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Die Pest als literarisches Thema

Seuchen und Epidemien hinterlassen Spuren – in der Geschichte und in der Literatur. Der nachfolgende Streifzug durch Werke der vergangenen Jahrhunderte zeigt, wie die Pest als Thema in der Literatur verarbeitet wurde.

Die Pest - Daten und Fakten

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Die Pest ist bereits in der Antike belegt. Thukydides? berichtet um 430 v. Chr. von einer Pestepidemie während des Peleponnesischen Krieges im belagerten Athen. Im Jahre 1346 begann in Europa der „Siegeszug“ einer Seuche, die innerhalb von fünf Jahren mehr als 25 Millionen Opfer fand. Fast 20 % der damaligen Bevölkerung wurden durch die Pest dahingerafft. Insbesondere in den Städten wütete die Pest fürchterlich – kaum verwunderlich, da Hygiene im Alltag der mittelalterlichen Kultur keine Rolle spielte. Kanalisation und Abfallbeseitigung, die insbesondere die Römer kultiviert hatten, fehlten meistens. Der Abfall wurde einfach auf die Straße gekippt.
Auch um die Körperhygiene war es nicht besonders gut bestellt. Die öffentlichen Badehäuser dienten weniger der Sauberkeit denn als geselliger Treffpunkt und trugen eher noch zur Ausbreitung von Krankheiten bei. Die Ärzte dieser Zeit waren hilflos; Riechwässerchen, Prozessionen und Festspiele waren an der Tagesordnung – halfen aber wenig, genauso wenig wie die mehr als fünfzig Schutzheiligen, die von der katholischen Kirche eingesetzt wurden. Pestblätter mit Gebeten? und Holzschnitten kursierten, boten aber wohl keine wirkliche Hilfe. So galten bald die Juden als Schuldige und Pestverursacher.

In den folgenden Jahrhunderten traten immer wieder Pestepidemien auf. 1720 und 1786 breitete sich die Pest von Marseille über Frankreich aus. 1890 bedrohte sie die Welt aus Innerasien. Sie flackerte 1900 in San Francisco auf und kam erneut 1910/11 in der Mandschurei sowie im Jahr 1936 auf Malta hervor. Im Zeitraum von 1979 bis 1992 meldete die Weltgesundheitsorganisation 1451 Todesfälle durch die Pest in 21 Ländern. 1994 gab es eine Pestepidemie in Indien mit über 6000 Pestfällen und 56 Toten. 2003 gab es in Algerien einen Pestausbruch, 2005 trat die Lungenpest im Kongo auf, die auch noch im Jahr 2006 mit 100 Toten Opfer forderte. 2008 kam es in Madagaskar und Uganda, 2009 in der chinesischen Provinz Qinghai zu einem Pestausbruch mit Todesopfern.

Foto: Hendrike / www.wikipedia.org

Entstehung und Bekämpfung

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Die Seuche wird von Nagetieren (besonders von Ratten) über Flöhe (den Rattenfloh Xenopsylla cheopis) auf den Menschen übertragen. Durch Flohstiche infiziert, kommt es zu Lymphknotenerkrankungen im Achsel- und Halsbereich (Beulenpest). Die Krankheit kann aber auch durch Karbunkel auf der Haut (Hautpest) im Umfeld der Flohbisse auftreten. Die Übertragung von Mensch zu Mensch über Tröpfcheninfektion führt zur berüchtigten Lungenpest, die besonders schnell (Infektionszeit kaum mehr als zwei Tage) und heftig verläuft.
Erst 1894 gelang es zwei Wissenschaftlern in Hongkong, unabhängig von einander, den Erreger zu entdecken. Der Japaner Shibasaburo Kitasato war Mitarbeiter von Koch und Beringer; der andere, Alexandre Yersin, ein französische Wissenschaftler, war Mitarbeiter von Pasteur und Roux. Nach ihm erhielt der Erreger den Namen: Yersinia pestis. Allerdings konnte der Übertragungsweg über den Rattenfloh erst 1897 durch Paul-Louis Simond ermittelt werden. Im Jahre 2001 gelang 35 Wissenschaftlern die Entschlüsselung des Pest-Genoms. Ein weiteres Ergebnis dieser Untersuchung war die Entdeckung, das Yersinia Pestis sich aus einem ungefährlichen Darm-Bakterium entwickelt hatte. Auch als B-Kampfstoff taugt die Pest, da eine Tröpfcheninfektion möglich ist. Virulente und antibiotikaresistente Mutanten wurden in Laboratorien bereits isoliert.
Behandelt wird die Pest mit starken Dosen Antibiotika, vorbeugend mit einem Impfstoff, der aus abgeschwächten, lebenden Pestbakterien entwickelt wird, allerdings nur eine Immunität von kaum einem halben Jahr gewährt, und vor allen Dingen durch unbedingte Hygiene: bauliche und hygienische Maßnahmen müssen die Ratten vertreiben oder zumindest reduzieren.
Obwohl also die Pest heute kaum noch eine wirkliche Bedrohung für Europa bedeutet, ist sie nicht aus dem Bewusstsein der Menschen verschwunden. Aus Amerika kamen einige mittelmäßige bis schlechte Filme, die als Thema die Pest in der modernen Großstadt zeigten und auch das deutsche Fernsehpublikum durfte sich an einem makabren Film erfreuen, in dem Ratten zwar nicht die Pest einschleppten, aber immerhin als Überträger einer neuen, grippeähnlichen Virenseuche herhalten durften. Wesentlich gehalt- und anspruchsvoller sind die Spuren, die diese Seuche in der Literatur hinterlassen hat.

