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Hahn, Ulla

Ulla Hahn (geb. 30. April 1945 in Brachthausen/Sauerland) ist eine deutsche Lyrikerin? und Erzählerin.

Leben und Schreiben

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Ulla Hahn wurde am 30. April 1946 in Brachthausen im Sauerland geboren. Sie wuchs in Monheim am Rhein auf. Nach einer Bürolehre machte sie 1964 auf dem zweiten Bildungsweg ihr Abitur in Leverkusen. Von 1965 an studierte sie in Köln Germanistik?, Soziologie und Geschichte. 1978 promovierte sie zum Dr. phil. Der Titel ihrer Dissertation lautete „Die Entwicklungstendenzen in der westdeutschen und sozialistischen Literatur der sechziger Jahre“.

"Herz über Kopf" (1981)

Nach ihrer Dissertation arbeitete Ulla Hahn als Journalistin. Von 1978 an war sie außerdem als Lehrbeauftragte an den Universitäten Hamburg, Bremen und Oldenburg tätig. Bis 1989 war sie Literaturredakteurin bei Radio Bremen. Im August 1981 veröffentlichte Ulla Hahn in der Deutschen Verlags-Anstalt? ihren ersten Gedichtband „Herz über Kopf“. Beim Publikum war der Band ein großer Erfolg. Er lag kurz nach seinem Erscheinen in einer Auflage? von 30.000 Exemplaren vor. Die Themen, mit denen Ulla Hahn ihr Publikum? begeisterte, waren die Vergänglichkeit, der individuelle Glücksanspruch und die Suche nach Liebe in einer technisierten und emotionslosen Welt. Die Literaturkritik reagierte zwiespältig. Einen prominenten Fürsprecher fand sie in dem Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, der beim Nachwuchswettbewerb „Literarischer März“ auf die junge Lyrikerin? aufmerksam geworden war. Er bezeichnete ihre Gedichte als schön und unbedingt lesenswert.

Andere Kritiker waren in ihrem Urteil zurückhaltender und bemängelten unter anderem die häufige Verwendung veralteter Metaphern. Für „Herz über Kopf“ wurde Ulla Hahn 1981 mit dem Leonce-und-Lena-Preis? ausgezeichnet. In der Begründung der Jury hieß es, dass Ulla Hahns Lyrik einen besonderen Reichtum an Stimmungen und Empfindungen aufweise.

Weitere Publikumserfolge

In den folgenden Jahren wurde Ulla Hahn zu einer der erfolgreichsten und produktivsten Lyrikerinnen? der deutschen Gegenwartsliteratur?. In Rom, wo sie als Stipendiatin? der Villa Massimo lebte, arbeitete sie an ihrem zweiten Lyrikband, der 1983 unter dem Titel „Spielende“ erschien. Es folgten die Bände „Freudenfeuer“ (1983) und „Unerhörte Nähe“ (1988), die erneut außergewöhnliche Publikumserfolge wurden. Die Fachkritik monierte indes, dass in Ulla Hahns Lyrik keinerlei thematische oder stilistische Entwicklung auszumachen sei – alle Publikationen ähnelten einander, so lautete der Vorwurf. Die Ulla-Hahn-Fangemeinde blieb von dieser Kritik weitgehend unbeeindruckt. Die Bände erlebten mehrere Auflagen? und werden auch heute noch verkauft – was für Lyrik von Gegenwartsautoren äußerst selten ist.

In diesen Jahren wurde Ulla Hahn mit verschiedenen Literaturpreisen gewürdigt. Sie erhielt unter anderem den Hölderlin-Preis? der Stadt Bad Homburg (1985) und die Roswitha-von-Gandersheim-Gedenkmedaille? (1986).

