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Der Fälscher

von
Clifford Irving

Was ist das nur für ein Buch? Mannomann! Kaum aus den Händen gelegt, um nach den vielen gelesenen Seiten meinen Augen eine wohlverdiente Lesepause zu gönnen und/oder mich der allzu lästigen Hausarbeit zu widmen, drängte es mich wie einen Magneten immer wieder zum Lesestoff, zum Buch „Der Fälscher“ zurück.

Hier beschreibt der Autor, Clifford Irving?, mit verblüffend kenntnisreichen Details, einen authentischen Fall eines groß und mit viel Chuzpe angelegten Schwindels eines Mannes, der mit seiner Ehefrau und seinem besten Freund, Richard Suskind, ebenfalls ein Mitglied der schreibenden Zunft, über Amerikas literarischer Welt einen Hurrikan entfacht. Wie es nun kommt, dass der Autor selbst von den kleinsten Details der Vorbereitungen zu dieser Tat bis hin zur Ausführung Kenntnisse erhielt, ist einfach zu beantworten; bei dem Mann, der 1970 mit großer krimineller Energie eine angeblich autorisierte Biographie des wohl exzentrischsten und mysteriösesten, zugleich reichsten damals noch lebenden Amerikaners auf den Büchermarkt brachte, war kein anderer als Clifford Irving? selbst. Ungeschminkt schildert Irving?, wie er plante, seinem Verlag MC Graw? Hill die Biographie von Howard Hughes, eine gefälschte, teuer unterzujubeln. Angeblich – und da legte er einen, von ihm selbst gefälschten Brief seines Protagonisten vor – habe Hughes, der als verschollen galt, Irving? durch diesen Brief? gebeten, seine Biographie zu schreiben.

Nun sollte der Leser wissen, wer Howard Hughes war und warum fast ganz Amerika begierig war, zu erfahren, was mit diesem Mann war und besonders, was dieser zu sagen hatte. Seit 1958 gab es keine öffentlichen Auftritte des einst reichsten Mannes der Welt. Der Tycoon besaß eine Film-, eine Flugzeug-, eine Öl- und eine Immobilienfirma. Mischte als graue Eminenz auf dem politischen Bankett gewaltig mit. Versuchte hie und da die richtigen Fäden zu ziehen, ja, legte sich sogar mit der Mafia an. Auch zur CIA und dem FBI unterhielt er dubiose Verbindungen.

Dass daher eine von ihm in Auftrag gegebene Biographie, eine, in der er angeblich auch politische Machenschaften aufdecken wollte, vom Verlag mit Kusshand und auch unter Zahlungen horrender Summen an Hughes (750 000$) und Irving? (Vorschuss? 100 000$) aus der Hand gerissen werden würde, war sonnenklar. Damit ließe sich, so kombinierte die Verlagsleitung, ein Millionengeschäft machen.

Irving? kam Howard Hughes gänzlicher Rückzug aus dem öffentlichen Leben natürlich für seinen Plan zugute. Hughes, dies kam später heraus, hatte große Angst, sich einen Virus einzufangen und mied daher die Öffentlichkeit. Niemand sollte wissen, wo er sich aufhielt. Nur seine ständig in seiner Nähe befindlichen Bodyguards, allesamt Mormonen, wussten naturgegeben, wo er sich aufhielt. So gesehen also hatte Irving? Ruhe vor Hughes, der bisher unautorisierte Biographien, bevor sie veröffentlich werden sollten, immer wieder aufkaufte. Der von Irving? dem MC Graw? Hill-Verlag vorgelegte Hughes-Brief, in dem der Milliardär Irving als seinen Biografen bestätigt, wurde – und jetzt wird es kurios uns absurd zugleich - von professionellen Schriftexperten, darunter auch einige, die Hughes Unterschrift kannten, als echt bestätigt.

Irving? beschreibt in vielen Bildern, wie er, seine Frau Edith und sein Freund Suskind, den Verlag narren, wie und wo sie sich die Geschichten um den Exzentriker Hughes einfallen lassen. Dass die Geschichte aufflog, kann an dieser Stelle ruhig erwähnt werden, allerdings nicht wie, dies sollte der Leser in dem sehr zum Schmunzeln anregenden Buch selbst lesen. Ich war derart von dem Buch begeistert, dass ich a) die 350 Seiten? in nur zwei Tagen las und b) es mir nach einer nur kurzen Zeit erneut zu Gemüte führte und wieder schmunzeln musste. Jetzt, nach langer Zeit, werde ich es ein drittes Mal lesen, nachdem ich Michael Drossins? Buch “Howard Hughes – das wahre Gesicht der Macht“ gelesen habe.

Ich kann Irving? “Der Fälscher“ nur jedem Leser empfehlen, der Spaß an einer unglaubwürdigen Geschichte, an einem der größten Literaturschwindel Amerikas hat. Übrigens wurde der Autor zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Nur 17 Monate davon aber saß Irving? ab. Viel weniger atmete Richard Suskind verordnete Gefängnisluft ein, ganze fünf Monate.

Abschließend sei gesagt, “Der Fälscher“ von Irving? gehört für mich zu den Perlen amüsanter Unterhaltungsliteratur?. Wer ein locker, leicht, sehr verständliches Buch lesen möchte, ist mit diesem hier beschriebenen sehr gut bedient. Und was anderes will gute Literatur? Nur unterhalten!

Autor: Frank Ludwig

Literaturangaben

  • Irving, Clifford: Der Fälscher. Roman. Seeliger-Verlag, 1972/2007. 350 S., ISBN: 978-3936281187


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