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Metrik

Der Begriff Metrik wird heute synonym mit Verslehre verwendet. Ziel der Metrik ist es, alle Regeln für den Versbau und die Verssprache zu erfassen.

Definition

In der modernen Literaturwissenschaft wird der Terminus Metrik (gr. metrike techne = Kunst des Messens) synonym mit Verslehre verwendet. Beide Begriffe bezeichnen die Lehre von den Gesetzmäßigkeiten und der Geschichte des Verses. Diese Lehre bezieht sich nur auf gebundene Sprache (Lyrik, Versdrama?), nicht auf ungebundene Sprache (Prosa). Ziel der Metrik ist es, alle Regeln für den Versbau und die Verssprache zu erfassen.

Die Metrik hat drei Hauptgebiete:

Überblick

Der Vers

Die kleinste metrische Einheit ist der Vers, der in ungegliederter Versfolge (stichische Anordnung) oder in fester Strophenform? vorkommt. Trifft keiner der beiden Fälle zu und besteht dennoch ein Minimum an Regelhaftigkeit, spricht man von freien Rhythmen.

Die Silbe und ihre Wert-Symbolik

Der kleinste Baustein des Verses ist die Silbe?. Die Prosodie? entscheidet darüber, wie die vom Versmaß verlangten Hebungen und Senkungen auf betonte oder unbetonte Silben? verteilt werden. Hier unterscheidet man – entsprechend der phonetischen? Struktur der jeweiligen Sprache, in der z. B. das Gedicht oder das Versdrama? geschrieben ist – drei Versprinzipien:

  • das akzentuierende (betont - unbetont)
  • das quantitierende (lange Silbe - kurze Silbe)
  • das intonatorische (hoher Ton - tiefer Ton; ist in der Metrik unbedeutend)

Im Deutschen gilt das akzentuierende, im Französischen das intonatorische, im Altgriechischen und Lateinischen das quantitierende Versprinzip. Die Betonung eines Gedichtes erreicht man im Deutschen also, indem man die einen Silben betont und die anderen unbetont lässt: "Der Mónd ist áufgegángen ...". In den antiken Sprachen hingegen verwendet man lange und kurze Silben statt betonter und unbetonter.

Um die Wertigkeit der einzelnen Silben? zu kennzeichnen, hat man sich auf folgende Symbolik geeinigt:

  • - = lange Silbe
  • u = kurze Silbe
  • X = betonte Silbe
  • x = unbetonte Silbe

Der Vers "Ich séhe óft um Mítternácht" (Claudius?) mit seinen acht Silben? wäre dann so zu notieren: x X x X x X x X.

Der Vers "Ich gíng herníeder wéite Bérgesstíegen" (Hofmannsthal?) mit seinen elf Silben? wäre dann so zu notieren: x X x X x X x X x X x.

Der Versfuss

Der Versfuß ist die kleinste feste Einheit innerhalb eines Verses. Der Versfuß besteht immer aus mehreren Silben, die in einem festgelegten Takt aufeinander folgen. Der Versfuß füllt dann sozusagen den Vers bis zum Rand aus. Handelt es sich bei dem Vers zum Beispiel um einen jambischen Vierheber?, könnte das so aussehen: x X x X x X x X oder mit Kadenz?: x X x X x X x X x.

Die bekanntesten Versfüße sind:

  • Jambus - zweiteiliger Versfuß, der aus einer unbetonten und einer betonten Silbe besteht (Befíehl = x X)
  • Trochäus - zweiteiliger Versfuß, der aus einer betonten und einer unbetonten Silbe besteht Schránke = X x)
  • Daktylus - dreiteiliger Versfuß, bei dem auf eine betonte zwei unbetonte Silben folgen (Wásserfall = X x x)
  • Anapäst? - dreiteiliger Versfuß, bei dem auf zwei unbetonte Silben eine betonte Silbe folgt (Wie mein Hérz = x x X)
Das Versmaß

Das jeweilige Versmaß gibt vor, wie die metrische Struktur des Verses gegliedert sein muss. Das Versmaß bildet sozusagen das Schema, nach dem sich kurze und lange bzw. betonte und unbetonte Silben? in der Verssprache abwechseln.

Häufig vorkommende Versmaße sind:

Geschichte

Die theoretische Beschäftigung mit der Dichtung und ihrer grundlegenden Struktur begann im antiken Griechenland, etwa im Zeitalter Alexanders des Großen. Ihr ging die Trennung der Dichtung von der Musik voraus. Man kann also sagen: Die Dichtung als Kunstform ist aus dem Geist der Musik hervorgegangen. Die Hauptvertreter der antiken Verswissenschaft waren die so genannten Grammatiker?, z. B. Aristoxenos? und Aristophanes?. Die antike Metrik war quantitierend, das bedeutet, in ihr wurde nach langen und kurzen Silben gezählt.

Die Gelehrten im Humanismus? haben das quantitierende Versprinzip auch in die deutsche Dichtung eingeführt – was nicht sonderlich gut überlegt war, denn dieses Versprinzip ist dem Charakter der deutschen Sprache nicht gemäß. Die deutsche Sprache unterscheidet nicht lange und kurze, sondern betonte und unbetonte Silben?. Daraus resultierte eine Fülle von sprachlichen Verrenkungen.

Erst Martin Opitz? hat mit seinem literaturtheoretischen Hauptwerk? „Buch von der Deutschen Poeterey“ (1624) dieselbe reformiert. Seither gilt in Deutschland das akzentuierende Versprinzip. In diesem Zusammenhang spricht man auch von der Opitz’schen? Reform. Die auch heute noch verwendete, grundlegende Verslehre? stammt von Andreas Heusler? („Deutsche Versgeschichte“, 1925-1929).

Das Hauptproblem der modernen deutschen Verslehre besteht in der erschreckenden Verwirrtheit der Terminologie, was eine direkte Folgeerscheinung der traditionellen Theoriekonkurrenz auf diesem Gebiet ist. Dieses Problem beklagen auch hochkarätige Literaturwissenschaftler immer wieder.

Literatur

  • Brecht, Bertolt: 100 Gedichte. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag 1998, ISBN: 978-3518393000
  • Eichendorff, Joseph von: Gedichte. Ditzingen, Reclam Verlag 1997, ISBN: 978-3150079256
  • Trakl, Georg: Fünfzig Gedichte. Ditzingen, Reclam Verlag 2001, ISBN: 978-3150181324

Sekundärliteratur

  • Moennighoff, Burkhard: Metrik. Ditzingen, Reclam Verlag 2004, ISBN: 978-3150176498
  • Snell, Bruno: Griechische Metrik. Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht 1998, ISBN: 978-3525253182
  • Wagenknecht, Christian: Deutsche Metrik. Eine historische Einführung. München, C. H. Beck Verlag 2007, ISBN: 978-3406557316

Weitere Einträge zum Stichwort:


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