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Hagedorn, Matthias

Matthias Hagedorn (geb. 16. Februar 1956 in Rungholt) ist ein deutscher Lektor und Essayist. Er lebt in Bad Mülheim.

Leben und Schreiben

Seit 1974 arbeitet Matthias Hagedorn als Lektor. Er hat Events organisiert, Lesungen, Vorträge und Ausstellungseröffnungen durchgeführt und in projektbezogen zusammengestellten Teams mit Tontechnikern, Regisseuren, Schauspielern, Grafik-Designern, und anderen Kreativen gearbeitet. Außerdem hat er Fundraising für Kataloge, Bücher und CD-Projekte betrieben. Seit 2001 zwingt ihn eine Krankheit in den Rollstuhl.

Matthias Hagedorn schreibt Essays? zu den Themen Hörspiel, Literatur, Bildende Kunst und Musik. Im Internet lektoriert er das Projekt "Kollegengespräche" (Link siehe unten).

Selbstverständnis

Als Autor fühlt sich Matthias Hagedorn Michel de Montaigne? verwandt, sein Vorbild ist Walter Benjamin?.

Sein Leitsatz stammt von Veza Canetti?: "Du schreibst das Leben, aber wenn Du lebst, verschreibst Du Dich." Das eigene Leben, so schlussfolgert Matthias Hagedorn, ist kein Nachschlagewerk, in dem man nach Belieben herumblättert, kein fertiges Manuskript, das man jederzeit veröffentlichen kann. Veza Canetti nehme mit diesem Satz das postmoderne Konzept einer Autorschaft vorweg, demzufolge der Schriftsteller nicht mehr zu schreiben habe, sondern sich schreiben lasse.

Hagedorn beschreibt sich als Adepten von Johannes Gensfleisch, von dem er sich die beweglichen Metall-Lettern borge: "Nie habe ich etwas Eigenes geschrieben, alles ist compiliert. Ich bin ein melancholischer Schrotthändler: Aus Abfällen zimmere ich meine Ansichten. Alles ist drin, aber nichts passt zusammen. Die Sprache hinkt und klemmt an allen Ecken und Enden. Das ist ein trauriges, aber mein liebstes Spiel. Ein Spiel fast ohne Regeln. Wie bei jedem Spiel ist das einzig Wahre das Spiel selbst."

Er verstehe sich nicht als Schriftsteller, betont Hagedorn. Kultur basiere seit jeher auf dem Prinzip der Adaption, der Anspielung und der Kopie. In dem Moment, wo man das Leben in irgendeiner Weise literarisiere, distanziere man sich. Sein Leitstern sei Walter Benjamin, der sich von der Montage und Konstellation von Zitaten nicht nur eine neue Kunstform, den Funken der Erkenntnis, sondern eine Art von Erlösung der Vergangenheit versprochen habe, indem er ihre Tradierbarkeit durch ihre Zitierbarkeit ersetzte – so sehr, dass er an eine Buchpublikation aus lauter Zitaten dachte. "Das Subjekt des Autors geht in die Form und Substanz seines Materials ein – was sich die Entsagungsbereitschaft von Herausgebern kategorisch versagt — J'éspère, je pense! Ich bin ein Amateur, weil in dem Wort Amateur das Wort Amour steckt."

Texte im Bücher-Wiki

Links


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