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Hacker, Katharina

Katharina Hacker (geb. 11. Januar 1967 in Frankfurt am Main) ist eine deutsche Schriftstellerin. Für ihren Roman "Die Habenichtse" (2006) erhielt sie den Deutschen Buchpreis 2006.

Leben und Schreiben

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Katharina Hacker wuchs in ihrer Geburtsstadt Frankfurt am Main auf. Von 1975 bis 1986 besuchte sie dort das altsprachliche Heinrich-von-Gagern-Gymnasium. Nach dem Abitur studierte sie Philosophie, Geschichte und Judaistik an der Universität Freiburg. 1990 wechselte sie an die Hebräische Universität Jerusalem; neben dem Studium arbeitete sie als Deutschlehrerin? und an der School for Cultural Studies in Tel Aviv.

In einem Interview? mit der FAZ sagte Hacker, dass die Wahl des Studienfaches Judaistik auf ein mystisches Interesse während ihrer Jugendzeit zurückgehe. Sie las viele jüdische Autoren, vor allem den Kabbala-Forscher Gershom Scholem?, und lernte in dem Geiger Henry Meyer, der ein Freund der Familie war, einen Auschwitz-Überlebenden kennen. Meyer brachte ihr Jerusalem nahe, und aus Kolloqienbesuchen bei Saul Friedländer entstand eine weitere Freundschaft mit einem jüdischen Denker. Aspekte aus Friedländers Biographie griff sie später in ihrem zweiten Roman "Eine Art Liebe" (2003) auf.

Foto: NetzJ/Wikipedia.org

"Morpheus oder Der Schnabelschuh" (1998)

In Tel Aviv begann Katharina Hacker zu schreiben - Prosa-Skizzen, die sich zu einer Erzählung über Tel Aviv fügten und 1997 unter ebendiesem Titel bei Suhrkamp erschienen. Im Jahr zuvor war Katharina Hacker, nach dem Tod ihres Doktorvaters, aus Israel nach Deutschland zurückgekehrt und hatte sich als freie? Autorin und Übersetzerin in Berlin niedergelassen. Ein zweites Buch folgte 1998: "Morpheus oder Der Schnabelschuh", eine Übertragung der Mythen von Sisyphos, Ariadne, Morpheus und Charon in die Gegenwart.

"Der Bademeister" (2000)

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Im Jahr 2000 erschien Katharina Hackers Roman-Debüt?: Der "Der Bademeister" ist der Monolog? eines alten Bademeisters namens Hugo. Das Schwimmbad, in dem er gearbeitet hat, wird geschlossen. Er blickt auf sein Leben zurück und auf seinen Vater, der an einem anderen Ort Aufseher gewesen war ... Die Kritik sprach Hacker anerkennend Genauigkeit, Klugheit und tragische? Komik zu.

"Eine Art Liebe" (2003)

Der zweite Roman folgte 2003. "Eine Art Liebe" handelt von der Suche einer deutschen Studentin nach ihrem eigenen Weg im heutigen Israel und von den Verbindungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Erzählt wird von Jean, einem französischen Trappistenmönch, der in Berlin unter merkwürdigen Umständen ums Leben gekommen ist; von Moshe, der als Kind unter anderem Namen in Frankreich die Nazi-Herrschaft überlebt hat; und vom Entschluss der Ich-Erzählerin, die dunkle Vergangenheit auszuleuchten. Anlass für ihre Recherche ist das Rätsel um Jeans Tod, das Fragen über Freundschaft und Verrat aufkommen lässt.

Im Jahr 2005/2006 war Katharina Hacker Stadtschreiberin von Bergen-Enkheim?.

"Die Habenichtse" (2006)

Katharina Hackers dritter, preisgekrönter Roman "Die Habenichtse" (2006) bedeutete einen Szenen- und Sujetwechsel. In seinem Mittelpunkt stehen junge, erfolgreiche Menschen von heute: die Grafikerin Isabelle und der Anwalt Jakob. Die beiden treffen einander nach Jahren am 11. September 2001, dem Tag des Anschlags auf das World Trade Center, auf einer Party in Berlin wieder. Sie verlieben sich, heiraten und bekommen die Chance, nach London zu ziehen, wo Jakob eine Stelle antritt, die eigentlich für einen Kollegen vorgesehen war, der bei den Anschlägen auf das World Trade Center umgekommen ist. Isabelle arbeitet von dort aus weiter für ihre Berliner Grafikagentur und genießt, in den spannungsreichen Wochen vor Ausbruch des Kriegs im Irak, ihr Londoner Leben.

Es sind die Wochen vor dem Ausbruch des Irakkrieges. Jakob und Isabella haben scheinbar alles. Und doch sind sie auf merkwürdige Weise arm. Sehnsüchtig und ratlos sehen sie zu, wie ihr Leben aus den Fugen gerät. Jakob ist fasziniert von Bentham, seinem Chef, und Isabelle von Jim, dem Dealer und Stricher. Untergründigen Ströme von Liebe und Gewalt werden spürbar, und das Nachbarskind Sara, von Isabelle in einer Mischung aus Faszination und Gleichgültigkeit beobachtet, wird ihr Opfer ...

