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Chick Lit

Ein neuer Trend in der Literatur. Der Begriff kommt von "chick" (engl.: Küken; umgangssprachlich für junge Frau, im Sinne von "Tussi") und "lit" (Literatur).

Definition

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Chick Lit bezeichnet die Romane und Erzählungen, die von Frauen für Frauen geschrieben werden. Sie spielen meist in der Großstadt. Die Heldinnen sind auf überanalysierende Weise auf der Suche nach der großen Liebe, der Karriere (meist in der Medienbranche) und dem Familienglück gleichzeitig.

Berühmteste Protagonistin von Chick Lit ist Bridget Jones, die Heldin des Romane "Schokolade zum Frühstück" (dt. 1999) und "Am Rande des Wahnsinns" von Helen Fielding? (dt. 2002).

Entwicklung

Dieser neue Trend in der Frauenliteratur? existiert seit dem Ende der 1990er Jahre. Er hat sich jedoch schon lange vorher angekündigt.

Die Vorläuferinnen

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Als Vorläufer von Chick Lit lassen sich in Deutschland so unterschiedliche Frauenbücher wie "Beim nächsten Mann wird alles anders" (1987) von Eva Heller?, "Ein Mann für jede Tonart" (1989) von Hera Lind? und "Suche impotenten Mann fürs Leben" (1995) von Gaby Hauptmann? anführen. Auch in diesen Büchern suchen junge, ambitionierte Frauen nach der großen Liebe, sind dabei von Selbstzweifeln bezüglich ihres eigenen Äußeren geplagt und ergehen sich in endlosen Analysen ihres Seelen- und Beziehungszustandes.

Allerdings behält Eva Heller eine ironische? Sicht auf ihre Protagonistin und deren Liebeswirren im West-Berlin der 1980er Jahre bei, die sich auch auf die Leserin überträgt und dieser eine heitere Selbsterkenntnis ermöglicht. Bei Hauptmann und Lind ist die selbstironische Distanz weniger ausgeprägt. Doch auch ihre Heldinnen empfinden bei allem subjektiven Unglück das Tragikomische? ihrer Situation.

Bridget Jones ("Schokolade zum Frühstück")

Mit Bridget Jones trat dann um die Jahrtausendwende der Prototyp der Chick Lit-Heldin auf den Plan. Jones arbeitet in der Medienbranche; sie liebt den Falschen, nämlich einen Hallodri, der noch dazu ihr Chef ist; sie hört die biologische Uhr ticken; sie hat ein kompliziertes Verhältnis zu ihren Eltern, einen Freundeskreis in ähnlicher Situation, und - nicht unwichtig - sie führt einen ebenso beständigen wie aussichtslosen Kampf um ihr Idealgewicht.

Die selbstironische Distanz ergibt sich in diesen Romanen vor allem durch die unglaubliche Peinlichkeit der Männergeschichten. Jones lässt wirklich keinen Fettnapf aus und erweist sich dabei als ebenso mutig wie verletzlich - was für eine Heldin schon wieder wünschenswerte Eigenschaften sind. Dass am Ende der Fettnapfreihe der richtige Mann wartet, muss wohl nicht extra erwähnt werde ...

Jones' eigentliche Schwäche besteht in den ständigen Selbstzweifeln, die durch das in den Frauenzeitschriften propagierte Weiblichkeitsideal (schlank, sinnlich, beruflich und privat erfolgreich) kräftig genährt werden - eine deutliche Gesellschaftskritik, die hier zum Ausdruck kommt.

Die beiden Romane wurden 2001 und 2004 mit Renée Zellweger und Hugh Grant verfilmt. Für die Hauptrolle nahm Zellweger 10 Kilo zu und hungerte sie sich nach Ende der Dreharbeiten binnen eines Monats wieder ab. Die Verfilmung belegt die enge Beziehung zwischen Chick Lit und seinem filmischen Pendant, dem Chick Flick.

