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Drama

Das Drama gehört neben Epik und Lyrik zu den drei literarischen Grundgattungen. Die Handlung eines Dramas wird zumeist unmittelbar und gegenwärtig auf der Bühne präsentiert. Es gibt verschiedene Formen des Dramas (siehe unten). Kein eigene, literaturwissenschaftlich bestimmte Form stellt das "Theaterstück" dar - dieser Begriff wird oft umgangssprachlich? und sehr allgemein als Synonym? für Drama verwendet.

Definition

Das Drama (auch: Dramatik) ist neben der Epik und der Lyrik eine der drei literarischen Grundgattungen. Als eine solche wird es häufig auch „literarische Großform“ genannt. Das Wort Drama stammt aus dem Altgriechischen (dráma = Handlung) und bezeichnet Theaterstücke mit Textgrundlage. Kennzeichnend für das Drama ist die Darstellung einer in sich abgeschlossenen Handlung durch Dialoge?. Diese Handlung wird unmittelbar und gegenwärtig auf der Bühne präsentiert.

Nach einem modernen Verständnis werden Dramen verfasst, um von Schauspielern im Theater aufgeführt zu werden. Häufig beinhalten sie daher nicht nur Dialogtexte?, sondern auch Anweisungen für Schauspieler, seit dem 19. Jahrhundert auch für Regisseure. Durch seine Ausrichtung auf das Theater zielt das Drama nicht auf den Leser, sondern will ein Theaterpublikum erreichen. Eine Ausnahme bilden Lesedramen?, die nicht für die Bühne konzipiert worden sind.

Aufbau

Das Drama beinhaltet in der Regel einen Haupttext mit direkter fiktiver Rede der Figuren. Diese ist in Monologe? oder Dialoge? eingebettet. Nahezu alle Informationen werden durch die Figurenrede vermittelt. Das gilt auch für zeitlich oder räumlich ferne Ereignisse. Diese teilen die Figuren zum Beispiel durch das Vorlesen eines Briefes oder mit Hilfe einer „Mauerschau“ (eine Figur erzählt, was sie in der Ferne sieht) mit. Der Haupttext eines Dramas wird oft von einem Nebentext begleitet, in dem das Geschehen kommentiert oder die Figuren arrangiert werden. Seit dem 20. Jahrhundert sind dank moderner Technik auch mediale Vermittlungen via Tonbandaufnahmen oder Video-Installationen üblich, um ein Geschehen zu vermitteln oder zu kommentieren.

Dramen gliedern sich im Normalfall in Akte?, die wiederum in Auftritte oder Szenen unterteilt sind. Klassische (Aristotelische?) Dramen bestehen nach spätantikem Muster aus drei Akten? (Komödien) oder fünf Akten (Tragödien). Von der Antike bis zum Ende des 19. Jahrhunderts waren klassische Dramen nach festen Regeln aufgebaut.

Für Komödien in drei Akten? galt im Regelfall: Von der Exposition? (Einleitung, Ausgangspunkt) im 1. Akt?, über die Peripetie? (Wende- oder Höhepunkt) im 2. Akt bis zum Ende (Auflösung) im 3. Akt? wird die Handlung nach einem festen Schema aus den Dialogen? heraus entwickelt.

Für Tragödien in fünf Akten? folgt der Exposition? (1. Akt) ein erregender Moment (Konfliktauslösung) im 2. Akt?, ehe im 3. Akt die Peripetie? vorgesehen ist. In Tragödien wird der Hauptfigur damit normalerweise die Möglichkeit des freien Handelns entzogen. Im 4. Akt? sorgen retardierende Momente? für Verzögerungen und scheinbare Änderungen zum Positiven, ehe der Handlungsverlauf im 5. Akt? in einer Katastrophe (Auflösung des Konfliktes) mündet. Mit der Katastrophe am Schluss bezweckte Aristoteles? eine Katharsis?, also eine seelische „Reinigung“ der Zuschauer durch Furcht oder Mitleid.

