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Irving, John

John Irving (geb. 2. März 1942 in Exeter/New Hampshire) ist ein amerikanischer Schriftsteller. Viele seiner Romane waren Bestseller und wurden erfolgreich verfilmt.

Leben und Schreiben

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John Irving wurde als John Wallace Blunt jr. am 2. März 1942 in Exeter/New Hampshire geboren. Er war das älteste von vier Kindern. Seinen leiblichen Vater hat Irving nie kennen gelernt, da sich die Eltern noch vor seiner Geburt scheiden ließen. Erst mit dem Tod (1996) des leiblichen Vaters erfuhr Irving noch von der Existenz dreier Halbbrüder und einer Halbschwester.

Als er sechs Jahre alt war, heiratete seine Mutter erneut, und er nahm den Namen des Stiefvaters an. Sein Stiefvater Collin F. N. Irving war Lehrer für russische Geschichte und Literatur an der Exeter Academy – einer so genannten Prep-School, in der die Schüler auf das College vorbereitet werden. John Irving war kein guter Schüler. Ein Grund dafür war seine Legasthenie?, die damals jedoch nicht als Krankheit erkannt wurde. Die Lehrer sahen die Ursache seiner Leseschwäche in dem Umstand, dass er nicht bei seinem leiblichen Vater, sondern bei seinem Stiefvater aufwuchs. Trotz der Legasthenie vertiefte sich Irving immer wieder in die monumentalen Werke? der Weltliteratur – mit Vorliebe las er die Romane von Charles Dickens und Fjodor Dostojewskij?. Sein literarischer Mentor in dieser Zeit war George Bennet?, der beste Freund seines Vaters.

„Setting Free the Bears“

Von 1961 bis 1967 studierte John Irving an verschiedenen Universitäten, zunächst in Pittsburgh und Wien, dann in New Hampshire und Iowa, wo er 1967 zum Master of Fine Arts graduierte. Im Sommer 1963, als er sich in Cambridge auf sein Studium in Wien vorbereitete, lernte er Shyla Leary kennen. Im folgenden Sommer heirateten die beiden in Griechenland. Aus dieser Ehe gingen die beiden Söhne Colin und Brandan hervor.

Zurück in den USA erhielt Irving ein kombiniertes Stipendium? als Autor und Dozent? an der Universität Iowa. 1969 legte er unter dem Titel „Setting Free the Bears“ (dt. Lasst die Bären los) seinen Debütroman? vor, auf dessen Stoff er während seines Studiums an der Universität Wien – Irving hielt Wien angeblich für die antisemitischste Stadt in Europa – gestoßen war. Darin erzählt er die Geschichte zweier österreichischer Jugendlicher, die die Befreiung aller Tiere, insbesondere der großen braunen Bären, aus dem Wiener Zoo planen, um damit gegen den Faschismus und dessen Wiederkehr zu protestieren.

Es folgten die Romane „The Water-Method Man“ (1972; dt. Die wilde Geschichte vom Wassertrinker) und „The 158-Pound Marriage“ (1974; dt. Eine Mittelgewichts-Ehe). Diesen frühen Romanen, die mit einer Vielzahl autobiographischer Details gespickt sind, ist eine eigenwillige Mischung aus groteskem Humor, derbem Realismus und phantastischen? Begebenheiten eigen. Irving sagte später, seine ersten Romane seien zwar sehr umfangreich, aber leider auch ungeheuer erfolglos gewesen.

„The World According to Garp“

Von 1975 an war John Irving als Dozent? am Mount Holyoke College tätig. Der Durchbruch als Schriftsteller gelang ihm 1978 mit der Veröffentlichung des Romans „The World According to Garp“ (dt.; Garp und wie er die Welt sah). Im Zentrum der Handlung steht Garp – eine bizarre Figur, über deren recht biederen Lebensweg immer wieder absurde Schicksalsschläge hereinbrechen, die sie in chaotische Situationen stürzen. Am Ende fällt Garp, der es sich gerade im beschaulichen Familienleben gemütlich gemacht hatte, dem Attentat einer fanatisierten Frauenrechtlerin zum Opfer. Aufgrund des enormen Werbeaufwands und der erfolgreichen Verfilmung durch den Regisseur George Roy Hill konnte „The World According to Garp“ zu einem Kultbuch? der 1980er Jahre werden. Als Reaktion darauf wurden auch die frühen Romane des Autors neu aufgelegt.

