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Cather, Willa

eigentlich Willa Sibert Cather, eine US-amerikanische Schriftstellerin

Leben und Schreiben

Ihr ländliches Herkommen

Geboren wurde Willa Cather am 7. Dezember 1873 bei Winchester, Virginia, auf dem Bauernhof ihrer Großmutter mütterlicherseits. Ihre Eltern waren baptistische Farmer und hatten eine große Familie zu ernähren. Ein Jahr nach der Geburt Willas wechselte die Familie auf eine Farm mit 130 Hektar Land, die sie vom Großvater väterlicherseits erbte.

1883 zog die Familie nach Nebraska, das damals noch als westliches Grenzland galt. Zunächst versuchte sich der Vater hier wieder in der Landwirtschaft, doch dann kehrte er nach knapp zwei Jahren dem Land den Rücken und versuchte es im Immobilien- und Versicherungsgeschäft, weshalb die Familie nach Red Cloud umzog, wo die Kinder Roscoe, Douglass, Jessica, Jakobus, Johannes, Elsiezum und Willa zum ersten Mal die Schule besuchen konnten.

Das ländliche Nebraska prägte die literarische Entwicklung Cathers, die Englische Literatur an der Universität von Nebraska studierte und dort 1894 ihren Abschluss machte. Eigentlich hatte Willa Ärztin werden wollen, doch schrieb sie einen Essay über Thomas Carlyle?, der sofort im Nebraska State Journal veröffentlicht wurde. Weiter Anfragen und schriftstellerische Arbeiten folgten, so dass sie ihr Berufsziel änderte. Auch während ihres Studiums verdiente sie als freie Journalistin? und Theaterkritikerin? Geld.

Umsiedlung nach New York

1896 zog Willa Cather nach Pittsburgh, um dort an einer High School Englisch und Latein zu unterrichten. Nebenbei schrieb sie für mehrere Zeitschriften. 1906 siedelte sie nach New York um. Jetzt arbeitete sie als Redakteurin für McClure’s Magazine. Während ihres ersten Jahres bei dem Magazin schrieb sie eine kritische Biographie der Gründerin von Christian Science.

1907 veröffentlichte Cather die Kurzgeschichte "The Namesake", die autobiographisches Material enthielt.

In New York lernte sie Sarah Orne Jewett kennen, die ihre Freundin und Mentorin wurde. Von ihr stammte der Rat, über Nebraska und das ländliche Amerika zu schreiben. Leider starb die Vertraute schon bald nach dem Kennenlernen 1909.

1912 erschien bei McClure’s Magazine auch ihr erster Roman (Alexander´s Bridge) in Fortsetzungen. Die Kritiken waren gut: Die New York Times lobte "die dramatischen Situationen und die klugen Gespräche", und der Atlantik nannte die Schrift? geschickt.

Willa Cather ca. 1912 wearing necklace from Sarah Orne Jewett
Willa Cather ca. 1912 wearing necklace from Sarah Orne Jewett von Photographer: Aime Dupont, New York [Public domain], via Wikimedia Commons

Erfolg und Kritik

In den folgenden Jahren schrieb sie eine Prärie-Trilogie, die aus den Bänden? O Pioneers (1913), The Song of the Lark (1915) und My Antonia (1918) bestand. Diese Trilogie? machte sie berühmt, doch erhielt sie 1923 den Pulitzer-Preis nicht für sie, sondern für den Roman One of Ours. Jetzt genoss Willa Cather enormes Ansehen bei Kritik und Publikum. Das zeigte sich in den Kritiken, die sie dafür lobten, die Sprache gewöhnlicher Menschen zu Literatur zu machen. Oder Sinclair Lewis? würdigte ihre Arbeit mit den Worten, dass durch Willa Cather die Außenwelt erst etwas von Nebraska erfahren habe. Niemand sonst habe über dieses Land geschrieben wie sie.

Ganz im Gegensatz zu den ländlichen Themen ihrer Romane stand das Leben der Autorin. Sie selbst zog es in die Stadt. Jahrzehnte lang lebte sie in New York. Trotz ihrer Berühmtheit lebte sie zurückgezogen, wohl um ihr lesbisches Zusammenleben mit Edith Lewis zu verbergen, in späteren Jahren vielleicht auch, weil sie die Kritik an ihrem Werk? nicht ertrug. Schon als Willa in den 1890er Jahren an der University of Nebraska studierte, zeigte sie persönliche Eigenheiten und Mut. So gab sie sich den männlichen Spitznamen "William" und trug männliche Kleidung. Ein Foto aus der Universitätszeit zeigt sie gekleidet wie ein junger Mann mit einem Haarscheitel und das zu einer Zeit, als Frauen ihre Haare noch modisch lang trugen.

