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May, Karl

Karl May (geb. 25. Februar 1842 in Ernstthal / Sachsen; gest. 30. März 1912 in Radebeul bei Dresden) war ein deutscher Schriftsteller. Mit seinen phantasievollen und farbenprächtigen Abenteuerromanen gelangte er zu Weltruhm.

Leben und Schreiben

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Karl May wurde als Carl Friedrich May am 25. Februar 1842 in Ernstthal (heute Hohenstein-Ernstthal) in Sachsen geboren. Er wuchs als fünftes von 14 Kindern eines erzgebirgischen Webers in kümmerlichen Verhältnissen auf. Bis zu seinem fünften Lebensjahr war er blind. In der Schule förderten die Lehrer den talentierten und phantasievollen Knaben. Er erhielt zudem privaten Musikunterricht.

Ab 1856 besuchte May das Lehrerseminar in Waldenburg. Sein Berufsweg als Lehrer endete aber bereits 1861 nach wenigen Wochen, da er wegen Diebstahls zu einer mehrwöchigen Haftstrafe verurteilt wurde. Zwischen 1862 und 1874 musste May aufgrund verschiedener Delikte mehrere Freiheitsstrafen verbüßen. Er wurde u. a. wegen Betrugs und Hochstapelei steckbrieflich gesucht. Im Zuchthaus Zwickau betreute er die Anstaltsbibliothek und las in dieser Zeit vor allem Reise- und Abenteuerliteratur.

Foto: MrPanyGoff/Wikimedia Commons

Schreiben unter Polizeiaufsicht

Als Redakteur von populären Familienblättern gelangte May in den 1870er Jahren zu bescheidenem Wohlstand und stellte auch sein ramponiertes Ansehen wieder her. Im Jahr 1880 heiratete er seine langjährige Freundin Emma Poller, deren Untreue die Beziehung mehrmals auf eine harte Probe stellte. Seit 1883 lebte er als freier Schriftsteller in Blasewitz, 1896 siedelte er nach Radebeul in die Villa Shatterhand über. In Radebeul bei Dresden befindet sich heute das Karl-May-Museum.

Als erste noch vorhandene größere Publikation Karl Mays gilt die volkstümlich-sentimentale Erzählung „Die Rose von Ernstthal“, die vermutlich erstmals im November 1874 erschienen ist. Viele der für die May-Forschung so wichtigen Zeitschriften aus den 1860er und frühen 1870er Jahren gelten heute als verschollen. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung stand May, der erst wenige Monate zuvor aus der Haft entlassen worden war, noch unter Polizeiaufsicht.

Große Popularität beim Publikum

Es folgten zahlreiche erzgebirgische Dorfgeschichten?, Humoresken? und geschickt komponierte Kolportageromane?, die May zum Teil anonym oder unter Pseudonym (u. a. Karl Hohenthal, Hobble Frank) veröffentlichte, um sich das Honorar mehrfach auszahlen zu lassen. Zu nennen sind vor allem die Romane „Das Waldröschen“ (1882-1884), „Der verlorene Sohn“ (1884-1886) und „Die Wüstenräuber“ (1885), die beim Publikum außerordentlichen Erfolg hatten und den Autor rasch populär machten. Im Zuge der Karl-May-Renaissance in den 1970er Jahren wurden etliche der frühen Veröffentlichung neu aufgelegt?, teilweise als schmucke Faksimiles.

Mit dem Verleger Fehsenfeld kommt der Erfolg

Zu Reichtum und schriftstellerischem Ruhm gelangte May in den 1890er Jahren. Vor allem die Verbindung mit dem ehrgeizigen und tüchtigen Verleger Friedrich Ernst Fehsenfeld? erwies sich als Glücksfall. Fehsenfeld?, der in seiner Kindheit den Historiker Theodor Mommsen? sowie die Brüder Grimm und Iwan Turgenjew? kennen gelernt hatte, bot May an, die zumeist in Zeitschriften erschienenen Romane und Erzählungen in Buchform zu veröffentlichen. So erschien ab 1892 die Reihe „Carl May’s Gesammelte Reiseromane“, ab 1896 „Karl May’s Gesammelte Reiseerzählungen“.

Ruhm und Kritik

Was die Bücher Karl Mays so erfolgreich und bis heute populär macht, ist vor allem die ausschweifende und den Leser mitreißende Phantasie des Autors. Schauplätze seiner farbenprächtigen Abenteuer- und Reiseromane sind hauptsächlich der Wilde Westen und der Vordere Orient. Viele seiner Hauptfiguren sind weltbekannt, allen voran der edle Indianerhäuptling Winnetou und Old Shatterhand sowie der großmütige Kara Ben Nemsi und sein treuer Diener Hadschi Halef Omar.

Gewürzt sind seine Geschichten zumeist mit verwegener Heldenromantik und detektivischer Spürnasenakrobatik. Die exotischen Landschaften, die Karl May in seinen Büchern beschreibt, hat er übrigens erst relativ spät tatsächlich kennen gelernt: In den Jahren 1899 und 1900 besuchte er den Orient, 1908 reiste er nach Amerika. Sein Reisetagebuch ist nur in Fragmenten? erhalten.

