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Walpole, Horace

Horace Walpole (geb. 24.9.1717 in London; gest. 2.3.1797 in Twickenham, heute ein Stadtteil von London), Earl of Orford, gilt als Begründer der Gothic Novel.

Leben

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Horace Walpole, eigentlich Horatio Walpole, war der jüngste Sohn von Sir Robert Walpole (1676–1745) und dessen Frau Catherine Shorter. Sein Vater diente als Schatzkanzler unter Georg I. (1660–1727). Er wird als erster Premierminister (Prime Minister) von England und Großbritannien bezeichnet, denn ab 1721 fungierte er als eigentlicher Regent unter einem König, dessen Muttersprache Deutsch war und der das Englische nicht beherrschte, aber Robert Walpole vertraute.

Ein Namensvetter und Cousin von Horace Walpole war Horatio Nelson, der spätere Admiral. Der junge Walpole lebte hauptsächlich bei seiner Mutter, die sich von ihrem Mann getrennt hatte. Er studierte am Eton College und am King's College in Cambridge. „The hopes of the family – an admission on the university“, war das ironische Motto für die Nachkommenschaft der Adligen und Großbürgerlichen im damaligen England, die man voller Erwartungen zum Studieren schickte.

Die Mutter von Horace Walpole starb 1737. Der Vater heiratete daraufhin seine Geliebte Maria Skerrett. Mit seinem Freund, dem Poeten Thomas Gray?, den er in Eton kennenlernte und der mit ihm nach Cambridge ging, unternahm Horace Walpole von 1739 bis 1741 die übliche große Bildungsreise (Grand Tour) nach Frankreich und Italien. Aus Thomas Grays Tagebuch erfährt man, dass die beiden in einer zweirädrigen Kutsche fuhren und einige abenteuerliche Dinge erlebten: „Wir kamen nach Lanslebourg, der letzten Stadt in Savoyen. Hier wurde die Chaise in Stücke zerrissen und mit dem Gepäck von Maultieren befördert: Wir selbst wurden auf einen geflochtenen Stuhl ohne Beine gesetzt.“ Sie zerstritten sich, der Standesunterschied trug wohl einen Teil dazu bei. So fuhr Gray schon ein paar Monate vor Walpole nach England heim.

Horace Walpole wurde nach seiner Rückkehr in England durch den Einfluss seines Vaters Mitglied des Parlaments, dem er bis 1768 angehörte. Aber eine politische Existenz war nicht sein Ziel.

Das pseudo-gotische Schloss

1747 kaufte Walpole sich ein schmuckloses Landhaus namens „Strawberry Hill“ in Twickenham an der Themse, nahe London. Es war 1698 für den Earl of Bradford erbaut worden. Im Jahr 1726, als neunjähriger Junge, hatte Walpole schon einige Monate in Twickenham verbracht. Beim Kauf von einer Mrs. Chenvix nannte der neue Besitzer es „ein kleines Spielzeughaus“. Gegenüber Freunden bekundete er seine Absicht, ein kleines gotisches Schloss in Strawberry Hill zu errichten. Er gestaltete die Fassaden seines neuen Domizils mit Zinnen und Türmen wie eine mittelalterliche deutsche Burg am Rhein.

In „Strawberry Hill“ ging Walpole seinen Leidenschaften nach und sammelte Kunstwerke und Kuriositäten. Über seinen Vater hatte er drei einträgliche Pfründe ohne große Verpflichtungen bekommen. Sein pseudo-gotisches Schlösschen wurde nicht nur eine Touristenattraktion in Twickenham, sondern war auch der Auslöser für weitere neogotische Bauwerke in England und auf dem Kontinent.

Der deutsche Physiker und Schriftsteller Georg Christoph Lichtenberg besuchte im Frühsommer 1775 Twickenham und notierte seine Erinnerung an „das Altvätterische Strawberry Hill des Sir Horace Walpole. pp“.

Eigene Druckerei

1757 gründete Walpole eine eigene Druckerei?: die Officinia Arbutucana?. In ihr ließ er nicht nur seine Schriften, sondern auch die seines Freundes Thomas Gray und anderer Autoren drucken. Thomas Gray, der Sohn des Stadtschreibers von London, verfasste Gedichte in lateinischer und englischer Sprache, er war der Begründer der sogenannten Friedhofs-Poesie?. Er verfasste auch schwarzhumorige Lyrik wie die „Ode? on the Death of a Favourite Cat“.

