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Bjørnson, Bjørnstjerne

Bjørnstjerne Bjørnson (geb. 8. Dezember 1832 in Kvikne/Østerdalen; gest. 26. April 1910 in Paris) war ein norwegischer Schriftsteller, Politiker und Herausgeber mehrerer Zeitungen. Er gilt als Erneuerer der norwegischen Literatur. 1903 wurde er als erster skandinavischer Autor mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.

Leben und Schreiben

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Bjørnstjerne Bjørnson wurde am 8. Dezember 1832 in Kvikne/Østerdalen (Ostnorwegen) als Sohn eines Pfarrers geboren. 1837 siedelte die Familie nach Nesset/Romdalsdistrikt über. In Molde besuchte Bjørnson die Schule. Als er 17 Jahre alt war, ging er nach Oslo, um an der dortigen Universität zu studieren. Er scheiterte jedoch an der Aufnahmeprüfung. Während seiner Zeit in Oslo lernte Bjørnson den norwegischen Dramatiker Henrik Ibsen? kennen, der 1848 mit dem Revolutionsdrama „Catilina“ sein erstes Stück geschrieben hatte. Die künstlerischen und intellektuellen Eindrücke, die Bjørnson von Ibsen? empfing, sollten seinen weiteren Lebensweg entscheidend prägen.

1854 gab Bjørnson seinen Plan auf, in Oslo – aller Rückschläge zum Trotz – doch noch ein Studium zu beginnen. Stattdessen entschied er sich für eine andere Laufbahn: Er wollte Literat und Künstler werden. Von 1857 bis 1859 war Bjørnson (als Nachfolger Ibsens?) Direktor des Norwegischen Theaters in Bergen. Von 1865 bis 1867 leitete er das Kristiana-Theater, von 1870 bis 1872 das Møllergarten-Theater in Oslo.

„Synnöve Solbakken“

1857 trat Bjørnson mit seiner Bauernerzählung „Synnöve Solbakken“ als Schriftsteller an die Öffentlichkeit. In der Erzaehlung Erzählung, die ganz im Stile des poetischen Realismus gehalten ist, geht es um den Konflikt zwischen christlicher Religiosität und Heidentum. Dieser Gegensatz war grundlegend für die norwegische Gesellschaft der damaligen Zeit. Die Überwindung dieses Gegensatzes stellte für Bjørnson eine wichtige Voraussetzung dar, um in der Zukunft die politische Einheit des norwegischen Volkes herbeizuführen. Damit kam seiner Literatur von Anfang an nicht nur eine dichterische, sondern auch eine politische und gesellschaftliche Dimension zu. Der Pfarrerssohn Bjørnson, der der liberalen Linken nahe stand, kämpfte auf verschiedenen Ebenen für ein freies und unabhängiges Norwegen. Dieses Norwegen sollte, Bjørnsons politischen Schriften zufolge, von allen Schichten des Volkes getragen werden und sich aus der Union mit Schweden loslösen.

Die Erzählung „Synnöve Solbakken“ begründete seinen internationalen Ruhm als Schriftsteller. Außerdem war diese Erzählung das erste Werk? des Autors, das 1859 ins Deutsche übertragen wurde. Es folgten zwei weitere Bauernerzählungen: „Arne“ (1858) und „Ein fröhlicher Bursch“ (1860). Die tiefe Heimatliebe, die in diesen Werken? zum Ausdruck kommt, übte auch auf die deutsche Heimatkunst-Bewegung einen nicht zu unterschätzenden Einfluss aus.

Neben seinen Posten an den renommiertesten Theaterbühnen Norwegens war Bjørnson an der Herausgabe? zahlreicher Zeitschriften beteiligt. In der Zeit von 1866 bis 1871 erschienen unter seiner Ägide so populäre Blätter wie „Norsk Folkeblad“, „Bergensposten“ und „Aftenbladet“. Im Vordergrund stand die Agitation für ein unabhängiges Norwegen. Außerdem engagierte er sich für die Rechte der Frauen und für die Volkshochschulbewegung. Er setzte sich aber auch für eine neue Sexualmoral, die Arbeiterbewegung und das Selbstbestimmungsrecht der Völker ein. Zeit seines Lebens blieb Bjørnson seinem sozialen und politischen Engagement treu. Er wurde so zu einem Anwalt der Unterdrückten, Armen und Bedürftigen – nicht nur in Norwegen, sondern auch auf dem europäischen Festland.

„Arnljot Gelline“

1870 veröffentlichte Bjørnson das Epos „Arnljot Gelline“, das in 15 Gesänge gegliedert ist. Darin geht es um Rache, Blut, Liebe und die Eroberung gigantischer Königreiche. Die Handlung spielt in Norwegen in den Jahren von 1027 bis 1030. Es ist die Zeit, in der der heilige Olaf die Christianisierung des Landes einleitet. Arnljot Gelline, der heimatlose Held des Epos, ist auf der Suche nach den 30 Mördern seiner Familie. Neunundzwanzig hat er schon ausfindig gemacht und – ohne Erbarmen erschlagen. Auf einem Thingplatz wird er schließlich fündig: Trand, der Anführer der gräulichen Mörderbande, steht vor ihm. Die erste Übersetzung ins Deutsche von „Arnljot Gelline“ erschien 1904.

