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Lektor

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Hier ist nicht der Lektor in Kirche oder Universität gemeint, sondern derjenige, der Texte für Verlage bearbeitet. Die Bezeichnung kommt aus dem Lateinischen: „Lector“ bedeutet Vorleser. Lektoren gibt es nicht nur in Belletristik-Verlagen?, sondern auch in Verlagen für Sachbücher, Schulbücher, Lexika?, Kinder?- und Jugendbücher, Kochbücher?, Bildbände?, Hörbücher und Reiseführer?. Ebenso arbeiten Lektoren in den Redaktionen von Radio- und Fernsehanstalten.

Foto: Peter Kirchhoff/ www.pixelio.de.

Aufgaben des Lektors im Verlag

  • Auswahl von Manuskripten, die gedruckt und veröffentlicht werden
  • Begutachtung der Manuskripte
  • Zusammenarbeit mit dem Autor
  • Kontakt zu den Autoren halten
  • geeignete Autoren für bestimmte Buchreihen? suchen
  • Übersetzer für fremdsprachige Manuskripte suchen
  • Marketing-Ideen für die Werbung und den Vertrieb entwickeln
  • Vorschläge neuer Buchprojekte

Was macht ein Lektor genau?

Lektoren sitzen an der Verlagsschnittstelle zwischen Autor und Produktion. In welcher Form ein Manuskript veröffentlicht wird, bestimmt der Lektor. Er ist die vom Verlag eingesetzte kritische Instanz, die mit einem besonders guten Gefühl für Sprache ausgestattet sein sollte. Schließlich soll das Manuskript als gut lesbares, gut verkaufbares Buch erscheinen und auch zum Verlagsprogramm? passen.

Ein Lektor liest als erster im Verlag das Manuskript eines Autors, das veröffentlicht werden soll. Er analysiert den Text, durchleuchtet die Aussagen und überprüft die Richtigkeit der Sinnzusammenhänge. Ein Lektor ist aber kein Korrektor, der sich um die Rechtschreibung eines Manuskriptes zu kümmern hat. Der Lektor ist auch der Ansprechpartner für Pressestelle, Grafik und Vertrieb im Verlag.

Hat der Lektor einen Bestseller verschlafen?

Immer wieder sind die Geschichten von abgelehnten Manuskripten zu hören, die irgendwann doch als Buch veröffentlicht und bewunderte Bestseller wurden. Wer im Verlag hat dieses Manuskript gelesen und abgelehnt? Womöglich mit einer formellen Absage an den Autor zurückgesandt? Ein Lektor war es!

Bekannt ist auch der tückische Lektoren-Test der Satire-Zeitschrift pardon. Große Verlage erhielten ein paar Seiten aus Robert Musils bekanntem Roman „Mann ohne Eigenschaften“ zugesandt – als Textprobe? eines hoffnungsvollen Jungautors. Der Name des Autors wurde dabei natürlich geändert. Obwohl dieser Roman zu den wichtigsten Werken der deutschen Literatur zählt, wurde es von den meisten Lektoren in den Verlagen abgelehnt.

Wie konnte das passieren? Hatte die Lektorin, der Lektor das Manuskript unter dem Berg der eingesandten Manuskripte übersehen? Oder wurde es als 123. Manuskript nach sieben Stunden Manuskriptlesen einfach nicht mehr richtig eingeschätzt? Manche Legende sagt dies, manche sagt das. Selten hört man davon, dass ein frustrierter Verleger seinen Lektor deswegen feuerte. Der Verleger weiß, so etwas kann immer passieren. Lektoren sind nicht unfehlbar.

Wie läuft Lektoratsarbeit ab?

Wer die Literatur-Branche? kennt, der weiß, dass die Verlage häufig Autoren bevorzugen, die ihnen von bereits erfolgreichen Autoren, von Literatur-Experten oder von Literatur-Agenten empfohlen werden. Literatur-Agenten? haben vorher meist als Lektoren in einem Verlag gearbeitet. Daher haben sie einen Blick für ein verwertbares Manuskript und die nötigen Kontakte zum richtigen Verlag. Nicht jeder Autor, nicht jedes Manuskript passt zu jedem Verlag.

Manchmal stellt der Verlag auch eine Themenreihe zusammen, die veröffentlicht werden soll, zum Beispiel eine Reihe über Philosophen. Dazu muss der Lektor dann die passenden Autoren suchen. Oder der Verlag will mehr deutschsprachige Autoren veröffentlichen. Dann ist der Lektor auch als Talent-Scout gefragt. Er kann Newcomer-Festivals wie Klagenfurt besuchen. Oder er kann sich bei Literaturschreibschulen? wie in Leipzig über die teilnehmenden Autoren informieren.