"Ein Mann im Haus" (1991)

1991 debütierte? Ulla Hahn mit ihrem Roman „Ein Mann im Haus“ als Erzählerin. Der Roman spielt im Rheinland. In einer katholischen Kleinstadt. Dort lebt die Goldschmiedin Maria. Jahre lang wurde sie von ihrem Liebhaber – dem örtlichen Küster und Chorleiter – gedemütigt. Jetzt schlägt die Stunde der Vergeltung. Wie rächt sich Maria? Dämonisch! Mit Knebeln, Sex und Grippe. Der Roman wurde bei seinem Erscheinen heftig diskutiert – mehr auf Grund des delikaten Themas, weniger wegen seiner literarischen Qualität. Auch die „Bild“-Zeitung stellte das Buch vor. Die Fachkritik fand nur wenig lobende Worte – der Roman galt als misslungen und unbedeutend.

In der Folge widmete sich Ulla Hahn wieder der Lyrik. Innerhalb weniger Jahre veröffentlichte sie die Lyrikbände „Liebesgedichte“ (1993), „Epikurs Garten“ (1996) und „Galileo und zwei Frauen“ (1997), in denen wiederum die Themen Liebe, Entsagung und Vergänglichkeit behandelt werden. In den Gedichten verwendet Ulla Hahn zumeist traditionelle Strophenformen? und konventionelle Versmaße. 1994 übernahm Ulla Hahn eine Poetik-Professur an der Universität Heidelberg.

"Das verborgene Wort" (2001)

2001 veröffentlichte Ulla Hahn unter dem Titel „Das verborgene Wort“ ihren zweiten Roman. Heldin der autobiographisch gefärbten Geschichte ist das Mädchen Hildegard Palm, das 1945 in Dondorf bei Köln geboren wird. Dort wächst sie in einer Arbeiterfamilie auf und wird im katholischen Glauben erzogen. Den Eltern ist sie verdächtig, weil sie Gedichte liest und Hochdeutsch spricht. Der Vater brüllt, die Mutter weint. Am Fließband hört sie widerwillig die Zoten ihrer Kolleginnen an. Aus dieser Wirklichkeit – einem Alptraum, dem Hildegard sich nicht verpflichtet fühlt – flüchtet sie in eine verborgene, von schönen Wörtern bewohnte Gegenwelt.

Die Fachkritik war begeistert. Man lobte die genaue Milieuschilderung, die pointierte Erzähltechnik und die überquellende Sprachfantasie. Ironie des Literaturbetriebes, dass ausgerechnet ihr einstiger Mentor Marcel Reich-Ranicki den Roman im „Literarischen Quartett?“ verriss. Für „Das verborgene Wort“ wurde Ulla Hahn 2002 als erste Schriftstellerin in Leipzig mit dem Deutschen Bücherpreis für Belletristik? ausgezeichnet. Das Buch wurde außerdem 2008 fürs Fernsehen verfilmt.

Es folgten der Roman „Unscharfe Bilder“ (2003) und der Erzählband „Liebesarten“ (2006).

"Aufbruch" (2009)

2009 erschien mit "Aufbruch" die Fortsetzung der auf drei Bände angelegten Romanautobiographie. Die mittlerweile 17-jährige Hilla kann nun doch Abitur machen - der Roman begleitet sie durch die Zeit am Gymnasium bis hin zum Studienbeginn. Begeistert verschlingt Hilla die deutsche Literatur und stürzt sich ins Erlernen des Lateinischen. Nur in Mathe braucht sie Hilfe.

Die neuen Erfahrungen in der bürgerlichen Welt der 1960er-Jahre, die Hilla nun macht, vermitteln ihr einen anderen Blick auf ihre eigene Herkunft und ihre Familie. So erfährt sie, ausgelöst durch eine Aufgabe im Geschichtsunterricht, dass ihre Großmutter einst einen misshandelten Juden versteckt und vor der Deportation bewahrt hat. Eine Liebesgeschichte mit einem reichen Mitschüler endet, weil dieser sich als Erlöser des Arbeiterkindes begreift und seine Freundin nach dem Bild ihrer verstorbenen Vorgängerin zum angepassten Dekorationsobjekt formen will. Erneut wird eine Emanzipation nötig.
Dann geschieht das Unfassbare: eine Vergewaltigung, nachdem Hilla sich von einem Fest der katholischen Landjugend nach Hause bringen lassen wollte. Die Geschichte der Protagonistin teilt sich von da an in eine Zeit "vor der Lichtung" und eine Zeit "nach der Lichtung". Hilla vergräbt sich ganz in die Literatur und versucht mit deren Hilfe zu verdrängen und "die Dinge so zu sehen, wie sie nicht sind". Zum Vater gibt es indes eine vorsichtige Annäherung, als er ihr auf einem gemeinsamen Spaziergang am Rhein von seiner eigenen schweren Jugend erzählt.

