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Mann, Heinrich

Heinrich Mann (geb. 27. März 1871 in Lübeck; gest. 12. März 1950 in Santa Monica/USA) war ein deutscher Schriftsteller und der ältere Bruder von Thomas Mann.

Leben

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Heinrich Mann wurde am 27. März 1871 als Sohn des Speditionskaufmanns und späteren Senators Thomas Johann Heinrich Mann und dessen Frau Julia (geborene Bruhns) in Lübeck geboren. Dort wuchs er in wohlhabenden Verhältnissen auf. 1889 verließ er vorzeitig das Gymnasium und war für kurze Zeit Lehrling bei einem Buchhändler. In den Jahren 1890 und 1891 belegte Heinrich Mann neben seinem Volontariat beim S. Fischer Verlag? in Berlin Kurse an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität. 1891 begann er seine Tätigkeit als freier Schriftsteller. Zwei Jahre später siedelte er mit seiner Mutter und seinen Geschwistern nach München über. Von 1899 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs war er ohne festen Wohnsitz. In dieser Zeit hielt er sich länger in der Kleinstadt Palestrina in der Nähe von Rom auf. Dieses kleine Städtchen in der Campagna Romana diente als Modell für den 1909 erschienenen Roman „Die kleine Stadt“.

1905 erschien sein Roman „Professor Unrat oder Das Ende eines Tyrannen“. 1914 heiratete er die Schauspielerin Maria Kanova (eigentlich Kahn), mit der er eine Tochter, Leonie Mann, hatte. 1915, nach Beginn des Ersten Weltkriegs, protestierte Heinrich Mann mit seinem Essay „Zola“ gegen die allgemeine Kriegsbegeisterung und die Haltung seines Bruders Thomas Mann, der sich in „Gedanken im Kriege“ deutschnational äußerte. Heinrich Mann stand dem Kommunismus nahe. Er lehnte Krieg als politisches Mittel grundsätzlich ab. Dieser weltanschauliche Konflikt trennte die Brüder für einige Jahre. Erst 1922 versöhnten sie sich wieder. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 erschien Heinrich Manns Roman „Der Untertan“ – nach Vorabdrucken einzelner Kapitel 1911/12 in der Zeitschrift „Simplicissimus?“ und einer abgebrochenen Veröffentlichung 1914 in „Zeit im Bild“ – zum ersten Mal vollständig.

1928 trennte sich Heinrich Mann von seiner Frau und siedelte wieder nach Berlin über. Im selben Jahr erschien sein Roman „Eugénie oder Die Bürgerzeit“. Konsul Jürgen West lässt sich darin auf riskante Börsengeschäfte mit dem Spekulanten Heinrich Pidohn ein, die ihn ruinieren. Bereits 1929 lernte er seine spätere Ehefrau Nelly Kröger kennen. 1931 wurde er zum Präsidenten der Sektion Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste gewählt. Sein Entwicklungsroman „Ein ernstes Leben“ erschien 1932. Hierin kämpft Marie, Tochter eines Trunkenbolds und einer Landarbeiterin, gegen die Armut an und wird aus Barmherzigkeit zur Diebin. Kraft der Liebe ihres Freundes Mingo und besonders kraft eigener Besinnung gelingt es Marie, sich aus den Verstrickungen zu lösen. In den Jahren 1932 und 1933 unterzeichnete Heinrich Mann gemeinsam mit Käthe Kollwitz und Albert Einstein Aufrufe zur Aktionseinheit der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) gegen die Nationalsozialisten. Im Februar 1933 wurde er von den an die Macht gekommenen Nationalsozialisten aus der Akademie der Künste ausgeschlossen. Er emigrierte nach Frankreich. Im August desselben Jahres wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt.

Von 1933 bis 1940 befand sich Heinrich Manns Wohnsitz in Nizza. In dieser Zeit wurde er Vorsitzender der deutschen Volksfront sowie Ehrenpräsident der SPD und verfasste Flugschriften? gegen die Nationalsozialisten. Zwischen 1935 und 1938 verfasste er den zweibändigen historischen Roman „König Henri Quatre“. Bei diesem handelt es sich um einen archetypischen Vertreter der Exilliteratur während des Dritten Reiches. 1936 wurde Mann tschechoslowakischer Staatsbürger. 1939 heiratete er Nelly Kröger, im selben Jahre wurde seine erste Frau ins Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt, kam jedoch wieder frei. 1940 flohen die Manns zusammen mit Lion Feuchtwanger?, Golo Mann? und Franz Werfel? in die USA, wo Heinrich Mann als Drehbuchautor? für die Filmgesellschaft Warner Brothers tätig war. 1944 nahm sich seine Frau Nelly, die unter schweren Alkoholproblemen litt, das Leben. 1945 veröffentlichte Heinrich Mann sein Memoirenwerk „Ein Zeitalter wird besichtigt“. Er betrachtet hier die Geschichte Europas, mit der Französischen Revolution beginnend bis hin zum Wilhelminischen Deutschland. Das über weite Strecken sarkastische Werk enthält etliche Kurzporträts von Personen der Zeitgeschichte.