„The Hotel New Hampshire“

Aus dem Stand schaffte es auch John Irvings fünfter Roman „The Hotel New Hampshire“ (1981; dt. Das Hotel New Hampshire) in die amerikanischen Bestsellerlisten. Der Roman behandelt in zwölf Kapiteln den amerikanischen Traum, der, so der Tenor des Buches, auf dem schmalen Kamm zwischen Traum und Albtraum angesiedelt ist. Win Berry, der Protagonist, der aus einem kleinen Ort in der Provinz stammt, hat einen Traum – seinen persönlichen amerikanischen Traum, der ihn zu Reichtum und Glück führen soll. Win möchte ein Hotel besitzen, und er tut alles dafür, um dieses Ziel zu erreichen. Welt- und Familienkriege, Geldsorgen und Schicksalsschläge können ihn nicht abhalten. Win hält – allen Bedrängnissen zum Trotz – an seinem Ziel fest und wird schließlich dafür belohnt. Aber ob er weiß, dass sein Hotel von seinen Kindern als Zufluchtsstätte für Vergewaltigungsopfer betrieben wird?

Die Fachkritik war von Irvings schmucklosem, präzisem Schreibstil begeistert und lobte ihn als einen der wenigen amerikanischen Gegenwartsautoren, der von hoher literarischer Qualität sei und gleichzeitig beim breiten Publikum Erfolg habe. In „The Hotel New Hampshire“ greift Irving zudem gesellschaftliche, moralische und individualpsychologische Probleme auf, die er – nicht ohne Bitternis und Sarkasmus? – kommentiert.

„The Cider House Rules“

In den folgenden Romanen blieb Irving seinem Erfolgsrezept treu, indem er groteske? und phantastische? Erzählelemente mit gesellschaftlich relevanten Themen kombinierte. Das Ergebnis waren hintergründige, mit einem bizarren Figurenensemble ausgestattete Romane – wie zum Beispiel „The Cider House Rules“ (1985; dt. Gottes Werk und Teufels Beitrag), „A Prayer for Owen Meany“ (1989; dt. Owen Meany) und „A Son of the Circus“ (1994; dt. Zirkuskind).

In dem ausgezeichnet rezensierten Roman „The Cider House Rules“ schildert Irving die Lebensgeschichte des Waisenjungen Homer Wells, der bereits vier gescheiterte Adoptionsversuche hinter sich hat, und die seines exzentrischen Leihvaters Dr. Larch, der im Waisenhaus eine Entbindungsklinik mit angeschlossener Abtreibungsstation betreibt. Diese hervorragend komponierte Verbindung aus fiktiver Erzählung und einem ungemein gründlich recherchierten? gesellschaftspolitischen Dauerthema, nämlich der Abtreibungsproblematik, machten den Roman weltweit zu einem Bestseller. „The Cider House Rules“ sei ein Sprachfeuerwerk an Ironie?, Detailtreue und Dialogkunst?, urteilte die Zeitschrift? „Amica“. 2000 erhielt Irving einen Oscar für die Drehbuchadaption seines Romans. Das Hörbuch war 2006 für den Deutschen Hörbuchpreis? nominiert.

„Until I Find You“

2003 debütierte John Irving mit dem Roman „Ein Geräusch, wie wenn einer versucht, kein Geräusch zu machen“ als Kinderbuchautor?. Der unheimliche Roman, der von Tatjana Hauptmann? illustriert wurde, stieß im deutschen Feuilleton? auf große Resonanz. Laut „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ ist „Ein Geräusch, wie wenn einer versucht, kein Geräusch zu machen“ ein sanfter Albtraum aus Risikolust, Einsamkeit und wohliger Geborgenheit.

Selten rief ein Roman bei der internationalen Fachkritik so gegensätzliche Reaktionen hervor wie John Irvings „Until I Find You“ (2005; dt. Bis ich dich finde). Der stark autobiographisch geprägte Roman – der ursprünglich aus der Ich-Perspektive erzählt werden sollte, dann aber von Irving aus Rücksicht auf die eigene Familie mit einem distanzierten auktorialen Erzähler ausgestattet wurde – ist mit mehr als 1.000 Seiten eines der umfangreichsten Bücher des Autors. Darin geht es um Jack Burns – einen Jungen, der ohne Vater aufwächst. Als Jack elf Jahre alt ist, wird er sexuell missbraucht. Fortan fühlt er sich zu älteren Frauen hingezogen, was ihn in typisch Irvingscher Manier vor dem einen Unglück bewahrt und dafür dem anderen preisgibt. Später macht Jack als Schriftsteller Karriere. Die „New York Times“ bezeichnete „Until I Find You“ als ebenso bitteres wie polyphones? Opus Magnum?. Der Berliner „Tagesspiegel“ war weniger begeistert und sah in dem Roman eine enttäuschende Mischung aus Redundanzen?, Banalitäten und erzählperspektivischen Missgriffen.

