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Klassik

Klassik ist eine Epoche in der deutschen Literatur- und Geistesgeschichte in der Zeit von ca. 1788-1805. Prägende Erscheinungen der Klassik waren Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller und Johann Joachim Winckelmann?.

Definition

Der Begriff Klassik hat drei Bedeutungen:

Wer im Zusammenhang mit der deutschen Literatur- und Geistesgeschichte von Klassik spricht, meint die Epoche Winckelmanns?, Goethes und Schillers. Die Dichtung der Klassik begann mit Goethes Italienreise 1786-1788, gipfelte in der Freundschaft und Zusammenarbeit von Goethe und Schiller seit 1794 und endete mit Schillers Tod 1805. Die künstlerischen und philosophischen Ideale der Klassik wirken bis in die Gegenwart nach und beeinflussen noch heute viele Schriftsteller und Künstler.

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Die Klassik postulierte neue Werte: Sie bekannte sich zum Harmonie- und Humanitätsideal. Im Mittelpunkt des klassischen Welt- und Menschenbildes stand das Gute, Wahre, Schöne und der Glaube an die freie Selbstbestimmung des Menschen. Die Natur erschien der Klassik als ein ausgewogenes und wohl geordnetes Reich ohne Gewalt und Willkür. Der Mensch sollte sich in seinem Denken und Handeln von der Macht der Sittlichkeit und Toleranz leiten lassen.

Foto: Christian Rohr / www.pixelio.de

Napoleon und Immanuel Kant

Den politischen Hintergrund bildete die Französische Revolution, die das soziale und politische Machtgefüge Europas tiefgreifend veränderte. Die außergewöhnliche Persönlichkeit Napoleons und sein Aufstieg zum Alleinherrscher machten auf die Zeitgenossen einen starken Eindruck. Während der Sturm und Drang Napoleon als Kraftmensch verherrlichte, ging die Klassik auf Distanz zum französischen Kaiser.

Auf dem Gebiet der Philosophie empfing die Klassik von Immanuel Kant wichtige Impulse. Von größter Bedeutung sind seine beiden Werke? „Kritik der reinen Vernunft“ (1781/1787) und „Kritik der praktischen Vernunft“ (1788). Kant forderte Ehrfurcht vor dem „ewigen moralischen Gesetz in uns“ und formulierte den kategorischen Imperativ: „Handle so, als ob die Maxime deines Handelns zum allgemeinen Naturgesetz werden sollte.“

Literatur und Ästhetik

Grundlegend für die Ästhetik der Klassik sind Winckelmanns? „Gedanken über die Nachahmung griechischer Werke in der Malerei und Bildhauer-Kunst“ (1755) und seine „Geschichte der Kunst der Altertums“ (1764). Darin stellt er die antike Kunst als harmonischen Ausdruck von Lebensgefühl und Welterfahrung dar. Als zentrale Kriterien antiker Kunst nennt er: Harmonie von Geist und Körper, Zusammentreffen von innerer und äußerer Schönheit, Toleranz, Maß und Reinheit. Winckelmanns Griechenlandbild wurde zum Ideal der klassischen Ästhetik.

In den literarischen Werken? Goethes und Schillers treten die Leitideen von Winckelmanns? Ästhetik deutlich hervor. Mit dem Gefühl, als Mensch und Dichter gescheitert zu sein, hatte Goethe 1786 den Weimarer Hof verlassen und war zu einer Italienreise aufgebrochen. Die Reise erwies sich als voller Erfolg: In Italien schrieb er die endgültige Fassung seines Dramas „Iphigenie auf Tauris“ (1787) und beendete das Trauerspiel? „Egmont“ (1788). Heute gilt „Iphigenie“ als das Symbol antik-christlicher Humanität und klassischer Dichtkunst. In seinem Aufbau folgte „Iphigenie“ übrigens den drei Einheiten?.

