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Oates, Joyce Carol

Joyce Carol Oates (geb. 16. Juni 1938 in Millersport/New York) ist eine amerikanische Schriftstellerin und Hochschuldozentin. Sie zählt zu den bedeutendsten amerikanischen Autorinnen der Gegenwart. Für ihre Romane, Erzählungen und Dramen wurde sie mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, unter anderem erhielt sie den National Book Award? (1970) und den Chicago Tribune Literary Prize (2006).

Leben und Schreiben

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Joyce Carol Oates wurde am 16. Juni 1938 in Millersport/New York geboren. Ihr Vater arbeitete als Werkzeugmacher in einer Fabrik. Joyce Carol Oates wuchs auf der Farm der Großeltern auf. Ihre jüngere Schwester Lynn war Autistin und kam früh in eine Heilanstalt. Nach der High School erhielt Joyce Carol Oates ein Stipendium und studierte ab 1956 Englisch und Philosophie an der Syracuse University. Später wechselte sie an die University of Wisconsin, wo sie 1961 ihr Studium erfolgreich beendete. Ihre Dissertation blieb unvollendet.

Von 1961 bis 1967 lehrte Joyce Carol Oates Englisch an der University of Detroit. 1967 ging sie nach Kanada, wo sie bis 1978 an der University of Windsor als Dozentin tätig war. Nachdem sie von 1978 bis 1981 als Writer in Residence? an der Princeton University gearbeitet hatte, wurde sie dort 1987 Professorin für Englisch und Kreatives Schreiben.

Lieferantin des „Playboy“

Neben dem Studium schrieb Joyce Carol Oates erste Short Storys, die in verschiedenen Literaturzeitschriften? veröffentlicht wurden. Mit beachtlichem Erfolg! Von Kommilitonen und Dozenten weiter zum Schreiben ermuntert, startete Joyce Carol Oates eine steile Karriere als Schriftstellerin. Inzwischen gehört sie zu den bedeutendsten amerikanischen Autorinnen der Gegenwart. Für ihre Romane, Erzählungen und Dramen wurde sie mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, so erhielt sie unter anderem den National Book Award? (1970) und den Chicago Tribune Literary Prize (2006). Einige ihrer Bücher wurden verfilmt.

Unter dem Deckmantel eines Pseudonyms? (Rosamond Smith, ein anderes lautete Lauren Kelly) verfasste sie ab Mitte der 1980er Jahre auch einige Psychothriller?, mit denen sie die Bestsellerlisten? eroberte. Daneben schrieb sie zahlreiche Off-Broadway-Stücke, die auch in Europa aufgeführt wurden und beim Publikum? großen Erfolg hatten. Außerdem belieferte sie den „Playboy“ mit fesselnden Short Storys und trat in großen amerikanischen Zeitungen als eloquente und scharfzüngige Literaturkritikerin auf.

Ein weiblicher Balzac

In ihren rund 60 Romanen und mehr als 300 Short Storys entwirft Joyce Carol Oates ein apokalyptisches Bild der USA. Sie zeigt eine Gesellschaft, die zwar an der Oberfläche in einem derartig gigantischen Wohlstand lebt wie noch niemals zuvor in ihrer Geschichte – schiebt man die blendende Erfolgskulisse jedoch einmal zur Seite, dann sieht man dahinter ökonomische Unterdrückung, politische Heuchelei, Rassen- und Frauendiskriminierung sowie den rasanten psychische Verfall der Menschen. Unter den amerikanischen Autoren der Gegenwart gibt es wohl keinen Zweiten, der den Erfolgsmythos des sprichwörtlichen „American dream“ derart eindrucksvoll und überzeugend zu Grabe getragen hat wie Joyce Carol Oates. Ein französischer Literaturkritiker bezeichnete deshalb Oates’ Lebenswerk als die gesammelten Totenbücher? der ebenso modernen wie perversen amerikanischen Kultur.