„Über die Dichtkunst“

Das theoretische Grundgerüst für den Aufbau klassischer Dramen lieferte der griechische Philosoph Aristoteles? (384-322 v. Chr.) in seiner Poetik „Über die Dichtkunst“. Neben den eben genannten Strukturmerkmalen sind seine „drei Aristotelischen Einheiten“ Prinzipien zur Konstruktion von Dramen. Demnach sollen die Zeit, der Raum und die Handlung eines Dramas einheitlich bleiben. Es gibt also keine Zeitsprünge, Ortswechsel oder Nebenhandlungen. Diese Form nennt man auch geschlossenes Drama?. Berühmte Beispiele sind Sophokles'? „Antigone“ (um 442 v. Chr. erstmals aufgeführt) und Goethes „Torquato Tasso“ (1790; in Weimar 1807 uraufgeführt).

Im Gegensatz zum klassischen Drama orientieren sich moderne und zeitgenössische Theaterstücke meist nicht mehr an Aristoteles'? Vorgaben – weder was den Aufbau, noch was die Einheit von Ort, Raum und Zeit betrifft. So sind moderne Stücke des epischen Theaters? häufig nach losen Szenenfolgen arrangiert und enden mit einem ungelösten Konflikt. Auch Einakter? haben sich als eigenständige Form etabliert.

Einen Gegenpol zur geschlossenen Form? bildet das offene Drama?. Es zeichnet sich durch die komplexe Verhältnisse von Ort, Zeit und (oft mehrsträngiger) Handlung aus. An die Stelle einer chronologischen Handlungsführung treten lose verbundene Episoden. Statt dessen sorgen wiederkehrende Leitmotive? oder Sprachbilder für Verknüpfungen. Darüber hinaus wird häufig eine alltägliche Sprache verwendet. Auch die Darstellung gestörter Kommunikationsvorgänge bis hin zur Sprachlosigkeit wird oft thematisiert. Beispiel für ein Offenes Drama: Büchners „Woyzeck“, das er 1837 nach seinem frühen Tod als Fragment? zurückließ und das 1879 erstmals publiziert wurde.

In seiner Monographie? „Geschlossene und offene Form im Drama“ (1960) stellte der Literaturwissenschaftler? und Dramaturg? Volker Klotz? die beiden Formen einander gegenüber und übte damit großen Einfluss auf die Dramenforschung aus. In unterschiedlichen Abstufungen sind zudem Mischtypen aus geschlossener und offener Form des Dramas möglich.

Ebenso wie die anderen beiden literarischen Grundgattungen hat sich die Form des Dramas im Zuge historischer und gesellschaftlicher Entwicklungen verändert. Es herrscht eine Vielfalt an Formen, für mit den Kategorien „offen“ und „geschlossen“ nur unzureichend beschrieben sind. Dramen lassen sich ebenso in den Kontext bestimmter Epochen, nach ihrem Ideengehalt oder nach der Stoffwahl einordnen. Oft treffen verschiedene Kriterien der Bewertung zu. So lassen sich die drei letztgenannten Kategorien zum Beispiel ebenso auf das Elisabethanische Theater? (16. Jahrhundert) wie auf das Bürgerliche Trauerspiel? (18. Jahrhundert) anwenden.

Verschiedene Formen des Dramas weisen typische Merkmale auf, mit denen sie sich genauer beschreiben lassen. Die Tragödie (Trauerspiel) etwa führt dem Publikum das Scheitern des Helden vor Augen. In der Komödie] (Lustspiel) hingegen wird ein ein innerer Konflikt (Charakterkomödie) oder eine äußere Verwicklung (Situationskomödie) humorvoll oder ironisch-satirisch gelöst. Ähnliche Formen sind Posse?, Farce? und Schwank?. Die Tragikomödie? wiederum kombiniert tragische mit komischen Elementen. Spezifische Formen der Moderne sind das Epische Theater? nach Brecht (auf das hier im Folgenden unter Entwicklung eingegangen wird), das Dokumentarische Theater?, das Absurde Theater und die Postdramatik?.

Verschiedene Formen

Entstehung

Das Drama entwickelte sich im antiken Griechenland als Teil des Dionysoskultes, dessen Stoffe überwiegend mythologischen Überlieferungen entnommen waren. Dionysos war der Sohn des Zeus und der Gott des Weines. Ihm zu Ehren wurden ab dem 5. Jahrhundert vor Christus trinkfreudige Feste gegeben. Durch die Aufnahme mimetischer Elemente? (darstellende Nachahmung mit körperlichen Mitteln) in die liturgische Feier entsteht das Drama im Rahmen der kultischen Feiern.

Die Komödie hat ihren Ursprung in der Verbindung aus dionysischen Maskenzügen mit improvisierten Stegreifspielen. Bedeutende Verfasser von Komödien in der griechischen Antike waren Aristophanes? und Menander?.

