in einem estnischen Schriftstellerheim?, einer Datscha bei Berlin oder in einem Friseursalon in Manhattan.

Schulzes Protagonisten stehen zwischen Abschied und Aufbruch. Ihre selbstgewählten Fluchtorte sind diffus bedroht, das scheinbare Gleichmaß ihrer Existenzen lässt sich schon durch Kleinigkeiten erschüttern. Und doch scheint inmitten dieser alltäglichen Unsicherheit immer wieder so etwas wie Glück auf. Für diesen Erzählband erhielt Ingo Schulze den Preis der Leipziger Buchmesse 2007.

"Adam und Evelyn" (2008)

2008 erschien der Roman "Adam und Evelyn" - die Geschichte eines DDR-Paares, das im Spätsommer 1989 wegen der andauernden Untreue des Mannes, eines Damenschneiders, und der daraus folgenden Beziehungskrise nach Ungarn reist und dort mit der Frage konfrontiert wird: Gehen oder bleiben? Die Namen der Protagonisten verraten bereits, dass Ingo Schulze in diesem Buch die menschliche Urgeschichte von Verbot und Verlockung und von der Suche nach dem gefährdeten Paradies neu erzählen will. Ein Rezensent sah in diesem Roman ein "groß gedachtes und konstruiertes Wendeepos?", ähnlich wie zuvor "Neue Leben". Makellosigkeit bescheinigte ihm ein anderer Rezensent. Ein dritter hingegen kritisierte den großen Anteil an Dialogen, der zu einem geradezu "plappernden Personal" führe.

"Orangen und Engel" (2010)

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Im Jahr 2007 lebte Ingo Schulze mit seiner Familie für ein Jahr in der Villa Massimo? in Rom. Drei Jahre später erschienen neun Erzählungen, die alle in Italien spielen. Der Ich-Erzähler, der erkennbar einem deutschen Stipendiaten der Villa Massimo ähneln möchte, berichtet von Rom, von Reisen nach Neapel, Apulien und Sizilien. Doch in seine Schwärmereien von Tempeln, Kirchen, Fresken und Bildern mischen sich andere Eindrücke: diejenigen von illegalen Einwanderern, Prostituierten und Touristen. Der heutige Alltag Italiens und die mythische Vergangenheit verbinden sich in diesem Buch, das zudem 48 Farbfotografien von Matthias Hoch enthält.

Übrigens ...

An seinem Briefroman "Neue Leben" schrieb Ingo Schulze sieben Jahre lang. Entsprechend gespannt wurde das opulente Werk schließlich erwartet.

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Ingo Schulze bei Jokers
  • Simple Storys. Ein Roman aus der ostdeutschen Provinz, München, Deutscher Taschenbuch Verlag 1999, ISBN: 978-3423127028
  • Universalmaschine. Zeitgrenzen (gemeinsam mit Ludger Schwarte und Silke Schauder), Berlin, VWF Verlag für Wissenschaft und Forschung 1999, ISBN: 978-3897001121
  • Von Nasen, Faxen und Ariadnefäden (gemeinsam mit Helmar Penndorf), Berlin, Friedenauer Presse 2000, ISBN: 978-3932109164
  • Mr. Neitherkorn und das Schicksal, Berlin, Literaturhaus Berlin 2002, ISBN: 978-3926433251
  • Osmar Osten. Künstler aller Länder vereinigt euch! (Ingo Schulze und Osmar Osten), Bern, Gachnang & Springer 2003, ISBN: 978-3906127705
  • 33 Augenblicke des Glücks. Aus den abenteuerlichen Aufzeichnungen der Deutschen in Piter, Berlin, Berliner Taschenbuch Verlag 2003, ISBN: 978-3833300714
  • Transeuropalauf 2003. Lissabon - Moskau 5036 km in 64 Tagesetappen, Leipzig, Engelsdorfer Verlag 2004, ISBN: 978-3937290713
  • Neue Leben. Die Jugend Enrico Türmers in Briefen und Prosa, herausgegeben, kommentiert und mit einem Vorwort versehen von Ingo Schulze, Berlin, Berlin Verlag 2005, ISBN: 978-3827000521
  • Handy - Dreizehn Geschichten in alter Manier, Berlin, Berlin Verlag 2007, ISBN: 978-3827007209
  • Adam und Evelyn, Berlin Verlag, Berlin 2008, ISBN: 978-3827008107
  • Orangen und Engel. Italienische Skizzen, Berlin Verlag, Berlin 2010, ISBN: 978-3827009166

Hörbücher (Auswahl)

  • Simple Storys (7 Hörkassetten), Steinbach Sprechende Bücher, Schwäbisch Hall 1998, ISBN-13: 978-3886984756
  • 33 Augenblicke des Glücks (2 CD´s), Der Audio Verlag, Berlin 2003, ISBN-13: 978-3898132558
  • Neue Leben (6 CD´s), Autorenlesung, Der Audio Verlag, Berlin 2006, ISBN-13: 978-3898135108
  • Handy (3 CD´s), Der Audio Verlag, Berlin 2007, ISBN-13: 978-3898136242

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