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Krüss, James

James Krüss (geb. 31. Mai 1926 auf Helgoland; gest. 2. August 1997 auf Gran Canaria) war ein international sehr erfolgreicher deutscher Kinderbuch-Autor. Er schrieb auch unter den Pseudonymen Markus Polder und Felix Ritter. Sein Gesamtwerk umfasst 160 Bücher, die in 30 Sprachen übersetzt wurden.

Leben und Schreiben

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Die Bücher von James Krüss spielen oft auf Inseln? und an Meeresküsten. Darin spiegelt sich seine eigene Kindheit und Jugend wider: Bis zur kriegsbedingten Evakuierung lebten der Elektriker Ludwig Krüss und seine Frau Margaretha, geb. Friedrichs, mit ihren Kindern auf der Nordseeinsel Helgoland.

Margaretha Krüss war die Tochter eines Hummerfischers. Motive? aus seinen Geschichten flossen später in James Krüss' Bücher ein.

Kindheit und Jugend

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James - eigentlich hieß er James Jacob Hinrich - war der älteste Sohn. Zwei Schwestern und ein Bruder folgten. Der nächstjüngeren Schwester Erni gab James eine Ohrfeige, als er sie zum ersten Mal sah. Als Zehnjähriger gründete er eine Schülerzeitschrift namens "Die Kneifzange", aus Protest gegen einen Lehrer, der seine Schüler in die Ohren kniff.

Arnstadt in Thüringen und Hertigswalde in Sachsen waren nach der Evakuierung die nächsten Stationen von James Krüss. Noch während des Zweiten Weltkriegs absolvierte er eine Lehrerausbildung in Lunden/Schleswig-Holstein, Ratzeburg und Braunschweig. Hier inspirierte ihn der 1943 gedrehte Film "Münchhausen", für den Erich Kästner das Drehbuch geschrieben hatte, zu einer freien Nachdichtung in Versen: "Münchhausen fährt zum Monde". Gemeinsam mit anderen Studenten führte Krüss das Stück auf.

Im Spätsommer 1944 wurde er eingezogen. Das Kriegsende erlebte er im böhmischen Aussig. Von dort schlug er sich zu den Eltern durch, die mittlerweile in Cuxhaven lebten, weil Helgoland unbewohnbar geworden war. James Krüss sollte die Insel erstmals 1961 wieder besuchen.
1946 starb sein Vater, erst 42-jährig. Im selben Jahr begann James Krüss an der Pädagogischen Hochschule in Lüneburg zu studieren.

Erste Veröffentlichungen

Ebenfalls 1946 brachte James Krüss sein erstes Buch, "Der goldene Faden", im Hamburger Parus Verlag? heraus. 1948 bestand er sein Examen als Volksschullehrer - ein Beruf, in dem er aber zeitlebens nicht tätig werden würde. Er gründete die Zeitschrift "Helgoland" für vertriebene Insulaner. Sie bestand bis 1956.

1949 ging Krüss nach München, wo er Erich Kästner persönlich kennenlernte. Mit ihm bearbeitete er Kästners "Konferenz der Tiere" für Funk. In den folgenden Jahren schrieb James Krüss Kindergedichte? (teilweise gemeinsam mit Peter Hacks?) und -hörspiele. Er reiste viel, unter anderem nach Italien, Holland, England und Jugoslawien. 1953 kam sein erstes Bilderbuch heraus: "Hanselmann reist um die Welt".

"Der Leuchtturm auf den Hummerklippen" (1956)

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Im Hamburger Verlag Friedrich Oetinger?, der zu James Krüss' Hauptverlag werden sollte, erschien 1956 sein erstes Kinderbuch?: "Der Leuchtturm auf den Hummerklippen". Einige Monate vorher kam es mit kyrillischer Schrift in Jugoslawien heraus.

Bereits in diesem Buch erweist sich James Krüss als "Meister der Rahmenerzählung?", wie ihn der Literaturwissenschaftler Malte Dahrendorf? nennt. Der Leuchtturmwärter Johann und seine Freundin, die Möwe Alexandra (alle anderen Möwen heißen bekanntlich Emma), erzählen einander auf den abgelegenen Hummerklippen Geschichten zum Lachen, zum Weinen und zum Staunen. Damit schaffen sie es sogar, dass die Wolke aufhört zu regnen und der Wassermann seinen bösen Plan aufgibt ...

1957 erschien Krüss' erfolgreichstes Bilderbuch: "Henriette Bimmelbahn".

"Mein Urgroßvater und ich" (1957)

Auf den Tag genau vom 9. Januar bis 14. September 1957 entstand "Mein Urgroßvater und ich". Auch in diesem Buch wendet James Krüss das Prinzip der Rahmenerzählung? an: Sieben Tage lang drechselt der alte Hummerfischer Boy Holzkreisel und Kinderverse und denkt sich Geschichten aus, gemeinsam mit seinem Urenkel, der ebenfalls Boy heißt.
Krüss spielt hier mit der Sprache, probiert, was sich alles mit ihr machen lässt. Die Geschichten beziehen für ihn ihren Wert denn auch nicht daher, dass sie passiert, also in einem vordergründigen Sinn "wahr" sind, sondern aus ihrer Schönheit und daraus, dass sie lehrreich? sind.

