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Pamuk, Orhan

Orhan Pamuk (geb. 7. Juni 1952 in Istanbul) ist ein türkischer Schriftsteller. Er gehört zu den bedeutenden türkischen Autoren der Gegenwart, deren Werke auf der ganzen Welt in hohen Auflagen? erscheinen. 2006 wurde Orhan Pamuk mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.

Leben und Schreiben

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Orhan Pamuk wurde am 7. Juni 1952 als Sohn einer wohlhabenden Industriellenfamilie in Istanbul geboren. Sein Vater besaß eine umfangreiche Bibliothek und erzählte oft von den großen europäischen Schriftstellern der Moderne? wie Thomas Mann, Franz Kafka oder Alfred Döblin. In seiner Jugend hegte Orhan Pamuk den Wunsch, Maler zu werden. Er besuchte das englischsprachige Robert College in seiner Heimatstadt und studierte anschließend Architektur und Publizistik an der Universität Istanbul. Im Alter von 23 Jahren machte er seinen Abschluss und entschied sich für ein Leben als freier Schriftsteller.

Orhan Pamuk gilt als einer der wichtigsten Schriftsteller der Türkei. Fast alle seine Bücher avancierten zu Bestsellern und erzielten auch im Ausland hohe Auflagen?. In seinen Romanen setzt er sich immer wieder mit dem drohenden Identitätsverlust der türkischen Gesellschaft auseinander. Er beschreibt die Türkei als ein Land, das zwischen Orient und Okzident, zwischen eigener Tradition und westlicher Zivilisation nach einem Weg für die Zukunft sucht. In Europa galt Pamuk bald als „Umberto Eco der Türkei“, westliche Literaturkritiker nennen seinen Namen in einem Atemzug mit Jorge Luis Borges? und Italo Calvino. Im Jahr 2006 wurde Pamuk mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.

Foto: David Shankbone / Wikipedia.org

Ein Platz im Elfenbeinturm

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Brisante politische Debatten in der Türkei – wie den Kurdenkonflikt oder den offiziell geleugneten Völkermord an den Armeniern – begleitet Pamuk mit klaren und offenen Worten. So solidarisierte er sich mit dem 1995 angeklagten kurdischen Schriftsteller Yasar Kemal und verteidigte Salman Rushdie und dessen „Satanische Verse“ gegen Angriffe religiöser Fundamentalisten. Seine eigenen Romane bezeichnete Pamuk stets als unpolitisch und rein literarisch.

Von einem Journalisten nach seinem politischen Standpunkt als Schriftsteller gefragt, antwortete Pamuk: „Welchen Standpunkt meinen Sie? Ich habe keinen!“ Als Schriftsteller sitze er in einem poetischen Elfenbeinturm und habe auch nicht vor, diesen für einige hitzige Wortgefechte auf dem Marktplatz der politischen Meinungen einzutauschen, sagte Pamuk weiter. Der Elfenbeinturm bewahrte Pamuk jedoch nicht davor, dass seine Bücher heftige politische Debatten in der Türkei auslösten und ihm - nach einem Interview mit dem Zürcher "Tages-Anzeiger" 2005 - sogar eine Anklage wegen „Verleumdung des Türkentums“ einbrachte, die jedoch 2006 wieder eingestellt wurde.

„Die weiße Festung“ (1985)

Bereits für seine beiden ersten Romane „Cevdet Bey“ (1982) und „Sessiv Ev“ (1983) wurde Orhan Pamuk mit großen türkischen Literaturpreisen ausgezeichnet. Der internationale Durchbruch gelang ihm 1985 mit dem Roman „Beyaz Kale“ (dt. „Die weiße Festung“, 1990), der in der Zeit der Herrschaft des Großwesirs Köprülü spielt. Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein aus Florenz stammender Ich-Erzähler, der bei einem Seegefecht in die Hände der Türken fällt. Er wird als Sklave verkauft und landet bei einem Herrn, der ihm verblüffend ähnlich sieht. Zwischen Herr und Sklave kommt es zu einem spannenden Konflikt, der den Kampf zweier verschiedener Kulturen und Weltbilder symbolisiert.

