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Schenkel, Andrea Maria

Andrea Maria Schenkel (geb. 21. März 1962 in Regensburg) ist eine deutsche Schriftstellerin, die mit einem Regionalkrimi an die Spitze der Bestseller-Listen kam. Seither hat sie in dichter Folge weitere Krimis veröffentlicht.

Leben

Andrea Maria Schenkel lebte lange als Familienfrau und Mutter dreier Kinder in Nittendorf, einer 9.000-Seelen-Gemeinde im Landkreis Regensburg. Im Jahr 2006 wurde sie schlagartig mit ihrem Regionalkrimi "Tannöd" bekannt. Mittlerweile lebt sie teilweise in ihrem früheren Wohnort und teilweise bei ihrem heutigen Lebensgefährten nahe New York.

Literarische Arbeiten

"Tannöd" (2006)

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Anfang 2006 kam Schenkels Romandebüt? "Tannöd" heraus, und im Februar 2007 war sie mit dem Buch auf dem ersten Platz der deutschen Bestseller-Listen. Die Autorin erklärte, der Erfolg sei auch für sie sehr überraschend gekommen. Eigentlich sei der Roman nur ein Übungsversuch gewesen.

Der Krimi "Tannöd" geht von einem echten Kriminalfall mit sechs Ermordeten aus, der sich im März 1922 im oberbayerischen Dorf Hinterkaifeck ereignet hat und bis heute nicht aufgeklärt worden ist. Schenkel wurde von diesem merkwürdigen Kriminalfall zu einer düsteren und rätselhaften Moritat angeregt. Statt im Jahr 1922 spielt bei ihr der Krimi in den 1950er-Jahren, kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Er ist auch nicht in Hinterkaifeck angesiedelt, sondern in einer Einöde namens Tannöd bei der Gemeinde Einhausen in der Oberpfalz, wo eine Familie grausam ausgelöscht wird. Den Namen Tannöd hat Andrea Maria Schenkel völlig frei erfunden. Erst, nachdem das Buch gedruckt war, erfuhr sie, dass es allein in Bayern drei Orte dieses Namens gibt - wo dann schon auch mal Journalisten auftauchten, die dort nach Spuren des realen Verbrechens suchten.

Die Kritik feierte Schenkels Debüt als äußerst gelungenes Beispiel für einen nicht heimattümelnden Regionalkrimi, als beeindruckendes und schonungsloses Porträt der dörflichen Welt.

Die Nebenrechte? an "Tannöd" wurden nach Italien, Frankreich und in die Niederlande verkauft. Die Verträge? für die Filmrechte? und die Buch-Lizenzen? für die Ausgaben in Skandinavien, Italien, Frankreich und den Niederlanden wurden abgeschlossen. Im Jahr 2008 kam das Buch als Theaterstück auf die Bühne, 2009 war eine Verfilmung mit Monica Bleibtreu und Julia Jentsch in den Kinos zu sehen.

Für das Buch erhielt Schenkel den Deutschen Krimi Preis? 2007.

Die Szenerie von "Tannöd"

Anders als viele andere Krimis hat „Tannöd“ hat keinen Kommissar und kein Happy End?. Der Patriarch auf dem einsamen Bauernhof missbrauchte seine Tochter und zeugte Kinder mit ihr. Das wussten die Menschen im Dorf. Aber sie schauten weg. Ebenso wie der echte Fall wird das Verbrechen auch im Roman nie aufgeklärt, aber für den Leser wird erkennbar, wer der Täter ist. Damit wird der Leser zum Detektiv und bekommt seine Lösung. Der brutale Blutrausch, in dem das Verbrechen begangen wird, bleibt aber letztlich unerklärbar.

Schenkels Regionalkrimi wurde wohl auch deshalb ein Erfolg, weil sie die Dinge beschreibt, die auf dem Land geschehen können. Für die Autorin sind die Leute im Dorf wichtig. Sie gibt Einblick in die Gedanken der einfachen Dorfbewohner und der Honoratioren vom Pfarrer bis zum Bürgermeister. Auch der Mörder kommt in "Tannöd" zu Wort, man erlebt ihn sogar bei seinen täglichen Arbeiten.

Der echte Fall

Das ungeklärte Verbrechen auf dem Einödhof Hinterkaifeck ist inzwischen eine Legende in der deutschen Kriminalistik. Der Bauernhof, der bald nach der Tat abgerissen wurde, lag im Gebiet der Gemeinde Waidhofen, Oberbayern, rund fünf Kilometer von dem Spargel-Ort Schrobenhausen entfernt.

Im Augsburger Staatsarchiv? lagern bis heute die Akten zum echten Mordfall Hinterkaifeck. Sie enthalten viele dichtbeschriebene Seiten mit Denunzierungen und dubiosen Spekulationen. Die Aussagen in den Akten geben Einblicke in ein nur scheinbar heiles Dorfleben, das in Wirklichkeit überhaupt nicht heil ist. Inzest, Neid und Eifersucht zerstörten das ländliche Sozialgeflecht. Damals ging die Angst in Hinterkaifeck um, denn alle wussten: Der Mörder konnte einer von ihnen sein. Es wurden sogar Hellseher beauftragt, damit der Täter gefasst werden konnte. Die abgetrennten Köpfe der Opfer, die aufbewahrt wurden, sollten Kontakt zum Mörder aufnehmen. Noch bis in die 1980er Jahre wurde in dieser Mordsache ermittelt, doch man fand niemals einen Täter. Die Gerichtsakten hat Andrea Maria Schenkel nicht gelesen. Sie hat stattdessen eigene Vermutungen und Gedanken entwickelt.