1960 erhielt Krüss für "Mein Urgroßvater und ich" den Deutschen Jugendbuchpreis? - eine Auszeichnung, die er noch öfter bekommen würde. Er kaufte sich ein Häuschen mit Garten und ließ sich in München nieder.

"Die glücklichen Inseln hinter dem Winde" (1958)

James Krüss wollte den Kindern durch seine Bücher helfen, ihre eigene Umwelt und die gesellschaftlichen Beziehungen zu verstehen und auch kritisch zu betrachten. Besonders deutlich tritt dies in "Die glücklichen Inseln hinter dem Winde" (1958) zutage. In dieser Utopie leben Menschen und Tiere gleichberechtigt und von der Vernunft geleitet miteinander - ein Gegenentwurf zur zeitgleichen Realität des Kalten Krieges.

Als Erzähler dieser Geschichte fungiert übrigens der kleine Boy aus "Mein Urgroßvater und ich". Diese Vernetzung der verschiedenen Bücher untereinander sollte zum Strukturprinzip bei James Krüss werden.

"Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen" (1962)

An die Figur des Peter Schlemihl? in dem gleichnamigen Märchen des Romantikers Adelbert von Chamisso knüpft James Krüss' Hauptwerk an: die lehrhafte Erzählung (Parabel) "Thimm Thaler oder Das verkaufte Lachen" (1962). Er begann das Buch 1958 und schrieb daran vor allem während einer Gelbsuchterkrankung und der anschließenden Erholungszeit.

Bei Chamisso verkauft Peter Schlehmil seinen Schatten für ein Säckchen Gold an den Teufel. Als er sich verliebt, möchte er seinen Schatten wiederhaben, doch der Teufel will im Gegenzug seine Seele haben. Da wirft Peter Schlemihl das Gold fort und lebt fortan einsam, nur im Besitz eines Paares Siebenmeilenstiefel.

James Krüss setzt an die Stelle des Schattens das Lachen: Der Junge Timm verkauft sein Lachen an den Teufel, doch der Reichtum, den er damit erwirbt, macht ihn nicht glücklich. Krüss übt in seiner Geschichte Kritik an einer Gesellschaft, in der Menschen als Ware behandelt werden und Geld und Macht die höchsten Werte darstellen.

1978 wurde "Timm Thaler" als Fernsehserie verfilmt. Die Figur des Jungen erscheint, ebenso wie andere Protagonisten von Krüss, noch in weiteren Büchern. Krüss vernetzt seine Geschichten untereinander, indem er seine Figuren einander begegnen lässt. So trifft etwa Timm Thaler in den "Geschichten aus allen Winden" (1973) den kleinen Boy auf Helgoland und verspricht ihm, dass er ihm eines Tages seine Lebensgeschichte erzählen werde.

"Mein Urgroßvater, die Helden und ich" (1967)

In der Folgezeit schrieb James Krüss Fernsehserien für Kinder ("Kinder ABC und Phantasie", "James Tierleben"), Er reiste weiterhin viel, unter anderem nach Afrika. 1967 wurde in Berlin die ersten Grundschule nach ihm benannt, 1981 eine zweite in Barmstedt bei Hamburg. 2006 sollten bereits acht Schulen seinen Namen tragen.

Ebenfalls 1967 beendet Krüss "Mein Urgroßvater, die Helden und ich". Wieder verkriechen sich der Urgroßvater und sein Urenkel, der Ich-Erzähler, auf dem Dachboden und erfinden Geschichten - diesmal von Helden unterschiedlichster Art: großen und kleinen, lauten und leisen oder solchen, die zufällig zum Helden wurden ...

1968 erhielt James Krüss den Internationalen Jugendbuchpreis Hans Christian Andersen Award? für sein Gesamtwerk?. Weitere Auszeichnungen folgten.

"Geschichten der 101 Tage" (1986)

1969 siedelte James Krüss nach Gran Canaria über. Hier besuchten ihn viele Künstlerkollegen, etwa Janosch?, der ebenfalls auf die Kanaren übersiedeln wollte, und Heinar Kipphardt?, der hier sein "Traumbuch" abschloss.

Auf dem Dach seines Hauses errichtete Krüss ein Atelier, um dort seinen Zyklus? "Geschichten der 101 Tage" zu beenden. Dieser Zyklus enthält alle Geschichten um Timm Thaler, Boy und weitere kindliche Protagonisten, die im Lauf der Zeit in seinen Geschichten aufgetreten sind. James Krüss beendete ihm 1985. Im August 1986 brachte der Verlag Friedrich Oetinger? die letzte Geschichte, "Nele oder Das Wunderkind", heraus.

