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Grimmelshausen, Hans Jakob Christoffel von

Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (geb. 12. März 1621 in Gelnhausen in Hessen; gest. 17. August 1676 in Renchen in Baden) war ein deutscher Schriftsteller des Barock?. Sein 1669 erschienenes Hauptwerk „Der Abentheurliche Simplicissimus Teutsch“ war der erfolgreichste deutsche Roman des 17. Jahrhunderts.

Leben und Schreiben

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Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen wurde am 12. März 1621 als Sohn eines Gastwirts und Bäckers in Gelnhausen/Hessen geboren. Er stammte aus einer einfachen protestantischen Bürgerfamilie. Früh verwaist, wuchs er bei seinem Großvater, dem Bäcker Melchior Christoph (der 1599 den Adelstitel abgelegt hatte), auf. Über seine Kinder- und Jugendjahre ist nur wenig bekannt. Vermutlich besuchte Grimmelshausen für sechs oder sieben Jahre die Lateinschule in Gelnhausen, das damals im Rang einer lutherischen Reichsstadt stand.

Grimmelshausen war dreizehn Jahre alt, als er in die Wirrnisse und Schrecken des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) geriet. Nach Einnahme und Plünderung der Stadt Gelnhausen durch kaiserlich-spanische Truppen (die Bevölkerung zog sich auf die Festung Hanau zurück, die vom schwedischen und hessischen Heer besetzt war), wurde Grimmelshausen 1634 kaiserlicher Dragoner im Dreißigjährigen Krieg, dann Regimentsschreiber und -sekretär. Er erlebte den Krieg in den verschiedensten Gegenden Deutschlands: Grimmelshausen war unter anderem bei der schwedischen Armee in Westfalen, in der Armee des Grafen von Götz am Oberrhein und beim Regiment des Freiherrn von Schauenburg in Offenburg.

Vor seiner Hochzeit am 30. August 1649 mit der Zaberner Bürgerstochter Catharina Henninger konvertierte Grimmelshausen zum Katholizismus. Nach dem Krieg arbeitete Grimmelshausen unter anderem als Burgvogt des Straßburger Arztes Dr. J. Küffer auf Schloss Ullenburg bei Gaisbach und danach als Gastwirt im „Silbernen Stern“ in Gaisbach. Seit 1667 war er bischöflich-straßburgischer Schultheiß in Renchen.

„Satyrischer Pilgram“ (1666)

Seine ersten literarischen Werke veröffentlichte Grimmelshausen zu einer Zeit, als er noch den „Silbernen Stern“ in Gaisbach bewirtschaftete. Den nur wenig beachteten Auftakt bildete der Erzählband „Satyrischer Pilgram“ (1666). Es folgte der Roman „Histori vom keuschen Joseph in Egypten“ (1667), der 1670 in einer stark erweiterten Fassung? erschien. Grimmelshausen, der vielfältig gebildet war (seine Kenntnisse hat er wohl autodidaktisch erworben), veröffentlichte seine Bücher unter verschiedenen Pseudonymen, die erst 1837 vollständig aufgelöst wurden. Diese Pseudonyme waren zumeist Anagramme?: z. B. German Schleifheim von Sulsfort, Simon Lengfrisch von Hartenfels und Melchior Sternfels von Fuchshaim. Kontakte zu zeitgenössischen Gelehrten- und Literatenkreisen hatte er kaum.

„Der Abentheurliche Simplicissimus Teutsch“ (1669)

Im Jahr 1669 legte Grimmelshausen unter dem Titel „Der Abentheurliche Simplicissimus Teutsch“ sein Meisterwerk vor. Die Entstehung des Romans, der unter dem Pseudonym German Schleifheim von Sulsfort erschien, geht wohl auf die Offenburger Zeit zurück. Der Roman steht in der Tradition der satirischen Erbauungsliteratur? und des spanischen Schelmenromans, bezieht aber zugleich Motive aus der volkstümlichen Schwank?- und Sagenliteratur mit ein. Man nimmt an, dass das „Teutsch“ des Titels den Simplicius als Gegenfigur zu einer populären französischen Romanfigur der Zeit kennzeichnen soll, nämlich zu Charles Sorels? „Historie comique de Francion“ (1662). Der „Der Abentheurliche Simplicissimus Teutsch“ gilt als der erfolgreichste deutsche Roman des 17. Jahrhunderts und als das erste deutsche Prosawerk von Weltrang. Die barocke Antithese? von Weltfreude und Seelenheil gibt dem Roman zudem einen religiösen Akzent.

