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Morgenstern, Christian

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Christian Morgenstern (geb. 6. Mai 1871 in München; gest. 31. März 1914 in Meran) war ein deutscher Schriftsteller, Lyriker und Übersetzer. In seinen Werken erweist er sich Meister der kleinen Form: der Gedichte, Epigramme?, Aphorismen, Essays und Szenen.

Er selbst, der nach langem Leiden noch jung an Tuberkulose starb, hat sich deshalb einmal bitter einen "Gelegenheitsdichter und nichts weiter" genannt.

Leben

Christian Otto Josef Wolfgang Morgenstern wurde am 6. Mai 1871 in München geboren. Sein Vater Carl war, wie übrigens beide Großväter auch, Landschaftsmaler, seine Mutter Charlotte, geb. Schertel, Musikerin. Den Namen Wolfgang erhielt er in Verehrung für Wolfgang Amadeus Mozart. Als er zehn Jahre alt war, starb die Mutter an Tuberkulose. Da hatte sich Christian bereits bei ihr angesteckt. Der Junge kam zu einem Paten nach Hamburg, nach einem Jahr wieder nach München und dann in ein Internat in Landshut. 1883 nahm ihn der Vater, der mittlerweile wieder geheiratet hatte und in Breslau lebte, erneut zu sich. Auf dem Gymnasium befreundete sich Morgenstern mit dem späteren Schriftsteller, Schauspieler und Komponisten Friedrich Kayssler?. Als 16-Jähriger schrieb Morgenstern erste Verse und dramatische Texte und beschäftigte sich mit Schopenhauer.

In Breslau beendete Morgenstern, nach einem Intermezzo auf der Militärakademie, 1892 die Schule und begann, Volkswirtschaft und Jura zu studieren. Daneben gab er mit Freunden das Blatt? "Deutscher Geist" heraus, in dem er erste eigene Texte veröffentlichte. Die Zeitschrift stand unter dem Motto "Der kommt oft am weitesten, der nicht weiß, wohin er geht". Er brach das Studium jedoch schon im Herbst 1893 aus gesundheitlichen Gründen ab: Die Tuberkulose, die er seit Kindertagen in sich trug, war nun ausgebrochen. Eine Kur in Bad Reinerz und ein Erholungsaufenthalt in Sorau brachten wenig. Das Angebot von Freunden, einen Aufenthalt in Davos zu bezahlen, lehnte Morgensterns Vater ab, ebenso wie das Anerbieten von Morgensterns Universitätsprofessor Felix Dahn?, das Studium bis zum Refendar zu finanzieren. Mittlerweile hatte sich der Vater von seiner zweiten Frau getrennt. Als er zum dritten Mal heiratete, zerbrach das Verhältnis zum Sohn für einige Zeit ganz.

Als Schriftsteller in Berlin

1894 ging Christian Morgenstern nach Berlin. Er hatte sich entschlossen, Schriftsteller zu werden, und war als freier Mitarbeiter für die "Tägliche Rundschau" und die "Freie Bühne" tätig. In Berlin lernte er die Brüder Heinrich? und Julius Hart? kennen, die Gründerfiguren des Naturalismus. 1895 brachte er seinen ersten Gedichtband unter dem Titel "In Phantas Schloss. Ein Zyklus humoristisch-phantastischer Dichtungen" heraus, den er "dem Geiste Friedrich Nietzsches" widmete. Er reiste nach Helgoland und Sylt und schrieb die ersten der berühmten "Galgenlieder".

1896 erschienen Horaz?-Travestien?, die Morgenstern als Studentenscherz verfasst hatte: "Horatius Travestitus". Er verunglimpft darin 18 Oden? des römischen? Dichters. 1897 folgte der Gedichtband "Auf vielen Wegen". Im Sommer 1897 übersetzte Morgenstern die autobiographischen Aufzeichnungen "Inferno" von August Strindberg? aus dem Französischen. Er übernahm danach den Auftrag, das Werk Henrik Ibens? aus dem Norwegischen zu übertragen und bereiste, um die Sprache zu lernen, 1898 und 1899 mehrfach Norwegen. 1898 erschien der Gedichtband "Ich und die Welt", zwei Jahre später folgten weitere Gedichte unter dem Titel "Ein Sommer".

Immer wieder Reisen

Mehrere Reisen führten Morgenstern in den Jahren 1900 bis 1902 nach Italien und in die Schweiz (u. a. wegen eines Kuraufenthalts in Davos), wo er satirische Szenen für Max Reinhardts Berliner Kabarett? "Schall und Rauch" schrieb. Weitere Berlin-Aufenthalte (u. a. hatte er dort 1903 die Herausgeberschaft? der Zeitschrift "Das Theater" übernommen und arbeitete als Lektor für Bruno Cassirer?) wurden immer wieder von Reisen unterbrochen: Wegen der Tuberkulose musste er möglichst hoch gelegene Kurorte wie Davos, Arosa und Meran aufsuchen.

Die Unsesshaftigkeit scheint aber zu ihm gepasst zu haben: Er selbst hat einmal das Zelt als sein Wohnungsideal bezeichnet.

Hinwendung zur Theosophie und Anthroposophie und früher Tod

Bei seinen Reisen und Kuren beschäftigte sich Morgenstern mit philosophischen? und mystischen Schriften, so etwa von Böhme?, Fichte?, Hegel?, Spinoza? und Tolstoi?. Kurzzeitig geriet er unter den Einfluss des völkischen Ideologen Paul de Lagarde, was sich in dem 1906 erschienenen Band "Melancholie" ausdrückt.