In den Jahren um 1875 vollzog sich im dichterischen Schaffen Bjørnsons eine bedeutende Wende. Unter dem Einfluss neuer wissenschaftlicher Theorien wie Positivismus, Darwinismus und Rydbergs? Bibelkritik näherte er sich dem radikalen Gedankengut des dänischen Schriftstellers und Philosophen? Georg Brandes? an. Während seinen zahlreichen – mitunter mehrere Jahre andauernden – Auslandsreisen, die ihn nach Deutschland, Italien, Frankreich und bis nach Amerika führten, war Bjørnson außerdem mit den Realisten und ihrer revolutionären Literatur in Berührung gekommen. Erst durch die Verinnerlichung dieser neuen Erscheinungen des modernen europäischen Geisteslebens wurde Bjørnson zum Reformator der norwegischen Literatur und stieg zum Sprachrohr einer ganzen Autorengeneration auf.

„Über unsere Kraft“ und „Paul Lange und Tora Parsberg“

In der Folge verfasste Bjørnson seine bedeutendsten Theaterstücke, in denen sich sozialkritische, religiöse und psychologische Elemente zu einer neuartigen Form des Dramas vereinigten. Dazu zählen vor allem die Stücke „Über unsere Kraft“ (1895) und „Paul Lange und Tora Parsberg“ (1898). In dem Drama „Über unsere Kraft“, dessen Uraufführung? 1897 in Paris stattfand, stellt Bjørnson ein Postulat auf, das im Rückblick für sein gesamtes dichterisches Schaffen als charakteristisch angesehen werden kann: Er fordert, wie es im Stück heißt, Gerechtigkeit und Glück auch für „die vielen Kleinen in der Gesellschaft“.

In einer tiefen Schlucht, in der die Sonne niemals scheint, hausen die ärmsten Arbeiterfamilien eines gewaltigen norwegischen Industriereviers. Die Proletarier fristen ein trostloses Dasein. Hunger, Not und Krankheit sind ihre ständigen Begleiter. Durch einen Streik spitzt sich die Lage weiter zu. Niederträchtigster Feind der Arbeiter ist Holger, ein unermesslich reicher Fabrikbesitzer, der luftig und sonnig in einer gewaltigen Burg über der Schlucht thront. Für ihn sind die Arbeiter nichts weiter als Insekten, die im Bedarfsfall ausgerottet werden können. Jede soziale Forderung des Proletariats blockt er rücksichtslos ab. Auf einer Sitzung der Großindustriellen zieht Holger mit seinen Hassreden die Anwesenden auf seine Seite. Doch was keiner der Mächtigen ahnt: Elias Sang, der Sohn eines Pastors, nimmt, als Diener verkleidet, an der Sitzung teil. Zusammen mit seinen Helfern hat er die Keller des Gebäudes mit Dynamit gefüllt. Es kommt zur Explosion! Das Drama „Über unsere Kraft“ war eines der politisch brisantesten Theaterstücke seiner Zeit.

Das Drama „Paul Lange und Tora Parsberg“ (1898), das 1900 am Stuttgarter Hoftheater uraufgeführt? wurde, sorgte bei seinem ersten Erscheinen ebenfalls für heftige Diskussionen. Darin geht es um Paul Lange, einen intelligenten, aber labilen Politiker, der nach einer publik gewordenen Korruptionsaffäre Selbstmord begeht. Dieser Stoff hat einen realen Hintergrund: Denn Ole Richter, ehemaliger Minister und ein Freund des Autors, hatte in einer vergleichbaren Situation seinem Leben ein Ende gemacht. Was Bjørnson an dem Stoff faszinierte, war die Möglichkeit, die subtilen seelischen Vorgänge einer im Grunde edlen Menschennatur vor dem Hintergrund des perfiden politischen Tagesgeschäfts zu sezieren. Bjørnson selbst hielt „Paul Lange und Tora Parsberg“ für sein gelungenstes Stück.

Im Jahr 1903 wurde Bjørnson als erster norwegischer Autor mit dem Nobelpreis für Literatur gewürdigt. Im Urteil des Komitees stellte die Auszeichnung einen Tribut an seine noble, herrliche und wandlungsfähige Poesie dar, die sich immer durch die Frische ihrer Inspiration und die seltene Reinheit ihres Geistes ausgezeichnet habe.

Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Bjørnson auf seinem Gut in Gausdal. Er starb am 26. April 1910 in Paris.

Übrigens ...

ist Bjørnson der Verfasser der norwegischen Nationalhymne „Ja, vi elsker dette landet“ (Ja, wir lieben dieses Land).

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

Hörbücher

Sekundärliteratur

Links


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