Zugleich mit dem kommerziellen Erfolg meldeten sich nun auch zahlreiche Kritiker zu Wort: primitive Psychologie, unrealistische Heldentümelei, Kolportageliteratur? untersten Niveaus – so und so ähnlich lauteten die oft wiederholten Vorwürfe. Kurioserweise wurden auch Mays Vorstrafen als Beweis für seine angebliche schriftstellerische Hochstapelei herangezogen!

Bücher für Jung und Alt

Zu Karl Mays bekanntesten Reiseromanen gehört der „Orientzyklus“ (6 Bände, erschienen 1892, darunter „Durchs wilde Kurdistan“ und „Der Schut“) sowie die Reihen um „Winnetou“ (4 Bände, erschienen 1893-1910) und „Old Surehand“ (3 Bände, erschienen 1894-1897). Daneben schrieb Karl May etliche Romane und Erzählungen speziell für jugendliche Leser, die zumeist im Wilden Westen spielen. Zu Berühmtheit gelangten vor allem „Der Schatz im Silbersee“ (1890/1891) und „Der Ölprinz“ (1893/1894).

Das Spätwerk entsteht

Das Spätwerk? Mays fand zu seinen Lebzeiten nur geringe Beachtung. Heute hingegen sind es vor allem die nach 1900 entstandenen Werke?, die von Liebhabern und Kennern mit besonderer Aufmerksamkeit gelesen werden, da sie das vermeintlich vertraute Bild des Autors von einer anderen Seite beleuchten. Erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang die Gedichtsammlung „Himmelsgedanken“ (1900), das Drama „Babel und Bibel“ (1906), einige kunsthistorische Essays (z. B. „Briefe über Kunst“, 1906/1907) und die Autobiographie „Mein Leben und Sterben“ (1910).

Karl May starb am 30. März 1912 in Radebeul bei Dresden. Er wurde auf dem Friedhof Radebeul-Ost im May-Grabmal beigesetzt. Die marmorne Figurengruppe „Engel empfangen eine irdische Seele“ über der Grabplatte stammt von dem Bildhauer Selmar Werner, der sich zusammen mit anderen Künstlern häufig in Mays Villa Shatterhand in Radebeul aufgehalten hatte.

Nach Mays Tod wurden etliche Werke? aus seinem Nachlass? herausgegeben. Darunter befanden sich Fragmente? von Erzählungen und Dramen, Gedichte, sein umfangreiches Bibliotheksverzeichnis? und vor allem Briefe, Briefe, Briefe. Zahlreiche Bücher wurden verfilmt oder sind Gegenstand von Karl-May-Festspielen.

Übrigens ...

zählt Karl May seit mehr als 100 Jahren zu den meistgelesenen Schriftstellern der Welt. Seine Bücher wurden in mehr als vierzig Sprachen übersetzt. Die Weltauflage? liegt bei rund 200 Millionen Bänden, davon etwa 100 Millionen in Deutschland.

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Karl May bei Jokers
  • Der Schatz im Silbersee. Gesammelte Werke. Band 36. EA 1890/1891. Karl-May-Verlag, Bamberg 1997, ISBN: 978-3780200365
  • Durch die Wüste. Gesammelte Werke. Band 1. EA 1892. Karl-May-Verlag, Bamberg 2003, ISBN: 978-3780200013
  • Durchs wilde Kurdistan. Gesammelte Werke. Band 2. EA 1892. Karl-May-Verlag, Bamberg 2001, ISBN: 978-3780200020
  • In den Schluchten des Balkan. Gesammelte Werke. Band 4. EA 1892. Karl-May-Verlag, Bamberg 2003, ISBN: 978-3780200044
  • Winnetou I. Gesammelte Werke. Band 7. EA 1893. Karl-May-Verlag, Bamberg 1992, ISBN: 978-3780200075
  • Der Ölprinz. Gesammelte Werke. Band 37. EA 1893/1894. Karl-May-Verlag, Bamberg 2001, ISBN: 978-3780200372
  • Im Reiche des silbernen Löwen. Gesammelte Werke. Band 28. EA 1898. Karl-May-Verlag, Bamberg 1997, ISBN: 978-3780200280

Hörbücher

  • Der Schatz im Silbersee. 4 CDs. Random House, München 2006, ISBN: 978-3866040991
  • Old Surehand. 6 CDs. Random House, München 2006, ISBN: 978-3866044463
  • Winnetou. 7 CDs. Random House, München 2005, ISBN: 978-3866040373

Sekundärliteratur

  • Kramer, Thomas: Karl May. Ein biografisches Porträt. Herder Verlag, Freiburg 2011, ISBN: 978-3451062377
  • Maier, Katharina: Nscho-tschi und ihre Schwestern. Frauengestalten im Werk Karl Mays. Karl-May-Verlag, Bamberg 2012, ISBN: 978-3780201935
  • Schaper, Rüdiger: Karl May. Untertan, Hochstapler, Übermensch. Siedler Verlag, München 2011, ISBN: 978-3886809752
  • Schmiedt, Helmut: Karl May oder Die Macht der Phantasie. Eine Biographie. C.H. Beck Verlag, München 2011, ISBN: 978-3406621161

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