1949 erschien Heinrich Manns letzter Roman – „Der Atem“. Er schildert hier die letzten zwei Tage im Leben einer verarmten, schäbig angezogenen Dame namens Kobalt, die früher in Frankreich für die Kommunisten agitiert hatte. Ebenfalls 1949 wurde der Schriftsteller zum Präsidenten der Deutschen Akademie der Künste in Berlin (DDR) gewählt. Er starb jedoch noch vor der geplanten Rückkehr nach Deutschland am 12. März 1950 in Santa Monica und wurde dort begraben. 1961 wurde seine Urne in die DDR überführt und auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin beigesetzt.

Nach ihm ist der Heinrich-Mann-Preis? benannt, ein Literaturpreis, der seit 1953 von der Akademie der Künste Berlin (vorher Akademie der Künste der DDR) jährlich verliehen wird. Der Preis wird für Werke mit gesellschaftskritischem Charakter zu Ehren von Heinrich Mann vergeben und ist mit 8.000 Euro dotiert.

Literarische Arbeiten

Professor Unrat oder Das Ende eines Tyrannen, Roman (1905)

„Professor Unrat oder Das Ende eines Tyrannen“ ist ein Roman von Heinrich Mann, der 1904 entstanden und 1905 erschienen ist. Manche sahen in ihm eine Karikatur? des deutschen Bildungsbürgers in der Wilhelminischen Epoche. Heinrich Mann schildert hier die makabre Geschichte eines professoralen Gymnasiastenschrecks, einer Spießerexistenz, die in später Leidenschaft einer Kleinstadtkurtisane verfällt und den gewohnten bürgerlichen Bahnen entgleitet.

Professor Raat, ein tyrannischer Lehrer an einem Gymnasium, traktiert seine Schüler, die ihn „Unrat“ nennen“, aufs Schlimmste – auch über die Schulmauern hinaus. Auf der nächtlichen Jagd nach seinen ihm verhassten Schülern lernt er die Sängerin und „Barfußtänzerin“ Rosa Fröhlich kennen und verliebt sich in sie. Je öfter der alternde Gymnasialprofessor im „Kabuff“ der Rosa Fröhlich verkehrt und dadurch seine autoritäre Stellung bei den Schülern untergräbt, desto näher rückt er den von ihm Unterjochten. Als er sich schließlich über alle Hemmungen und Konventionen hinwegsetzt und die sich nach Sicherheit sehnende Fröhlich heiratet, ist seine bürgerliche Stellung verloren.

In Manns Heimatstadt Lübeck, deren Einwohner für den Roman herhalten mussten, wurde das Buch – soweit dies möglich war – totgeschwiegen. Wenn dies nichts half, wurde der Roman heftig kritisiert. Faktisch herrschte ein Verbot des Buches. Durch die zahlreichen Übersetzungen und durch den Aufstieg Adolf Hitlers vor dem Zweiten Weltkrieg erlangte das Buch Weltruhm.

Der Untertan, Roman (1918)

„Professor Unrat“ findet sein stoffliches und thematisches Pendant im 1914 fertiggestellten Roman „Der Untertan“, in dem Heinrich Mann vor derselben kleinstädtischen Kulisse Lübecks die Dialektik des Tyrann-Untertan-Verhältnisses wieder aufnimmt. Erst nach Wegfall der Zensur? konnte der Roman 1918 veröffentlicht werden.

Die sechs Kapitel des Buchs erzählen analog dem formalen Muster eines Bildungsromans und mit autobiographischen Anspielungen auf Heinrich Manns Geburtsstadt Lübeck die Lebensgeschichte des Bürgers Diederich Heßling (ursprünglich Hänfling) von seiner früheren Kindheit bis zur Sicherung seiner Stellung in seiner Heimatstadt Netzig. In detailfreudigem, Drastik nicht scheuendem Realismus werden die Träume des Kindes beschrieben, die Taten des Schülers, die Erfahrungen des Studenten in Berlin. Nach Ende des Studiums wird die Hauptfigur fast ausschließlich in ihrem heimischen Aktionskreis vorgeführt: als Agitator am Stammtisch, als Herr über einen Betrieb und Beherrscher einer Familie, als Eiferer gegen das Proletariat und als Zeuge im Prozess gegen einen jüdischen Mitbürger wegen Majestätsbeleidigung.