Von manchen Manuskripten ließ Walpole in seine Druckerei nur ein einziges Buch als Rarität? herstellen. Diese Bücher wurden dann nach den Entwürfen Walpoles wertvoll gebunden und kamen in das Bücherzimmer, den Mittelpunkt des scheingotischen Schlösschens.

Korrespondenz mit der Marquise du Deffand

Horace Walpole blieb sein ganzes Leben über unverheiratet. Gerüchte, dass er homosexuell war, weisen Kenner seiner Biographie entschieden zurück. Andere wiederum meinen er habe wahrscheinlich eine Affäre mit Thomas Gray und auch mit dem 9th Earl of Lincoln gehabt.

Es war Walpole ziemlich peinlich, dass sich eine ältere Frau, eine Französin, in ihn verliebte: die Marquise du Deffand?. Zu den Stars in ihrem kulturellen Salon? gehörten Gäste wie der Philosoph und Mathematiker d'Alembert? und eben auch Horace Walpole, der ihre hellwache Intelligenz bewunderte. Allerdings war er zwanzig Jahre jünger als die Marquise. Und selbst für den toleranten fünfzigjährigen Walpole war eine siebzigjährige Geliebte, fast blind, auch wenn sie mit ihm seelenverwandt war, nicht akzeptabel und präsentabel. Dazu kam noch, dass sie in ihrer Jugend eine der vielen Mätressen des Regenten Duc d'Orléans gewesen war.

Allerdings hatte er nichts dagegen, dass die Marquise jahrelang mit ihm korrespondierte. Er legte aber Wert darauf, dass ihre Briefe an ihn keinerlei erotische Anspielungen enthielten. Kurz vor ihrem Ableben schrieb sie ihm: "Amüsieren Sie sich, lieber Freund, soviel sie nur können. Machen Sie sich keine Sorgen um mich, wir waren ja füreinander verloren und sollten uns nicht wieder sehen. Sie werden mich vermissen, denn man fühlt sich doch wohl, wenn man sich geliebt weiß."

Letzte Jahre

1791 bekam Walpole den Titel „4th Earl of Orford“ verliehen, der aus der Grafschaft Norfolk herrührt. Der erste Earl of Orford war 1742 Robert Walpole, der zweite war der ältere Bruder von Horace, dessen Sohn der dritte – und Horace Walpole war der vierte und letzte Earl of Orford.

Als Horace Walpole älter wurde und unverheiratet blieb, vereinsamte er immer mehr und wurde schwermütig. Er starb am 2. März 1797. Beerdigt wurde er auf dem Friedhof „Saint Martin's Churchyard“ in Houghton Hall, Norfolk, England, im Familiengrab, wo auch sein Vater die letzte Ruhe gefunden hatte.

Sein Schlösschen vererbte Walpole an die bekannte Bildhauerin Anne Seymour Damer, die Tochter seines Freundes und Cousins Henry Seymour Conway. Als ihr die Unterhaltskosten für das Gebäude zu hoch wurden, übereignete sie „Strawberry Hill“ an Walpoles Lieblings-Nichte Laura Countess of Waldegrave.

Literarische Arbeiten

Walpoles erster und bekanntester Roman, „The Castle of Otranto“ wurde bei seiner Veröffentlichung 1764 wegen seiner Schilderung monströser und geisterhafter Geschehnisse mitten in der Ära der klassizistischen? und Aufklärungsliteratur? als geradezu revolutionär empfunden. Die deutsche Übersetzung erschien 1768 unter dem Titel „Burg von Otranto“.

Weil Walpole die öffentliche Reaktion auf seinen Roman fürchtete, veröffentlichte er ihn zuerst als angebliche Neuausgabe? eines vergessenen Romans aus der Bibliothek einer alten Familie in Norden Englands. Vorsichtshalber ließ er das Buch sogar in London drucken. Bei weiteren Auflagen? dieses Buches, das schnell ein Bestseller wurde, bekannte sich Walpole zu seinem Grusel-Buch. Er nannte es dann auch „Gothic Novel“ und wurde somit zum Begründer dieser Gattung.

Damals lebten in England, Wales und Schottland rund acht Million Menschen. Von ihnen konnte aber nur eine winzige Minderheit lesen, geschweige denn ein Buch kaufen konnten. Bücher wie „The Castle of Otranto“ wurden höchstens mit einer Erstauflage? von fünfhundert Stück gedruckt, meistens wesentlich weniger.

