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Singer, Isaac Bashevis

Isaac Bashevis Singer, eigentlich Isaac Hersch Zynger, war ein jüdisch-polnisch-amerikanischer Schriftsteller. Er wurde 1978 mit dem Literaturnobelpreis für sein Gesamtwerk ausgezeichnet. Damit ist er der erste jiddische Schriftsteller, der mit diesem Preis ausgezeichnet wurde.

Leben

Isaac Bashevis Singer wurde als Isaac Hersch Zynger in Leoncin, einem kleinen Dorf in der Nähe von Warschau geboren. Sein Vater Pinchos Menachem Zynger war Rabbiner im hauptsächlich von Juden bewohnten Leoncin. Singer selbst gab später den 14. Juli 1904 als seinen Geburtstag an, jedoch ist dieses Datum nicht verbürgt. Es gibt auch Meinungen, nach denen er bereits am 21. November 1902 geboren wurde. Sein 100. Geburtstag wurde in der Literaturwelt aber weitgehend einheitlich am 14. Juli 2004 gefeiert.

Im Jahr 1907 verließ die Familie Leoncin und zog an den Hof eines chassidischen Rabbiners in Radzymin, bevor sie ein Jahr später in ein jüdisches Viertel nach Warschau zog. Kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs trennte sich die Familie aufgrund der überaus schlechten wirtschaftlichen Lage. Isaac Singer zog mit seiner Mutter Batsheva und seinem jüngeren Bruder Mosche nach Bilgoraj in der Nähe von Lublin. In dieser Kleinstadt lernte er die traditionelle Lebensform polnischer Juden kennen, das sogenannte Schtetl (deutsch: Städtlein). Singer selbst sagte einmal: „Ich fand einen Schatz. Ich hatte die Chance unsere Vergangenheit zu sehen, wie sie wirklich war. Ich lebte jüdische Geschichte.“

Isaac Singer kehrte 1921 nach Warschau zurück und begann am Tachkemoni-Seminar eine Ausbildung zum Rabbiner, die er jedoch nach nur einem Jahr abbrach, um wiederum zurück in die Provinz zu gehen. Sein älterer Bruder Israel Joshua Singer? (18931944), ebenfalls ein bekannter jiddischer Autor, verhalf ihm 1923 zu einer Stelle als Korrektor bei einer jiddischen Zeitung? in Warschau. In dieser Zeit begann Singer selbst auch mit dem Schreiben. Um Verwechslungen mit seinem älteren Bruder vorzubeugen, unterzeichnete er seine Texte mit „Bashevis“, in Anlehnung an den Namen seiner Mutter Batsheva.

Nach seinem literarischen Debüt in der jiddischen Zeitschrift? „Literarisze Bleter“ verfasste Singer Literaturkritiken und war auch als Übersetzer tätig, unter anderem von Erich Maria Remarque und Thomas Mann. Sein erster Roman „Satan in Goraj“ erschien 1935 in Fortsetzungen in der jüdischen Zeitung „Globus“. Im selben Jahr konnte Singer mithilfe seines Bruders Israel, der 1933 nach Amerika gegangen war, ebenfalls in die USA auswandern.

Zu Beginn war es für Singer schwer, sich in seiner neuen Heimat zu etablieren und er stürzte in eine tiefe persönliche Krise. Diese Erfahrungen verarbeitete er in seinem autobiographischen Roman „Verloren in Amerika“. In den USA heiratete er am 14. Februar Alma Haimann. Im selben Jahr begann er als Redakteur? beim New Yorker „Jewish Daily Forward“ (jiddisch: „Forverts“) zu arbeiten. Dieser Zeitung sollte Singer über ein halbes Jahrhundert hinweg treu bleiben. Die meisten seiner jiddischen Erzählungen, Novellen und Romane wurden im „Forverts“ in Fortsetzung abgedruckt.

Singers Novelle „Die Familie Moschkat“ erschien 1950 als erstes seiner Werke in englischer Übersetzung. Für dieses Buch verwendete er zum ersten Mal den Namen „Isaac Bashevis Singer“, vorher hatte er nur unter dem Pseudonym „Bashevis“ geschrieben. Dieser Übersetzung folgten im Laufe der Zeit viele weitere, die Singer international bekannt machten. In den folgenden Jahren lebte Singer in den USA - seit 1943 war er amerikanischer Staatsbürger - und veröffentlichte weiterhin Texte im „Forverts“ und brache englische und andere Übersetzungen seiner Werke heraus.

