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Inhalt

Inhalt ist der Teil eines literarischen Werks?, der in Form einer Inhaltsangabe wiedergegeben werden kann. Oft wird die Inhaltsangabe mit Untersuchungen zur Quellen?-, Themen-, Stoff-, Motiv- und Symbolforschung kombiniert.

Überblick

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Als Inhalt bezeichnet man in der Literaturwissenschaft den Teil eines literarischen Werks?, der in Form einer Inhaltsangabe nacherzählt werden kann. Meist handelt es sich dabei um Werke? aus den Bereichen Epik und Drama, seltener Lyrik. Die Inhaltsangabe orientiert sich streng am Tatsachenablauf, oft wird sie mit Untersuchungen zur Quellen?-, Themen-, Stoff-, Motiv- und Symbolforschung kombiniert. Die Analyse der Form erfolgt ebenso wie die Interpretation separat zu einem späteren Zeitpunkt.

Beispiel: Wenn man es mit der Novelle „Das Kloster von Sendomir“ (1828) von Franz Grillparzer? zu tun hat, dann könnte man beginnen: „Zwei deutsche Ritter finden im Kloster von Sendomir ein Nachtquartier. Sie fragen den mürrischen Mönch, wer das Kloster erbaut hat. Nun beginnt der Mönch eine spannende Geschichte zu erzählen: Einst hat Graf Starschensky bei einem Besuch in Warschau eine junge, schöne Frau kennen gelernt, die ihn um Hilfe für ihren alten, kranken Vater bittet usw.“ So erzählt man die Begebenheiten bis zum überraschenden, traurigen Ende.

Foto: Dieter Schütz/pixelio.de

Die Tücken der modernen Literatur

Die Wiedergabe des Inhalts kann einfach oder kompliziert sein. Bei literarischen Werken?, die vor 1900 entstanden sind, bereitet die sachliche und wertfreie Inhaltsangabe in der Regel keinerlei Probleme. Selbst bei monumentalen Romanwerken wie z. B. „Krieg und Frieden“ (1868/1869) von Leo Tolstoi? könnte man – wenn man ausreichend Zeit hat und zudem über ein gutes Gedächtnis verfügt – den Ablauf der Tatsachen und Ereignisse übersichtlich geordnet wiedergeben.

Bei literarischen Werken?, die nach 1900 entstanden sind, kann jedoch schon die bloße Wiedergabe der Tatsachen erhebliche Probleme bereiten – von der Interpretation und Formanalyse ganz abgesehen. Wer könnte z. B. den Inhalt von Döblins „Berlin Alexanderplatz“ (1929), Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ (1913-1927) oder Joyces „Ulysses“ (1922) zusammenfassen? Man könnte, am Beispiel von „Berlin Alexanderplatz“, beginnen: „Erzählt wird die Geschichte des ehemaligen Zement- und Transportarbeiters Franz Biberkopf in Berlin usw.“ Doch selbst wenn man die Episoden des Romans, die Franz Biberkopf gewidmet sind, gewissenhaft nacherzählt, hat man die andere Hälfte des Romans, in der Biberkopf keine Rolle spielt, noch mit keinem Wort erwähnt.

Zunehmende Akzentuierung der Form

Diese Schwierigkeit ist charakteristisch für viele herausragende Werke? der modernen? Literatur. Als Ursache dafür gilt nicht so sehr ihr Umfang – auch der Inhalt von eher schmalen Werken? wie z. B. Hermann Grabs? Erzählung „Der Stadtpark“ (1935) lässt sich nur schwer zusammenfassen –, sondern vielmehr die zunehmende Akzentuierung der Form gegenüber dem Inhalt in der Literatur der Moderne?. Weshalb auch viele Bücher, die von Experten und Berufslesern (Literaturkritiker) gelobt werden, für den Freizeitleser aufgrund ihrer Unübersichtlichkeit vollkommen unattraktiv sind.

Kombinationsmöglichkeiten

Oft wird die sich am Ablauf der Tatsachen orientierende Inhaltsangabe mit Untersuchungen zur Quellen?-, Themen-, Stoff-, Motiv- und Symbolforschung kombiniert. Traditionell ist in der Literaturwissenschaft die Quellen?-, Stoff- und Motivforschung von besonderer Bedeutung, wohingegen Untersuchungen zur Themen- und Symbolforschung oft nur am Rande behandelt werden.

  • Quellenforschung

Die Quelle? ist die allgemeine gestalterische Grundlage, die entweder vom Autor genannt wird (z. B. Sachbücher mit Quellenverzeichnis?) oder fingiert ist (häufig z. B. bei Abenteuerromanen oder phantastischer Literatur). Die wichtigste Aufgabe der Quellenforschung? ist es, das literarische Werk? mit der Originalquelle? zu vergleichen. Auf diese Weise gelangt man zu einem Urteil über die schöpferische Kraft des Autors.

  • Stoffforschung

Der Stoff ist eine meist außerhalb der Dichtung vorgeprägte eigenständige Geschichte, die für eine literarische Bearbeitung genutzt wird. Bekannte Stoffe sind z. B. Dietrich von Bern?, der arme Heinrich? oder Judas Ischarioth?. Die Stoffforschung untersucht Entstehung, Wandel und Variationen einzelner Stoffe.

  • Motivforschung

Das Motiv ist ein zentraler inhaltlicher Baustein eines literarischen Werks?, in dem es häufig mehrfach auftaucht (Leitmotiv). Beliebte Motive sind Freundschaftsbeweis?, Geldgier? oder verleumdete Gattin. Die Motivforschung fragt nach Entstehung, Wandel und Variationen einzelner Motive.

  • Themenforschung

Das Thema ist der oft recht allgemein gefasste Grundgedanke eines literarischen Werks?. Häufig wiederkehrende Themen sind Antike, herkunftsbedingter Liebeskonflikt oder Vergänglichkeit?. In die deutsche Terminologie hat der Begriff – im Gegensatz zur englischen und französischen Literaturwissenschaft – noch keinen Eingang gefunden.

  • Symbolforschung

Das Symbol ist ein literarisches Erkennungszeichen, das vom Leser entschlüsselt werden muss, um seine Bedeutung zu verstehen. Als bekanntestes Symbol – auch außerhalb der Welt der Literatur – gilt das Kreuz des Christentums?. Die wichtigste Aufgabe der Symbolforschung ist es, das Symbol zu identifizieren, seine Bedeutung zu entschlüsseln und mögliche Übereinstimmungen oder Unterschiede im Vergleich mit anderen literarischen Werken? zu bestimmen.

Sekundärliteratur

  • Butzer, Günter; Jacob, Joachim (Hg.): Metzler Lexikon literarischer Symbole. Metzler Verlag, Stuttgart 2008, ISBN: 978-3476021311
  • Frenzel, Elisabeth: Motive der Weltliteratur. Kröner Verlag, Stuttgart 2008, ISBN: 978-3520301062
  • Horst S. und Ingrid Deammrich: Themen und Motive in der Literatur. Ein Handbuch. UTB, Stuttgart 1995, ISBN: 978-3825280345

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