Obwohl sie in einer baptistischen Familie geboren wurde, trat Cather 1922 der Episcopal Church bei, zu der sie sich schon seit 1906 hingezogen fühlte und an deren Gottesdiensten sie seit damals teilnahm. Ab diesem Jahr verbrachte sie viele Sommer auf Grand Manan Island, in New Brunswick, Kanada. Sie kaufte ein Haus in Whale Cove, auf der Bay of Fundy. Es war das einzige Haus, das sie jemals besaß. Als Kanada in den Zweiten Weltkrieg eintrag, wurde die Reise dorthin schwieriger und weil auf der Insel der Arzt gestorben war, verzichtete sie auf die geliebte Abgeschiedenheit der Insel.

In den 1930er Jahren fand die Autorin bei der Literaturkritik nicht mehr die frühere Gnade. Man bezeichnete sie als romantisch und nostalgisch, sie käme mit der Jetztzeit nicht mehr zurecht, flüchte sich in eine idealisierte Vergangenheit. Während der Großen Depression sprach man ihr sogar gesellschaftliche Relevanz ab. Die negative Kritik an ihrer Arbeit machte Willa Cather schwer zu schaffen.

Die US-Schriftstellerin starb am 24. April 1947 in New York City. Vor ihrem Tod gab sie den Befehl, alle ihre Briefe? zu verbrennen. Zwar konnten Tausende ihrer Briefe gerettet werden, doch verhindert Cathers Testament ihre Veröffentlichung. Grund für ihren Tod waren Hirnblutungen. Begraben wurde sie auf dem Old Burying Ground von Jaffrey Center, Cheshire County, New Hampshire, auf einem Hügel, den sie selbst ausgewählt hatte.

Werk

In den Werken Cathers geht es meist um das ländliche Amerika und das harte Leben der europäischen Einwanderer in der Prärie Nebraskas. Durch den Homestead Act von 1862 konnten sie hier Land erwerben. Die Prärie war "mit allen ägyptischen Plagen gestraft, von Trockenheit ausgedörrt und von Regengüssen durchweicht, mit Hagel geschlagen und von Bränden verzehrt und in den Heuschreckenjahren kahl- und reingefressen wie Knochen, welche die Geier übriglassen", schrieb sie.

In ihrer Literatur widmete sich Willa Cather dem Elementaren: den Beziehungen zwischen Menschen, den Beziehungen zwischen Mensch und Natur. Sie schreibt über das, was sich gar nicht beschreiben lässt, die Erfahrung von Transzendenz ("The thing not named"), die Liebe, die Atmosphäre der Prärie ...

Über ihre Figuren legt sie das Motto "Wenn du deine Bestimmung verfehlst, vergeudest du dein Leben". Das klingt nicht nach Vergnügen, nach Besitz, Macht oder Ruhm. Um diese Werte geht es ihr nicht, es geht ihr um ein fast religiös zu deutendes Seelenheil, um den Dienst an der Liebe, der Kunst, der Fürsorge ... Das Streben des Einzelnen und die Prinzipien Amerikas vereinigen sich in ihrem Werk?, vielleicht der Grund, warum sie in den USA so erfolgreich war.

Zu Beginn ihres Schreibens orientierte sie sich an Schriftstellern wie Henry James?. Sie schätzte jedoch eher ältere Schriftsteller wie Dickens, Thackeray?, Emerson?, Hawthorne, Balzac?, Flaubert? und Tolstoi?. Sie wandte das Gelernte diskret und so an, dass man es übersehen könnte. Ihr Vokabular? ist einfach, ihre Sätze? schwingen melodisch, ihre Wahrnehmung ist glasklar - aber ihre Arbeiten sind nicht banal, sondern höchste Kunst, auch wenn sie scheinbar ohne Aufwand entstanden sind.

Ihre Werke? wurden in viele Sprachen übersetzt, darunter Japanisch, Deutsch, Russisch, Französisch, Tschechisch, Polnisch und Schwedisch.

Übrigens ...

Unter anderem wurde Willa Cather aufgenommen in die Nebraska Hall of Fame, in die Hall of Great Westeners in Oklahoma City und in die National Women´s Hall of Fame in Seneca.

Ihr Wohnhaus in Red Cloud und Gebäude, die in ihren Werken? eine Rolle spielen, wurden als Museum im Willa Cather Historical Center eingerichtet. In seiner Nähe gibt es die naturbelassene Willa Cather Memorial Prairie und in Red Cloud wurde 1955 die Willa Cather Pioneer Memorial Foundation gegründet, um ihr Andenken zu ehren.

Willa Cather house from SE 1
Willa Cather House on the southwest corner of 3rd Avenue and Cedar Street in Red Cloud, Nebraska; seen from the southeast. Built ca. 1878, it was Cather's home from 1884 to 1890. It is listed in the National Register of Historic Places von Ammodramus (Eigenes Werk) [Public domain], via Wikimedia Commons

Zum 100. Geburtstag der Schriftstellerin brachte die amerikanische Post eine Sonderbriefmarke zu ihren Ehren heraus.