Carrie Bradshaw ("Sex and the City") - Chick Flick

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Aus den USA kam seit 1998 Verstärkung im Fernsehen: mit der Serie "Sex and the City", in deren Mittelpunkt die New Yorker Journalistin Carrie Bradshaw steht. Ihr hat Autorin Candace Bushnell drei sehr unterschiedliche Freundinnen zur Seite gestellt, die jeweils einen Typ verkörpern: bindungsscheue Karierefrau, Femme fatale, höhere Tochter ... - "Typen, aber doch keine Stereotypen", kommentierte epd-Film (06/2008).

Allen vier seien eine erstaunliche Bodenständigkeit und ein ebenso erstaunlicher Optimismus zu eigen - Züge, die auch Bridget Jones aufweist. Allerdings leisten sich die amerikanischen Heldinnen wesentlich teurere Markenklamotten als ihre englische Schwester im Geiste ...

Autorinnen

Nachfolgend repräsentative Chick Lit-Autorinnen und wichtige Buchtitel.

Einordnung

Woran erkennt man Chick Lit? Hier sei noch einmal epd-Film zitiert, die die gleiche Frage für Chick Flick folgendermaßen beantwortete: Chick Flick sind alle Filme, die sich Männer nie anschauen würden. Entsprechend lässt sich für die Literatur formulieren: Chick Lit sind Bücher, die Männer niemals in die Hand nehmen, geschweige denn lesen würden. In Buchhandlungen finden sich solche Bücher übrigens oft in Regalen mit der Aufschrift "freche Mädchen".

Chick Lit und Feminismus

Das Mädchen-Etikett wiederum teilt Chick Lit mit den neuen Feministinnen, von denen sich manche selbst gern als Mädchen bezeichnen (vgl. "Neue deutsche Mädchen" von Jana Hensel? und Elisabeth Raether? und "Wir Alphamädchen" von Meredith Haaf?, Susanne Klingner? und Barbara Streidl?).

Chick Lit-Romane weisen in Bezug auf den Feminismus eine typische Brechung auf: Die Heldinnen erkennen den Widerspruch, der zwischen ihren Erwartungen, ihrer Einstellung und ihrem Verhalten einerseits und den feministischen Positionen? andererseits liegt, die sie selbstverständlich für sich beanspruchen.

Chick Lit im Netz

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Die interaktive Buch-Community Literatina.de hat den Trend aufgegriffen und eine eigene Chick Lit-Lounge eingerichtet. Unter dem Motto "Mädels ins Netz" wurden die Leserinnen und Userinnen hier pünktlich zum Start der Fußball-EM 2008 zum Treffen in der Lounge eingeladen.

Bei Literatina.de kann man sich in Lesezirkeln und im Forum über Bücher und Filme austauschen, Empfehlungen geben und den Trend in all seinen Facetten weiter diskutieren.

  • Das Chick-Lit Forum relativ neu und auf der Suche nach neuen Chick-Lit begeisterten Leserinnen :)

Literatur

  • Bushnell, Candace / Hahn, Annette: Sex in the City. Roman. Goldmann Verlag, München 2001, ISBN: 978-9176437797
  • Fielding, Helen: Bridget Jones - Am Rande des Wahnsinns. Roman. Goldmann Verlag, München 2002, ISBN-13: 978-3442452644
  • dies.: Schokolade zum Frühstück. Das Tagebuch der Bridget Jones. Roman. Goldmann Verlag, München 1999, ISBN: 978-3442443925
  • Hauptmann, Gaby: Suche impotenten Mann fürs Leben. Roman. EA 1995, Piper Verlag, München 2007, ISBN: 978-3492262194
  • Heller, Eva: Beim nächsten Mann wird alles anders. Roman. EA 1987, Wunderlich Verlag, Hamburg 1999, ISBN: 978-3499261473
  • Lind, Hera: Ein Mann für jede Tonart. Roman. EA 1989, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main, 30. Aufl. 2006, ISBN: 978-3596247509


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