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Pehnt, Annette
Annette Pehnt (geb. 25. Juli 1967 in Köln) ist eine deutsche Schriftstellerin. Sie lebt in Freiburg/Breisgau.
Leben und Schreiben
Annette Pehnt wurde am 25. Juli 1967 in Köln geboren. Ihr Vater war Kunsthistoriker, die Mutter Übersetzerin?. Nach dem Abitur 1986 leistete sie ein freiwilliges soziales Jahr in Nordirland. Danach studierte sie Anglistik, Keltologie und Germanistik? in Köln, Irland, den USA und Freiburg. Sie schloss ihr Studium 1994 mit Magister und Staatsexamen ab. Im Anschluss promovierte sie mit einer Arbeit über irische Literatur („Mad Sweeny“).
Seit 1992 ist Annette Pehnt als Rezensentin für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und die „Badische Zeitung“ tätig. Außerdem veranstaltet sie Schreibwerkstätten an verschiedenen Universitäten und arbeitet in der Erwachsenenbildung.
Als Schriftstellerin hat sie sich, ausgehend von surrealistischen Anfängen, weiterentwickelt und findet ihre Themen mittlerweile (wie beispielweise in ihrem 2007 erschienenen Roman „Mobbing“) an den Schnittstellen von Privat- und Gesellschaftssphäre.
„Ich muss los“ (2001)
Unter dem Titel „Ich muss los“ legte Annette Pehnt 2001 ihren Debütroman? vor, der im Feuilleton? ein geteiltes Echo hervorrief. Die „Frankfurter Rundschau“ war enttäuscht und monierte, dass die Lektüre des Romans äußerst schwer falle, was vor allem am zurückgenommenen Ton der Autorin liege. Die „Neue Zürcher Zeitung“ dagegen war begeistert und stellte Annette Pehnt in eine Reihe mit Autoren wie Herman Melville?, Robert Walser? und Franz Hessel?. Die „Welt“ sah in „Ich muss los“ ein kleines Meisterstück.
Im Zentrum von Annette Pehnts Debütroman? steht Dorst – ein stiller Mensch und Einzelgänger, der immer unterwegs ist und die Dinge in seiner Umgebung beobachtet. Abgesehen davon hat Dorst nichts weiter zu tun als zu schweigen. In knappen, lakonischen Sätzen gelingt es der Autorin, eine Vielzahl intensiver Stimmungen und Szenen heraufzubeschwören.
„Insel 34“ (2003)
Zwei Jahre später folgte der Roman „Insel 34“ (2003), aus dem Annette Pehnt 2002 beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb? in Klagenfurt gelesen hatte. Für diesen Auszug wurde sie mit dem Preis der Jury? ausgezeichnet. Ähnlich unergründlich wie Dorst ist auch Zanka – die Protagonistin und Ich-Erzählerin in Annette Pehnts zweitem Roman. Die heranwachsende Zanka hat ein Problem: Es gelingt ihr nicht, Beziehungen zu anderen herzustellen. Es mangelt ihr an Leidenschaft, an Hingabe. Diese Zurückhaltung, gepaart mit ihrer außergewöhnlichen Begabung in der Schule, erregt das Misstrauen ihrer Mitmenschen. Um dem Alltag und der Welt der Eltern zu entfliehen, erschafft sich Zanke mit der Kraft ihrer Phantasie und Sehnsucht die fiktive Insel 34. Dort will sie den Jungen mit den geraden Augenbrauen finden und herausbekommen, ob ihr Herz dann endlich schneller schlägt.
Die „Süddeutsche Zeitung“ schrieb über „Insel 34“: Man könne dieses Buch als psychologische Tochter-Vater-Geschichte lesen, als Bildungsroman? oder als stillen Gegenentwurf zur hysterischen Vergnüglichkeit unserer Zeit. Die „Frankfurter Rundschau“ war begeistert von „Insel 34“ und lobte insbesondere den subtilen Humor? und die erzählerische Ökonomie der Autorin.
„Haus der Schildkröten“ (2006)
Es folgten die Romane „Haus der Schildkröten“ (2006) und „Mobbing“ (2007). Ersterer spielt im „Haus Ulmen“, einem schön gelegenen Altersheim, in dem die Uhren etwas anders gehen als draußen in der weiten Welt. Am Wochenende stehen die Besucher auf der Matte: hübsch frisierte Söhne, Töchter und Enkel. Was treibt sie her? Die Schuld, die Scham – und hin und wieder auch ein Funken Fürsorge. Die vorherrschenden Themen des Romans sind: Einsamkeit, Sprachlosigkeit und die Kluft zwischen den Generationen.
Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ urteilte über den „Familienzerfallsroman“: Kein Vergnügen, dieses Buch, aber eben darum gelungen. Der „Zeit“ gefiel vor allem, dass Annette Pehnt fast immer die richtige Tonlage treffe und den Leser, ohne dass er es merke, in eine immer komplizierter werdende Geschichte hineinsauge. Die „tageszeitung“ sah in „Haus der Schildkröten“ einen deprimierenden Roman der leisesten Töne?.
„Mobbing“ (2007)
Im Zentrum von Annette Pehnts 2007 erschienenem Roman „Mobbing“ steht der Büroangestellte Jo Rühler, dessen berufliche Existenz durch die „lieben“ Kollegen vernichtet wurde. Rühler ist Verwaltungsangestellter einer mittelgroßen Stadt, zuständig unter anderem für Städtepartnerschaften und den Kultur- und Jugendaustausch. Das Mobbing, dem er ausgesetzt ist, nimmt seinen Ausgang im Dunstkreis der Cappuccinomaschine. Dort treffen sich die Kollegen, dort beginnt die Entwürdigung, die zu Hause und in Jos Freundeskreis zuerst banalisiert wird, bis klar wird: Es herrscht wirklich Krieg. Krieg gegen einen Einzelnen.
Das besondere Merkmal des Romans ist, dass nicht das Opfer berichtet, sondern dessen Ehefrau – und das an einem Valentinstag. Dieser raffinierte Kunstgriff erlaubt es der Autorin, auf elegante Weise stark divergierende Perspektiven einzunehmen und subtile Innen- und Außenbeobachtungen miteinander zu verknüpfen.
Die Literaturkritik | Kritiker reagierten sehr positiv auf das Buch. "Mit beklemmender Eindringlichkeit schildert der schmale Roman, wie eine Mobbing-Aktion die Existenzbedingungen und den Seelenhaushalt einer jungen Mittelstandsfamilie erschüttert", urteilte die Süddeutsche Zeitung. "Annette Pehnt beschreibt ebenso beklemmend wie virtuos die Folgen einer alles zerstörenden Büro-Intrige", so die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Die „Neue Zürcher Zeitung“ lobte den bissigen Witz der Autorin und die wunderbar erzählten Details. Die „Zeit“ schrieb über „Mobbing“: Annette Pehnt erzähle derart szenisch und dialogisch? konkret, dass vor dem Leser ein scharfes Bild der Figuren entstehe.
Für ihr Kinderbuch? „Rabea und Marili“ wurde Annette Pehnt 2007 mit dem Kinderbuchpreis des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet.
2009 erhielt Annette Pehnt den Italo-Svevo-Preis?. Sie sei "eine eigenwillige, beherzte Autorin, die sich und ihre Protagonisten mit jedem Buch neu erfindet", so die Jurorin Katja Lange-Müller, die zugleich Pehnts "leise, sparsame Metaphorik" lobte.
Annette Pehnt lebt als freie Autorin in Freiburg/Breisgau. Sie ist verheiratet und Mutter von drei Kindern.
Übrigens ...
hat Annette Pehnt im Jahr 1998 unter dem Titel „John Steinbeck“ eine Biographie über den berühmten amerikanischen Schriftsteller und Nobelpreisträger veröffentlicht.
Auszeichnungen
- 2000 Förderpreis der Kunststiftung Baden-Württemberg
- 2001 Künstlerinnenpreis Nordrhein-Westfalen
- 2001 Mara-Cassens-Preis
- 2002 Stipendium des Deutschen Literaturfonds?
- 2002 Preis der Jury? beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb?
- 2007 Kinderbuchpreis des Landes Nordrhein-Westfalen
- 2009 Italo-Svevo-Preis?
Werke (Auswahl)
- John Steinbeck. EA 1998. München, dtv 1998, ISBN: 978-3423310109
- Ich muss los. EA 2001. München, Piper Verlag 2002, ISBN: 978-3492236096
- Insel 34. EA 2003. München, Piper Verlag 2004, ISBN: 978-3492243360
- Der kleine Herr Jakobi. EA 2005. München, Piper Verlag 2005, ISBN: 978-3492047807
- Haus der Schildkröten. EA 2006. München, Piper Verlag 2006, ISBN: 978-3492049382
- Rabea und Marili. EA 2006. Hamburg, Carlsen Verlag 2006, ISBN: 978-3551554123
- Mobbing. EA 2007. München, Piper Verlag 2007, ISBN: 978-3492050708; Tb-Ausgabe: München, Piper Verlag 2008, ISBN: 978-3492252898
Hörspiele
- Ich muss los. 2 CDs. Düsseldorf, Patmos Verlag 2004, ISBN: 978-3491911659
- Mobbing. CD. Hamburg, Hörbuch Hamburg 2008, ISBN: 978-3899036046
Sekundärliteratur
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