Es gibt zwar Verfilmungen ihrer Romane schon in den 1920er Jahren, doch war Willa Cather, nachdem sie die Verfilmungen gesehen hatte, so empört, dass sie weitere Verfilmungen sogar testamentarisch untersagte. Deshalb kam es erst ab den 1980er Jahren wieder zu Verfilmungen ihrer Werke?.

Nicht alle Biographen glauben, dass Willa Cather lesbisch war. Wenn sie das gewesen wäre, hätte sie es gesagt oder geschrieben, argumentieren sie. Doch das muss nicht sein. Vieles spricht dafür, dass Willa Cather lesbisch war, es nur nicht öffentlich machen wollte. Cather Beziehung mit Edith Lewis begann in den frühen 1900er Jahren. Die beiden Frauen lebten in einer Reihe von Wohnungen in New York City zusammen - und zwar von 1908 bis zum Tod der Schriftstellerin im Jahr 1947. Cather wählte Lewis als literarische Treuhänderin und Vermögensverwalterin. Das spricht für ein eheähnliches Verhältnis.

Auszeichnungen

  • 1917 Ehrendoktor der University of Nebraska
  • 1923 Pulitzer Prize for One of Ours.
  • 1924 Ehrendoktor der University of Michigan.
  • 1928 Ehrendoktor der Columbia University
  • 1929 Ehrendoktor der Yale University; in das National Institute of Arts and Letters gewählt.
  • 1930 Howells Medaille von The American Academy of Arts and Letters für den Roman Death Comes for the Archbishop
  • 1931 Ehrendoktor der University of California in Berkley und der Princeton University (erste ausgezeichnete Frau)
  • 1933 Prix Femina Americain für ihre Darstellung der französischen Siedler in “Shadows on the Rock“; Ehrendoktor vom Smith College in Northampton, Massachusetts.
  • 1938 in die American Academy of Arts and Letters gewählt
  • 1944 Goldmedaille für ihr Gesamtwerk von der American Academy of Arts and Letters
Van Vechten - Willa Cather
Willa Cather 1936 fotografiert von Carl van Vechten [Public domain], via Wikimedia Commons

Werke (Auswahl)

Romane und Erzählungen

  • 1912 Alexander's Bridge (Roman; dt. Traum vergangener Zeit)
  • 1915 The Song of the Lark (Roman; dt. Das Lied der Lerche)
  • 1918 My Ántonia (Roman; dt. Antonia)
  • 1922 One of Ours (Roman; dt. Einer von uns und auch als: Sei leise, wenn du gehst)
  • 1923 A Lost Lady (Roman; dt. Frau im Zwielicht und auch als Die Frau, die sich verlor)
  • 1925 The Professor's House (Roman; dt. Das Haus des Professors)
  • 1926 My Mortal Enemy (Roman; dt. Eine alte Geschichte und auch als: Mein ärgster Feind)
  • 1927 Death Comes for the Archbishop (Roman; dt. Der Tod kommt zum Erzbischof)
  • 1931 Shadows on the Rock (Roman; dt. Schatten auf dem Fels)
  • 1935 Lucy Gayheart (Roman; dt. Lucy Gayheart und auch als Auf einer goldenen Wolke)
  • 1940 Sapphira and the Slave Girl (Roman; dt. Saphira und auch als Sapphira und die Sklavin bzw. Sapphira und das Sklavenmädchen)
  • 1956 Five Stories (Erzählungen, postum; dt. Vor dem Frühstück und andere Erzählungen)

Dazu kommen wenige Gedichte, die Biographie der Gründerin der Christian Science und einige Essays.

Sapphira und das Sklavenmädchen

In diesem Roman führt die Autorin zurück in die Südstaaten am Vorabend des Amerikanischen Bürgerkriegs. Dort ist Sapphira eine Sklavenhalterin, die einerseits mit Güte, aber auch mit Härte regiert. Ihre Ehe ist eine Farce und die Tochter steht auf der Seite der Sklavenbefreier.

Während Sapphira krank ist, wird ihrem Mann ein Verhältnis mit einer jungen Sklavin nachgesagt. Als sich der Mann von Sapphira weigert, die Schwarze zu verkaufen, eskaliert der Familienkonflikt.

Cathers Roman ist klischeefrei und atmosphärisch dicht. Dabei erzählt sie unaufgeregt und ruhig. Sowohl die Motive der Sklavenhalter als auch der Gegner der Sklaverei werden ausgeleuchtet. So vermittelt Cather ein komplexes Thema wie die Sklaverei nahezu nebenbei. Aber auch der Generationenkonflikt trägt den modern und schnörkellos geschriebenen Roman, der Autobiografisches enthält und psychologischen Scharfsinn zeigt.

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