Foto: marcus007 / www.wikipedia.org

Die Pest in der Literatur bis zum 19. Jahrhundert

Giovanni Boccaccio: "Decamerone"

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Eines der frühesten literarischen Werke, in das die Pest Einzug gehalten hat, ist das „Decamerone?“, das „Zentagewerk“ des Zeitzeugen Giovanni Boccaccio (1313-1375). Es entstand in den Jahren 1348-53, wurde aber erst 1370 veröffentlicht. Boccaccio war Notar und Richter in Florenz und erhielt 1373 den ersten öffentlichen Lehrstuhl zur Erklärung von Dantes?Divina commedia?“.

In Boccaccios weltberühmten Novellensammlung dient die Pest als Rahmen?, welcher die zahlreichen sinnenfrohen Novellen und Geschichten zusammenhält. Das ist typisch für die generelle Haltung dieser Zeit; man kann nichts gegen die Pest ausrichten, also wendet man sich ab und ignoriert sie, etwa durch Flucht aus den Pestgebieten.

Boccaccio beschreibt die Pest zunächst in wenigen Abschnitten sehr präzise und genau, hinsichtlich der Symptome: „Dabei war aber nicht, wie im Orient, das Nasenbluten ein offenbares Zeichen unvermeidlichen Todes, sondern es kamen zu Anfang der Krankheit gleichermaßen bei Mann und Weib an den Leisten oder in den Achselhöhlen gewisse Geschwulste zum Vorschein, die manchmal so groß wie ein gewöhnlicher Apfel, manchmal wie ein Ei wurden, bei den einen sich in größerer, bei den andern in geringerer Anzahl zeigten und schlechtweg Pestbeulen genannt wurden. Später aber gewann die Krankheit eine neue Gestalt, und viele bekamen auf den Armen, den Lenden und allen übrigen Teilen des Körpers schwarze und bräunliche Flecke, die bei einigen groß und gering an Zahl, bei andern aber klein und dicht waren. Und so wie früher die Pestbeule ein sicheres Zeichen unvermeidlichen Todes gewesen und bei manchen noch war, so waren es nun diese Flecke für alle, bei denen sie sich zeigten.

Dabei schien es, als ob zur Heilung dieses Übels kein ärztlicher Rat und die Kraft keiner Arznei wirksam oder förderlich wäre. Sei es, dass die Art dieser Seuche es nicht zuließ oder dass die Unwissenheit der Ärzte (deren Zahl in dieser Zeit, außer den wissenschaftlich gebildeten, an Männern und Frauen, die nie die geringste ärztliche Unterweisung genossen hatten, übermäßig groß geworden war) den rechten Grund der Krankheit nicht zu erkennen und daher ihr auch kein wirksames Heilmittel entgegenzusetzen vermochte, genug, die wenigsten genasen, und fast alle starben innerhalb dreier Tage nach dem Erscheinen der beschriebenen Zeichen; der eine ein wenig früher, der andere etwas später, die meisten aber ohne alles Fieber oder sonstige Zufälle.“

Wer konnte, floh. Der armen Bevölkerung war dies nicht möglich, sehr wohl aber den Reichen, die außerhalb der Städte Besitztümer hatten. Auch das half nicht immer, wenn die Flucht zu spät erfolgte oder auch dort wohin man floh, die Pest schon Einzug gehalten hatte. Boccaccio kam sie aber als Rahmenhandlung für seine Novellen gerade recht: „Andere aber waren grausameren Sinnes – obgleich sie vermutlich sicherer gingen – und erklärten, kein Mittel gegen die Seuche sei so wirksam und zuverlässig wie die Flucht. In dieser Überzeugung verließen viele, Männer wie Frauen, ohne sich durch irgendeine Rücksicht halten zu lassen, allein auf die eigene Rettung bedacht, ihre Vaterstadt, ihre Wohnungen, ihre Verwandten und ihr Vermögen und flüchteten auf ihren eigenen oder gar einen fremden Landsitz; als ob der Zorn Gottes, der durch diese Seuche die Ruchlosigkeit der Menschen bestrafen wollte, sie nicht überall gleichmäßig erreichte, sondern nur diejenigen vernichtete, die sich innerhalb der Stadtmauern antreffen ließen, oder als ob niemand mehr in der Stadt verweilen solle und deren letzte Stunde gekommen sei.“

Sieben adelige, junge Damen – keine jünger als achtzehn oder älter als achtundzwanzig Jahre – und drei junge Herren – von anmutiger Gestalt und feiner Bildung – verabreden diese Flucht und erzählen sich anschließend zum Zeitvertreib Geschichten. Mit diesen Novellen erreichte die italienische? Novellistik des 14. Jahrhunderts? ihren Höhepunkt und wirkte gleichzeitig stilbildend auch auf die europäische Novellenkunst bis ins 19. Jahrhundert ein.

