diesen Kommentar bitte stehen lassen Hauptseite | Buchmenschen | Buchmenschen A-Z | W | Widmer, Urs


Bitte Krümelpfad oben nicht verändern, erst ab hier nach unten Texte ändern

Widmer, Urs

Urs Widmer (geb. 21. Mai 1938 in Basel) ist ein Schweizer Schriftsteller, Dramatiker und Essayist. Für seine literarischen Werke? wurde er mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet.

Leben und Schreiben

Urs Widmer - (c) by Regine Mosimann/Diogenes Verlag

Urs Widmer wurde am 21. Mai 1938 in Basel geboren. Der Vater Walter Widmer war Französischlehrer an einem Gymnasium. Daneben veröffentlichte er Literaturkritiken und übersetzte Bücher von François Villon?, Honoré de Balzac? und Gustave Flaubert?. Die Mutter Clara soll dem Vernehmen nach vor ihrer Ehe eine kurze, aber heftige Affäre mit dem bekannten Baseler Dirigenten Paul Sacher gehabt haben.

Widmer studierte Germanistik, Romanistik? und Geschichte an verschiedenen Universitäten – unter anderem in Montpellier und Paris. 1966 schloss er das Studium mit einer Promotion über die deutsche Nachkriegsprosa ab („1945 oder die ‚Neue Sprache’. Studien zur Prosa der Jungen Generation“). Im Anschluss an das Studium ging Widmer zum Walter-Verlag? in Olten, wo er als Lektor tätig war. Später wechselte er zum Suhrkamp Verlag nach Frankfurt am Main.

Meister in der Anverwandlung

Von 1967 bis 1984 lebte Widmer als freier Schriftsteller in Frankfurt am Main. Er verfasste Literaturkritiken für die „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und andere überregionale Blätter. Außerdem war er Dozent für Neuere deutsche Literatur? an der Frankfurter Universität. 1968 gründete er zusammen mit anderen Lektoren den „Verlag der Autoren?“.

Kurz nach der Verlagsgründung debütierte Widmer als Schriftsteller mit der kurzen Erzählung „Alois“ (1968). Diese Erzählung enthält bereits eine Reihe von Merkmalen, die auch für das spätere Werk? Widmers charakteristisch sind. Dazu gehören vor allem die große Lust am Fabulieren, die Auflösung der Einheit von Raum und Zeit, das subtile Spiel mit Ironie? und Parodie sowie die Skepsis gegenüber der eigenen Sprache. Widmer selbst bezeichnete als das Ziel seines Schreibens die Abschaffung der Entfremdung und die Aufdeckung von tabuisierten Lüsten und Ängsten.

Der Literaturkritiker Dieter Bachmann sah in Widmer vor allem den Meister in der Anverwandlung vorgefundener Stoffe. Dieses Urteil ist für eine ganze Reihe von Romanen und Erzählungen zutreffend, die in der Folge von „Alois“ entstanden. 1971 veröffentlichte Widmer den Roman „Die Amsel im Regen im Garten“, in dem er den traditionell-realistischen Bildungs- und Entwicklungsroman parodiert. Im Zentrum der Handlung steht der Bäcker Karl, der zu seinen Lehr- und Wanderjahren in die weite Welt aufbrechen möchte – doch was er auch tut, er tritt auf der Stelle und kommt nicht vom Fleck. Diese Bewegungshemmung spiegelt sich im parataktischen? Erzählstil? des Romans wieder, bei dem einfache, gleichberechtigte Hauptsätze, nebeneinandergereiht werden.

„Die Forschungsreise“ (1974)

Der 1974 erschienene Roman „Die Forschungsreise. Ein Abenteuerroman“ markiert einen frühen Höhepunkt im literarischen Schaffen Widmers. Der Roman, der als eine der gelungensten Parodien der deutschsprachigen Literatur gilt, stieß bei Kritik und Publikum auf außergewöhnliche Resonanz. Der von klaustrophobischen Nöten gepeinigte Erzähler hat einen Lebenstraum: Er möchte der Alltagswelt entfliehen und an die Grenzen der Erfahrung und des Wissens vorstoßen. Also stellt er sich seine Forscherausrüstung zusammen und seilt sich – nicht ohne einen grotesken Abschiedsbrief? zu hinterlassen – vom Balkon seiner Frankfurter Wohnung ab. Auf seinem Weg, der von allerhand episodenhaften? Abenteuern gesäumt ist, gedenkt er seiner berühmten Vorgänger und Vorbilder unterm Forscherhelm: Dazu zählen der Eroberer der Pole, Robert F. Scott, der Afrikaforscher Stanley und der Mount-Everest-Erklimmer Hillary. Am Ende seines mit fantastischen Erwartungen verbundenen Abenteuerweges, der ihn auf einen Schweizer Berggipfel führt, wartet jedoch eine herbe Enttäuschung auf den Erzähler: Touristen, Zigaretten und Plastikmüll.