Für die Entstehung der Tragödie nimmt man an, dass die Chorlieder im Laufe der Zeit mehr und mehr mit dialogischen Elemente? angereichert wurden. Solange, bis der Dichter Arion? dem Chor der Feier einen Sprecher (Hypokités) voranstellte. Mit diesem Schritt begann die Entwicklung des Kultliedes zur Tragödie. Schließlich wurde im Zuge des Festes für Dionysos ein dramatischer Wettbewerb mit jeweils drei Tragödiendichtern ins Leben gerufen.

In der Folgezeit löste sich die Tragödie aus dem Rahmen des Kultischen heraus. Zwischen 500 und 400 vor Christus wurden geschätzte 1500 Dramen uraufgeführt. Ein Fünftel davon werden den drei berühmtesten Tragödien-Dichtern der griechischen Antike zugeschrieben: Aischylos, Sophokles? und Euripides?. In den vielen dieser Werke dreht es sich um die überragende Macht der Götter, die das Schicksal der Menschen bestimmen.

Einen theoretischen Überbau schafft Aristoteles?. Mit Hilfe der „drei Aristotelischen Einheiten“ ging es ihm darum, das Drama vom Epos abzugrenzen. Epen hatten sich demnach zumindest nicht an die einheitliche Raum-Zeit-Struktur zu halten. In vielen der klassischen Tragödien, die vor Aristoteles? verfasst worden waren, wurden dessen Regeln allerdings nicht eingehalten (zum Beispiel von Aischylos).

Auch zählt Aristoteles? in seinem (nur bruchstückhaft überliefertem) Werk „Über die Dichtkunst“ wesentliche Merkmale der Tragödie auf. So schreibt er, dass das „Wichtigste davon der Aufbau der Handlung [ist]. Denn die Tragödie ist nicht Nachahmung von Menschen, sondern von Handlungen und Lebensweisen, von Glück und Unglück.“ Als Held tritt ein edler Mensch mit einem starken Bewusstsein in Erscheinung, der Fehler begeht und sich schuldig macht. Wichtig ist die Identifikation der Zuschauer mit dem Helden, damit aufgrund einer tiefen Ergriffenheit eine Katharsis? erfolgen kann. Die Komödie hingegen gilt Aristoteles? als die Theaterform der „geringeren Menschen“. Weniger formstreng wurden darin Gesellschaftskritik und derbe Komik in einem oft lockeren Handlungsgefüge verbreitet.

Entwicklung

Das römische Drama übernahm im Wesentlichen die Merkmale des griechischen Dramas. Die Tragödie des Seneca? hatte als formales Vorbild prägenden Einfluss auf das Drama der Renaissance und des Barock. Plautus? und Terenz? wiederum waren die bedeutendsten römischen Autoren von Komödien.

Im Mittelalter entstand das geistliche Spiel? aus liturgischen Wechselgesängen (Osterliturgie). Dieses Spiel entwickelte sich über szenische Darstellungen des Gesungenen in der Kirche zu Aufführungen an anderen Orten, insbesondere auf Marktplätzen. Parallel dazu verlief die Ablösung des Lateinischen durch Volkssprachen.

Um 1500 führte die Auseinandersetzung des europäischen Humanismus mit der Antike zur Herausbildung eines vom geistlichen Spiel? unabhängigen Dramas nach antikem Vorbild (lateinisches Humanistendrama?). Davon und vom Fastnachtsspiel? beeinflusst, wurde das Drama in der Reformationszeit auch für die Propaganda der jeweiligen Parteien genutzt (Schuldrama? mit antiken und biblischen Stoffen).

Renaissance und Barock

Der wesentliche Leitfaden in der Theorie des Dramas bleibt über Jahrhunderte die Poetik des Aristoteles? mit ihren Aussagen über die Tragödie. Wesentliche Begriffe, die immer wieder als Bezugspunkte dienten: Mimesis? (verstanden als Nachahmung), Katharsis? (verstanden als „Reinigung“ von Affekten) sowie die Einheit von Ort, Zeit und Handlung. Eine weitere Quelle ist die „Ars poetica“ des Horaz?. Beide Texte prägten entscheidend die Auseinandersetzungen um das Drama seit der Renaissance.

