Hauptseite | Literatur | Literaturgeschichte | Literatur-Epochen | Symbolismus


Symbolismus

Der Symbolismus ist eine literarische Strömung, die großen Einfluss auf die moderne Literatur in Europa ausübte. Zu den Hauptvertretern des Symbolismus gehören Charles Baudelaire?, Paul Verlaine? und Stéphane Mallarmé?.

Definition

https://www.buecher-wiki.de/uploads/BuecherWiki/th113---ffffff--herzimwasser_tilman_h_pix.jpg.jpg

Als Symbolismus (französisch: symbolisme, von griechisch: sýmbolon = Kennzeichen, Zeichen, aber auch: Zusammengeworfenes) bezeichnet man eine literarische Strömung insbesondere der europäischen Lyrik seit etwa 1860. Ausgehend von Frankreich, entstand der Symbolismus als Reaktion auf den Naturalismus. Die symbolistischen Dichter lehnten die nüchterne und als amusisch empfundene Wirklichkeit der bürgerlichen Welt ab.

In ihren Werken? verzichteten die Symbolisten - im Gegensatz zum Naturalismus, der damals die Literatur dominierte - auf die Wiedergabe der Wirklichkeit, die Schilderung objektiver Gegenstände sowie auf politische, soziale oder moralische Wirkungsabsichten. Stattdessen sollte durch das geschriebene Wort eine autonome Welt der Schönheit entstehen, die symbolhaft die Zusammenhänge zwischen der Phantasie des Dichters und dem Geheimnis des Seins erahnbar machen sollte.

Foto: Tilman H./ Pixelio.de

Der Klang ist wichtiger als der Sinn

Um dieses Ziel zu erreichen, entwickelten die Symbolisten eine reine Wortkunst (Poésie pure? oder L’art pour l’art?) und revolutionierten damit die Literatur. Sie betrachteten die Sprache vor allem als Klangkörper, dem sie u.a. mittels Lautmalerei?, Assonanz?, Synästhesie? und Reim? traumhaft-suggestive Bilder entlockten. Eine Folge der radikalen Verabsolutierung der Sprache (Klang wichtiger als Sinn) war, dass die symbolistische Dichtung sich oft dem unmittelbaren Verständnis entzog.

Der Symbolismus wirkte weit über das 19. Jahrhundert hinaus auf nahezu alle literarischen Strömungen des 20. Jahrhunderts, z. B. Jugendstil?, Expressionismus, Futurismus, Dadaismus und Surrealismus. Zu den Hauptvertreten des Symbolismus gehörten die französischen Autoren Charles Baudelaire?, Stéphane Mallarmé?, Paul Verlaine? und Arthur Rimbaud?, deren Werk? die literarische Moderne maßgeblich prägte und das bis heute nichts von seiner Popularität verloren hat. Im deutschsprachigen Raum folgten ihnen u.a. Stefan George?, Hugo von Hofmannsthal? und Rainer Maria Rilke. Auch die Lyrik Georg Trakls?, Gottfried Benns? und Paul Celans steht in der Tradition des Symbolismus.

Entstehung

Der Begriff Symbolismus wurde von Jean Moréas? geprägt, der am 18. Juni 1886 in der Literaturbeilage? der französischen Zeitung „Le Figaro“ sein Manifest? des Symbolismus veröffentlichte. Dabei war das, was Moréas? als Sensation verkaufte, nichts Neues, denn schon seit rund 30 Jahren gab es vor allem in Frankreich - aber auch in anderen europäischen Ländern - Dichter, die symbolistisch schrieben. Jean Moréas? gab der Strömung als erster ein wortgewaltiges Manifest? und einen griffigen Namen, wodurch in der Öffentlichkeit der Eindruck entstand, dass es sich beim Symbolismus um eine einheitliche Bewegung oder gar um eine homogene Schreibschule? handeln würde.

Wie heterogen und nicht selten heillos zerstritten die Bewegung tatsächlich war, spiegelt sich wider in der Vielzahl kurzlebiger Zeitschriften und programmatischer Texte. Übrigens wandte sich Jean Moréas? 1892 vom Symbolismus ab, um die sogenannte école romane? ins Leben zu rufen - eine Gegenbewegung zum Symbolismus, die der düsteren und oft unzugänglichen symbolistischen Dichtung die Klarheit der griechisch-romanischen Dichtung entgegenstellte.

Hat Baudelaire das Schamgefühl der Leser verletzt?

