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Kinkel, Tanja

Tanja Kinkel (geb. am 27. September 1969 in Bamberg) ist eine deutsche Schriftstellerin.

Leben und Schreiben

Tanja Kinkel stammt aus einer in Bamberg ansässigen Kaufmannsfamilie. Angesteckt von der Leselust des Vaters, interessierte sie sich von Kindesbeinen an für Bücher. Schon im zarten Alter von acht Jahren verfasste sie ihre erste Geschichte. In Bamberg ging sie auf das humanistische Kaiser-Heinrich-Gymnasium. Währenddessen nahm sie an Schulaustausch- und Sprachprogrammen in Japan, England und in den USA teil. Die Lektüre von Karl-May-Büchern weckte ihr Interesse für Geschichte. 1987 wurden der 18-Jährigen ein erster und ein dritter Preis beim Fränkischen-Jugendliteratur-Wettbewerb zugesprochen. Diesen Auszeichnungen folgte die Veröffentlichung von drei Kurzgeschichten im Verlag Junger Autoren.

Nach dem Abitur nahm Tanja Kinkel ab 1988 an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität ein Studium der Germanistik? sowie der Theater- und Kommunikationswissenschaft auf. 1994 machte sie ihren Magister mit einer Arbeit über vier „Effi-Briest“-Verfilmungen. Drei Jahre später wurde sie mit einer Dissertation über die historischen Romane von Lion Feuchtwanger? zur Dr. phil. ernannt.

„Wahnsinn, der das Herz zerfrisst“ (1990)

Auch literarisch wandelte sie in in ihren Studienjahren auf ebenso regen wie erfolgreichen Pfaden: Im Herbst 1990 landete sie mit dem 800-Seiten-Roman „Wahnsinn, der das Herz zerfrisst“ ein viel beachtetes Debüt?. Inspiriert von englischer Historie und den Werken der Brontë-Schwestern, Edgar Allan Poes und Nathaniel Hawthornes?, schilderte sie in ihrem Erstling das Leben des englischen Romantikers Lord Byron? (1788-1824). Ihr Buch verkaufte sich über 40.000 Mal. Außerdem erhielt sie dafür 1991/1992 ein Jahres-Stipendium für das Schreiben von Drehbüchern an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film (HFF).

1991 ließ Kinkel mit „Die Löwin von Aquitanien“ den zweiten Roman folgen. Auch hier erkor die Autorin mit Eleonore von Aquitanien ein historisches Vorbild zur Protagonistin. Diese heiratete als 15-Jährige den König Ludwig VII. von Frankreich, der sie später wegen ihrer freien Lebensweise verstieß. Danach wurde sie die Gattin des englischen Königs Heinrich II. und die Mutter von Richard Löwenherz.

Für ihre ersten beiden Werke wurde Tanja Kinkel 1992 mit dem Bayerischen Förderpreis geehrt. Zur Begründung hieß es, sie mache „große Gestalten und Ereignisse der literarischen und politischen Geschichte lebendig und anschaulich“ und bewahre sich dabei „poetische Selbstständigkeit, die sie zur Gestaltung der historischen Handlungsträger und des Hintergrundes überzeugend entfaltet“.

„Die Puppenspieler“ (1993)

Mit ihrem dritten Roman? „Die Puppenspieler“ (1993) knüpfte sie an den frühen Erfolg an. Das Werk setzte sich viele Wochen in der Bestsellerliste? des „Spiegel“ fest und war Ende 1993 bereits 40.000 Mal verkauft. Dieses Mal führte Kinkel ihre Leser in die Renaissance. Die Geschichte dreht sich um die fiktive Figur des zwölfjährigen Richard Arzt, dessen Mutter als Hexe verbrannt wird. Schauplätze sind unter anderem Augsburg und Florenz. Der Roman brachte der 24-jährigen Schriftstellerin 1995 einen Förderaufenthalt des deutschen Innenministeriums in der „Casa Baldi“ bei Rom ein.

In schöner Regelmäßigkeit hat Tanja Kinkel seitdem neue Romane vorgelegt. Ihre Produktivität sorgt für einen hohen Ausstoß. Das Schreiben ist für sie nach eigenem Bekunden wie eine Sucht – „dabei lebe ich am intensivsten“, hat sie einmal erklärt. Ihre Spezialität: gut recherchierte, handlungsreiche dickbändige historische Romane. So spielt „Mondlaub“ (1995) in den letzten 20 Jahren der maurischen Herrschaft in Granada. Der im Jahr darauf publizierte Nachfolger „Die Schatten von La Rochelle“ wiederum ist angesiedelt im Frankreich des 17. Jahrhunderts.

Genaue Recherchen liefern die Basis für Tanja Kinkels historische Romane. 1997 schilderte das „ZEIT-Magazin“ ihre Arbeitsweise: „In Bibliotheken wühlt sich Kinkel durch Briefe, Nachlässe, Autobiographien, Geschichtsbücher, oft ein bis zwei Jahre lang. Irgendwann kriechen die Figuren aus dem Wust von Stoff aufs Papier.“ Die Autorin schreibt ihre Romane meist konzentriert in wenigen Monaten und bevorzugt eine ungestörte Schreibatmosphäre.

