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Mörike, Eduard

Eduard Mörike (geb. 8. September 1804 in Ludwigsburg; gest. 4. Juni 1875 in Stuttgart) war ein deutscher Erzähler, Lyriker? und Übersetzer. Er gilt als einer der Hauptvertreter des schwäbischen Biedermeier?.

Leben und Schreiben

Eduard Mörike wurde am 8. September 1804 in Ludwigsburg geboren. Er war das siebte von dreizehn Kindern des Kreismedizinalrats Karl Friedrich Mörike und seiner Frau Charlotte Dorothea, geborene Bayer.

Mörike besuchte in Ludwigsburg die Lateinschule. Als der Vater 1817 starb, siedelte die Familie nach Stuttgart über. In Urach, einer kleinen Stadt am Fuße der Schwäbischen Alb, ging Mörike auf das evangelisch-theologische Seminar. Von 1822 bis 1826 studierte er Theologie im Tübinger Stift. Bei seinen Kommilitonen war Mörike sehr beliebt, bei seinen Professoren dagegen weniger. Denn aufgrund seiner „ausgelassenen studentischen Lebensfreude“ musste er in Tübingen wiederholt Arreststrafen verbüßen.

Im Banne von W.A. Mozart und M. Meyer

Während des Studiums schloss Mörike Freundschaft mit dem Philosophen Friedrich Theodor Vischer?, dem Theologen David Friedrich Strauß? und dem Dichter Wilhelm Waiblinger?. Zusammen mit dem Pfarrerssohn Ludwig Amandus Bauer? erfand Mörike 1826 den so genannten Orplid-Mythos, in dessen Mittelpunkt die Göttin Weyla stand. Später floss dieser Mythos – vielfach variiert – in Mörikes Werk? ein. 1824 besuchte er eine Aufführung des „Don Giovanni“ in Stuttgart. An diesem Tag nahm eine bleibende Verehrung für Mozart ihren Ausgang – und fand 1855 in der Künstlernovelle „Mozart auf der Reise nach Prag“ ihren literarischen Niederschlag.

Bereits 1823 war Mörikes Liebe zu der kuriosen Maria Meyer entflammt, die er in Ludwigsburg kennengelernt hatte. Man sagt, sie sei von betörender Schönheit gewesen und im Besitze erlesener Geistesgaben. Mörike war ihr grenzenlos verfallen. In seinen Träumen führte er bereits ein Leben im Staub zu ihren Füßen. Als Maria plötzlich spurlos verschwand, stürzte Mörike in eine tiefe Lebenskrise. Bis heute konnte nicht einwandfrei geklärt werden, woher Maria Meyer stammte und wer sie wirklich war. Gerüchte besagen, dass sie nach ihrem Verschwinden als religiöse Eiferin im Gefolge der Juliane von Krüdener quer durch Europa gewandert sei. Bei Mörike hat sie bleibenden Eindruck hinterlassen. Als Zigeunerin Elisabeth fand sie Eingang in Mörikes Roman „Maler Nolten“ (1832).

„Maler Nolten“

Nach dem Studium war Mörike als Vikar in Nürtingen und anderen Orten in Schwaben tätig. 1827 ließ er sich für ein Jahr beurlauben und arbeitete vorübergehend als Redakteur? – Mörike selbst bezeichnete sich als novellistischen Mitarbeiter – der „Franckschen Damenzeitung“. Doch der Versuch, außerhalb der Kirche als Schriftsteller oder Journalist? sein Geld zu verdienen, misslang. 1829 war Mörike als Pfarrverweser in Pflummern und Plattenhardt tätig. Im selben Jahr erfolgte die Verlobung mit Luise Rau, die jedoch 1833 wieder gelöst wurde. Die Gründe, die zur Trennung führten, liegen bis heute im Dunkeln.

1832 erschien Mörikes Roman „Maler Nolten“ beim Stuttgarter Verleger Schweizerbart in zwei Bänden. Im Mittelpunkt steht der junge Maler Theobald Nolten, der die Verlobung mit Agnes auflöst. Sein Motiv für diesen Schritt: Agnes’ scheinbare Untreue. Doch verbirgt sich dahinter eine raffiniert gesponnene Intrige der Zigeunerin Elisabeth, die in Nolten verliebt ist und ihn seiner Frau abspenstig machen will. Noch undurchsichtiger wird es, als der Schauspieler Larkens, ein enger Freund Noltes, in dessen Namen den Briefwechsel mit Agnes fortsetzt. In der Hoffnung, die beiden wieder zueinander zu führen. Dann gibt es plötzlich zwei Leichen: Agnes und Larkens. Und auch Nolte stirbt – nach einer rätselhaften Begegnung mit der Zigeunerin Elisabeth. Stoff und Stil des Romans, in den neben Gedichten auch Lieder und Sonette? eingestreut sind, stehen ganz in der Nachfolge von Goethes „Wilhelm Meister“. Außerdem verwendet Mörike eine Vielzahl romantischer Motive wie Zigeuner, Magie und Somnambulismus. Eine zweite Fassung des Romans, an der Mörike bis kurz vor seinem Tod gearbeitet hat, wurde 1877 aus dem Nachlass? herausgegeben. Julius Klaiber?, ein enger Freund Mörikes, besorgte diese Edition. Die Wirkung des Werks war gering, ebenso der Erfolg beim Publikum?.

