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Bellow, Saul

Saul Bellow (geb. 10. Juni 1915 in Lachine / Kanada; gest. 5. April 2005 in Brookline / USA) war ein jüdisch-amerikanischer Schriftsteller und Soziologe. Das Erscheinen seines Romans „Herzog“ machte ihn weltberühmt. 1976 wurde Saul Bellow mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.

Leben und Schreiben

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Saul Bellow wurde am 10. Juni 1915 in Lachine, einer kleinen Stadt im Osten Kanadas, als Sohn russisch-jüdischer Einwanderer geboren. Die Eltern stammten aus St. Petersburg. Sie hatten das zaristische Russland im Jahr 1913 aus Furcht vor antijüdischen Pogromen verlassen. Saul Bellow wuchs in Chicago auf, wo er viele prägende Eindrücke empfing - seelische und atmosphärische Eindrücke, in deren Mittelpunkt das auf seine religiösen Traditionen bedachte jüdische Leben in einer amerikanischen Großstadt stand. Diese frühen Erfahrungen schlugen sich später in seinem literarischen Werk? nieder.

Saul Bellow studierte von 1933 bis 1937 an der Northwestern University und schloss sein Studium der Anthropologie und Soziologie mit dem Bachelor ab. Nach dem Examen setzte er seine Studien an der University of Wisconsin fort. Im Anschluss war er Dozent und Writer in Residence? an verschiedenen amerikanischen Universitäten, von 1962 bis 1993 war er Professor an der Universität Chikago. Kurzzeitig war er Mitarbeiter der weltbekannten Encyclopædia Britannica?, außerdem gehörte er dem internationalen Salzburg Seminar an, einem internationalen Führungskräfte- und Vordenker-Treffen im Dienst der Völkerverständigung und Toleranz.

Erste Achtungserfolge als Schriftsteller

Bellows literarische Laufbahn begann mit dem 1944 veröffentlichten Tagebuchroman? „Dangling Man“ (dt. „Der Mann in der Schwebe“, 1969), der bereits die großen existenziellen Fragen seiner späteren Romane vorwegnahm: Wer bin ich? Wozu bin ich? Was haben Kultur und technischer Fortschritt gebracht? Bellow war übrigens der Erste, der den Typus des an seinem Intellekt leidenden Intellektuellen in die amerikanische Literatur einführe. Diese Tragik?, meist am Beispiel jüdisch-amerikanischer Helden geschildert, beschreibt Bellow in humoristischer?, aber niemals oberflächlicher Form. Später griffen Autoren wie Philip Roth diese Tradition auf und setzten die von Bellow begonnene literarische Chronik? jüdisch-amerikanischer Intellektualität fort.

Es folgte der Roman „The Victim“ (1947; dt. „Das Opfer“, 1966), der nur wenig Beachtung fand. Mit dem Roman „The Adventures of Augie March“ (1953; dt. „Die Abenteuer des Augie March“, 1956) gelang Bellow ein erster Achtungserfolg. In dem Roman, eine Mischung aus Bildungs?- und Abenteuerroman, erzählt Augie March im Rückblick die wechselvolle Geschichte seiner Kindheit, Jugend und frühen Erwachsenenjahre. Wie Bellow im Jahr 1915 als Sohn russisch-jüdischer Einwanderer geboren, wird der Held zum Zeugen des turbulenten 20. Jahrhunderts mit seinen Katastrophen, Hoffnungen und Utopien. „Die Abenteuer des Augie March“ wurde 1954 mit dem National Book Award? ausgezeichnet.

„Herzog“ (1964)

Der internationale Durchbruch als Schriftsteller erfolgte 1964 mit der Veröffentlichung seines Romans „Herzog“, der von der Literaturkritik oft als sein bestes Werk? bezeichnet wird. Im Mittelpunkt des tragikomischen Romans steht Moses Elkanah Herzog - eine Figur, die von Bellow mit autobiographischen Zügen ausgestattet wurde: Sohn einer einfachen jüdischen Einwandererfamilie und aufgewachsen in Chikago, macht er Karriere an verschiedenen amerikanischen Universitäten und lernt dabei Menschen aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten kennen. Doch wohin es ihn auch treibt, was für Abenteuer er auch erlebt - die Frage nach der eigenen Identität und dem Sinn der menschlichen Existenz bleibt auf bestürzende Weise ungeklärt.

