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Trivialliteratur

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Trivialliteratur ist eine Bezeichnung für literarische Erzeugnisse, die sich inhaltlich und vor allem sprachlich-stilistisch von der so genannten hohen Literatur? unterscheiden. Obwohl die Beschäftigung mit der Trivialliteratur seit den 1960er Jahren ein fester Bestandteil der Germanistik? ist, ist die Bezeichnung umstritten.

Foto: Didi01 / pixelio.de

Definition

Trivialliteratur (frz. trivial = alltäglich, vulgär, abgedroschen; von lat. trivialis = jedermann zugänglich, auf Gemeinwegen befindlich) ist eine abwertende Bezeichnung für literarische Erzeugnisse, die nicht dem Bildungskanon? zugerechnet werden. Verschiedene Literaturlexika? definieren Trivialliteratur als „niederes und literarisch wertloses Unterhaltungsschrifttum“, das sich inhaltlich und vor allem sprachlich-stilistisch von der so genannten hohen Literatur? unterscheidet. Die Trivialliteratur ist gattungsmäßig nicht festgelegt, sie reicht vom Liebesgedicht (Lyrik), über das Boulevardtheater (Drama) bis hin zum Arztroman? (Epik).

Kennzeichen der Trivialliteratur sind unter anderem flache Figuren, eindimensionale Handlung, Happyend, Schwarz-Weiß-Zeichnungen, stereotyper Aufbau, klischeehafte Sprache und wiederkehrende Themen wie z. B. Abenteuer, Liebe, Heimat, Verrat, Verbrechen, Gräueltat, Katastrophe, Science Fiction. Dieser schablonenhafte „Bauplan“ soll den Nervenkitzel und die leichte Lesbarkeit der Texte garantieren, die oft als Groschenhefte? oder Taschenbücher am Kiosk, an Tankstellen oder im Zeitschriftenhandel vertrieben werden.

Der Begriff Trivialliteratur wurde in den 1920er Jahren in die Literaturwissenschaft und die Literaturkritik eingeführt und ist seitdem umstritten. Auf die damalige Zeit geht auch das Dreischichtenmodell? zurück, das noch heute in der Literaturwissenschaft verwendet wird. Das Dreischichtenmodell? unterscheidet zwischen hoher Literatur? (obere Schicht), Unterhaltungsliteratur? (mittlere Schicht) und Trivialliteratur (untere Schicht). Seit den späten 1960er Jahren ist die Beschäftigung mit der Trivialliteratur ein anerkanntes Forschungsgebiet der Germanistik?. In jüngster Zeit wird die Bezeichnung Trivialliteratur häufig durch weniger abwertend besetzte Begriffe wie Massenliteratur und populäre Literatur ersetzt.

Häufige Kritikpunkte am Dreischichtenmodell? sind seine Unwissenschaftlichkeit und Subjektivität. Denn die Normen, auf deren Grundlage literarische Erzeugnisse gepriesen oder verworfen werden, unterliegen einem ständigen gesellschaftlichen, ästhetischen und politischen Wandel. Das lässt sich an einem Beispiel veranschaulichen: Als Edgar Allan Poe in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts seine ersten Schauergeschichten veröffentlichte, galten diese vielen europäischen Lesern? mit klassischem Bildungshintergrund als trivial und gewöhnlich. Heute dagegen wird Poe als einer der wenigen amerikanischen Schriftsteller von Weltrang gefeiert. Ob die beliebte Groschenheft-Reihe? „Dr. Wolke, der Alpenarzt mit dem heilenden Herzen“ eine ähnliche Transformation erleben wird wie Edgar Allen Poe, wird sich in der Zukunft zeigen.

