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Baricco, Alessandro

Alessandro Baricco (geb. 25. Januar 1958 in Turin) ist ein italienischer Schriftsteller, Journalist? und Musikwissenschaftler. Einige seiner Bücher wurden erfolgreich verfilmt, so etwa "Seide" im Jahr 2006 mit Keira Knightley.

Leben und Schreiben

Alessandro Baricco wurde am 25. Januar 1958 in Turin geboren. Nach dem Studium der Musikwissenschaft und Philosophie war er in der Werbe- und Medienbranche tätig. Er schrieb Musikkritiken für überregionale italienische Zeitungen? und veröffentlichte zahlreiche Reportagen? in der Tageszeitung? „La Repubblica“. Als Mitarbeiter (unter anderem als Moderator) des in Italien sehr beliebten TV-Literaturmagazins „Pickwick“ feierte Baricco große Erfolge bei Kritik und Publikum.

1994 gründete Baricco zusammen mit Freunden und Kollegen in Turin die Scuola Holden, eine inzwischen auch bei ausländischen Studenten sehr angesehene Privatuniversität, an der kreatives und professionelles Schreiben unterrichtet wird. Zu den Dozenten gehören neben Baricco zahlreiche bekannte Autoren und Medienleute.

„Castelli di Rabbia“ - „Land aus Glas“ (1991)

1991 legte Baricco unter dem Titel „Castelli di Rabbia“ (dt. Land aus Glas) seinen ersten Roman vor, der im Keim bereits eine ganze Reihe von literarischen Themen und Motiven enthält, die auch für Bariccos folgende Romane und Erzählungen charakteristisch sind. Der surreale Roman, der viele Rezensenten aufgrund seines überbordenden Sprachwitzes und seiner schier nicht enden wollenden Kette von phantastischen Einfällen zu begeisterten Lobeshymnen hingerissen hat, spielt in einem fiktiven Städtchen im Europa des 19. Jahrhunderts. Protagonist ist der skurrile Dr. Rail – seines Zeichens Direktor einer florierenden Glasfabrik und immer auf Achse, immer auf Reisen rund um die ganze Welt. Jede Heimkehr kündigt er seiner bezaubernden und wunderschönen Frau Jun mit einem winzigen Päckchen an, das einen Edelstein enthält. Doch diesmal kommt alles anders: Mr. Rail hat Elisabeth im Gepäck, eine alte schnaufende Lokomotive. Denn Mr. Rail hat einen Traum: Er will eine unendliche, schnurgerade Eisenbahnlinie bauen und mit diesem Geschenk die Menschen auf der ganzen Welt glücklich machen. Mit dem Roman „Castelli di Rabbia“ gelang Baricco auf Anhieb der Durchbruch beim italienischen Publikum.

„Oceano mare“ (1996)

1993 folgte der Roman „Oceano mare“ (dt. Oceano Mare. Das Märchen vom Wesen des Meeres), der erst im Jahr 2000 in einer deutschen Übersetzung vorlag. Im Feuilleton? rief der Roman ein durchweg positives Echo hervor. Bariccos Sprache sei ein Sog, der den Leser in eine zeitlose Welt trage, urteilte das Magazin? „Stern“. Der Rezensent der „Frankfurter Rundschau“ schrieb, dass „Oceano Mare“ schlichtweg beispielhaft für postmodernes Schreiben sei und in seiner Intertextualität? und Raffiniertheit an Kundera oder Calvino erinnere.

„Seta“ - „Seide“ (1996)

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Seinen bisher größten Erfolg als Schriftsteller feierte Baricco mit seinem 1996 erschienenen dritten Roman „Seta“ (dt. Seide), der zu einem Weltbestseller avancierte und auch in Deutschland zu einem wahren Baricco-Boom führte (2006 mit Kneira Knighley verfilmt). Ähnlich surreal wie „Castelli di Rabbia“, noch etwas raffinierter als „Oceano mare“ erzählt „Seta“ auf knappen 128 Buchseiten die ungewöhnliche Liebes-, Leidens- und Lebensgeschichte des aus Südfrankreich stammenden Seidenraupenhändlers Hervé Joncour.

Lavilledieu, Frankreich. Man schreibt das Jahr 1861. Eine ungeheure Epidemie hat nahezu auf der ganzen Welt die Seidenraupenzucht dahingerafft. Um einige südfranzösische Spinnereien vor dem drohenden Untergang zu bewahren, bricht Hervé Joncour nach Japan auf. Dort lernt er den Edelmann Hara Kei kennen. Rasch bringt Hervé die Geschäfte mit Hara Kei zu einem glücklichen Abschluss – doch plötzlich, von einem Augenblick zum andern, werden alle Geschäfte und Seidenraupen dieser Welt nebensächlich. Denn Hervé, der in Frankreich eine beschauliche Ehe führt, sieht ein junges Mädchen. Stumm und zierlich, in einen durchsichtigen Seidenschal gehüllt, so liegt das Mädchen auf dem Boden – und ist versunken in das Betrachten der Füße ihres Gebieters. Es ist nur ein einziger Blick, den Hervé und das Mädchen tauschen, doch Hervé weiß sofort, dass sein Leben nie wieder so sein wrid wie früher.