An dieser Kette von Episoden und mit Hilfe eines aus Kaiserreden entlehnten Zitatfeldes wird die Doppelrolle Heßlings als Tyrann und Untertan entwickelt. Der Roman, häufig als „Pamphlet?“ missverstanden und im Gefolge der Kritik Thomas Manns in seinen „Betrachtungen eines Unpolitischen“ von völkischen? Rezensenten abgewertet, gilt heute als das Hauptwerk deutscher Satire im 20. Jahrhundert.

Die Henri-Quatre-Romane (1933-1938)

1933 bis 1938, im französischen Exil, schrieb Heinrich Mann zwei Romane um den französischen König Henri Quatre. Sie gelten als sein meisterliches Spätwerk. Im Heinrich Mann-Jahrbuch 2006 hat Wolfgang Klein Briefe von Zeitgenossen veröffentlicht, die begeisterte Reaktionen auf das Erscheinen des ersten Bandes enthalten.

Hier geht's zur Rezension der Romane um Henri Quatre


Übrigens ...

1931 verfilmte Josef von Sternberg „Professor Unrat“ nach einem Drehbuch von Carl Zuckmayer? unter dem Titel „Der blaue Engel“ mit Marlene Dietrich und Emil Jannings in den Hauptrollen.

Auszeichnungen

  • 1930-1933 Präsident der Preußischen Akademie der Künste in der Sektion Dichtung
  • 1949 Nationalpreis I. Klasse für Kunst und Literatur der DDR

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Heinrich Mann bei Jokers
  • Die kleine Stadt. EA 1909. Roman. Frankfurt am Main, Fischer Taschenbücher 2006, ISBN: 978-3596172108
  • Der Untertan. EA 1918. Roman. Frankfurt am Main, Fischer Taschenbücher 2006, ISBN: 978-3596169764
  • Ein ernstes Leben. EA 1932. Roman. Frankfurt am Main, Fischer Taschenbücher 1991, ISBN: 978-3596259328
  • Die Jugend des Königs Henri Quatre. EA 1935. Roman. Frankfurt am Main, Fischer Taschenbücher 2006, ISBN: 978-3596101184
  • Die Vollendung des Königs Henri Quatre. EA 1938. Roman. Mit einem Nachwort von Hans Mayer und einem Materialienanhang zusammengestellt von Peter-Paul Schneider. Frankfurt am Main, Fischer Taschenbücher 1991, ISBN: 978-3596101191
  • Ein Zeitalter wird besichtigt. EA 1946. Erinnerungen. Nachwort von Klaus Schröter. Mit einem Materialanhang zusammengestellt von Peter-Paul Schneider. Frankfurt am Main, Fischer Taschenbücher 1988, ISBN: 978-3596259298
  • Der Atem. EA 1949. Roman. Frankfurt am Main, Fischer Taschenbücher 1993, ISBN: 978-3596259373

Hörbücher

  • Mann, Heinrich / Mann, Thomas: Nicht einverstanden! Briefwechsel 1900-1950. 4CDs. Gesprochen von Rudolf-Jürgen Bartsch und Bodo Primus. Berlin, Universal Music, Deutsche Grammophon 2005, ISBN: 978-3829115452

Sekundärliteratur

  • Flügge, Manfred: Heinrich Mann. Eine Biographie. Reinbek, Rowohlt Verlag 2006, ISBN: 978-3498020897
  • Jasper, Willi: Die Jagd nach Liebe. Heinrich Mann und die Frauen. Frankfurt am Main, S. Fischer Verlag 2007, ISBN: 978-3100367204
  • Koopmann, Helmut: Thomas Mann – Heinrich Mann. Die ungleichen Brüder. München, C.H. Beck Verlag 2005, ISBN: 978-3406527302
  • Mann, Heinrich: „Auch ich kam aus Deutschland…“. Das private Adressbuch 1926-1940. Herausgegeben von Christine Fischer-Defoy. Leipzig, Verlag Koehler & Amelang 2007, ISBN: 978-3733803544
  • Stein, Peter: Heinrich Mann. Stuttgart, Metzler 2002, ISBN: 978-3476103406

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