Joyce Carol Oates siedelt ihre spannenden Geschichten in ständig wechselnden Milieus an: mal in wohlhabenden Vorstädten, mal auf dem Land, mal in der Metropole, mal im akademischen Betrieb oder in der Familie. Ihr universeller Blick und ihre schier unerschöpfliche Schaffenskraft führen immer wieder dazu, dass Oates von der Literaturkritik mit Honoré de Balzac? und William Faulkner verglichen wird. Sie ist mehrfach für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen worden.

„Bellefleur“ (1980)

Am bekanntesten ist ihr Roman „Bellefleur“ (1980; dt. 1982) – eine komplexe und düstere Familienchronik, in der sich die amerikanische Geschichte der vergangenen zweihundert Jahre auf eindrucksvolle Art spiegelt. Die Handlung reicht von der Besiedlung New Yorks bis ins Jahr 1980. Es geht um Familienfluch, Rache, Erbschaft, Gier und Fehden – aber auch um dämonische Zwerge, Hexenglaube und verwunschene Wälder. In „Bellefleur“ wendet sich Oates von ihren realistischen Anfängen als Erzählerin ab (u.a. „Marriages and Infidelities“, 1972; dt. „Lieben, Verlieren, Lieben“, 1980), fortan verbindet sie verschiedene Genres wie Frauenroman, Märchen, Liebesromanze und Schauerroman zu einem eleganten modernen Literatur-Mix. Weitere sehr lesenswerte Beispiele für diese Art von Literatur sind die Romane „A Bloodsmoor Romance“ (1982; dt. „Die Schwestern von Bloodsmor“, 1984) und „Mysteries of Winterthurn“ (1984; dt. „Die Geheimnisse von Winterthurn“, 1985).

Kritiker warfen ihr vor, sich mit ihren neueren Romanen zu sehr am trivialen Massengeschmack zu orientieren. Als Beleg dafür führten sie den hohen Anteil an Sex und Gewalt ins Feld. In den Jahren zwischen 2000 und 2008 erschienen mehr als zehn Bücher von Joyce Carol Oates auf Deutsch. Darunter befindet sich auch ihr erster Jugendroman? „Unter Verdacht. Die Geschichte von Big Mouth und Ugly Girl“ (dt. 2003), der in der Presse viel Beachtung fand. Weitere Jugendromane? aus Oates’ Feder sind „Mit offenen Augen“ (dt. 2005) und „Sexy“ (dt. 2006).

„Du fehlst“ (2005)

Eine gelungen lakonische Schilderung des Mordgeschehens und vor allem eindrückliche Frauenporträts fand der Rezensent von Deutschlandradio Kultur in Oates' Roman „Missing Mom“ (2005), der 2008 unter dem Titel „Du fehlst“ auf Deutsch erschienen ist. Eine bravouröse Leichtigkeit mit enormen unterirdischen Epikvorkommen sei bei Oates spürbar. Ihr gehe es darum, den Plot voranzutreiben und eine "ausgiebige Portion Leben aufzutischen". Tatsächlich ist das Verbrechen selbst nicht das Wichtigste in diesem Buch, sondern das, was es auslöst im Leben von Nikki Eaton, einer Frau Anfang dreißig. Sie hat immer ein schlechtes Verhältnis zu ihrer Mutter gehabt. Doch als sie es mit ihr klären will, kommt sie zehn Minuten zu spät: Gwen, die Mutter, ist Opfer eines Raubüberfalls geworden. Für Nikki beginnt ein Jahr voller widerstreitender Gefühle - das Trauerjahr ...

Joyce Carol Oates ist seit 1961 mit Raymond J. Smith verheiratet, der als Professor für Englisch und Literatur an der University Princeton lehrt. Sie lebt mit ihrem Mann in Princeton.