Hochzeit, Briefe und Lyrik

1834 wurde Mörike mit der Pfarrstelle in Cleversulzbach bei Weinsberg betraut, wo er bis 1843 amtierte. Den Briefen? Mörikes, der Zeit seines Lebens ein leidenschaftlicher, stimmungsvoller und geistreicher Briefeschreiber war, ist zu entnehmen, dass dies die wahrscheinlich glücklichsten Jahre seines Lebens waren. In Cleversulzbach lebte er zusammen mit seiner Mutter, die 1841 starb, und seiner Schwester Clara. Hier entstanden die Erzählungen „Lucie Gelmeroth“ (1834), „Der Schatz“ (1835) und „Der Bauer und sein Sohn“ (1838). Ebenfalls 1838 erschien die erste Auflage? seiner gesammelten Gedichte. Mörikes Lyrik, die auch heute noch viele Bewunderer hat, ist an der Stilwende von Romantik und Realismus angesiedelt. Ihren Höhepunkt erreichte Mörikes Lyrik in scheinbar naiven, schlicht gehaltenen Liedern, in denen sich Naturgefühl?, Musikalität und Gefühlsausbruch zu einem ganz eigenen lyrischen Ton verbinden. 1843 wurde Mörike aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand versetzt. In der Folge lebte er in Schwäbisch Hall und Bad Mergentheim.

1851 heiratete Mörike in Stuttgart Margarethe von Speeth, die Tochter eines Oberstleutnants. Die Ehe verlief unglücklich. 1873 kam es zur Trennung. In Stuttgart, wo Mörike bis 1866 als Lehrer für Literatur am Katharinenstift für Mädchen tätig war, entstanden seine beiden bekanntesten Prosawerke: das Märchen „Das Stuttgarter Hutzelmännlein“ (1853) und die Novelle „Mozart auf der Reise nach Prag“ (1856).

„Das Stuttgarter Hutzelmännlein“

Im Mittelpunkt von „Das Stuttgarter Hutzelmännlein“, dessen Handlung im schwäbischen Sprach- und Kulturraum angesiedelt ist, steht ein liebenswerter Kobold. Zur Zeit Eberhard des Greiners ist der Kobold im ganzen Land bekannt: Man nennt ihn „Hutzelmännlein“, „Tröster“ oder „Pechschwitzer“. Er ist in der Lage, das Leben von Menschen, die sich ihm anvertrauen, vor drohenden Gefahren zu behüten und ihre Geschicke zu lenken. Und dieser Kobold schenkt nun dem Schustergesellen Seppe zwei sonderbar verwunschene Dinge: ein nie endendes Hutzelbrot und zwei Paar Glücksschuhe. Das eine Paar, so spricht der Kobold, solle Seppe gleich anziehen und das andere, ein Paar Mädchenschuhe, irgendwo an den Wegrand stellen. Gesagt, getan. Die schöne Vrone findet die Schuhe, folgt Seppe und am Ende werden die beiden ein glückliches Paar. Dank ihrer Zauberschuhe können sie ihre Verlobung sogar auf einem Trapezseil feiern, das in Schwindel erregender Höhe über den Köpfen von Graf Eberhards staunender Hofgesellschaft gespannt ist.

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Mit „Das Stuttgarter Hutzelmännlein“ setzte Mörike seine ehrgeizigen Bemühungen fort, die Erzähltradition? des romantischen Volksmärchens am Leben zu erhalten. Im Gegensatz zum Kunstmärchen, das häufig mit schwer entschlüsselbaren Allegorien überfrachtet ist und das gleichfalls zu den in der Romantik besonders populären Prosaformen zählte, zeichnet sich Mörikes „Hutzelmännlein“ durch eine wahre Fülle von realistischen Akzentuierungen – wie die Verwendung von Schauplätzen, die auch in der Wirklichkeit bestehen – aus. Die im „Hutzelmännlein“ enthaltene Binnenerzählung? „Historie von der schönen Lau“ erschien 1873 als eigenständige Publikation?. Sie greift eine Sage um eine Wassernixe auf, die in der Tiefe des Blautopfs hausen soll, einer Karstquelle bei Blaubeuren am Südrand der Schwäbischen Alb.