Einmal angenommen, ein Lektor findet die Buchidee? eines Autoren gut. Auch die ersten Probeseiten machen einen guten Eindruck. Dann kommt es zu einem Vertrag zwischen Autor und Verlag, in dem auch ein Veröffentlichungsdatum festgelegt wird. Autor und Lektor geben dem geplanten Buch einen Titel. Dann verfasst der Lektor dazu einen Kurztext, mit dem das Buch im Verlagskatalog? als Neuerscheinung? angekündigt wird. Nun muss der Lektor in Zusammenarbeit mit dem Autor das Manuskript so pünktlich erstellen, dass es zum gewünschten Termin gesetzt, layoutet, gedruckt und rechtzeitig zum angekündigten Veröffentlichungstermin an den Buchhandel? geliefert werden kann.

Zunächst liest der Lektor das zur Veröffentlichung vorgesehene Manuskript. Dann geht er es mit dem Autor Punkt für Punkt durch und bespricht die problematischen Stellen. Ist es sprachlich holprig? Fehlt an manchen Stellen der Sinn? Widersprechen sich manche Aussagen? Ist ein Satz? viel zu lang? Ist das ganze Manuskript zu lang? Lebt eine Figur nicht richtig? Wird eine Landschaft falsch beschrieben? Muss eine Nebenhandlung? verschwinden? Sind die Dialoge? zu langatmig? Ist etwas zu altmodisch formuliert? Muss mehr Zeitgeist in die Handlung? Ist das Ende eines Romans zu unglaubhaft oder zu unspektakulär?

Es gibt die Anekdote von einem Lektor, der einen Autor betreute, der für seine Katzen-Krimis bekannt ist. Der zweite Krimi war fast fertig. Es fehlte nur noch der Schluss, dann konnte gedruckt werden. Schließlich sollte das Buch zur nächsten Buchmesse? dem Publikum präsentiert werden. Aber der Autor verwarf einen Schluss nach dem anderen. Das Cover für das Buch, die Pressemeldung, die Werbeanzeigen waren schon fertig. Weil der Drucktermin in wenigen Tagen anstand, stieg der Lektor ins Flugzeug und reiste zum Autor. Sie sperrten sich das ganze Wochenende in dessen Arbeitszimmer ein und rauften sich zusammen – bis der Lektor mit dem fertigen Manuskript am Sonntagabend zurückfliegen konnte.

Wenn sich Autor und Lektor einig sind, dass das Manuskript reif zur Veröffentlichung ist, gibt es der Lektor zum Korrektor?. Dann geht der Lektor mit dem Autor noch einmal die vorgeschlagenen Korrekturen durch. Anschließend werden die Textseiten für das Buch gestaltet (Layout?). Der Text geht in den Druck?. Das Cover-Motiv?, das der Lektor mit den Grafikern? abgesprochen hat, steht schon länger fest, weil es ja im Vorschau-Katalog? des Verlages für die Buchhandlungen schon zu sehen sein muss.

Während das Buch gedruckt wird, kann sich der Lektor bereits Gedanken zu geeigneten Marketingmaßnahmen? machen. Ein Beispiel: Bei Erscheinen des Historien-Romans „Venus-Wurf“ von Tanja Kinkel wurden an die Buchhandlungen nicht nur die entsprechenden Buchexemplare ausgeliefert. Sie erhielten dazu Verkaufsständer und Poster? mit dem Buch-Cover und dem Portrait der Autorin – und als besonderen Gag auch die speziellen Würfel, die zu dem alten römischen Spiel gehörten, bei dem ein Venus-Wurf zu erzielen war.

Wie wird man Lektor?

Zum Ausbildungsweg eines Lektors gehört üblicherweise ein klassisches geisteswissenschaftliches Studium? der Germanistik?, Journalistik? und/oder Kunstgeschichte?. Schon als Student sollte man ein Verlagspraktikum? absolvieren. Dann folgt am besten ein einjähriges Volontariat in einem Verlag. Daran schließt sich eine Lektoratsassistenz? an, welche bis zu zwei Jahre dauern kann.

Manche Verlage arbeiten auch mit freien Lektoren. Doch um gut als Freiberufler? leben zu können, übernehmen viele von ihnen auch noch andere Textarbeiten – etwa für Zeitungs- und Zeitschriftenverlage oder auch in der Werbebranche.

