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St. Aubyn, Edward

Edward St. Aubyn (geb. 14. Januar 1960 in Cornwall) ist ein britischer Schriftsteller und Journalist. Als Verfasser von Romanen mit autobiographischem Hintergrund wurde er international bekannt.

Leben

Edward St. Aubyn wurde 1960 als Spross einer bekannten englischen Adelsfamilie geboren und wuchs in Südfrankreich und England auf. Als Kind von seinem Vater über Jahre misshandelt und sexuell missbraucht, wurde St. Aubyn - er besuchte die Westminster School sowie das Kable College der University of Oxford - bereits während seiner Schulzeit drogenabhängig. Edward St. Aubyn studierte in Oxford Anglistik. Als Verfasser von Romanen mit autobiographischem Hintergrund (die beiden ersten Bände seiner Trilogie? „Some Hope“ erschienen 1992 in Großbritannien) wurde er international bekannt.

Das schonungslose Porträt der Upper Class sowie die Offenheit, mit der St. Aubyn einräumte, in seinen Romanen selbst Erlebtes verarbeitet zu haben, sorgten für einen Skandal, der den literarischen Wert seiner Bücher zunächst völlig negierte. Erst durch die Nominierung seines sechsten Romans („Mother’s Milk“) für den Man Booker Prize? und die Verleihung des Prix Fémina Etranger änderte sich dies gänzlich. Nun wurden St. Aubyns Romane, im Ausland bislang nur in Frankreich erschienen, auch ins Deutsche, Spanische und Italienische übersetzt.

Edward St. Aubyn gilt als großer angelsächsischer Stilist und Gesellschaftsporträtist. Seine sprachliche Eleganz, sein Witz und der meisterliche Kontrast zwischen Oberflächlichkeit und Abgründigkeit, den er in seinen Dialogen? aufzeigt, machen ihn einem Oscar Wilde ebenbürtig.

Edward St. Aubyn lebt mit seiner Familie in Notting Hill, London.

Literarische Arbeiten

„Never Mind“

(1992; dt. „Schöne Verhältnisse“)

David Melrose lebt mit seiner Frau Eleanor und dem fünfjährigen Sohn Patrick in Südfrankreich. Wegen einer Erkrankung berufsunfähig, hat er sich durch die Heirat mit der reichen Amerikanerin ein Leben in Müßiggang gesichert. Seine Gefühlskälte treibt Eleanor in die Alkoholsucht. Wenig Skrupel hat er auch nach der Vergewaltigung seines kleinen Sohnes. Beim Abendessen mit Gästen zeigt David dann, was er wirklich meisterhaft beherrscht: den zynischen Schlagabtausch mit seinesgleichen und das Bestreben, andere permanent klein zu machen.

„Bad News“

(1992; dt. „Schlechte Neuigkeiten“)

Im Alter von 22 Jahren - er hat sich gerade eine ordentliche Dosis Heroin verabreicht - erhält Patrick Melrose die Nachricht vom Tod seines Vaters. Nichts hätte ihm mehr Freude machen können als das Wissen, dass der Mensch, der sein Leben vergiftet hat, nicht mehr lebt. In New York will er die Urne seines Vaters abholen. Die Kurzreise wird ein 10.000 Dollar-Trip für Drogen und Hotel, Rauschzustände wechseln mit Momenten der Klarheit, es ist die Reise ins Innere eines Suchtkranken: Nur im Drogenrausch gelingt es Patrick, sich von dem übermächtigen Vater, der gnadenlos die Schwächen der anderen attackierte, zu befreien.

„Some Hope“

(1994; dt. „Nette Aussichten“)

Patrick Melrose, inzwischen 30 Jahre alt und mittlerweile von seiner Drogensucht befreit, ist das Trauma seiner Kindheit, die Vergewaltigung durch den eigenen Vater, nie losgeworden. Hass auf seinen Erzeuger hält ihn am Leben. Bevor er der Einladung zu einer Party folgt, vertraut er sich seinem besten Freund an und kann zum ersten Mal seinen Vater als einen müden, alten Mann sehen, der sein Leben verpfuscht hat.

Sprachlich brillant, schildert St Aubyn die Kunst der Konversation, die die illustren Gäste einer Gartenparty perfekt beherrschen, die aber zugleich die Oberflächlichkeit und Gefühlskälte, die sich hinter deren sarkastischen Bonmots verstecken, schonungslos offenbaren.

„Mother’s Milk“

(2006; dt. „Muttermilch“)

Während „On the Edge“ (1998) und „A Clue to the Exit“ (2000) sich mit dem Erlösungs- und Selbstfindungsdiskurs von New-Age-Communities befassen, setzt St. Aubyn in „Mother’s Milk“ erneut Patrick Melrose in Szene, diesmal als Vater zweier Söhne. Ein Leben unter ständiger Selbstbeobachtung, das Wissen um die eigenen Erbanlagen, all das ist nur mit verstärktem Alkoholkonsum zu ertragen. Zudem hat Patricks Mutter das Anwesen in Südfrankreich einer New-Age-Stiftung vermacht. Mit seinem Roman „Muttermilch“ ist St. Aubyn ein treffliches Gegengift zu all den Wellness-Büchern, die den Markt überschwemmen, gelungen, ein Feuerwerk an Komik und Esprit, mit dem der Autor insbesondere die Fragwürdigkeiten esoterischen Denkens karikiert.

Übrigens ...

Auszeichnungen

  • 1992 Betty Trask Award „Never Mind“
  • 1998 Guardian Fiction Prize (Shortlist) „On The Edge“
  • 2006 Man Booker Prize? for Fiction (Shortlist) „Mother’s Milk“
  • 2007 Prix Fémina Etranger (Frankreich) „Mother’s Milk“
  • 2008 South Bank Show Annual Award for Literature „Mother’s Milk“

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Edward St. Aubyn bei Jokers
  • Never Mind (1992). Dt.: Schöne Verhältnisse. Übers. v. Ingo Herzke
  • Bad News (1992). Dt.: Schlechte Neuigkeiten. Übers. v. Frank Wegner
  • Some Hope (1994). Dt.: Nette Aussichten. Übers. v. Dirk van Gunsteren
  • On The Edge (1998). Dt.: Am Abgrund. Übers. v. Sabine Hübner
  • A Clue to the Exit (2000). Dt.: Ausweg. Übers. v. Dirk van Gunsteren
  • Mother’s Milk (2006). Dt.: Muttermilch. Übers. v. Dirk van Gunsteren
  • At Last (2011). Dt.: Zu guter Letzt. Übers. v. Sabine Hübner


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