John Irving, der Kochbücher? mit mediterraner Küche sammelt, lebt abwechselnd in Kanada und New England.

Werk

John Irving sieht sich als Außenseiter, weshalb er für Außenseiter Sympathien zeigt und in seinen Romanen oft Menschen am Rande auftreten lässt. Dabei interessieren ihn sexuelle Außenseiter in besonderer Weise (Transsexuelle in Garp und wie er die Welt sah, Schwule in Das Hotel New Hampshire, lesbisch-schwul-bisexuell-transgender-Community in In einer Person).

Bevor John Irving Schriftsteller wurde, wollte er Schauspieler werden. Das Vorbild von Charles Dickens ließ ihn zum Schriftsteller werden. Seine Romane sind handlungsstark, wie für das Theater geschrieben. An Shakespeare? - und Sophokles? -Stücken? lernte er das Schreiben mit viel Handlung.

Übrigens ...

... geschieht in jedem der Bücher von John Irving etwas, von dem man denkt: "Hoffentlich passiert mir das nie". Sonst brauche man doch erst gar nicht zu schreiben, erklärte der Bestseller-Autor in einem Interview? mit dem ZDF anlässlich sseines 70. Geburtstages.

Zwanzig Jahre betrieb John Irving das Ringen als Leistungssport und trainierte Ringer.

Bibliotheken sind für John Irving Rückzugsorte, in denen er gut schreiben kann. Er gestand, dass er normalerweise das Schreiben mit dem Schluss eines Buches beginnt. Seine letzten Romane hält er für handwerklich besser als seine ersten Bücher, was er damit begründet, dass er erst nach Garp und wie er die Welt sah hauptberuflich als Schriftsteller leben konnte und sich erst nach Das Hotel New Hampshire zwang, jeden Tag acht bis neun Stunden zu schreiben.

Auszeichnungen

  • 1980 National Book Award?
  • 1981 O. Henry Award
  • 1999 Goldene Diogenes-Eule
  • 1999 NBR Award
  • 2000 Oscar für das Beste Drehbuch
  • 2000 Golden Satellite Award

Werke (Auswahl)

  • Bücher von John Irving bei Jokers
  • Laßt die Bären los! EA 1969. Zürich, Diogenes Verlag 1987, ISBN: 978-3257213232
  • Die wilde Geschichte vom Wassertrinker. EA 1972. Zürich, Diogenes Verlag 1992, ISBN: 978-3257224450
  • Das Hotel New Hampshire. EA 1981. Zürich, Diogenes Verlag 1984, ISBN: 978-3257211948
  • Gottes Werk und Teufels Beitrag. EA 1985. Zürich, Diogenes Verlag 1990, ISBN: 978-3257218374
  • Zirkuskind. EA 1994. Zürich, Diogenes Verlag 2000, ISBN: 978-3257229660
  • Witwe für ein Jahr. EA 1998. Zürich, Diogenes Verlag 2004, ISBN: 978-3257233001
  • Ein Geräusch, wie wenn einer versucht, kein Geräusch zu machen. EA 2003. Zürich, Diogenes Verlag 2003, ISBN: 978-3257011029
  • Bis ich dich finde. EA 2005. Zürich, Diogenes Verlag 2007, ISBN: 978-3257236217
  • Letzte Nacht in Twisted River. EA 2010. Zürich, Diogenes Verlag 2012, ISBN: 978-3257240993
  • In einer Person. Zürich 2013

Hörbücher

  • Bis ich dich finde. Lesung. Liveaufnahmen von der Lesetour 2006. CD. Zürich, Diogenes Verlag 2006, ISBN: 978-3257800111
  • Garp und wie er die Welt sah. 19 CDs. Random House 2002, ISBN: 978-3898308748
  • Gottes Werk und Teufels Beitrag. 23 CDs. Hamburg, Hörbuch Hamburg 2005, ISBN: 978-3899033083

Sekundärliteratur

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