Bekannte Lektoren

Wer kennt den Lektor von Günter Grass, von Martin Walser, von Charlotte Link?, von Tanja Kinkel, von John Grisham?, von Stephen King, von Wolfgang Holbein?, von Daniel Kehlmann? Wohl kaum einer. Selbst im Impressum eines Romans stehen die Lektoren nur ganz selten.

Wäre der Roman ein Film?, würden die Lektoren als Regisseur? ganz groß genannt werden. Doch einige dieser Lektoren kennen Sie vielleicht:

  • Klaus Wagenbach? war Lektor im S. Fischer Verlag und wurde dann selbst Verleger mit dem gleichnamigen Verlag.
  • Italo Calvino, ein italienischer Schriftsteller, studierte Literaturwissenschaften in Turin. Dann arbeitete er als Lektor bei dem italienischen Verlag Einaudi.
  • Paul Celan arbeitete zwischen 1945 und 1947 in Bukarest als Lektor und Übersetzer. Er flüchtete aus seiner Heimat nach Wien und siedelte nach Paris über.
  • Franz Werfel? war einst Lektor beim Kurt-Wolff-Verlag. Unter seiner Mitverantwortung erschien die expressionistische Schriftenreihe „Der jüngste Tag“.
  • Eva Demski?, Schriftstellerin, besuchte ein altsprachliches Gymnasium. Dann studierte sie Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie an den Universitäten in Mainz und Freiburg. Danach arbeitete sie als freie Lektorin und Übersetzerin für diverse Verlage.
  • Freimut Duve? ist ein deutscher Publizist und Politiker. Er war als Lektor im Rowohlt Verlag tätig und dort auch Herausgeber der Buchreihe rororo aktuell.
  • Vito von Eichborn?, ein frühere Lektor des Fischer Verlags, gründete den Eichborn Verlag.
  • Erika Mann?, Tochter von Thomas Mann, verheiratet mit Gustav Gründgens?, war Schriftstellerin, Kabarettistin und Lektorin.
  • Alexander Fest? studierte Altphilologie und Philosophie, bevor er als Lektor beim Deutschen Taschenbuch Verlag arbeitete. Dann wurde er Cheflektor beim Siedler Verlag. Später gründete er den Alexander Fest Verlag in Berlin. Nach dessen Auflösung ging er als Verlagsleiter zu Rowohlt.
  • Josef Guggenmos? wurde im Allgäu geboren. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges studierte er Germanistik sowie Kunstgeschichte in Erlangen, Marburg und Bonn. Später arbeitete er als Lektor und Übersetzer für verschiedene Verlage.
  • Wolf Haas?, der bekannte Krimi-Autor aus Österreich, studierte Linguistik und Germanistik. In Südwales arbeitete er als Lektor. Die Heftreihe „Jerry Cotton“ entstand 1956. Ihr Lektor und
  • Autor Rolf Kalmuczak? wurde später als Stefan Wolf? mit der TKKG-Serie bekannt.
  • Lion Feuchtwanger? war für einen Theaterverlag als Lektor tätig. Damit sich der Verlag von ihm trennen konnte, druckten sie sein Buch „Jud Süss“.
  • Victor Klemperer? arbeitete als Lektor an der Universität Neapel und meldete sich anschließend als Kriegsfreiwilliger. Zuerst wurde er als Artillerist an der Front eingesetzt, später war er bei der Militärzensur als Buchprüfer in Kowno und Leipzig tätig.
  • Heinz Günther Konsalik? schrieb unzählige Romane. Nach dem Abitur studierte er Medizin, später Theaterwissenschaften und Germanistik. Nach 1945 war er zunächst Lektor und dann leitender Redakteur der Zeitschrift „Lustige Illustrierte“.
  • Peter Suhrkamp?, Sohn eines Bauern, studierte Germanistik in Heidelberg und Frankfurt. Dann wurde er Lektor im S. Fischer Verlag. Später gründete er den Suhrkamp-Verlag.
  • Jackie Kennedy? (später Jackie Onassis?) arbeitete unter anderem als Lektorin in einem New Yorker Verlag.
  • Der TV-Regisseur Dieter Wedel? war auch schon Theaterkritiker und Lektor.
  • Und auch Mark Knopfler?, schottischer Musiker, verdiente in früheren Zeiten sein Geld als Journalist und Lektor.


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