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Keun, Irmgard

Irmgard Keun (geb. 6. Februar 1910 in Berlin; gest. 5. Mai 1982 in Köln) war eine deutsche Schriftstellerin. „Gilgi – eine von uns“ (1931) und „Das kunstseidene Mädchen“ (1932) sind ihre erfolgreichsten Romane.

Leben

Irmgard Keun wurde am 6. Februar 1910 in Berlin geboren. Ihr Vater Eduard Keun war Fabrikant. 1913 zog die Familie nach Köln, wo Irmgard Keun das Lindenthaler Mädchen-Lyzeum besuchte. Ihre Ferien verbrachte sie Jahr für Jahr in Ostende / Belgien.

Zunächst arbeitete Irmgard Keun als Stenotypistin. Nebenbei belegte sie Bühnenkurse an der Kölner Schauspielschule. Erste Engagements führten sie an das Greifswalder Stadttheater, wo sie in der „Salondame“ spielte. Es folgten Auftritte am Thalia-Theater Hamburg. Der Durchbruch als Schauspielerin blieb jedoch aus.

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In Köln besuchte Irmgard Keun eine Veranstaltung des Schriftstellers Alfred Döblin, der aus seinem noch nicht veröffentlichten Roman „Berlin Alexanderplatz“ vortrug. Im Anschluss an die Veranstaltung wurde Döblin auf die junge Frau aufmerksam. Diesen und den folgenden Abend verbrachten beide gemeinsam. Irmgard Keun zeigte Döblin die Kölner Altstadt. Beim Abschied soll Alfred Döblin zu der jungen Schauspielerin gesagt haben, wenn sie nur halb so gut schreibe, wie sie beobachte und erzähle, dann werde sie die beste Schriftstellerin, die Deutschland je gehabt habe.

Döblins Ermutigung zeigte Wirkung. 1931 erschien Irmgard Keuns erster Roman „Gilgi – eine von uns“. Der Roman war ein sensationeller Erfolg. In einem Jahr wurden 30.000 Exemplare verkauft. Kurt Tucholsky schrieb in der Zeitschrift "Weltbühne?" begeistert, dass aus dieser jungen und talentierten Autorin in der Zukunft etwas werde könne. 1932 folgte Irmgard Keuns zweiter Roman „Das kunstseidene Mädchen“, der wieder ein großer Erfolg wurde. Darin erzählt sie die Geschichte der Sekretärin Doris, die aus der Provinz nach Berlin kommt und dort dem Reiz der großen Welt erliegt. Beide Romane gelten als literarische Dokumente der Neuen Sachlichkeit sowie des Frauen?- und Angestelltenromans? am Ende der Weimarer Republik.

1933 wurden die Romane „Gilgi – eine von uns“ und „Das kunstseidene Mädchen“ von den Nationalsozialisten auf die Liste des „schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ gesetzt und beschlagnahmt. Irmgard Keun klagte beim Landgericht Berlin gegen diese Entscheidung. Sie forderte Schadenersatz für die entgangenen Einkünfte. Die Folge war, dass sie von der Geheimen Staatspolizei verhaftet und inhaftiert wurde. Ihr Vater zahlte 200.000 Mark für ihre Freilassung.

1935 ging Irmgard Keun ins Exil nach Ostende / Belgien, wo unter anderem Egon Erwin Kisch, Stefan Zweig und Joseph Roth Zuflucht gefunden hatte. Mit Joseph Roth reiste Irmgard Keun quer durch Europa. Sie waren in Paris, Salzburg und Lemberg. Mehr als zwei Jahre dauerte ihre Liebesbeziehung. Später hat Irmgard Keun über Joseph Roth gesagt, er sei der einzige Mann in ihrem Leben gewesen, der sie jemals gefesselt habe. In dieser Zeit entstanden die Romane „Das Mädchen, mit dem die Kinder nicht verkehren durften“ (1936), „Kinder aller Länder“ (1938) und „D-Zug dritter Klasse“ (1938). Keuns bedeutendste Exil-Veröffentlichung ist der Roman „Nach Mitternacht“, der 1937 im Amsterdamer Querido Verlag? erschien. Darin erzählt die Hauptfigur Susanne Moder von ihrer Flucht aus Deutschland, von Denunzianten, Selbstmördern und Emigranten.