Foto: Albrecht E. Arnold / pixelio.de

„Mozart auf der Reise nach Prag“

Mörikes Novelle „Mozart auf der Reise nach Prag“ wurde erstmals 1855 in dem damals beliebten „Morgenblatt für gebildete Stände“? veröffentlicht. Die Buchausgabe folgte im Jahr darauf. In der Novelle, die im Herbst des Jahres 1787 spielt, schildert Mörike einen Tag aus dem Leben Wolfgang Amadeus Mozarts (1756-1791). Dieser befindet sich auf dem Weg zur Erstaufführung seiner neuen Oper „Don Juan“. Ziel der Reise ist Prag. Er gerät jedoch – durch die Launen des Zufalls – in ein prunkvolles Schloss, wo er nach einigen Misshelligkeiten die anwesenden Adligen durch sein Klavierspiel zu Tränen der Freude hinreißt. Die Menschen huldigen ihm: Mozart befindet sich auf dem Gipfel seines Ruhmes. Doch der Schein trügt, denn im Hintergrund drohen schon die Schatten eines frühen Todes. Niemand empfindet das so klar wie Eugenie, die bezaubernde Nichte des gräflichen Paares.

Die Novelle „Mozart auf der Reise nach Prag“ gilt als Mörikes bekanntestes Prosawerk. Die wichtigste Quelle?, die er bei den Vorarbeiten zu dem Werk verwendete, war die Biographie „Mozart’s Leben, nebst einer Übersicht der allgemeinen Geschichte der Musik“ (1847), die der russische Diplomat Alexander Oulibischeff? verfasst hatte.

Krankheit, Depression und Tod

Von 1855 an trat Mörike auch als Übersetzer in Erscheinung. So übertrug er unter anderem Anakreon?, Theokrit? und Catull ins Deutsche. Trotz der zunehmenden Wertschätzung seines literarischen Werkes? verliefen seine letzten Lebensjahre unglücklich. Von Krankheiten und Depressionen gepeinigt, führte er ein zurückgezogenes Leben in Stuttgart.

Eduard Mörike starb am 4. Juni 1875 in Stuttgart. Er wurde auf dem Stuttgarter Pragfriedhof begraben.

Übrigens ...

war der Erstausgabe? von „Das Stuttgarter Hutzelmännlein“ (1853) ein kleines Sprachlexikon? beigefügt. Der Grund dafür war, dass dem Leser andernfalls viele Redewendungen? unverständlich geblieben wären. Denn bei der Niederschrift seines Märchens hatte Mörike tief in die Mottenkiste des schwäbischen Dialekts gegriffen und dabei so mancherlei archaische Kostbarkeit zu Tage gefördert, die einer Erklärung bedurfte.

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Eduard Mörike bei Jokers
  • Maler Nolten. Novelle in zwei Teilen. EA 1832. Ditzingen, Reclam Verlag 1987, ISBN: 978-3150047705
  • Das Stuttgarter Hutzelmännlein. EA 1853. Ditzingen, Reclam Verlag 1986, ISBN: 978-3150047552
  • Mozart auf der Reise nach Prag. EA 1856. Köln, Anaconda Verlag 2007, ISBN: 978-3866471863
  • Die Historie von der schönen Lau. EA 1873. Ebenhausen, Langewiesche-Brandt 2002, ISBN: 978-3784605463
  • Brautbriefe. Die Briefe an Luise Rau. Frankfurt am Main, Insel Verlag 2004, ISBN: 978-3458347392
  • Eine phantastische Sudelei. Ausgewählte Zeichnungen. Stuttgart, Betulius Verlag 2004, ISBN: 978-3895110863
  • Sämtliche Erzählungen. Ditzingen, Reclam Verlag 2003, ISBN: 978-3150183137
  • Sämtliche Gedichte in einem Band. Frankfurt am Main, Insel Verlag 2001, ISBN: 978-3458170808
  • Werke in einem Band. München, Carl Hanser Verlag 2004, ISBN: 978-3446124363

Hörbücher

  • Christian Brückner liest Mörike. CD. Mit musikalischen Mörike-Vertonungen. Tübingen, Silberburg-Verlag 2004, ISBN: 978-3874076432
  • Das Stuttgarter Hutzelmännchen. 3 CDs. Erding, Hörsturz Verlag 2004, ISBN: 978-3936088649
  • Mozart auf der Reise nach Prag. 3 CDs. Münster, Naxos Verlag 2000, ISBN: 978-3898160353

Sekundärliteratur

  • Beci, Veronika: Eduard Mörike. Die gestörte Idylle. Biographie. Düsseldorf, Artemis & Winkler 2004, ISBN: 978-3538071766
  • Holthusen, Hans E.: Eduard Mörike. In Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Reinbek, Rowohlt Verlag 1979, ISBN: 978-3499501753
  • Kluckert, Ehrenfried: Eduard Mörike. Sein Leben und Werk. Köln, DuMont Literatur und Kunst Verlag 2004, ISBN: 978-3832178468
  • Mayer, Mathias: Eduard Mörike. Ditzingen, Reclam Verlag 1998, ISBN: 978-3150176115
  • Schmid-Lotz, Christa: Eduard Mörike. Lahr, Salzer Verlag 2004, ISBN: 978-3780653055
  • Strunk, Reiner: Eduard Mörike (1804-1875). Pfarrer und Poet. Stuttgart, Calwer Verlag 2004, ISBN: 978-3766838766

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