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Vargas Llosa, Mario

Mario Vargas Llosa (geb. 28. März 1936 in Arequipa) ist ein peruanischer Schriftsteller und Politiker. Im Jahr 2010 wurde er mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.

Leben und Schreiben

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Mario Vargas Llosa wurde als Jorge Mario Pedro Vargas Llosa am 28. März 1936 in Arequipa / Peru geboren. Seine Kindheit verbrachte er in Bolivien und Peru. Im Alter von zehn Jahren lernte er seinen Vater kennen, der als Redakteur beim Rundfunk arbeitete. Kurze Zeit darauf zog er mit seiner Mutter zum Vater nach Lima. Dort besuchte er zunächst eine katholische Schule, später auf Wunsch des Vaters die Kadettenanstalt Leoncio Prado.

Von 1953 bis 1957 studierte er Literatur und Jura an der Universität San Marcos in Lima. Als Student war er Mitglied einer Untergrundgruppe, die der verbotenen Kommunistischen Partei nahe stand. Ab 1959 promovierte er in Madrid mit einer Dissertation über das literarische Werk? von Gabriel García Márquez?. Bis 1974 lebte er mit kurzen Unterbrechungen in Europa.

Seine berufliche Laufbahn begann er als Journalist für die Zeitungen „La Crónica“ und „La Industria“, außerdem schrieb er Beiträge für Radio Panamericana. In Paris arbeitete er als Spanischlehrer, als Übersetzer bei einer Presseagentur sowie als Redakteur für das Lateinamerika-Programm der Radiodiffusion Télévision Française. Von 1967 bis 1974 hatte er den Lehrstuhl für lateinamerikanische Literatur am Queen Mary College der Londoner Universität inne.

Ankläger und Rebell

Als Schriftsteller debütierte? er mit dem Drama „Die Flucht“ (1952). Es folgte die Erzählung „Die Anführer“ (1958; dt. 1993), die mit dem Leopoldo-Alas-Preis ausgezeichnet wurde. Mit dem Roman „Die Stadt und die Hunde“ (1962; dt. 1966) gelang ihm in der spanischsprachigen Welt der Durchbruch als Schriftsteller. In dem autobiographisch getönten Roman verarbeitet er seine Erziehung in der Kadettenanstalt Leoncio Prado und zeigt, wie sich die Identität des Einzelnen in gruppendynamischen Situationen verändert.

Auch die folgenden Romane wie z.B. „Das grüne Haus“ (1967; dt. 1968) und „Die andere Seite des Lebens“ (1969; dt. 1976) wurden Bestseller und festigten seinen Ruf als scharfzüngiger Kritiker der korrupten und undemokratischen Regime in Lateinamerika. Er galt als Rebell und Ankläger, der nicht nur einen radikal-ethischen Ton in die zeitgenössische Literatur einführte, sondern auch eine eigene Literaturtheorie formulierte. Diese ist unter dem Schlagwort „novela total“ (Der totale Roman) bekannt geworden. Im Wesentlichen versteht man darunter die Absicht, ein möglichst vollständiges Abbild der Lebenswirklichkeit zu schaffen. Als Vorbilder dienten ihm u.a. Gustave Flaubert?, Leo Tolstoi? und Thomas Mann.

Zwischen Literatur und Politik

Eine Besonderheit in seinem Schaffen stellt der Roman „Der Krieg am Ende der Welt“ (1981; dt. 1982) dar, da dies der einzige Roman ist, der nicht in Peru spielt und nicht von Themen der Gegenwart geprägt ist. Mit den folgenden Büchern versuchte er, an seinen bisher größten Bucherfolg „Das grüne Haus“ anzuknüpfen: „Wer hat Palomino Molero umgebracht?“ (1986; dt. 1988) und „Der Geschichtenerzähler“ (1987; dt. 1990). Nach Kritikermeinung ist ihm das allerdings nur bedingt gelungen: Viele Literaturkritiker warfen ihm die Wiederholung des Altbekannten vor und konstatierten das Versiegen seiner literarischen Schaffenskraft.

Für großes Aufsehen sorgte sein Entschluss, bei der Präsidentenwahl am 8. April 1990 für das Amt des peruanischen Staatschefs zu kandidieren. Am Ende unterlag er Alberto Fujimori, der am 28. Juli 1990 Staatspräsident von Peru wurde. Bereits im März 1988 hatte er die Freiheitsbewegung Movimiento Libertad gegründet, mit der er bei den Regionalwahlen 1989 große Erfolge feierte. Er vertrat eine liberale Politik und verfolgte die Absicht, in Peru eine Marktwirtschaft nach westeuropäischem Vorbild zu etablieren. Außerdem versprach er den Wählern, den Bürgerkrieg mit den kommunistischen Guerillatruppen zu beenden.