Nach der Trennung von Joseph Roth ging Irmgard Keun 1940 zurück nach Deutschland, wo sie bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs illegal lebte. 1950 veröffentlichte sie den Roman „Ferdinand, der Mann mit dem freundlichen Herzen“, der ohne Resonanz beim Publikum? blieb. Sie arbeitete als Journalistin. Später verstummte sie. Ihr Alkoholismus nahm zu. 1962 wurde sie in die psychiatrische Abteilung des Landeskrankenhauses Bonn eingewiesen, wo sie bis 1972 lebte. Erst in den späten 1970er-Jahren wurde ihr Werk wiederentdeckt. 1981 erhielt sie den Marieluise-Fleißer-Preis? der Stadt Ingolstadt.

Irmgard Keun starb am 5. Mai 1982 in Köln an Lungenkrebs.

Literarische Arbeiten

Nach Mitternacht, Roman (1937)

„Nach Mitternacht“ ist ein Roman von Irmgard Keun, zuerst erschienen 1937 im Querido Verlag? Amsterdam. Der Roman gilt als die beste psychologische Deutung des kleinen Mannes im nationalsozialistischen Deutschland. Zudem gelingt es der Autorin, ein plastisches Bild von den Verhältnissen in Deutschland Mitte der dreißiger Jahre zu zeichnen.

„Nach der Mitternacht“ ist wie die meisten Romane von Irmgard Keun aus der Ich-Perspektive geschrieben. Die Hauptfigur ist die 19-jährige Susanne Moder. Sie beschreibt die letzten zwei Tage vor ihrer Flucht aus Deutschland. In Rückblenden erfährt der Leser, wie der Entschluss zur Flucht entstanden ist.

Irmgard Keun hat sich in ihrem Roman „Nach Mitternacht“ bewusst darauf beschränkt, die Verhältnisse im Milieu der kleinen Leute zu beschreiben. Aus Keuns Perspektive war es die Mentalität des kleinen Mannes, die den Aufstieg des Nationalsozialismus ermöglicht hat. Ihr Fazit ist geprägt von Hoffnungslosigkeit: Diesen Tätern und ihren Opfern kann nicht mehr geholfen werden!

Übrigens

Nach einer erfolglosen Laufbahn als Bühnenschauspielerin wurde Irmgard Keun von Alfred Döblin ermutigt, mit dem Schreiben zu beginnen. Das Ergebnis war ihr Romandebüt? „Gilgi – eine von uns“, das 1931 erschien. Mit dem fertigen Manuskript in der Tasche kam Irmgard Keun nach Berlin, wo sie mit dem Universitas-Verlag? Kontakt aufnahm. Der Verleger Wolfgang Krüger? war begeistert und setzte bereits am folgenden Tag einen Vertrag auf. Glaubt man der Legende, gab nicht Krügers eigenes Urteil den Ausschlag, sondern das der Klofrau. Der Verleger hatte der Klofrau das Manuskript zum Lesen gegeben. Über Nacht hatte sie es förmlich verschlungen.

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Irmgard Keun bei Jokers
  • Das kunstseidene Mädchen. Roman. Berlin, List Verlag 2001, ISBN: 978-3548600857
  • Das Mädchen, mit dem die Kinder nicht verkehren durften. Berlin, Claassen Verlag 1992, ISBN 978-3546000277
  • Gilgi, eine von uns. Roman. Berlin, List Verlag 2002, ISBN: 978-3548602677
  • Kinder aller Länder. Berlin, List Verlag 2004, ISBN: 978-3548604152
  • Nach Mitternacht. Roman. Berlin, List Verlag 2002, ISBN: 978-3548601519

Hörspiele

  • Das kunstseidene Mädchen. 4CDs. München, Random House Audio 2005, ISBN: 978-3898309684

Sekundärliteratur

  • Arend, Stefanie / Martin, Ariane: Irmgard Keun 1905 / 2005. Deutungen und Dokumente. Bielefeld, Aisthesis Verlag 2004, ISBN: 978-3895284786
  • Blume, Gesche: Irmgard Keun. Schreiben im Spiel mit der Moderne. Dresden, Thelem Universitätsverlag 2005, ISBN: 978-3937672380
  • Fähnders, Walter / Karrenbrock, Helga: Autorinnen der Weimarer Republik. Bielefeld, Aisthesis Verlag 2004, ISBN: 978-3895283833
  • Häntzschel, Hiltrud: Irmgard Keun. Reinbek, Rowohlt 2001, ISBN: 978-3499504525
  • Marchlewitz, Ingrid: Irmgard Keun. Leben und Werk. Würzburg, Verlag Königshausen & Neumann 1999, ISBN: 978-3826016219

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