In der Renaissance und im Barock (16./17. Jahrhundert) legte man die „drei Aristotelischen Einheiten“ viel strenger aus als in den Beispielen, die Aristoteles? in seiner Poetik angibt. Dieser Tradition verpflichtet fühlten sich allen voran die Dramatiker der französischen Klassik, was eine vorübergehende Missachtung der Dramen Shakespeares zu Folge hatte, die sich an keine der drei Einheiten halten.

Die französische Klassik versuchte sich hingegen an einem festen Regelwerk für das Drama. In diesem Zusammenhang sind François Hédelin d'Aubignac? („La pratique du théâtre“, 1657) und Nicolas Boileau-Despréaux? („L'art poétique“, 1674) zu nennen. Die strenge Einhaltung der „drei Aristotelischen Einheiten“, ein Verständnis von der Mimesis? als reiner Nachahmung sowie das bewusste Ignorieren körperlicher, sinnlich wahrnehmbarer Zustände (zugunsten psychischer Transparenz) sind drei wichtige Punkte.

Bürgerliches Trauerspiel

Im deutschsprachigen Raum machte sich im frühen 18. Jahrhundert vor allem der Schriftsteller und Literaturtheoretiker Johann Christoph Gottsched? (1700-1766) für eine Rückbesinnung auf die „drei Aristotelischen Einheiten“ stark. Sie dienten ihm als Orientierung bei seinem Vorhaben, in Anlehnung an die Prinzipien der französischen Klassik ein nationales deutsches Theater einzuführen. Vorbilder waren dabei an der Antike orientierte, meist aus dem Französischen übersetzte Dramen von Molière? und Voltaire?.

Gottscheds? Unterfangen ist durchaus als eine Art Gegenbewegung zum vorherrschenden Zeitgeist zu verstehen: Das deutsche Drama war im 16. und 17. Jahrhundert geprägt von den so genannten Haupt- und Staatsaktionen. Ein volkstümliches Schauspiel, das ursprünglich von englischen Komödianten entwickelt worden war. Figuren wie der Possen reißende Hanswurst waren nicht in Gottscheds Sinne. Im deutschen Sprachraum waren zudem das deutschsprachige Schultheater? (Andreas Gryphius? u.a.) und das lateinische Jesuitentheater (z. B. Jakob Biedermann?) von Bedeutung.

Gottsched? plädierte auch für eine Ständeklausel – ein dramenpoetisches Prinzip, nach dem in Tragödien ausschließlich die Schicksale hoch gestellter Adliger dargestellt werden sollten. Für die Darstellung bürgerlichen Lebens waren demnach nur die Komödien zuständig. Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) wandte sich in seiner zweibändigen „Hamburgischen Dramaturgie“ (1768/1769) sowie in Briefwechseln mit Friedrich Nicolai? und Moses Mendelssohn? gegen Gottsched? und dessen als viel zu starr empfundene Regelpoetik.

Lessing schuf seinerseits das deutsche bürgerliche Trauerspiel? und mit „Nathan der Weise“ (1779) das klassische Ideendrama?, in dem die Gestaltung einer zentralen Idee im Mittelpunkt steht. In seiner Gesamtheit war das deutschsprachige Drama des 18. Jahrhunderts geprägt von der Entwicklung des bürgerlichen Theaters.

Weimarer Klassik

Alle ästhetischen Konzepte liefen auf eine Einbindung in den bürgerlichen Tugend- und Sittenkanon hinaus. Einen Höhepunkt dessen bildete die Weimarer Klassik?, in der die Tendenz zur Idealisierung am deutlichsten hervor tritt (Friedrich Schillers „Über die tragische Kunst“, 1791; Johann Wolfgang von Goethes „Nachlese zu Aristoteles' Poetik“, 1827). Bezug nehmend auf Lessing, die französischen Klassiker und die antike Tragödie erschufen Goethe und Schiller das klassische deutsche Drama.

Goethe favorisierte dabei den Typus des symbolisch überhöhten Seelendramas?, in dem die Konflikte vorwiegend im Inneren des Menschen ausgetragen werden. Diesen Rahmen sprengt er mit seinem „Faust“ (1808/1832). Schiller hingegen sorgte mit der Wallenstein-Trilogie (1800) für eine Weiterentwicklung des Ideendramas? zum historischen Drama? und zum Charakterdrama?. Zu nennen ist auch Heinrich von Kleist, in dessen Werk eine tragische Selbst- und Welterfahrung zum Tragen kommt.