Die geheimnisvolle Burg

„Die Burg von Otranto“, soll angeblich nach einem sommerlichen Alptraum des Autors entstanden sein. In einem Brief an einen Freund lässt Walpole anklingen, dass er beim Schreiben seines ersten Romans eine Hommage für Shakespeare im Sinn hatte, den Verfasser des märchenhaften „Sommernachtstraums“. Walpoles Roman spielt im mittelalterlichen Nordtalien. Tatsächlich gibt es in Italien eine Stauferburg in einem Ort namens Otranto, dieser liegt jedoch in Apulien, an der Meerenge zwischen Italien und Albanien. Heutzutage kann diese Burg besichtigt werden, im Sommer finden dort Festspiele statt.

Im Roman ist die Burg von Otranto der Sitz des machtbesessenen Herrschers Manfred. Dieser will eine alte Prophezeiung wahr werden lassen: Derjenige wird die Burg bekommen, der über sie hinauswächst. Manfred nimmt natürlich an, dass er, sein Ruhm und seine Nachfahren damit gemeint sind. Doch sein einziger, etwas schwächlicher Sohn Conrad wird vor der Hochzeit mit der hübschen Jungfrau Isabella von dem riesigen Helm eines Denkmals erschlagen. Daraufhin verlässt Manfred seine Gattin Hippolita und jagt lüstern durch düstere unterirdische Gänge der unschuldigen Isabella nach. Isabellas Vater Frederic, Marquis von Vicenza, erscheint mit einem gigantischen Schwert und einigen Rittern, um seiner Tochter zu helfen. Weil Frederic von einem Geist gewarnt wird, schlägt er seinerseits die Hochzeit mit Manfreds Tochter aus. Aus Versehen ermordet Manfred in der Klosterkirche seine Tochter, die er für Isabella hält. Zwischendrin werden gemalte Gestalten auf alten Gemälden lebendig und halten Manfred sein schändliches Tun vor. Unheimlicherweise wächst die Statue des einstigen Kreuzritters Alfonso, des alten Besitzers der Burg Otranto, immer höher und höher, durchs Dach, bis die Burg zusammenbricht. Damit wurde die alte Prophezeiung tatsächlich im Wortsinn Wirklichkeit. Noch heute wird in Otranto ein alter Wehrturm „Torre Alfonsina“ genannt. Walpole liefert seinen Lesern übrigens keinerlei Erklärung für die übernatürlichen Vorgänge auf der mysteriösen Burg.

Thomas Gray berichtete in einem Brief an seinen Freund Walpole, dass manche Leute nach der Lektüre des „Otranto“-Romans weinen mussten und verängstigt ins Bett stiegen. Besonders die aufgewühlten Gefühle der flüchtenden Isabella in den Geheimgängen seien den Lesern nahegegangen.

Der Begründer der Gothic Novel

„The Castle of Otranto“ markiert den Beginn der Gothic Novel, einer neuen literarischen Gattung. Es entstand zu einer Zeit, da noch gedruckte Lyrik den Markt beherrschte. Auch wenn die im „Otranto“-Roman vorkommenden Geistererscheinungen das heutige Publikum kaum erschrecken können, darf die Wirkung dieses Romans voller unheimlicher Phänomene im Zeitalter des formstrengen Klassizismus? nicht unterschätzt werden. Dieses Buch war wie ein Aufstand gegen den damals vorherrschenden literarischen Geist der Aufklärung?. In Deutschland, vor allem im wenige Jahrzehnte später aufkeimenden Zeitalter der Romantik, wurde die Gothic Novel als Sensations-, Schauer-, Geister-, Grusel- oder Schauerroman bezeichnet.

Direkte Nachfolger von Walpoles Grusel-Stil waren in Großbritannien ab 1777 die Autoren Clara Reeve, Ann Radcliff? und Matthew Gregory Lewis?. Letzterer hatte „Kabale und Liebe“ von Friedrich Schiller ins Englische übersetzt und auch Johann Wolfgang von Goethe? in Weimar besucht. Das „Faust“-Thema von Goethe begeisterte Lewis. Im deutschen Sprachraum sind es Schriftsteller wie Achim von Arnim und E.T.A. Hoffmann?, bei denen der Einfluss der Gothic Novel deutlich zu bemerken ist.