Über den echten Fall erschien bereits im März 1997 das Buch "Hinterkaifeck. Der Mordfall. Spuren eines mysteriösen Verbrechens" von Peter Leuschner?. Er berichtet in seinem Buch, dass der Altbauer ein inzestuöses Verhältnis mit seiner Tochter hatte. Diese galt damals als Witwe, deren Mann im Ersten Weltkrieg verschollen sei. Aus der Blutschande entstand ein Sohn, was viele im Dorf wussten.

Leuschners Buch ist kein nüchterner Kriminalreport?, sondern ein Gemälde der gesellschaftlichen Zustände in der Weimarer Republik, einige Jahre vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten. Damals steigerte sich die Inflation: Ein Dollar kostete schon 420 Mark. In Süddeutschland streikten zu dieser Zeit über 150.000 Metallarbeiter gegen 48 Stunden Arbeit in der Woche.

Im August 2007 erhob Peter Leuschner dem "Donaukurier" zufolge vor dem Landgericht München Klage gegen Andrea Maria Schenkel. Er warf ihr vor, in ihrem Krimi "Tannöd" sein Buch plagiiert zu haben. Am 21. Mai 2008 entschied das Landgericht München I unter dem Aktenzeichen 21 O 15192/07, dass der Roman „Tannöd“ kein Plagiat von Leuschners Sachbuch „Der Mordfall Hinterkaifeck“ darstellt. Trotz der bestehenden Parallelen sei Schenkels Buch durch seinen eigenschöpferischen Gehalt als urheberrechtlich unbedenklich anzusehen. Im November 2009 scheiterte Leuschners Berufung vor dem Oberlandesgericht München.

"Kalteis" (2007)

Im Sommer 2007 erschien Andrea Maria Schenkels zweiter Kriminalroman "Kalteis". Wieder steht ein realer Kriminalfall im Hintergrund: Im München der 1930er Jahre vergewaltigte Johann Eichhorn 90 Frauen und ermordete fünf. Aus Johann Eichhorn wurde Josef Kalteis, doch Schenkel zeichnet nicht das Porträt des Verbrechers, sondern folgt der Hauptfigur Kathie, dem ersten Opfer, das vom Land nach München kommt, um hier das Glück zu finden. Stattdessen begegnete es Kalteis und "bleibt ihm unter den Händen".

Schenkel gestaltet ein Puzzle aus Tat- und Gerichtsszenen. Der Leser ahnt von Beginn an, was passieren wird, denn den Auftakt bildet Kalteis' Hinrichtung. Sein Leben wird dann rückwärts erzählt, und konträr dazu verfolgt Schenkel Kathies Schicksal vorwärts. Beide Erzählstränge? verschränken sich und sind verwoben mit Zitaten aus Prozessakten und Zeugenaussagen. Bewusst baut Schenkel retardierende Momente ein, die die Spannung erhöhen.

Den Namen Kalteis hat die Autorin übrigens auf einem Grabstein eines Regensburger Friedhofs gefunden.

Für "Kalteis" erhielt Andrea Maria Schenkel im Jahr 2008 zum zweiten Mal in Folge den Deutschen Krimi Preis?.

"Bunker" (2009)

Ihren ersten frei erfundenen Kriminalroman legte Andrea Maria Schenkel 2009 unter dem Titel "Bunker" vor. Sie erzählt darin von einer jungen Frau, die auf ihrer Arbeitsstelle brutal überfallen und verschleppt wird. Tagelang wird sie gefangengehalten, erst in einen Bunker und dann im Dachgeschoss einer alten Mühle. Was will der Entführer von ihr? In dem Buch kommen sie beide zu Wort: der Entführer und sein Opfer. Der Gedanken an das Stockholm-Syndrom liegt nahe, denn beide verstricken sich ein beinahe auswegloses Duell. Und natürlich fehlen auch eine ordentliche Portion Horror und ausformulierte Gewaltphantasien nicht ...

Die meisten Besprechungen fielen zwiespältig aus. Die Autorin? habe kein Gefühl für ihre Figuren und einen fahrigen Handlungsablauf geschaffen, hieß es etwa.

Nachdem Schenkels von der Edition Nautilus zu Hoffmann und Campe gewechselt war, erschien ihr vierter Roman "Finsterau". Er behandelt wieder einen historischen Mordfall, der sich in der Nachkriegszeit ereignet hat - allerdings nicht in Finsterau.

Auszeichnungen

Übrigens ...

Es ist kaum zu glauben, dass Andrea Maria Schenkel den düsteren Roman "Tannöd" ausgerechnet im sonnigen Italien-Urlaub mit ihrer Familie geschrieben hat. Während ihr Mann und ihre Kinder vergnügt im Mittelmeer badeten, tippte sie die spannende Geschichte in ihren Laptop.

Werke

  • Bücher von Andrea Maria Schenkel bei Jokers
  • Tannöd, EA 2006, Edition Nautilus, Hamburg 2006, ISBN: 978-3894014797
  • Kalteis, EA 2007, Edition Nautilus, Hamburg 2007, ISBN: 978-3894015497
  • Bunker, EA 2009, Edition Nautilus, Hamburg 2009, ISBN: 978-3894015862
  • Finsterau, EA 2012, Hoffmann und Campe, Hamburg 2012, ISBN: 978-3455403817
  • Täuscher, EA 2013, Hoffmann und Campe, Hamburg 2013, ISBN: 978-3455404296

Hörbücher

  • Andrea Maria Schenkel: Tannöd, gelesen von Monica Bleibtreu, 3 CDs, Hamburg 2006, ISBN 3-89903-270-5

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