Der Verlag sah in Bariccos Roman „Seta“ eine poetisch-zarte Parabel vom Glück und seiner Unerreichbarkeit. Die Zeitschrift? „Brigitte“ urteilte über den Roman, dass in dieser wunderbar leichten und zugleich melancholischen Liebesgeschichte jedes Wort stimme, jede Geste Sinn und Bedeutung habe.

„Senza sangue“ - „Ohne Blut“ (2002)

Im Jahr 1999 folgte der Roman „City“, in dem Baricco die wechselvolle und immer wieder überraschende Geschichte eines Wunderknaben namens Gould, seiner Gouvernante Shatzy und seines väterlichen Freundes und Förderers Professor Kilroy erzählt. Der „Münchner Merkur“ sah in „City“ ein abstruses Lesevergnügen. Beim Rezensenten der „Neuen Zürcher Zeitung“ hat der Roman dagegen einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Der Rezensent lobt zwar Bariccos Fähigkeit, spannende Situationen heraufzubeschwören, insgesamt bleibt ihm der Roman jedoch allzu sehr dem Banalen verhaftet.

In dem 2002 erschienenen Kurzroman „Senza sangue“ (dt. Ohne Blut) gestaltet Baricco die Themen Schuld, Sühne und Vergebung. Der Roman, der die Geschichte zweier Menschen aus einem fiktiven Kriege erzählt, wurde im Feuilleton? vorwiegend positiv besprochen und z.B. als brillante Erzählung gewürdigt, die einmal mehr die außergewöhnliche Begabung des Schriftstellers für phantasievolle, filmreife Geschichten unter Beweis stelle. Hächstens der versöhnliche Romanschluss sei vielleicht zu idealistisch gedacht.

Baricco hat für seine Bücher, von denen einige inzwischen erfolgreich verfilmt worden sind, zahlreiche Literaturpreise erhalten. Neben Romanen und Erzählungen veröffentlichte Baricco Theaterstücke („Novecento“, 1994; von Giuseppe Tornatore 1998 unter dem Titel „Die Legende vom Ozeanpianisten“ verfilmt) und mehrere musikkritische Essaybände.

„Questa storia“ - „Diese Geschichte“ (2005)

Im Jahr 1903 verkauft ein piemontesischer Bauer seine Kühe, um mit dem Geld eine Garage einzurichten. Tatsächlich verschlägt es bald auch einen Rennfahrer in die Region. Die Begegnung mit ihm verändert das Leben der Bauernfamilie, vor allem das des Sohnes Ultimo. Er ist ein Glückskind, dreimal dem Tod entronnen. Nach dem Ersten Weltkrieg reist er als Klavierverkäufer durch die amerikanische Provinz und verliebt sich in eine russische Prinzessin namens Elizaveta. Und er träumt davon, eine einzigartige Rennstrecke zu bauen. Später, viel später finden die beiden Träume - die Rennstrecke und die geliebte Frau - zu einem einzigen zusammen ... Ein Rezensent bescheningte dem Buch Schwung, aber zu wenig Bodenhaftung, das heißt: einen Mangel an epischer Entfaltung.

Alessandro Baricco lebt in Turin.

Übrigens ...

hat Alessandro Baricco im Jahr 2003 mit der französischen Pop-Band „Air“ zusammen gearbeitet.

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Alessandro Baricco bei Jokers
  • Land aus Glas (OA: Castelli di rabbia, 1991). Dt. EA 1998. München, Dtv 2006, ISBN: 978-3423134477
  • Hegels Seele oder die Kühe von Wisconsin. Nachdenken über Musik (OA: L´anima di Hegel e le mucche del Wisconsin, 1992). Dt. EA 2000. München, Dtv 2006, ISBN: 978-3423134903
  • Oceano Mare. Das Märchen vom Wesen des Meeres (OA: Oceane Mare, 1993). Dt. EA 2000. München, Dtv 2007, ISBN: 978-3423135337
  • Novecento. Die Legende vom Ozeanpianisten (OA: Novecento, 1994). Dt. EA 1999. München, Dtv 2006, ISBN: 978-3423134576
  • Seide (OA: Seta, 1996). Dt. EA 1997. München, Dtv 2005, ISBN: 978-3423133357
  • City (OA: City, 1999). Dt. EA 2000. München, Dtv 2002, ISBN: 978-3423130011
  • Ohne Blut (OA: Senza Sangue, 2002). Dt. EA 2003. München, Dtv 2006, ISBN: 978-3423134163
  • Diese Geschichte (OA: Questa Storia Fandango, 2005). Dt. EA 2008. München, Hanser 2008, ISBN: 978-3446209183

Hörbücher

  • Novecento. Die Legende vom Ozeanpianisten. 2 CDs. Steinbach Sprechende Bücher 2000, ISBN: 978-3886984893
  • Ohne Blut. 2 CDs. Steinbach Sprechende Bücher 2004, ISBN: 978-3886986934
  • Seide. 2 CDs. Steinbach Sprechende Bücher 1997, ISBN: 978-3886984268

Sekundärliteratur

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