„Der Fisch im Wasser“ - Autobiographie

Enttäuscht von der politischen Niederlage, ging er wieder nach Europa. In Berlin schrieb er seine Lebenserinnerungen, die 1993 unter dem Titel „Der Fisch im Wasser“ (dt. 1995) herauskamen. Der Leser erfährt darin viel Wissenswertes von seiner Kindheit und Jugend sowie von der Zeit seines politischen Kampfes als Student. Im Jahr 1993 veröffentlichte er außerdem den Kriminalroman „Tod in den Anden“ (dt. 1996), der von der Literaturkritik vor allem wegen seiner stilistischen Meisterschaft in den höchsten Tönen gelobt wurde. In einer ebenso kalten wie klaren Sprache schildert er, wie das mysteriöse Verschwinden dreier Menschen von Korporal Lituma und seinem Gehilfen Tomasio aufgeklärt wird.

Es folgten die Romane „Die geheimen Aufzeichnungen des Don Rigoberto“ (1996; dt. 1997) und „Das Fest des Ziegenbocks“ (2000; dt. 2001), der Essay „Ein trauriger, rabiater Mann. Über George Grosz“ (dt. 2000) sowie die journalistische Artikelsammlung „Die Sprache der Leidenschaft“ (2002), in der Artikel für die spanische Zeitung „El País“ aus den Jahren 1992-2000 versammelt sind. In Zusammenarbeit mit dem Fotografen Pablo Corral Vega erschien 2002 ein Bildband? über die Anden.

Nobelpreis

Überwiegend enttäuscht zeigte sich die Literaturkritik vom 2006 veröffentlichten Roman „Das böse Mädchen“ (dt. 2006), in dem Vargas Llosa von freier Liebe, Erotik, Revolutionen und einer turbulenten südamerikanischen Amour fou erzählt. Die Rezensentin der „Frankfurter Rundschau“ war geradezu erschüttert von dem geballten Kitsch und der machohaften Haltung, die aus dem Buch sprächen. Der Rezensent der „Zeit“ kam zu dem Fazit: Das Buch zeige einen ehemaligen Könner, der sich auf die faule Haut gelegt habe.

Am 7. Oktober 2010 gab das Nobelpreiskomitee in Stockholm bekannt, dass der Literaturnobelpreis in diesem Jahr an Mario Vargas Llosa geht. Die Verleihung der mit umgerechnet rund einer Million Euro dotierten Auszeichnung findet am 10. Dezember 2010 in Stockholm statt.

Mario Vargas Llosa lebt mit seiner Frau in London.

Übrigens ...

wurde Mario Vargas Llosa im Jahr 2000 mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert: Der amerikanische Journalist Bernard Diederich? beschuldigte Vargas Llosa, in dem Roman „Das Fest des Ziegenbocks“ aus einem seiner Bücher abgeschrieben zu haben.

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Mario Vargas Llosa bei Jokers
  • Die Anführer. Erzählungen. Dt. EA 2001, übers. v. Elke Wehr?. Span. OA: Los jefes, 1959
  • Die Stadt und die Hunde. Roman. Übers. v. Wolfgang Alexander Luchting. OA: La ciudad y los perros, 1963
  • Das grüne Haus. Roman. EA 1967. Übers. v. Wolfgang Alexander Luchting. OA: La casa verde, 1965
  • Die jungen Hunde (Schwanz Cuéllar). Erzählung. EA 1975. Übers. v. Wolfgang Alexander Luchting. OA: Los cachorros (Pichula Cuéllar), 1967
  • Der Hauptmann und sein Frauenbataillon. Roman. EA 1974. Übers. v. Heidrun Adler. OA: Pantaleón y las visitadoras, 1973
  • Tante Julia und der Kunstschreiber. Roman. EA 1997. Übers. v. Heidrun Adler. OA: La tía Julia y el escribidor, 1977
  • Der Krieg am Ende der Welt. Roman. EA 1982. OA: La guerra del fin del mundo, 1981
  • Maytas Geschichte. Roman. EA 1986. OA: Historia de Mayta, 1984
  • Der Geschichtenerzähler. EA 1990. Übers. v. Elke Wehr. OA: El hablador, 1987
  • Lob der Stiefmutter. Roman. EA 2005. Übers. v. Elke Wehr. OA: Elogio de la madrastra, 1988
  • Tod in den Anden. Roman. EA 1996. Übers. v. Elke Wehr. OA: Lituma en los Andes, 1993
  • Das Fest des Ziegenbocks. Roman. EA 2001. Übers. v. Elke Wehr. OA: La fiesta del chivo, 2000
  • Das Paradies ist anderswo. Roman. EA 2004. Übers. v. Elke Wehr. OA: El paraíso en la otra esquina, 2003
  • Das böse Mädchen. Roman. EA 2006. Übers. v. Elke Wehr. OA: ravesuras de la niña mala, 2006
  • Der Traum des Kelten. Roman. EA 2011. Übers. v. Angelica Ammar. OA: El sueño del celta, 2010
  • Ein diskreter Held. Roman. EA 2013. Übers. v. Thomas Brovot. OA: El heroe discreto, 2013

Hörbücher

  • Tante Julia und der Kunstschreiber. Der Hörverlag, München 2010, ISBN: 978-3867177252

Sekundärliteratur

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