Zwar nannte ein Literaturkritiker das Buch ein obgleich "szenestarkes", so doch "desorientierendes Buch über die Desorientierung". Die Nebenfiguren sprächen die "wahren, klugen, erhellenden Sätze", die man von Hauptfiguren erwarten müsse. Ein anderer jedoch bescheinigte Hacker, in "Die Habenichtse" "ihre außerordentlichen erzählerischen Fähigkeiten noch einmal erweitert und die Höhe der besten europäischen Tradition einer sozial engagierten und geschichtsbewußten Romankunst erreicht" zu haben.

Statt eines weiteren Gesellschaftsromans legte Katharina Hacker nach "Die Habenichtse" einen Band? mit Prosagedichten? vor. "Überlandleitung" erschien 2007.

"Alix, Anton und die anderen" (2009)

Als 2009 ihr vierter Roman "Alix, Anton und die anderen" bei Suhrkamp erschien, war dies der Anlass für Katharina Hacker, sich von ihrem bisherigen Verlag zu trennen. Sie hatte Suhrkamp schon zuvor gebeten, sie mit diesem Projekt "gehen zu lassen". Als dem unter Berufung auf die bereits erfolgte Ankündigung des Buches in der Vorschau? nicht stattgegeben wurde, verkaufte sie Suhrkamp die Hardcoverrechte? an dem Manuskript in seiner damaligen Form. Das Buch, so Hacker in einer Presseerklärung, sei dann aber nicht lektoriert? und überdies so gesetzt worden, dass aus ursprünglich 200 Seiten? 135 geworden seien.

"Alix, Anton und die anderen" erzählt von Menschen in den Vierzigern, die es aus ganz unterschiedlichen Gründen von der deutschen Provinz nach Berlin verschlagen hat. Alix, Anton und die anderen Freunde, die sich eher zufällig kennengelernt haben, treffen sich regelmäßig bei den Eltern von Alix, meistens sonntags, und man wandert, in wechselnder Zusammensetzung, um den Schlachtensee. Die Protagonisten sind "in der Mitte des Lebens" angekommen – und in diesem Winter rekapitulieren sie aus vielerlei Gründen ihre Geschichte und erzählen einander, wie sie so geworden sind, wie sie nun sind.

Das Buch ist zweispaltig gesetzt. Die eine Spalte enthält das Geschehen, die andere weiterführende Begebenheiten zu den Protagonisten. Nach Katharina Hackers Vorstellung hätten beide Spalten gleich breit und in gleich großer Schrift gesetzt werden sollen; überdies sollte die eine Spalte immer rechts und die andere links stehen. Bei Suhrkamp wurde aus der zweiten eine Art Marginalspalte? jeweils außen. So entsteht beim Lesen nicht der Eindruck, dass hier zwei Geschichten parallel erzählt werden, sondern dass eine Haupthandlung durch Anmerkungen kommentiert wird.

"Die Erdbeeren von Antons Mutter" (2010)

Hacker ist 2009 zum S. Fischer Verlag? gewechselt. Dort erschien zunächst 2010 die Novelle "Die Erdbeeren von Antons Mutter", die eigenständig ist, aber doch zu dem Romanzyklus dazugehört. Erzählt wird, wie die Mutter von Anton, einem der Protagonisten, langsam dement wird. So vergisst sie, wie in jedem Jahr die Erdbeeren zu pflanzen, aus denen sie später Marmelade für die erwachsenen Kinder kochen wollte. Diese übernehmen heimlich das Pflanzen - doch dann kommen die Schnecken und machen die Ernte zunichte. Im Bild der Erdbeeren verdichtet sich so die Bedrohtheit, die Hinfälligkeit, die Teil des Lebens ist. Die "Süddeutsche Zeitung" sah in dem Buch, mehr als in seinem Vorgänger, ein überzeugendes Generationenporträt der Fortysomethings.

Katharina Hacker lebt in Berlin. Sie ist verheiratet und hat eine Tochter namens Philippa.

Übrigens ...

wurde Philippa dreieinhalb Wochen vor der Verleihung des Deutschen Buchpreises 2006 an ihre Mutter geboren.

Auszeichnungen (Auswahl)

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Katharina Hacker bei Jokers
  • Tel Aviv. Eine Stadterzählung. EA 1997. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, ISBN: 978-3-518-12008-8
  • Morpheus oder Der Schnabelschuh. Erzählungen. EA 1998. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, ISBN: ISBN 978-3-518-12092-7
  • Der Bademeister. Roman. EA 2000. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, ISBN: 978-3-518-45905-8
  • Eine Art Liebe. Roman. EA 2003. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main,
  • Die Habenichtse. Roman. EA 2006. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007, ISBN: 978-3-518-45910-2
  • Überlandleitung. Prosagedichte. EA 2007. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007, ISBN: 978-3-518-41909-0
  • Alix, Anton und die anderen. Roman. EA 2009. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN: 978-3-518-42127-7
  • Die Erdbeeren von Antons Mutter. Novelle. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN: 978-3-10-030064-5
  • Eine Dorfgeschichte. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2011. ISBN: 978-3100300669
Übersetzungen
  • Leah Aini: Eine muß da sein. Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1997, ISBN: 978-3-518-40924-4
  • Jossi Avni: Der Garten der toten Bäume. Roman in 15 Episoden. Übers. zus. mit Markus Lemke. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2002, ISBN: ISBN 3-518-39879-2

Hörbücher (Auswahl)

  • Die Habenichtse. 4 CDs. Der Audio Verlag, Berlin 2006, ISBN: 978-3-89813-638-9

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