„Die Prinzen und der Drache“ (1997)

Doch Kinkel hat auch keine Scheu vor anderen Genres: So legte sie mit „Die Prinzen und der Drache“ 1997 ihr erstes Jugendbuch vor. Ein Jahr später erschien mit „Unter dem Zwillingsstern“ ihr erster Roman, der im 20. Jahrhundert spielt. Es geht um das Leben der Schauspieler Carla und Robert. Die beiden verbindet eine platonische Liebe. In Zeiten der Nazi-Diktatur kämpfen sie ums Überleben. Der „Spiegel“ kritisiert ihre Sprache als „so zopfig, dass der Leser das Bedürfnis hat, tief Luft zu holen, um den feinen Staub, der auf der Geschichte liegt, wegzupusten“. Zahlreiche Kinkel-Leser sehen das allerdings ganz anders. 2000 kehrt Tanja Kinkel mit dem Roman „Die Söhne der Wölfin“ in die Gründerzeit Roms zurück.

„Gottesurteil“ (2002)

2003 folgt Kinkels „Götterdämmerung“. Ein Roman, der sich mit brisanten Themen der Gegenwart befasst: Gentechnik, Krieg und der Anti-Terrorkampf der USA kommen darin zur Sprache. Vorher hat Kinkel über zwei Jahre recherchiert, sich mit Biowissenschaftlern und Politikern wie Bill Clinton unterhalten. Wesentlich leichteren Stoff bietet im Vergleich dazu ihr Roman „Der König der Narren“, eine Hommage an Michael Endes „Die unendliche Geschichte“. Er erschien ebenfalls 2003. Ihr aktuellster Roman „Venuswurf“ (2006) führt seine Leser wiederum ins alte Rom zurück.

Kinkels Romane erreichten am Jahresende 2003 eine Gesamtauflage? von mehr als drei Millionen Exemplaren. Für vier davon hat die Autorin Optionsverträge für Verfilmungen unterschrieben. Darüber hinaus verfasste sie das Dramolett? „Gottesurteil“, das 2002 vor dem Bamberger Dom seine Premiere feierte.

Wenn sie nicht an Romanen arbeitet, schreibt Tanja Kinkel Drehbücher, fertigt Übersetzungen an und geht auf Lese-Tourneen. Oder sie engagiert sich im Bamberger Verein „Brot und Bücher“, der sich bessere Bildungschancen für Kinder der Dritten Welt auf die Fahne geschrieben hat. Der Terminkalender der unverheirateten Münchnerin ist jedenfalls prall gefüllt. Getreu ihrem Lebensmotto: Carpe diem.

Übrigens ...

würde Tanja Kinkel gerne ein Instrument spielen und wirklich gut zeichnen können.

Auszeichnungen

  • 1992 Förderpreis des Freistaates Bayern für junge Schriftsteller
  • 1995 Förderaufenthalt des Dt. Innenministeriums in der „Casa Baldi“ in Olevano Romano bei Rom
  • 1996 Stipendium in der Villa Aurora in Los Angeles
  • 2000 Kulturpreis der Oberfränkischen Wirtschaft
  • 2009 Sozialpreis Martinsmantel des Sankt Michaelsbundes für die Gründung des Vereins "Brot und Bücher"

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Tanja Kinkel bei Jokers
  • Das Spiel der Nachtigall, München, Goldmann 2011
  • Im Schatten der Königin, München, Goldmann 2010
  • Säulen der Ewigkeit, München, Goldmann 2008
  • Venuswurf. EA 2006. München, Goldmann 2007, ISBN: 978-3426635063
  • Götterdämmerung. EA 2005. München, Droemer/Knaur 2005, ISBN: 978-3426628164
  • Der König der Narren. Die Legenden von Phantasien. EA 2003. München, Droemer/Knaur 2005, ISBN: 978-3426629956
  • Die Söhne der Wölfin. EA 2000. München, Goldmann 2003, ISBN: 978-3442453825
  • Unter dem Zwillingsstern. EA 1998. München, Goldmann 2006, ISBN: 978-3442462490
  • Die Schatten von La Rochelle. EA 1996. München, Goldmann 1998, ISBN: 978-3442440849
  • Die Puppenspieler. EA 1993. München, Goldmann 1995, ISBN: 978-3442429554
  • Die Löwin von Aquitanien. EA 1991. München, Goldmann 1991, ISBN: 978-3442411580
  • Wahnsinn, der das Herz zerfrisst. EA 1990. München, Goldmann 1990, ISBN: 978-3442097296

Hörbücher

  • Götterdämmerung. 6 CDs. Audiobuch 2004, ISBN: 978-3899640434
  • Venuswurf. 8 CDs. Argon Verlag 2006, ISBN: 978-3870244422

Sekundärliteratur

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