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Graf, Oskar Maria

Oskar Maria Graf (geb. 22. Juli 1894 in Berg am Starnberger See; gest. 28. Juni 1967 in New York) war ein deutscher Schriftsteller. Zu seinen bekanntesten Büchern gehören die Autobiographie „Wir sind Gefangene“ (1927) und der satirische Roman „Bolwieser“ (1931).

Leben und Schreiben

Oskar Maria Graf wurde am 22. Juli 1894 als Sohn eines Bäckermeisters in Berg am Starnberger See geboren. Er war das neunte von elf Kindern. Von 1900 bis 1907 besuchte er die Volksschule in Aufkirchen. Anschließend begann er eine Bäckerlehre bei seinem Bruder Max, der nach dem Tod des Vaters die elterliche Bäckerei übernommen hatte. 1911 flüchtete er vor den Schikanen des Bruders nach München.

Bohèmien in München

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In München schlug er sich zunächst als Hilfsarbeiter, Plakatkleber und Liftboy durch. Alsbald fand er Anschluss an Schwabinger Bohèmekreise, die in den Zeitschriften „Simplicissimus“ und „Jugend“ die Welt der bürgerlichen Spießer aufs Korn nahmen. Erste literarische Versuche stammen aus dieser Zeit. Graf lernte den sozialistischen Schriftsteller Erich Mühsam? und den literarischen Radaubruder Franz Jung? kennen.

Eine lebenslange Freundschaft verband ihn mit dem neusachlichen Maler Georg Schrimpf: Gemeinsam vagabundierten die beiden jungen Männer durch Italien und lebten eine Zeit lang in der Schweizer Künstlerkolonie Monte Verità. Den Ersten Weltkrieg machte Graf an der Ostfront mit. Er wurde mehrfach verwundet und im Dezember 1916 - nach psychiatrischem Gutachten - als dienstunbrauchbar entlassen.

Revolution und Lyrik

Im Januar 1918 war Graf an einem Streik der Munitionsarbeiter beteiligt. Er fand Anschluss an den revolutionären Kreis um Kurt Eisner. In der Novemberrevolution und der bayerischen Räterepublik trat Graf als Zensor? für die bürgerliche Presse hervor. Seit 1919 lebte er mit Mirjam Sachs zusammen, dem „Fräulein“ in seinem späteren autobiographischen Bekenntnisroman „Wir sind Gefangene“ (1927).

Grafs literarische Anfänge standen ganz im Zeichen expressionistisch gefärbter Revolutions-Lyrik. Seine frühsten Publikationen waren die beiden Gedichtbände „Die Revolutionäre“ (1918) und „Amen und Anfang“ (1919). Es folgten die Indianer-Dichtungen „Ua-Pua!“ (1921) und noch im gleichen Jahr eine Biographie über die Malerin – und Georg Schrimpfs verstorbene Frau – Maria Uhden.

Chronist seiner Zeit

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Viel Anklang bei Kritik und Publikum fanden vor allem seine in den 1920er Jahren publizierten autobiographischen Bücher, in denen er mit derbem Humor abenteuerliche Episoden aus seinem Leben erzählt. Zu Bekanntheit gelangten die Bände „Frühzeit“ (1922), „Wunderbare Menschen“ (1927), „Wir sind Gefangene“ (1927) und „Dorfbanditen“ (1932), die teils auch heute noch aufgelegt? werden.

Neben ihrer literarischen Qualität besitzen Grafs Bücher auch einen dokumentarischen Wert. Oskar Maria Graf war nicht nur ein phantasievoller? Schriftsteller, sondern auch ein gewissenhafter Chronist? seiner Zeit. In der Vorbemerkung zu „Wir sind Gefangene“ schrieb er: „Nichts in diesen Blättern ist erfunden, beschönigt oder zugunsten einer Tendenz niedergeschrieben … Dieses Buch soll nichts anderes sein als ein menschliches Dokument dieser Zeit.“

Foto: MKI / Wikipedia.org

Der Weg ins Exil

Ein weiteres Hauptwerk? ist der 1931 veröffentlichte sozialkritische Roman „Bolwieser. Roman eines Ehemannes“, in dem Graf das provinzielle Bürgertum mit satirischer Schärfe unter die Lupe nimmt. Im Mittelpunkt steht der betrogene Bahnhofsvorsteher und kleinbürgerliche Pantoffelheld Xaver Bolwieser, der sich mehr für deftiges Essen interessiert als für die turbulenten politischen Kämpfe seiner Zeit. 1977 wurde „Bolwieser“ von Rainer Werner Fassbinder? verfilmt.

Kurz nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten ging Graf ins Exil. Nach der Bücherverbrennung? am 10. Mai 1933, von der er nicht betroffen war, veröffentlicht er am 12. Mai in der Wiener „Arbeiter-Zeitung“ seinen zu Berühmtheit gelangten Protest „Verbrennt mich!“ – womit er natürlich seine Bücher? meinte. Über Wien, Brünn und Prag gelangte Graf 1938 schließlich nach New York.

„Anton Sittinger“ – Porträt eines Duckmäusers

Zu seinen wichtigsten Exilveröffentlichungen gehören die drei Romane „Der harte Handel. Ein bayerischer Bauernroman“ (1935), „Der Abgrund. Ein Zeitroman“ (1936) und „Anton Sittinger. Ein satirischer Roman“ (1937). „Anton Sittinger“ gilt als faszinierendes Porträt eines feigen und jammernden Duckmäusers, der durch seine Passivität den Erfolg der Nationalsozialisten überhaupt erst möglich gemacht habe.