Dramatik: Weg vom Geniekult

Das Drama der Klassik gestaltete Stoffe von grundsätzlicher und zeitloser Bedeutung. In Goethes „Tasso“ (1789) geht es z. B. um das schwierige Verhältnis von Genie und Gesellschaft. Im Mittelpunkt der Handlung steht der italienische Dichter Tasso?, der in ein tragisches und schmerzvolles Spannungsverhältnis zur Wirklichkeit gerät. Das Stück ist übrigens reich an biographischen Details aus Goethes Leben. Weitere Höhepunkte klassischer Dramatik? sind „Don Karlos“ (1987), „Maria Stuart“ (1800) und „Die Jungfrau von Orleans“ (1801) von Friedrich Schiller und „Medea in Korinth“ (1787) von Friedrich Maximilian Klinger?. Klinger? zeigt in seinem Drama, wie die Figuren sich vom Geniekult abwenden und den Idealen der Klassik zuwenden. Diese intellektuelle Spannung macht das Stück auch heute noch lesens- und sehenswert.

Prosa: Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre“

In der Prosa wurde der Bildungsroman? zum beliebtesten Genre. Zu nennen sind vor allem „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ (1795) von Goethe und „Titan“ (1800/1803) von Jean Paul?. Diese beiden Romane markieren gewissermaßen die beiden gegensätzlichen Pole, zwischen denen die klassische Ästhetik fortwährend hin und her pendelte. In beiden Büchern geht es um den allgegenwärtigen Konflikt zwischen Kraft und Harmonie, Verstand und Gefühl, Überspannung und Ausgleich. Das Lesepublikum der damaligen Zeit gab Goethes „Wilhelm Meister“ den Vorzug, Jean Pauls? „Titan“ stieß dagegen nur auf geringes Interesse. Goethe und Schiller schätzten den Wert des Romans als literarischer Gattung übrigens nur sehr gering ein: Goethe sprach von einer „unreinen Form“, Schiller von einem „Halbbruder der Poesie“.

Lyrik: „Das Lied von der Glocke“ (1800)

In der Lyrik gingen Goethe und Schiller gegensätzliche Wege. Schiller stellte in seinen Gedichten moralische Gedanken an anekdotischen Stoffen dar. Ein Beispiel dafür ist „Das Lied von der Glocke“ (1800), in dem er die harmonische Verschmelzung von bürgerlichem Leben, Kultur und Natur preist. Das Gedicht ist eines der einflussreichsten der deutschen Literatur. Goethe gab seinem dichterischen Nachruf auf Schiller übrigens den Titel „Epilog zu Schillers Glocke“ (1805). Goethes Lyrik ist dagegen eher sinnlich-naiv, z. B. „Römische Elegien“ (1795), die ihm von der zeitgenössischen Kritik den Vorwurf der Unsittlichkeit eintrugen.

Am Musenhof in Weimar

Geographischer Mittelpunkt der Klassik war Weimar, das damals wenig mehr als 6.000 Einwohner zählte und von Johann Gottfried Herder? deshalb als „Mittelding zwischen Dorf und Stadt“ bezeichnet wurde. Das Zentrum bildete der von Herzogin Anna Amalia begründete und von ihrem Sohn Karl August fortgeführte Musenhof, zu dem neben Goethe und Schiller viele weitere Repräsentanten des Kultur- und Geisteslebens gehörten, z. B. Christoph Martin Wieland, Johann Karl August Musäus?, Wilhelm von Humboldt?, Friedrich Hölderlin und Heinrich von Kleist. Wichtige Publikationsorgane waren „Die Horen“ (1795-1797), „Propyläen“ (1798-1800) und der „Musenalmanach“ (1796-1800).

Literatur

  • Die Klassik und Klassiker bei Jokers
  • Goethe, Johann Wolfgang von: Wilhelm Meisters Lehrjahre. Reclam Verlag, Ditzingen 2008, ISBN: 978-3150078266
  • Hölderlin, Friedrich: Hyperion. Reclam Verlag, Ditzingen 2005, ISBN: 978-3150005590
  • Schiller, Friedrich: Gedichte. Reclam Verlag, Ditzingen 2001, ISBN: 978-3150180617

Sekundärliteratur

  • Dörr, Volker C.: Weimarer Klassik. UTB, Stuttgart 2007, ISBN: 978-3825229269
  • Segebrecht, Wulf (Hrsg.): Gedichte und Interpretationen. Band 3. Klassik und Romantik. Reclam Verlag, Ditzingen 1986, ISBN: 978-3150078921
  • Selbmann, Rolf (Hrsg.): Deutsche Klassik. Epoche - Autoren - Werk. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2005, ISBN: 978-3534175482

Weitere Einträge zum Stichwort:


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