„Das schwarze Buch“ (1995)

Noch erfolgreicher bei Kritik und Publikum? war sein 1990 erschienener Roman „Kara Kitab“ (dt. „Das schwarze Buch“, 1995), der während eines mehrjährigen Aufenthalts mit seiner Frau in New York entstanden war. Der Roman gilt als Meisterwerk?. Erzählt wird die Geschichte Galips, der sich auf die Suche nach seiner Frau begibt, die plötzlich spurlos verschwunden ist. Doch je weiter die Geschichte fortschreitet, desto deutlicher erkennt der Leser, dass es sich bei Galips Suche in Wahrheit um die Suche nach sich selbst handelt – nach der eigenen Identität, die in einer aus den Fugen geratenen Welt bedroht ist.

„Schnee“ (2002)

Nach dem Roman „Yeni Hayat“ (1994; dt. „Das neue Leben“, 1998) veröffentlichte Orhan Pamuk den mehrdeutigen und sehr lesenswerten Kriminalroman „Benim Adim Kirmizi“ (1998; dt. „Rot ist mein Name“, 2002), der unter Buchmalern? im Osmanischen Reich des 16. Jahrhunderts spielt. Für „Rot ist mein Name“ erhielt Pamuk neben dem hochdotierten International IMPAC Dublin Literary Award? weitere internationale Auszeichnungen.

Danach legte er den fesselnden und intelligent erzählten Roman „Kar“ (2002; dt. „Schnee“, 2005) vor, in dem er schildert, wie die türkische Gesellschaft im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne eine neue Identität sucht. Die Hauptfigur in „Kar“ ist der Lyriker? Ka, der nach dem Militärputsch 1980 ins Exil gegangen war und 1992 nach Istanbul zurückkehrt. Von dort reist er weiter nach Kars – einer Stadt, die von nicht enden wollendem Schneefall heimgesucht wird. In Kars geschehen seltsame Dinge: Junge Frauen nehmen sich das Leben, angeblich, weil sie es nicht ertragen, dass sie ihre vom Koran? vorgeschriebenen Kopftücher in öffentlichen Einrichtungen wie der Schule abnehmen müssen. Die „New York Times“ zeichnete den Roman als bestes ausländisches Buch des Jahres 2004 aus.

Nobelpreis

Im Jahr 2006 ehrte die Schwedische Akademie der Wissenschaften Pamuk für seine literarische Gestaltungskraft mit dem Nobelpreis für Literatur. Orhan Pamuk war der erste Türke, dem die höchste aller literarischen Auszeichnungen verliehen wurde.

„Das Museum der Unschuld“ (2008)

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Auf den Band „Istanbul – Hatiralar ve Şehir“ (2003; dt. „Istanbul – Erinnerungen an eine Stadt“, 2006) folgte der Roman „Masumiyet Müzesi (2008; dt. „Das Museum der Unschuld“, 2008), in dem Pamuk mit viel Ironie? die Geschichte einer ebenso leidenschaftlichen wie aussichtlosen Liebe erzählt: Kemal, ein junger Mann aus den besseren Kreisen Istanbuls, verliebt sich in die arme und naive, jedoch wunderschönen Füsun. Die „Berliner Literaturkritik“ schrieb über den Roman: "Wie Pamuk hierin den Kontrast zwischen der traditionellen Lebensweise der Türken und ihrem Anspruch, modern im europäischen Sinne zu sein, darstellt, ist großartig."

Orhan Pamuk lebt in seinem Vaterhaus im Cihangir-Viertel Istanbuls.

Übrigens ...

lebt Orhan Pamuk drei Monate jährlich in New York, wo er an der Columbia University einen Lehrauftrag hat.

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

Hörbücher

  • Istanbul. Erinnerungen an eine Stadt. 11 CDs. München, Der Hörverlag 2006, ISBN: 978-3867170598
  • Schnee. 2 CDs. München, Der Hörverlag 2006, ISBN: 978-3899407464
  • Das Museum der Unschuld. 18 CDs. München, Der Hörverlag 2008, ISBN: 978-3867173285
  • Blick aus meinem Fenster. Sonderausgabe, gelesen von Heikko Deutschmann, Hörbuch Hamburg 2008, ISBN: 978-3899037951

Sekundärliteratur

  • Dufft, Catharina: Orhan Pamuks Istanbul. Wiesbaden, Harrassowitz Verlag 2007, ISBN: 978-3447056298
  • Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2005. Ansprachen aus Anlaß der Verleihung, Mvb Buchhändler-Vereinigung, 2005, ISBN: 978-3765727795

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