Sprachspiele und letzte Werke

In den 1970er Jahren beschäftigte James Krüss sich zudem verstärkt mit der Sprache. Dem Nonsens?, dem "heißgeliebten schönen Unsinn", galt seine ganze Liebe. 1970 brachte er die Nonsens-Anthologie? "Seifenblasen zu verkaufen" heraus. Er verfasste auch sprachwissenschaftliche Abhandlungen zur sozialen und ästhetischen Wirkung von Sprache.

1979 begann James Krüss mit der Arbeit an seiner Autobiographie, die als Trilogie? angelegt war. Der erste Band über die "frühen Jahre" erschien 1988, die übrigen Bände folgten nicht mehr.

1992 begann er die "Phantastischen Blätter" zu schreiben und zu zeichnen - assoziative und rätselhafte Poesie, in der er sich nicht als Kinder- und Jugendbuchautor zeigt, sondern, so der herausgebende Kovar-Verlag?, als "phantastisch verspielter homo eroticus".

Während seiner letzten Jahr erlitt James Krüss zunehmend unter Herzproblemen, bereits 1984 hatte er einen Herzinfarkt bekommen. Eine Operation und mehrere Klinikaufenthalte wurden notwendig. 1997 starb James Krüss auf Gran Canaria. Er wurde vor Helgoland auf See bestattet.

Übrigens ...

So richtig berühmt wurde James Krüss 1960 durch eine Lesung aus "Mein Urgroßvater und ich" in den Fernsehnachrichten "Tagesschau".

Auszeichnungen (Auswahl)

Werke (Auswahl)

  • James Krüss: Werke bei Jokers
  • Der Sängerkrieg der Heidehasen, EA 1952, Hamburg, Carlsen Verlag 2002, ISBN: 978-3551351371
  • Hanselmann hat große Pläne (mit Katharina Maillard?), Erstausgabe (EA) 1954, Stalling Verlag
  • Der Leuchtturm auf den Hummerklippen, EA 1956, Hamburg, Carlsen Verlag 1999, ISBN: 978-3551552662
  • Henriette Bimmelbahn (mit Lisl Stich?), EA 1957, Köln, Boje Verlag 2005, ISBN: 978-3414814005
  • Die glücklichen Inseln hinter dem Winde, EA 1958, Hamburg, Carlsen Verlag 2000, ISBN: 978-3551552686
  • Mein Urgroßvater und ich, EA 1959, Hamburg, Verlag Friedrich Oetinger, 5. Aufl. 1998, ISBN: 978-3789106934
  • Florentine und die Tauben, Bd. 1, EA 1961,
  • Florentine und die Kramerin, Bd. 2, EA 1962,
  • Timm Thaler oder das verkaufte Lachen, EA 1962, Hamburg, Verlag Friedrich Oetinger 2006, ISBN: 978-3789140402
  • James’ Tierleben, EA 1965, Hamburg, Carlsen Verlag 2003, ISBN: 978-3551552778
  • Mein Urgroßvater, die Helden und ich, EA 1967, Hamburg, Verlag Friedrich Oetinger 1992, ISBN: 978-3789122231
  • Bienchen, Trinchen, Karolinchen, EA 1968, München, dtv 1983, ISBN: 978-3423070300
  • Geschichten aus allen Winden oder Sturm um Tante Julies Haus, EA 1973, Ravensburg, Ravensburger Buchverlag, 2. Aufl. 1990, ISBN: 978-3473515660
  • Sommer auf den Hummerklippen, EA 1977, Hamburg, Carlsen Verlag 2004, ISBN: 978-3551353511
  • Gäste auf den Hummerklippen, EA 1978, Hamburg, Carlsen Verlag 2003, ISBN: 978-3551552761
  • Timm Thalers Puppen oder Die verkaufte Menschenliebe, EA 1979, Hamburg, Carlsen Verlag 2002, ISBN: 978-3551552747
  • Freunde von den Hummerklippen, EA 1983, Ravensburg, Ravensburger Buchverlag, 2. Aufl. 1991, ISBN: 978-3473515691
  • Weihnachten auf den Hummerklippen, EA 1984, Hamburg, Carlsen Verlag 2001, ISBN: 978-3551552723
  • Die Schiffbrüchigen oder die Fabelinsel (mit Eberhard Binder?), EA 1984, Lentz Verlag, ISBN: 978-3880101265
  • Abschied von den Hummerklippen, EA 1985, Ravensburg, Ravensburger Buchverlag 1988, ISBN: 978-3473515776
  • Nele oder Das Wunderkind, EA 1986, Hamburg, Verlag Friedrich Oetinger 1987, ISBN-13: 978-3789122507

Hörbücher

  • Der Sängerkrieg der Heidehasen, CD, Hörcompany 2006, ISBN: 978-3935036979

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