"Geheimnisse" (2007)

The Gravedigger's Daughter (auf Deutsch 2010 erschienen)

Geheimnisse ist die Geschichte einer Selbstverleugnung. Nur durch Selbstverleugnung kann sich Rebecca befreien. Sie kam 1936 auf der Flucht aus Europa nach Amerika auf einem Schiff zur Welt. Wie Rebecca die Geburt im Elend überstand, ist die Frage, die sie sich noch als Erwachsene stellt. In München, wo die jüdischen Eltern wohnten, zählten sie zum Bildungsbürgertum. In Milburn nördlich von New York bezieht man ein altes Steinhaus des örtlichen Totengräbers. Und Rebeccas Vater wird „Totengräber! Kraut! Nazi! Jude!“ gerufen. Darüber verzweifelt er, kauft ein Gewehr, erschießt seine Frau und dann sich. Sein Hirn spritzt auf die Unterarme Rebeccas, die ab diesem Zeitpunkt auf sich allein gestellt ist. Damals ist Rebecca 13 Jahre alt.

Geheimnisse verfolgt Rebecca ans College, ins Hotel, wo sie als Zimmermädchen arbeitet … Irgendwann begegnet sie Niles Tignor, einem etwa 20 Jahre älteren Mann, der wie sie selbst selten darüber spricht, wer er ist. Rebecca ist jetzt 17 und fällt auf Niles Tignor herein, denn der erweist sich als kriminell und gewalttätig. Beide Partner haben Geheimnisse. Beide haben etwas zu verbergen. Das Paar bekommt einen Sohn. Der Ehemann prügelt Rebecca eines Nachts fast zu Tode. Das löst nach sechs leidvollen Jahren Rebeccas Flucht mit dem Sohn aus. Eine neue Identität als Hazel Jones ermöglicht ihr ein neues Leben und eine neue Identität, eine Emanzipation. Aus der Tochter eines Totengräbers wird eine verheiratete, gut gekleidete Frau und Mutter eines erfolgreichen Pianisten. Aber für diese Emanzipation muss sie wie andere Frauen im Amerika der Nachkriegszeit einen Preis bezahlen.

Gegen diesen Preis – Rebecca muss, um zu leben, Geheimnisse hüten – begehrt Joyce Carol Oates auf und klagt Amerika an.

Der Roman zeigt eine Handlung, die sich in sechs Jahrzehnten entfaltet: Er beginnt 1959, geht dann 23 Jahre zurück und erzählt von da an weitgehend chronologisch bis 1974. Der Epilog? springt in die Jahre 1998/99. Darin sind viele fesselnde Einzelheiten enthalten. Die Autorin schreibt zwar überwiegend sachlich, aber hin und wieder klingt das Genre rührseliger Schicksalsromane an. Trotzdem ist das Buch inspirierend. Oates, die selbst unter einfachsten Bedingungen aufwuchs, scheint an vielen Stellen dieses Buches aus eigener Erfahrung zu schreiben.

Übrigens ...

gibt Joyce Carol Oates gemeinsam mit ihrem Mann die in den USA sehr angesehene Literaturzeitschrift? „Ontario Review of Books“ heraus – Ziel dieser Publikation ist es unter anderem, unbekannten und jungen Autoren zum literarischen Durchbruch zu verhelfen.

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

  • Lieferbare Werke von Joyce C. Oates bei Jokers
  • Lieben, verlieren, lieben. EA 1972. München, dtv 1982, ISBN: 978-3423100328
  • Bellefleur. EA 1980. München, dtv 2005, ISBN: 978-3423208833
  • Die Schwestern von Bloodsmoor. Ein romantischer Roman. EA 1982. München, dtv 2006, ISBN: 978-3423209212
  • Zombie. EA 1995. München, Deutsche Verlags-Anstalt 2000, ISBN: 978-3421051783
  • Unter Verdacht. Die Geschichte von Big Mouth und Ugly Girl. EA 2002. München, Carl Hanser Verlag 2003, ISBN: 978-3446203020
  • Mit offenen Augen. Die Geschichte von Freaky Green Eyes. EA 2003. München, Carl Hanser Verlag 2005, ISBN: 978-3446206052
  • Du fehlst. EA 2005. Frankfurt am Main, S. Fischer Verlag 2008, 488 S., ISBN: 978-3100540140

Hörbücher

  • Ich schließe mich selbst ein. CD. Hamburg, Hoffmann und Campe 2007, ISBN: 978-3455305111

Sekundärliteratur

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