Als erster bedeutender Symbolist gilt Charles Baudelaire?, der 1857 den Gedichtzyklus? „Les fleurs du mal“ (dt. „Die Blumen des Bösen“, 1891) veröffentlichte. Bald nach Erscheinen des Bandes stand Baudelaire? vor Gericht: Ihm wurde vorgeworfen, in seinen Gedichten das Schamgefühl der Leser verletzt zu haben. Wegen der „verderblichen Wirkung der Bilder“ wurde er zu einer Geldstrafe und zur Streichung von sechs Gedichten verurteilt. Auch ohne juristisches Nachspiel wäre Baudelaires? „Die Blumen des Bösen“ wohl einer der bekanntesten Gedichtbände des 19. Jahrhunderts geworden.

Die singuläre Bedeutung von Baudelaires? Gedichten liegt vor allem in dem faszinierenden Kontrast zwischen klassischer Form (Sonett?) und schockierendem Inhalt. Baudelaire? schildert den Verfall der Zivilisation, er zeigt Krankheit und Niedergang, häufig durchsetzt mit eigenwilliger Todesmetaphorik. Die Mörder, Huren, Trinker und Geächteten seiner Gedichte haben mit dem idealistischen Menschenbild der Aufklärung? nichts mehr gemein. Von Baudelaire? führt ein direkter Weg zu Gottfried Benn? („Morgue“, 1912; „Fleisch“, 1917) und Georg Trakl? („Sebastian im Traum“, 1915), die zu Beginn des 20. Jahrhunderts ihre Leser mit Versen des Verfalls und Niedergangs schockierten - und gleichzeitig verzauberten, denn der klanglichen Schönheit und Musikalität ihrer Verse kann man sich nur schwer entziehen.

Entwicklung

Auf Baudelaire? folgten Paul Verlaine? („Romances sans paroles“, 1874; dt. „Lieder ohne Worte“, 1922), Arthur Rimbaud? („La bateau ivre“, 1883; dt. „Das trunkene Schiff“, 1908) und Stéphane Mallarmé? („Un coup de dés jamais n’abolira le hasard“, 1897; dt. „Ein Würfelwurf niemals auslöschen wird den Zufall“, 1957), der, halb Dandy, halb Professor, mit seinen rauschhaften Wortsymphonien die Grenze zwischen Wort und Musik überschritten hat. Die Wirkung seiner Lyrik war weitreichend und tiefgehend: Er wurde von Stefan George? und T. S. Eliot? nicht nur übersetzt, sondern auch verehrt.

Als radikalster und eigenwilligster Fortsetzer Mallarmés? gilt Paul Valéry?, der den Symbolismus über die Schwelle des 20. Jahrhunderts getragen hat. Er machte aus der Lyrik ein Fest des Intellekts und der reinen Wortmusik. In seinen besten Gedichten „Le cimetière marin“ (1920), „Ebauche d’un serpent“ (1921) und „Fragments du Narcisse“ (1921-1926) fand dieses Streben zum reinen Wortkunstwerk vollendete Gestalt. Spätestens mit Beginn der 1920er Jahre ist der Symbolismus nicht mehr als solcher zu erkennen. Schreibweise, Motivwahl, das Streben nach der reinen autonomen Wortkunst waren zu Elementen neuer Strömungen (z. B. Expressionismus, Futurismus, Surrealismus) geworden und gehören seitdem zum festen Inventar der modernen Literatur.

Übrigens ...

gab es den Symbolismus ebenso in der bildenden Kunst.

Literatur

  • Werke von Symbolisten bei Jokers
  • Baudelaire, Charles: Die Blumen des Bösen. Reclam Verlag, Ditzingen 1992, ISBN: 978-3150050767
  • Benn, Gottfried: Gedichte. Reclam Verlag, Ditzingen 2000, ISBN: 978-3150084809
  • Rimbaud, Arthur: Farbstiche / Illuminations. Französisch / Deutsch. Reclam Verlag, Ditzingen 1991, ISBN: 978-3150087282

Sekundärliteratur

  • Bücher über den Symbolismus bei Jokers
  • Kafitz, Viviane: Sprachartistische Lyrik. Gemälde- und Skulpturengedichte des russischen Symbolismus. Böhlau Verlag, Wien / Köln / Weimar 2008, ISBN: 978-3412201302
  • Karthaus, Ulrich: Die deutsche Literatur. Ein Abriss in Text und Darstellung. Impressionismus, Symbolismus und Jugendstil. Reclam Verlag, Ditzingen 1986, ISBN: 978-3150096499

Weitere Einträge zum Stichwort:


Hauptseite | Literatur | Literaturgeschichte | Literatur-Epochen | Symbolismus

FacebookTwitThis
Pin ItMister Wong
RSS-Feed RDF-Feed ATOM-Feed

schliessen