Auch Widmers Theaterstücke fanden bei Kritik und Publikum? große Beachtung. Zu nennen ist hier vor allem das Kriminalstück? „Die lange Nacht der Detektive“ (1973), die Dialektkomödie „Der neue Noah“ (1984) und das satirische Schauspiel „Jeanmaire. Ein Stück Schweiz“ (1992). In Letzterem beleuchtet Widmer die Rolle der Schweizer Gesandten in Berlin während des Nationalsozialismus. 1997 sorgte Widmer beim Berliner Theatertreffen mit seinem Stück „Top Dogs“ für Furore. Darin nimmt er die instabile Psyche von Spitzenmanagern unter die Lupe.

„Der Geliebte der Mutter“ (2000)

1991 veröffentlichte Widmer unter dem Titel „Die sechste Puppe im Bauch der fünften Puppe im Bauch der vierten und andere Überlegungen zur Literatur“ einen Band mit seinen gesammelten Grazer Poetik-Vorlesungen. Darin gewährt Widmer Einblicke in seine Arbeitsweise und seine Ambitionen als Schriftsteller. Mit viel Kritikerlob wurde auch das Erscheinen der beiden Romane „Der Geliebte der Mutter“ (2000) und „Das Buch des Vaters“ (2004) begleitet, in denen Widmer die Geschichte seiner Familie aufarbeitet. Dabei wechselt er mühelos zwischen melancholischen und heiteren Passagen, zwischen persönlichen Erfahrungen und Zeitbildern, in denen er die Geschichte des 20. Jahrhunderts illustriert.

„Ein Leben als Zwerg“ (2006)

Ein Zwerg aus Gummi ist der Held in Widmers Roman „Ein Leben als Zwerg“ (2006). Und dieser Zwerg, der nur dann zum Leben erwacht, wenn kein Mensch ihn anschaut, ist der treue Begleiter des kleinen Uti. Gemeinsam gehen sie durchs Leben. Die Reaktion der Fachkritik auf den Roman fiel überwiegend negativ aus. Moniert wurde, dass die Geschichte nicht gerade viel Charme besitze und auf keiner Ebene funktioniere, ebenso die harmlose Ironie?.

Nach dem Vorbild seines Vaters ist auch Urs Widmer als Übersetzer tätig. So hat er zum Beispiel Joseph Conrads? Roman „Herz der Finsternis“ ins Deutsche übertragen.

Die Autobiographie (2013)

Unter dem Titel "Reise an den Rand des Universums" brachte Urs Widmer 2013 seine Autobiographie heraus. Sie umfasst die Zeit zwsichen seinem Geburtsjahr 1938 und dem Jahr 1968. Im Interview? mit dem Diogenes Magazin erklärte er dazu, auch in seinen früheren Büchern? sei schon mehr Erinnertes, als es auf den ersten Blick scheine. So sei dieses Buch nun der logische Schritt gewesen: das freigelegte Material eins zu eins zu verarbeiten. Wobei es da auch nicht ohne Erfinden gegangen sei, schließlich müsse man Sinnlücken füllen. Durch die Form und Art des Erzählens sei doch auch weider etwas Romanhaftes entstanden. In der Tag setzt die Autobiographie mit sinnlichen Wahrnehmungen aus der Perspektive des Neugeborenen ein, die unmöglich erinnert sein können.

Urs Widmer lebt in Basel. Seine Frau ist Psychoanalytikerin.

Übrigens ...

antwortete Urs Widmer, von der Leipziger Autorenschule Textmanufaktur? gefragt, was er jungen Autoren mit auf den Weg geben würde, mit einem einzigen Wort: "Demut".

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

  • Bücher von Urs Widmer bei Jokers
  • Das enge Land. OA 1981.
  • Liebesnacht. OA 1982.
  • Der Kongreß der Paläolepidopterologen. OA 1989.
  • Die sechste Puppe im Bauch der fünften Puppe im Bauch der vierten und andere Überlegungen zur Literatur. Grazer Poetikvorlesungen. OA 1991.
  • Der blaue Siphon. OA 1992.
  • Im Kongo. OA 1996.
  • Das Buch des Vaters. OA 2004.
  • Ein Leben als Zwerg. OA 2006.
  • Valentin Lustigs Pilgerreise. Bericht eines Spaziergangs durch 33 seiner Gemälde. OA 2008.
  • Herr Adamson. Roman. OA 2009.
  • Stille Post. Kleine Prosa. OA 2011.
  • Reise an den Rand des Universums. Autobiographie. OA 2013.

Hörbücher

Sekundärliteratur

  • Arnold, Heinz Ludwig: Urs Widmer (TEXT+KRITIK 140). München, edition text + kritik 1998, ISBN: 978-3883775876

Links

Bitte Krümelpfad unten nicht verändern


Hauptseite | Buchmenschen | Buchmenschen A-Z | W | Widmer, Urs

Daten hochladen
Buecher-Wiki Verlinken
FacebookTwitThis
Pin ItMister Wong
RSS-Feed RDF-Feed ATOM-Feed

schliessen