Im Mittelpunkt des Romans steht der tumbe Bauernjunge Simplicius, der in den makaberen Strudel des Dreißigjährigen Krieges gerissen wird. Zunächst hat es den Anschein, als ob er dem Reiz der Welt – dem Reichtum, der Hurerei, der Skrupellosigkeit, der Selbstsucht – zu erliegen droht. Doch dann lernt er das ärmliche Leben der Bauern kennen, die unter den üblen Exzessen der marodierenden Soldateska bis zum Hungertod leiden, er erlebt das Scheitern seiner Ehe und lernt schließlich die friedvolle Weltabgeschiedenheit des Eremitenlebens kennen. Dies alles sind Stationen auf dem Weg zur inneren Umkehr und seelischen Läuterung. Am Ende findet Simplicius zur Weltverachtung. Aber findet er auf diesem Weg auch zum Glück? Das bleibt offen …

In der Literaturwissenschaft wird „Der Abentheurliche Simplicissimus Teutsch“ häufig als derb-drastischer Zeitroman und moralisch-satirische Allegorie auf das Leben des Menschen in der Welt gelesen. Bedeutsam ist der Roman zudem durch seine vielschichtige Erzählstruktur? und die Vieldeutigkeit des Inhalts. Die realistische und lebensnahe Sprache war ein absolutes Novum in der Literatur des Barock? und hebt den Roman aus den übrigen literarischen Zeugnissen der Epoche heraus. Nach dem überwältigenden Erfolg des Buches schrieb Grimmelshausen schon 1669 eine Fortsetzung, die unter dem Titel „Continuatio des Abentheuerlichen Simplicissimimus Teutsch“ veröffentlicht wurde. Darin pilgert Simplicius – in der Hoffnung auf Erlösung im Jenseits – ins Heilige Land und wird schiffbrüchig auf eine Südseeinsel verschlagen.

Krieg und Schrecken kehren zurück

Es folgten weitere vom Autor selbst so genannte „Simplizianische Schriften“: Dazu zählt z. B. der Roman „Trutz Simplex“ (1670), die Erzählung „Der seltsame Springinsfeld“ (1670) und der Erzählzyklus? „Das wunderbarliche Vogelnest“ (1672). Daneben entstand der 1671 herausgegebene „Ewigwährende Kalender“, der in zahlreichen Anspielungen und Querverweisen um die Welt des Simplicissimus kreist und für den Leser nicht selten ein nahezu undurchschaubares literarisches Labyrinth darstellt.

Wenige Jahre vor seinem Tod wurde Grimmelshausen noch einmal vom Schrecken des Krieges eingeholt. 1673 führte der französische König Ludwig XIV. seine Heere gegen die Niederlande – wobei auch das Elsass und die Gegend um Renchen verheert wurden. Man nimmt an, dass Grimmelshausen noch einmal als Soldat ausgehoben wurde. Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen starb am 17. August 1676 in Renchen/Baden. Die Todesursache ist unbekannt.

Übrigens ...

gingen aus der Ehe mit Catharina Henninger zehn Kinder hervor.

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

Hörbücher

  • Der abenteuerliche Simplicissimus. 14 CDs. Basel, Merian Verlag 2006, ISBN: 978-3856162733

Sekundärliteratur

  • Arnold, Heinz Ludwig: Grimmelshausen. München, edition text + kritik 2008, ISBN: 978-3883779140
  • Breuer, Dieter: Grimmelshausen-Handbuch. Stuttgart, UTB 1999, ISBN: 978-3825281823
  • Parzefall, Edith: Das Fortwirken des Simplicissimus von Grimmelshausen in der deutschen Literatur. Berlin, Logos Verlag 2001, ISBN: 978-3897226388

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