Während seiner Odyssee durch das zeitgenössische Amerika stößt Herzog immer wieder auf die menschlichen Grundfragen, und immer wieder bleibt eine letzte, alle Zweifel zerstreuende Antwort aus. Herzog befindet sich in einer Dauerkrise, und auf eine unaufdringliche Weise gelingt es Bellow, dass der Leser seine eigene Existenz und Lebensart hinterfragt. Auffallend an „Herzog“ ist (und vielleicht erklärt gerade dieser Umstand die enorme erzähltechnische und gedankliche Qualität des Romans), dass Bellow nicht auf amerikanische, sondern auf europäische Erzähltraditionen zurückgreift: Gestützt auf Dostojewski und Gogol Nikolai? | Gogol]], auf jüdisch-europäische Erzähltradition und Geschichtserfahrung, wurde „Herzog“ zu Bellows größtem Publikumserfolg und brachte ihm den Prix International de Littérature? (1964) ein. Viele Leser fand der Roman auch in Deutschland, wo er bis heute immer wieder aufgelegt? wird.

Nobelpreis für das „menschliche Verständnis“

Auch in den folgenden Romanen blieb der umherirrende jüdische Intellektuelle - Kind der großen Städte, Opfer absurdester Ängste und nicht enden wollender Selbstzweifel - Bellows Hauptthema. Zu seinen bekanntesten Büchern aus dieser Zeit gehören „Mosby’s Memoirs and Other Stories“ (1968; dt. „Mosbys Memoiren und andere Erzählungen“, 1971), „Mr. Sammler’s Planet“ (1969; dt. „Mr. Sammlers Planet“, 1971) und „Humboldt’s Gift“ (1975; dt. „Humboldts Vermächtnis“, 1976), für das er den Pulitzer-Preis erhielt. Im Jahr 1976 wurde Saul Bellow mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Er erhielt den Preis „für das menschliche Verständnis und die subtile Kulturanalyse, die in seinem Werk? vereinigt sind“, hieß es in der Laudatio.

„Ravelstein“ (2000) - der letzte große Erfolg

Anfang der 1980er Jahre begann Bellows Stern zu sinken - vor allem in Deutschland. Als beispielhaft kann wohl die Reaktion auf den Roman „The Dean’s December“ (1982; dt. „Der Dezember des Dekans“, 1982) gelten, der vom Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki als „dürres und dürftiges Alterswerk“ verworfen wurde. Einen letzten großen Erfolg erlebte Bellow mit seinem Roman „Ravelstein“ (2000; dt. „Ravelstein“, 2000), in dem er die kaum verschlüsselte Biographie seines Freundes Allan Bloom? erzählt. Bloom? war 1992 im Alter von 62 Jahren an Aids gestorben. Das Erscheinen des Romans löste eine heftige Debatte aus und zeigte noch einmal Bellows Größe als gedankentiefer und fesselnder Erzähler.

Saul Bellow starb am 5. April 2005 in Brookline / USA. Er war fünf Mal verheiratet, u. a. mit der Soziologin Anita Goshkin. Er hinterließ drei Söhne und eine Tochter.

Übrigens ...

ist Saul Bellow der Lieblingsautor des US-amerikanischen Präsidenten Barack Obama.

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Saul Bellow bei Jokers
  • Die Abenteuer des Augie March (OA: The Adventures of Augie March, 1953). Kiepenheuer & Witsch, Köln 2009, ISBN: 978-3462039634
  • Herzog (OA: Herzog, 1964). Kiepenheuer & Witsch, Köln 2009, ISBN: 978-3462036527
  • Humboldts Vermächtnis (OA: Humboldt's Gift, 1975). Kiepenheuer & Witsch, Köln 2009, ISBN: 978-3462039641
  • Ravelstein (OA: Ravelstein, 2000). Kiepenheuer & Witsch, Köln 2000, ISBN: 978-3462029192

Hörbücher

Sekundärliteratur

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