Die Literaturkritik reagierte sehr zustimmend auf die Geschichte, wenn auch deren erzählerische Überfülle nicht überall positiv aufgenommen wurde. Ein Rezensent sah in dem Buch eine Mischung aus Entwicklungsroman, Selbstbefragungsepos sowie Sozial- und Zeitgeschichte und würdigte, dass es die Rolle der Frau in der Adenauer- und Wirtschaftswunderzeit deutlich gemacht habe.

Ulla Hahn lebt in Hamburg. Sie ist seit 1996 mit dem früheren Bürgermeister der Hansestadt, Klaus von Dohnanyi, verheiratet.

Übrigens ...

Wer die Autorin Ulla Hahn aus ihren Gedichten, Romanen und Erzählungen kennt, könnte auf den Gedanken kommen, es mit einem unpolitischen, aufs Private bezogenen Menschen zu tun zu haben. Elf Tage nach der Bundestagswahl 2005 setze sie jedoch ihre Unterschrift unter den so genannten „Appell der 33“. Dieser Appell geht auf eine Initiative der Zeitschrift „Emma“ zurück, die Gerhard Schröder dazu drängen wollte, zugunsten Angela Merkels auf die Kanzlerschaft zu verzichten.

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Ulla Hahn bei Jokers
  • Herz über Kopf. Gedichte EA 1981. München, DVA 2001, ISBN: 978-3421060730
  • Unerhörte Nähe|. Gedichte. EA 1988. München, DVA 1988, ISBN: 978-3421063106
  • Freudenfeuer. Gedichte. EA 1985. München, DVA 1989, ISBN: 978-3421062772
  • Ein Mann im Haus. Roman. EA 1991. München, Dtv 2000, ISBN: 978-3423127455
  • Liebesgedichte. EA 1993. München, DVA 1993, ISBN: 978-3421066558
  • Epikurs Garten. Gedichte. EA 1995. München, DVA 1985, ISBN: 978-3421050090
  • Galileo und zwei Frauen. Gedichte. EA 1997. München, DVA 1997, ISBN: 978-3421050731
  • Das verborgene Wort. Roman. EA 2001. München, Dtv 2003, ISBN: 978-3423130899
  • Unscharfe Bilder. Roman. EA 2003. München, Dtv 2005, ISBN: 978-3423133203
  • Süßapfel rot. Gedichte. EA 2003. Reclam Verlag, Ditzingen 2003, ISBN: 978-3150182499
  • So offen die Welt. Gedichte, 2004
  • Liebesarten. Erzählungen. EA 2006. Erzählungen. München, DVA 2006, ISBN: 978-3421059536
  • Dichter in der Welt. Mein Schreiben und Lesen. Essays, Reden, Kritiken. München, DVA 2006, ISBN: 978-3421059512
  • Aufbruch. Roman. EA 2009. München, DVA, 5. Aufl. 2009, ISBN: 978-3421042637
  • Wiederworte. Gedichte. München, DVA 2011, ISBN: 978-3421045249

Hörspiele

  • Bildlich gesprochen. CD. München, Der Hoerverlag DHV 2000, ISBN: 978-3895847288
  • Das verborgene Wort. 2CDs. München, Der Audio Verlag DAV 2002, ISBN: 978-3898131490
  • Liebesarten. 2CDs. München, Random House Audio 2006, ISBN: 978-3866043602

Sekundärliteratur

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