Schon im 18. Jahrhundert gibt es aber auch gegenläufige Tendenzen, wie wir sie etwa in der Dramaturgie des Sturm und Drang finden. So beriefen sich Johann Gottfried Herder? und Jakob Michael Reinhold Lenz? auf Shakespeare und fühlten sich strengen Kunstgesetzen nicht verpflichtet. Gleiches gilt für den Georg Büchner, der seine Dramen (unter anderem „Dantons Tod“ und „Woyzeck“) in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts schrieb.

Expressionistisches Theater

Vor dem Hintergrund einer zunehmend vielfältigeren Theaterlandschaft entstanden im Laufe des 19. Jahrhunderts neue Formen: etwa das französische und angelsächsische Konversationsstück? (Oscar Wilde) oder das sozialkritische, bürgerliche Moral und Gesellschaftsordnung infrage stellende Problemstück? (Tolstoi?, Strindberg?).

Ende des 19. Jahrhundert entstand im Zeichen des Naturalismus eine Form des analytischen Gesellschaftsdramas?, die sich um psychologisch-realistische Darstellungen bemühte (Henrik Ibsen?, Gerhart Hauptmann). In diesen naturalistischen Dramen wurden – zeitlich einhergehend und thematisch analog zum Problemstück? – soziale Veränderungen der Moderne ab den 1880er Jahren auf der Bühne thematisiert. Dabei kamen erstmals in dieser Form Problematiken der Unterschicht im Zuge der Industrialisierung in einem alltäglichen Jargon zur Sprache.

Zeitgleich entwickelten sich nicht-realistische Formen des Dramas, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur Entfaltung kamen. Dazu gehörten das symbolistische Drama? (Hugo von Hoffmannsthal?) und das expressionistische Drama? (Carl Sternheim?, Ernst Toller?).

Episches Theater

Eine moderne Dramenform führte Bertolt Brecht Ende der 1920er Jahre mit dem Epischen Theater? ein. Dabei handelt es sich um eine bewusste Abkehr vom aristotelischen Drama. Dem Zuschauer soll hier bewusst gemacht werden, dass das Geschehen auf der Bühne nur ein Spiel ist. Dafür sorgen Verfremdungseffekte wie die Ansprache ans Publikum oder Songs. Brecht wollte den kritischen Verstand des Publikums zum Mitdenken anregen – und zielte damit auch auf eine reflektierte gesellschaftspolitische Haltung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlangte vor allem das Theater des Absurden von Frankreich ausgehend einen weltweiten Einfluss. Samuel Beckett? gilt als herausragender Vertreter. Mit der vergleichbaren Zielsetzung, sich ästhetisch einer angeblich zwingenden Sinnstiftung von Geschichte zu verweigern, arbeiteten Friedrich Dürrenmatt? und Wolfgang Hildesheimer? ihre Formen der grotesken Komödie aus.

In den Sechziger Jahren prägten im westdeutschen Raum Dokumentarstücke? die Szenerie (Rolf Hochhuth?), während in der DDR Heiner Müller? eine wichtige Rolle einnahm. Ab Mitte der 1970er Jahre wurde Boto Strauß? zu einem der bis heute am häufigsten gespielten deutschen Dramatiker. Die 1980er Jahren sahen Dramen, in denen vermehrt Sprachexperimente auf die Bühne geholt wurden, wobei die Österreicher Peter Handke und Elfriede Jelinek einen prägenden Einfluss ausübten.

In den 1990er Jahren entwickelte sich eine Tendenz zu naturalistischen Dramen, in denen soziale und familiäre Härten abgebildet werden. Märchenhafte, teils absurde Züge sind dagegen typisch für die Stücke von Roland Schimmelpfennig?. Im Gegensatz dazu sind die heutzutage ebenfalls vermehrt inszenierten Bühnenwerke von Albert Ostermaier? stärker von einem lyrischen Gehalt durchdrungen.

Sekundärliteratur

  • Asmuth, Bernhard: Einführung in die Dramenanalyse. Stuttgart, Metzler Verlag 2004, ISBN: 978-3476161888
  • Cowen, Roy C.: Das deutsche Drama im 19. Jahrhundert. Stuttgart, Metzler Verlag 1988, ISBN: 978-3476102478
  • Pfister, Manfred: Das Drama. Stuttgart, UTB 2001, ISBN: 978-3825205805

Weitere Einträge zum Stichwort:


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