Im Jahr 1974 wurde ihm der National Book Award? für seinen Roman „Feinde, die Geschichte einer Liebe“ verliehen, der später auch verfilmt wurde. Vier Jahre später erhielt er als größte Auszeichnung den Nobelpreis für Literatur für sein Gesamtwerk. Nach Angaben der schwedischen Akademie wurde der Preis aber auch zur Ehrenrettung des Jiddischen vergeben, einer aussterbenden Sprache.

Isaac Bashevis Singer starb am 24. Juli 1991 in Miami, Florida.

Schreiben

Das Besondere an Singers Literatur war und ist sicherlich die Tatsache, dass er ausschließlich auf Jiddisch schrieb und seine Bücher zum Teil erst relativ spät ins Englische und andere Sprachen übertragen wurden. Für Singer aber war es selbstverständlich, auf Jiddisch zu schreiben:

„Man fregt mich oft, für wos schreibste jiddisch? A für wo soll ich nicht schreiben jiddisch? Soll ich besser schreiben türkisch oder chinesisch? Meine Eltern, mein Tate und Mame, haben beide geredt jiddisch. Dos is mei Sprach. In dosike Sprach will ich gewinnen oder verlieren.“

Eng mit der jiddischen Sprache sind auch Singers Themen verbunden. Sein Werk beschäftigt sich hauptsächlich mit der Welt des Judentums, die im Zweiten Weltkrieg nachhaltig zerstört wurde. Das „Schtetl“ als eine der zentralen jüdischen Lebensformen in Polen hatte er in seiner Jugend ja selbst miterlebt. Weiterhin sind seine Bücher geprägt vom Gegensatz zwischen Religion und Moderne. Durch sein konservatives, von Glaube und Tradition geprägtes Elternhaus war Singer stark in der jüdischen Mystik (Kabbala) und Ethik verwurzelt. Andererseits besaß er eine umfassende Bildung auf dem Gebiet der „modernen“ Philosophie (u.a. Spinoza und Schopenhauer), was sich in seinen Texten widerspiegelt.

Von den USA aus wirft Singer im übertragenen Sinne einen Blick zurück ins jüdische Polen und versucht, diese verlorene Welt wieder zu beleben – auf literarischer Ebene. Dabei liegt es ihm aber fern, diese Rekonstruktion durch politische oder pathetische Botschaften zu ergänzen oder zu verfälschen. Seiner Meinung nach haben Belehrungen und politische Themen in der Literatur nämlich nur wenig zu suchen: „Ich habe nie eine politische Geschichte gesehen, die beim Leser wirklich gut angekommen wäre“, so Singer.

Ein Hauptgedanke in seinen Werken ist die innere Zerrissenheit der Helden. Auf groteske? und ironische? Weise stellt er ihre inneren Spannungen dar, beschreibt ihre oft tragischen Schwierigkeiten mit den Tücken des Alltags. Geradezu tragikomisch scheint ihr Kampf gegen die Aussichts- und Ausweglosigkeit des menschlichen Daseins.

Werke (Auswahl)

Die hier angegebenen Jahreszahlen beziehen sich auf die Erstausgaben der englischen Übersetzungen. Die jiddischen Originalausgaben sind meist einige Jahre bis Jahrzehnte vorher erschienen.

  • Die Familie Moschkat. 1950
  • Der Satan in Goraj. 1955
  • Gimpel der Narr und andere Erzählungen. 1957
  • Der Zauberer von Lublin. 1960
  • Jakob der Knecht. 1962
  • Zlateh die Geiß. 1966
  • Das Landgut. 1967
  • Der Golem. 1969
  • Das Erbe. 1969
  • Feinde, die Geschichte einer Liebe. 1972
  • Verloren in Amerika. 1981
  • Jentl. 1983
  • Schatten über dem Hudson. 1998

Auszeichnungen (Auswahl)

Verfilmungen (Auswahl)

Im Jahr 1974 machte Singers Wohnungsnachbar Bruce Davidson eine Art Dokumentarfilm mit Singer in der Hauptrolle. „Herr Singers Albtraum oder Frau Pupkos Bart“ enthält jedoch auch Spielfilmszenen.

Singers Kurzgeschichte „Jentl“ wurde 1983 als „Yentl“ auf die Leinwand gebracht, in der Hauptrolle die amerikanische Schauspielerin Barbara Streisand.

Der Regisseur? Paul Mazursky verfilmte 1989 den Roman „Feinde, die Geschichte einer Liebe“, unter anderem mit Anjelica Houston und Ron Silver.

Links

Isaac Bashevis Singer im Judentum-Projekt

Portrait Singers in der ZEIT

Portrait Singers im Büchermarkt des Deutschlandradios


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