1908 lernte er Margareta Gosebruch kennen, die er 1910 heiratete. Ein Jahr später traf Morgenstern Rudolf Steiner. Er schloss eine enge Freundschaft mit dem Begründer der Anthroposophie. Theosophisch-mystischen Einfluss verraten die Bände "Einkehr" (1910) und "Ich und du" (1911), sie verkünden eine Gotteserkenntnis im Sinne des Johannes-Evangeliums. 1914 erschien "Wir fanden einen Pfad", den Band widmete Morgenstern Rudolf Steiner.

Es war das Jahr seines frühen Todes - die Krankheit, der er durch zahlreiche Kuren nicht hatte entkommen können, holte ihn endgültig ein. Zuletzt konnte er nur noch flüstern und sich kaum noch körperlich bewegen. In Meran starb Christian Morgenstern am 31. März 1914.

Literarische Arbeiten

Acht Gedichtsammlungen hat Morgenstern zu Lebzeiten veröffentlicht. Eine neunte korrigierte er kurz vor seinem Tod. Mit dieser späten Gedankenlyrik? wollte er seinen Anspruch bekräftigen, ein ernster Schriftsteller zu sein. Berühmt geworden sind jedoch vor alle seine heiter-groteske Dichtungen wie die berühmten "Galgenlieder".

"Die Galgenlieder" (1895-1905)

Mit Berliner Freunden, darunter auch Kayssler, hatte Morgenstern einen Stammtisch gegründet, den "Bund der Galgenbrüder". Der Name "Galgenbrüder" war bei einer Wanderung der Freunde zum Galgenberg in Werder nahe Potsdam entstanden. Für diesen Kreis schrieb er ab 1895 die so genannten "Galgenlieder": originelle Nonsensdichtung? mit auffallend geschmeidigen Reimen?. Zur damaligen Zeit stellten diese Gedichte etwas völlig Neues dar. Zwar lassen sie die Nonsens-Tradition studentischer Liederbücher? und der Poesie Heines? sowie Jean Pauls? erkennen, doch in ihrer Skurrilität bilden sie bis heute eine Ausnahmeerscheinung.

Bei einem ersten Vortrag 1901 im Berliner Kabarett? "Überbrettl" waren die frühesten "Galgenlieder" ein großer Erfolg. So schrieb Morgenstern stetig weitere Verse und entschloss sich schließlich zur Veröffentlichung. 1905 erschienen die Texte erstmals. Als Herausgeber? zeichnen der fingierte Lic. Dr. Jeremias Müller und seine Ehefrau Gundula. Sie führen mit einer Parodie auf schachtelsatzbefrachtete? germanistische? Bildungsprosa in die Sammlung ein.

Die Gedichte selbst hat Morgenstern unter das Motto? gestellt: "Im ächten Manne ist ein Kind versteckt: das will spielen" - (ein Nietzsche-Zitat). Damit ist schon die Höhe des geistigen Anspruchs markiert. Die geistige Tendenz steckt dann das zweite Motto, ein Vierzeiler, ab: "Lass die Moleküle rasen, / was sie auch zusammenknobeln! / Lass das Tüfteln, lass das Hobeln, / heilig halte die Ekstasen!" Auch der mit der Welt Spielende ist eingebunden in die große ekstatische Gebärde.

Morgensterns grotesk-skurriles Spiel mit der Sprache steht im Dienste der Verfremdung. Oft werden abstrakte Begriffe zu Personen? gemacht, so in "Unter Zeiten": "Das Perfekt und das Imperfekt tranken Sekt. Sie stießen aufs Futurum an (was man wohl gelten lassen kann). / Plusquamper und Exaktfutur blinzten nur". Manches Gedicht ist auf die Abstraktionsstufe des rhythmischen? Zeichens und von dieser auf einen realen Bewegungsvorgang reduziert ("Fisches Nachtgesang").

Skurril ist auch das Figurenrepertoire?, das in dieser nächtlichen Nonsenswelt auftritt: Ein Galgenbruder besingt die Henkersmaid Sophie, Rehe falten die Zehen zum Gebet, und das Mondschaf erlebt vor seinem Tod einen Moment mystischer Versenkung. Vierviertelschwein und Auftakteule treffen sich zum Tanz, und der "Zwölf-Elf" hadert mit seinem Namen. Herrlich beiläufig endet das Figurengedicht "Der Trichter". Und muss eigens betont werden, dass das einsam durch die Welt wandernde Knie ein Knie ist und kein Baum, auch kein Zelt? Ja, unbedingt! Bei Morgenstern genießt der Leser jedes einzelne Wort.

1910 ließ Morgenstern in ähnlichem Stil den "Palmström-Zyklus" folgen. 1916 erschien aus dem Nachlass? "Palma Kunkel" und 1919 "Der Gingganz". Sie wurden mit den Galgenliedern 1932 unter dem Titel "Alle Galgenlieder" zusammengefasst.

Übrigens ...

hat Christian Morgenstern den von ihm verehrten Rudolf Steiner für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.

Werke (Auswahl)

  • Werke von Christian Morgenstern bei Jokers
  • Die Galgenlieder. EA 1905. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2008, ISBN: 978-3596900565
  • Alle Galgenlieder: Galgenlieder / Palmström / Palma Kunkel / Der Gingganz. EA 1932. marixverlag, Wiesbaden 2004, ISBN: 978-3937715155

Hörbücher (Auswahl)

  • Die Galgenlieder, zusammen mit Bela Bartóks Klavierkonzert No. 2. 2 C Ds?. ZYX Music, Merenberg 2005
  • Gedichte. Insel Verlag, Frankfurt am Main, 3. Aufl. 2006, ISBN: 978-3458347156

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