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Verfilmung

Verfilmung ist die Bearbeitung eines literarischen Werks? und dessen Inszenierung für den Film. Seit den Anfängen des Films im späten 19. Jahrhundert gibt es zahlreiche Berührungspunkte zwischen Film und Literatur.

Definition

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Als Verfilmung bezeichnet man die Bearbeitung eines literarischen Werks? und dessen Inszenierung für den Film. Bei der literarischen Vorlage handelt es sich meist um einen Roman, eine Novelle, eine Erzählung, ein Epos, ein Märchen oder ein Drama. Die Kunst der Bearbeitung eines literarischen Werks? für den Film besteht darin, den Gehalt der Vorlage den technischen und strukturellen Erfordernissen des Films anzupassen, ohne das Original wesentlich zu verändern oder – was leider häufig geschieht – zu entstellen.

Über Erfolg oder Misserfolg einer Verfilmung entscheidet meist schon die Qualität des Drehbuchs. Denn natürlich muss die literarische Vorlage zu einem Drehbuch verarbeitet werden, woran der Autor hin und wieder auch selbst beteiligt ist. Daneben spielen aber auch die Leistungen der Schauspieler, die Fähigkeiten des Regisseurs und natürlich die Erwartungen des Publikums eine bedeutende Rolle. Erfahrungsgemäß urteilen Film- und Literaturkritiker über Verfilmungen besonders scharf: Literaturverfilmungen sind häufig dem Vorwurf ausgesetzt, sich zu eng an die Vorlage zu halten oder sich zu weit von ihr zu entfernen. Viele der berühmtesten Filme sind Literaturverfilmungen (siehe Liste am Ende des Artikels).

Entstehung

Seit den Anfängen des Films im späten 19. Jahrhundert gibt es zahlreiche Berührungs- und Anknüpfungspunkte mit der Literatur. Wobei der Film – das weitaus jüngere Medium – zunächst viel aus der Welt der Literatur übernommen hat. In seinen Anfängen war der Film ein geradezu anarchisches Medium, viele frühe Produktionen besaßen zumeist experimentellen Charakter. Mit der Übernahme von literaturtypischen Genreeinteilungen, z. B. Kriminalfilm, Liebesmelodram, Kriegsfilm, Komödie, Reisebericht, usw., importierte man erprobte Strukturen aus der Literatur in das experimentelle Durcheinander des Films – Strukturen übrigens, die bis heute bestehen.

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Daneben gibt es weitere interessante Parallelen, die die vielfältigen Bezüge zwischen Film und Literatur eindrucksvoll dokumentieren. Beide Medien leben hauptsächlich vom Erzählen, welches wiederum wesentlich von Stoffen, Motiven und Metaphern getragen wird. Auch die Figurenkonstellation spielt in Literatur und Film eine bedeutende Rolle, wobei der Reiz für den Leser bzw. den Zuschauer hauptsächlich in der Entwicklung der Figuren – oder anders gesagt: im Schicksal der Figuren, ihrem Aufstieg und Fall – liegt. Die Film- und Literaturtheorie beschäftigt sich zudem mit den Analogien zwischen Erzählperspektive und Kameraperspektive, auch das Verhältnis von Erzählzeit und erzählter Zeit? sowie die Funktion von Rückblende und Vorausschau? werden ausführlich behandelt.

Entwicklung

Wie fand nun die Literaturverfilmung ihren Weg auf die Leinwand? Etwa ab 1910 nahm die Bearbeitung literarischer Werke? für den Film rasant zu. Meist handelte es sich dabei um verfilmte Romane, Epen und Theaterstücke. Ein frühes und bis heute faszinierendes Zeugnis dieser Entwicklung ist Fritz Langs „Die Nibelungen“ (1924) – eine geniale Literaturverfilmung, die zudem als Urgroßmutter aller Ausstattungs- und Kostümfilme gilt. Die Hinwendung der Filmproduzenten zu Literaturverfilmungen war übrigens auch einem nicht unbedeutenden finanziellen Motiv geschuldet, denn das gebildete und zugleich zahlungskräftige bürgerliche Publikum verlangte nach Filmen, die das Bedürfnis nach Bildung und Zeitvertreib gleichermaßen befriedigten.

Döblin: „Kinostil“ für die Literatur

Während der Film vor allem in seinen Anfängen viel von der Literatur lernte, adaptierte die Literatur umgekehrt auch künstlerische Erzähltechniken aus der Welt des Films. So erklärt es sich, dass in Film und Literatur häufig dieselben ästhetischen Strömungen und Moden vorherrschten. Besonders augenfällig wird dieses Phänomen am Beispiel vom Expressionismus in Deutschland, vom Surrealismus in Frankreich und Agitprop? in der Sowjetunion. Bereits im Jahr 1913 forderte Alfred Döblin den „Kinostil“ für die Literatur. Wie dieser „Kinostil“ in der literarischen Praxis aussieht, zeigen Großstadtromane? wie Döblins „Berlin Alexanderplatz“ (1929) oder John Dos Passos’ „Manhattan Transfer“ (1925), deren einzigartiger Reiz wesentlich mit filmtypischer Simultantechnik?, mit Montage? und rasantem Perspektivwechsel zu erklären ist.

Spannend ist in diesem Zusammenhang die Frage, warum beide Romane, obwohl sie zu einem großen Teil von der Ästhetik und Technik des Films inspiriert sind, bis heute nicht wesensgetreu auf die Leinwand gebracht werden konnten. Diese Frage ist Teil einer Kontroverse, die seit den 1970er Jahren das Verhältnis von Literatur und Film bestimmt. Diese Kontroverse kreist im Grunde um das Problem, wo die Grenzen der Literaturverfilmung liegen. Weitere Fragestellungen sind: Ist Werktreue ein Qualitätsmerkmal? Ist die bloße filmische Illustration einer literarischen Vorlage immer negativ zu beurteilen?

Berühmte Literaturverfilmungen

Wie diese Kontroverse um das Verhältnis von Literatur und Film sich auch entwickeln mag, viele der berühmtesten Filme sind Literaturverfilmungen. Zu den Höhepunkten zählen:

Literatur

  • Döblin, Alfred: Berlin Alexanderplatz. Dtv, München 1999, ISBN-13: 978-3423002950
  • Dos Passos, John: Manhattan Transfer. Rowohlt, Reinbek 1966, ISBN: 978-3499141331
  • Roth, Joseph: Radetzkymarsch. Dtv, München 1998, ISBN: 978-3423124775

Sekundärliteratur

  • Paech, Joachim: Literatur und Film. Metzler, Stuttgart 1997, ISBN: 978-3476122353
  • Poppe, Sandra: Emotionen in Literatur und Film. Königshausen & Neumann, Würzburg 2011, ISBN: 978-3826046568
  • Schneider, Florian: Serienmörder in Literatur und Film. Grin Verlag, München 2011, ISBN: 978-3640860609

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