Entstehung

Die Anfänge der Trivialliteratur lassen sich bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen. In der damaligen Zeit waren in Europa religiöse? Einblattdrucke? weit verbreitet, die vor allem Bibelszenen und das Leben der Heiligen und Märtyrer darstellten. Bereits diese religiösen Druckerzeugnisse enthielten als zentrales Element eine drastisch-anschauliche Darstellungsweise, die später fester Bestandteil der weltlichen Trivialliteratur wurde. Ebenfalls bis ins 15. Jahrhundert reicht die Tradition der Einblatt-Wandkalender? zurück, aus denen im 16. und 17. Jahrhundert die Kalenderhefte? hervorgingen, die neben belehrenden Lebensregeln auch Horoskope, Rätsel, Schauer- und Sensationsgeschichten enthielten.

Entwicklung

Ihre erste Blüte erlebte die Trivialliteratur im frühen 19. Jahrhundert. Wichtige Grundlagen dieser rasanten Entwicklung waren die zunehmende Alphabetisierung? der städtischen Bevölkerung, die verbesserten Produktionstechniken für literarische Druckerzeugnisse und das Aufkommen des gewerblichen Bibliothekwesens. In dieser Zeit erblickte auch eine neue Berufsgruppe das Licht der lesebegeisterten Welt: der Hausierer, der dem breiten Publikum an der Haustür oder an der Straßenecke schnell und billig erzeugten Lesestoff verkaufte. Die beliebtesten Themen waren Albernheit, Schicksal, Sensation und Erotik – die gleichen populären Inhalte, mit denen die Medien auch heute noch die Aufmerksamkeit des breiten Publikums zu gewinnen suchen.

Edgar Allan Poe erhob das Triviale zur Kunst

Im 19. Jahrhundert schwappte von England aus die Welle der trivialen Familien- und Frauenromane auf das europäische Festland über. Als Vorläufer und Meister dieser empfindsam-sentimentalen Literatur gelten Samuel Richardson? und Johann Martin Millers?. In die gleiche Zeit fällt der Siegeszug der Räuber- und Abenteuerromane, die den romantischen Freiheitsdrang und das exotische Fernweh des oft in ebenso beengten wie schwierigen sozialen Verhältnissen lebenden Publikums befriedigten. Die mit Abstand populärste Gattung wurde jedoch der Schauerroman, der, aus den USA und England kommend, in Europa zahllose Leser und Nachahmer fand.

Zur literarischen Kunstform erhoben wurde dieses Genre von Edgar Allan Poe. Die meisten seiner Epigonen? erreichten jedoch nicht Poes Meisterschaft und fielen vor allem sprachlich-ästhetisch stark ab. Auch die Anfänge der ebenfalls zu enormer Popularität gelangten Kriminal- und Horrorliteratur sowie der erotischen Literatur? liegen im 19. Jahrhundert.

Der gläserne Konsument

Von dort aus führt eine direkte Linie ins 20. Jahrhundert, das neben einigen neuen Genres wir z. B. dem trivialen Zeitroman vor allem eine Ausdifferenzierung der bereits vorhandenen Genres brachte. Unter Ausnutzung von psychologischen, soziologischen und ökonomischen Forschungsergebnissen wurden Form und Inhalt der Trivialliteratur auf die Bedürfnisse der zumeist kleinbürgerlichen Konsumenten zugeschnitten. Moderne Formen der Trivialliteratur sind unter anderem Soap operas?, TV-Familienserien? und Videoclips.

Literatur

  • May, Karl: Winnetou I. Karl-May-Verlag, Bamberg 1992, ISBN: 978-3780200075
  • Poe, Edgar Allan: Erzählungen. Reclam, Ditzingen 1989, ISBN: 978-3150086193
  • Rhodan, Perry: Raumschiff des Mächtigen. Edel Entertainment, Hamburg 2008, ISBN: 978-3811840904

Sekundärliteratur

  • Melzer, Helmut: Trivialliteratur. Oldenbourg Verlag, Oldenbourg 1985, ISBN: 978-3486025323
  • Nusser, Peter: Trivialliteratur. Metzler, Stuttgart 1991, ISBN: 978-3476102621
  • Nutz, Walter / Genau, Katharina / Schlögell, Volker: Trivialliteratur und Popularkultur. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2002, ISBN: 978-3531124681

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