Bekannte Autoren schrieben später Erzählungen und Romane, die in das von Walpole geprägte Gothic-Genre passten: Mary Shelley („Frankenstein?“), Oscar Wilde („Bildnis des Dorian Gray“), Edgar Allan Poe („Das verräterische Herz“), Robert Louis Stevenson? („Dr. Jekyll und Mr. Hyde“) und Bram Stoker? („Dracula?“). Aus der Gothic Novel wurde im 20. Jahrhundert mit Autoren wie H. P. Lovecraft?, Robert Bloch? und Stephen King der Horror-Roman.

Schlimmer als Ödipus?

Eine weitere bekannte Publikation? von Walpole ist „Die geheimnisvolle Mutter“. Die englische Erstausgabe erschien 1768 unter dem Titel „The Mysterious Mother“. Walpole kleidet diese Geschichte in die angebliche Beichte einer vornehmen Dame. Ihre Zofe, so erzählt die Dame dem Bischof, hatte ihr gestanden, dass sie von ihrem Sohn zu einer intimen Verabredung gedrängt worden sei. Daraufhin nahm die Dame den unschicklichen Termin statt der Zofe wahr. Sie wollte ihren Sohn Vorhaltungen über diese ungebührliche Leidenschaft machen. Aber als frisch Verwitwete verfiel sie ihrem eigenen Sohn.

Die Frucht der missglückten List war eine schöne Tochter, die in der Provinz aufwachsen musste. Durch Zufall traf sie ihren Vater und Bruder, der von ihrer Existenz nichts wusste. Er verliebte sich in sie und nahm sie zur Ehefrau. Daraufhin wollte die Mutter des Bräutigams von dem Bischof wissen, was nun zu tun sei. Sie solle das Geschehene niemals ihren Sohn und ihrer Tochter wissen lassen, meinte der Bischof. Schließlich war alles ohne bösen Vorsatz geschehen. Allerdings sei die Dame durch ihre Schuld nicht mehr vor der Hölle zu retten.

Hieroglyphisches

1785 verfasste Walpole die „Hieroglyphischen Geschichten“, phantastische und auch spleenige Erzählungen für Kinder und Erwachsene. Die Geschichte „Der König und seine drei Töchter“ fängt so an: „Es lebte einst ein König, der hatte drei Töchter, das heißt, er hätte drei Töchter sein eigen nennen können, wenn er eine mehr gehabt hätte. Aber auf rätselhafte Weise war die älteste Tochter irgendwie nie geboren worden ...“

Der Gärtner

Walpole war nicht nur Schriftsteller und Kunstsammler, sondern auch Illustrator? und Garten-Architekt. 1785 erschien sein „Essay über moderne Gartengestaltung“. Walpole, der gerne Pflanzen malte, war ein Verfechter des Englischen Landschaftsgartens, der sich durch seine Natürlichkeit von den streng ornamental angelegten französischen Gärten unterscheiden sollte. Sein Landsitz, bei dessen Einweihung 1764 der Fürst von Anhalt-Dessau anwesend war, gilt als Vorbild für den Wörlitzer Park in den Elbauen nahe Dessau. Das dortige Gotische Haus ist „Strawberry Hill“ nachempfunden.

1794 formulierte Walpole in „Über die englische Gartenkunst“ die Konzeption des Englischen Landschaftsgartens, in dem Natürlichkeit und Freiheit eine glückliche Symbiose eingehen sollen.

Briefe, Briefe, Briefe

Besonders gelobt werden die unzähligen Briefe?, die Walpole verfasste. Mehr als 3.000 sind erhalten. Sie wurden in vielen Bänden veröffentlicht. Durch einen lebendigen Stil gefallen sie heute immer noch. In ihnen finden sich Zeitgeist, Anekdoten und Klatsch. So zeichnen sie ein hervorragendes Bild der damaligen Gesellschaft.

Horace Walpole hatte bei der wörtlichen Rede? nicht nur eine spitze Zunge, sondern in seinen Briefen auch eine spitze Feder. Es konnte schon vorkommen, dass er seinen Schriftsteller-Kollegen John Burgoyne, der auch als General am Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg teilgenommen hatte, als „Pomposo“ und „Hurlothrumbo“ bezeichnete. Über den singenden Kastraten Senesino lästerte er in einem Brief, der entmannte Italiener auf der Opernbühne sei ein fettes altes Weib, das schrill wie eine Pfeife klinge. Über Händels Oratorium „Samson“ bemerkte Horace Walpole nach der Uraufführung 1743 in London durchaus wohlwollend: „Er tritt mit einem Oratorium gegen die Oper an – und hat Erfolg.“

Walpoles bekanntester Satz lautet im Original: „This world is a comedy to those that think, a tragedy to those that feel.” Übersetzt heißt das: „Für denkende Menschen ist die Welt eine Komödie, für fühlende Menschen ist sie eine Tragödie.“ Diese Erkenntnis stammt aus seinem Brief an Anne, Countess of Ossory, vom 16 August 1776.