Zu seinem Spätwerk? zählt der utopische Roman „Die Eroberung der Welt“ (1949), in dem es um das Leben nach einem dritten Weltkrieg und die Herrschaft einer Weltregierung geht. Zu nennen ist aber auch der Roman „Die Flucht ins Mittelmäßige“ (1959) sowie der Erinnerungsband „Größtenteils schimpflich“ (1962), in dem er noch einmal derb-realistisch von seiner Jugendzeit erzählt.

Oskar Maria Graf starb am 28. Juni 1967 in New York. Im Jahr darauf wurde seine Urne nach München überführt und auf dem alten Bogenhausener Friedhof beigesetzt.

Übrigens ...

Zu Beginn seiner schriftstellerischen Tätigkeit schrieb Graf nur unser seinem richtigen Namen Oskar Graf. 1918 begann er für Zeitungsartikel das Pseudonym Oskar Graf-Berg zu verwenden. Wenn er selbst eines seiner Werk? als lesenswert betrachtete, veröffentlichte er es unter dem Namen Oskar Maria Graf, der sich dann einbürgerte.

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Oskar Maria Graf bei Jokers
  • Die Revolutionäre (1918), Gedichte
  • Amen und Anfang (1919), Gedichte
  • Frühzeit (1922), Jugenderlebnisse
  • Ua-Pua! (1921), Indianerdichtungen. Mit 30 Kreidezeichnungen von Georg Schrimpf
  • Maria Uhden (1921), Erinnerungen an die Malerin und Grafikerin
  • Zur freundlichen Erinnerung (1922), soziale Novellen
  • Bayrisches Lesebücherl (1924), Kulturbilder
  • Die Traumdeuter (1924), Erzählungen
  • Die Chronik von Flechting. Ein Dorfroman (1925)
  • Finsternis (1926). Sechs Dorfgeschichten
  • Wunderbare Menschen (1927), Chronik und Autobiografie
  • Wir sind Gefangene (1927), Autobiografisches
  • Licht und Schatten (1927), soziale Märchen
  • Bayrisches Dekameron (1928), Erzählungen
  • Die Heimsuchung (1925), Roman
  • Im Winkel des Lebens (1927), Erzählungen
  • Kalendergeschichten (1929). Geschichten aus Stadt und Land
  • Das proletarische Schicksal (1929). Eine Geschichte ohne Ende in: Neue deutsche Erzähler Bd. 1 (Max Brod u.a.) Paul Franke, Berlin o.J. (1930)
  • Bolwieser (1931), Roman; Neuausgabe 1964 unter dem Titel Die Ehe des Herrn Bolwieser
  • Notizbuch des Provinzschriftstellers Oskar Maria Graf (1932), Satire
  • Einer gegen alle (1932), Roman
  • Dorfbanditen (1932), Jugenderinnerungen
  • 3 Bäckergeschichten von Oskar Maria Graf nebst 150 Rezepten für die Brezelbäckerei (undatierter Nachdruck aus den Jahrbüchern der Firma Diamalt)
  • Der harte Handel (1935), Bauernroman
  • Der Abgrund (1936), Roman (überarbeitete Fassung "Die gezählten Jahre" 1976)
  • Anton Sittinger (1937), Roman
  • Der Quasterl (1938), Dorf- und Jugendgeschichten
  • Das Leben meiner Mutter 1940 engl., 1946 deutsch
  • Unruhe um einen Friedfertigen (1947), Roman
  • Mitmenschen (1948), Erzählungen
  • Die Eroberung der Welt (1949), Roman; Neuauflage 1959 unter dem Titel "Die Erben des Untergangs"
  • Menschen aus meiner Jugend auf dem Dorfe (1953), Erzählungen
  • Der ewige Kalender (1954), Gedichte
  • Die Flucht ins Mittelmäßige (1959), Roman
  • An manchen Tagen. Reden, Gedanken und Zeitbetrachtungen (1961)
  • Der große Bauernspiegel (1962), Erzählungen
  • Größtenteils schimpflich (1962), Jugenderinnerungen
  • Altmodische Gedichte eines Dutzendmenschen (1962)
  • Jäher Schrecken (1962)
  • Er nannte sich Banscho (1964), Roman
  • Gelächter von außen. Aus meinem Leben 1918-1933 (1966)
  • Reise nach Sowjetrußland 1934 (1974, aus dem Nachlass veröffentlicht)
  • Manchmal kommt es, dass wir Mörder sein müssen… Gesammelte Gedichte. (2007)

Hörbücher

  • Das Leben meiner Mutter. CD. Der Hörverlag, München 2007, ISBN: 978-3867170451
  • „Verbrennt mich!“ Geschichten, Erinnerungen und Gespräche. CD. Der Hörverlag, München 2008, ISBN: 978-3867170819
  • Wir sind Gefangene. 2 CDs. Oskar Verlag, München 2008, ISBN: 978-3938389461

Sekundärliteratur

  • Bollenbeck, Georg: Oskar Maria Graf. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt Verlag, Reinbek 1985, ISBN: 978-3499503375

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