Der Historiker

... Es ist wohl kaum übertrieben, wenn man Horace Walpole als schreibwütigen Menschen bezeichnet. Für die Memoiren von George II. schrieb er Texte für sieben Bände. Fünf Bände bekam er für sein Werk „Royal and Noble Authors“ zusammen. Einige mehr für seine Werk „Anecdotes of Painting“. Sein Manuskript "Historic Doubts on Richard III.“ füllte hingegen nur einen einzigen Band.

Der Wort-Erfinder

Von Horace Walpole, der Wortspiele? liebte, stammt ein Wort, das eine zufällige Erfindung oder Entdeckung bezeichnet: Serendipity?. Walpole arbeite damals an einem Märchen mit dem Namen „The Three Princes of Serendip“, in denen die Prinzen eine zufällige, überhaupt nicht geplante Entdeckung machen. Fortan wurde und wird das Walpole-Wort Serendipity für alle möglichen Entdeckungen benutzt, die nicht beabsichtigt waren.

Übrigens ...

Walpole soll mitschuldig an dem Selbstmord des jungen Schriftstellers Thomas Chatterton? sein, eines armen Halbwaisen und Sohnes einer Näherin aus Bristol. Chatterton hatte an Walpole selbstverfasste Schriften gesandt, die angeblich von historischen Autoren stammen sollten. Nach einiger Zeit gab er den Betrug zu. Als Walpole den geständigen Chatterton daraufhin enttäuscht links liegen ließ, ging Chatterton 1770 nach London und vergiftete sich dort. Völlig mittellos, wurde er in einem Massengrab beerdigt. Chatterton hatte auf Walpole noch ein Schmäh-Gedicht? verfasst, in dem er Walpole vorwarf, beim Namen des Verfassers auch nicht gleich die volle Wahrheit gesagt zu haben.

Solche literarische Schummeleien kamen damals öfters vor. Es war der Schotte James McPherson?, der so tat, als er habe er die authentischen Werke des blinden gälischen Barden? Ossian? gefunden. Dessen vermeintliche Texte hatte Macpherson, der damit wohlhabend wurde, unter Heranziehung älterer Werke in Wahrheit aber selbst verfasst.

Auf ähnliche Weise gingen übrigens Achim von Arnim und Clemens Brentano? bei ihrer Lieder-Sammlung „Des Knaben Wunderhorn“ vor, indem sie einige der gesammelten Liedtexte veränderten. Und von Stephen King wissen wir, dass er seine Literatur-Flut zuerst auch nur mit einem Pseudonym bändigen konnte.

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Horace Walpole bei Jokers
  • Letters from Xo Ho his Friend Lien Chi at Pekin, London 1757
  • Fugitive Pieces in Verse and Prose, London 1758
  • Anecdotes of Painting in England, London 1762-1771
  • The Castle of Otranto, A Gothic Story, Ed. by W. S. Lewis, London/Twickenham 1764; World's Classics, Oxford, 1996; dt. Ausgabe: Die Burg von Otranto, Zürich 2000, ISBN-13: 978-3717540069
  • The Mysterious Mother, London 1768
  • Four Gothic Novels, World's Classics, Oxford, 1994
  • Description of the Villa of H.W., London 1774
  • Hieroglyphic Tales, London 1785; dt. Ausgabe: Hieroglyphische Geschichten, Reinbek 2001, ISBN-13: 978-3498073145
  • Essay on modern gardening; dt. Ausgabe übers. von August Wilhelm Schlegel, hrsg. von Frank Maier-Solgk, Heidelberg 1993, ISBN-13: 978-3925678356

Sekundärliteratur

  • R. Wyndham Keton-Cremer: Horace Walpole, a Biography, 1964
  • Norbert Miller, Strawberry Hill, Horace Walpole und die Ästhetik der schönen Unregelmäßigkeit, München 1986, ISBN-13: 978-3446131248
  • Birgit Grein, Von Geisterschlössern und Spukhäusern - das Motiv des gothic castle von H. Walpole bis S. King, hrsg. vom Förderkreis Phantastik in Wetzlar e.V.


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