Hermann Hesse veröffentlichte 1904 eine Monographie? über Giovanni Boccaccio, die sich teilweise selbst wie eine Schrift des italienischen Dichters liest. Sie ist auch nach hundert Jahren noch eine unbedingte Empfehlung für eine erste Einführung in das Werk Boccaccios und die altitalienische Novellenkunst: „Er war unter denen, welche jemals kunstgerechte Novellen verfaßt haben, nicht nur der Erste, sondern indem er diese scheinbar geringe Kunst früher als irgendein andere betrieben, ja eigentlich erfunden hat, übte er sie sogleich mit einer solchen Vollendung aus, daß er von keinem seiner unzähligen Nachfolger übertroffen oder auch nur erreicht werden konnte.“

Foto: Web Gallery of Art

Daniel Defoe: "Die Pest in London"

Erst im Alter schrieb der englische Schriftsteller Daniel Defoe? (16601731) den RomanRobinson?“ (1717) und wurde damit berühmt. Weitere Abenteuerromane entstanden in der Folge ("Kapitän Singleton", "Moll Flanders"), aber auch wirtschaftspolitische und sozialkritische Schriften.

Bemerkenswert ist vor allem der Bericht „Die Pest in London“ (1722). Dieser Bericht bezieht sich auf die verheerende Pestepidemie im Jahre 1665. Mehr als 100.000 Menschen fanden dabei den Tod. Auch an anderen Stellen in Defoes Werk sind Hinweise auf diese Pestepidemie zu finden. Keinesfalls ist Defoe aber als Augenzeuge zu sehen, da er kaum fünf Jahre alt war. Er benutzte zeitgenössische Quellen? und ließ – hier konnte er den Romanautor nicht verleugnen – den Bericht von einem Erzähler, der sich als Augenzeuge ausgab, berichten. Das macht allerdings diese Abhandlung auch heute noch lesenswert (und sogar hörenswert, denn es gibt eine Ausgabe als Hörbuch mit dem sehr kompetenten Sprecher Gert Westphal?).

Edgar Allan Poe: "Die Maske des roten Todes"

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Der amerikanische? Lyriker und Erzähler Edgar Allan Poe (18091849), ist heute bekannt durch seine Kriminalerzählungen (z.B. „Doppelmord in der Rue Morgue“) und seine mystisch?-schaurigen Erzählungen und Kurzgeschichten (z.B. „Der Untergang des Hauses Usher“). In einer Novelle bediente auch er sich der Pest: „Die Maske des roten Todes“. Schon der Titel ist anders als alles, was zuvor geschrieben wurde; nicht mehr der schwarze, sondern der rote Tod wütet im Land.

„Lange schon wütete der ›Rote Tod‹ im Lande; nie war eine Pest verheerender, nie eine Krankheit gräßlicher gewesen. Blut war der Anfang, Blut das Ende – überall das Rot und der Schrecken des Blutes.“ Ähnlich wie bei Boccaccio ziehen sich Edelleute – in der Kurzgeschichte: Prinz Prospero mit seinem Gefolge – zurück, nicht jedoch zur abwartenden Besinnung, sondern zu einem rauschenden Fest. Anders aber als im Dekameron, bei der die Gesellschaft unversehrt nach dem zehnten Tage nach Florenz zurückkehrt, bleibt die Gesellschaft komplett auf der Strecke.

„Und nun erkannte man die Gegenwart des Roten Todes. Er war gekommen wie ein Dieb in der Nacht. Und einer nach dem andern sanken die Festgenossen in den blutbetauten Hallen ihrer Lust zu Boden und starben – ein jeder in der verzerrten Lage, in der er verzweifelnd niedergefallen war. Und das Leben in der Ebenholzuhr erlosch mit dem Leben des letzten der Fröhlichen. Und die Gluten in den Kupferpfannen verglommen. Und unbeschränkt herrschte über alles mit Finsternis und Verwesung der Rote Tod.“

Die dichte Erzählung macht diese Novelle lesenswert. Die handlungsarme Geschichte lebt von der Beschreibung? der Räume, hinter der die festliche Gesellschaft stark zurücktritt. Das Grauen, vor dem die Menschen geflohen sind, und dass sie doch mit sich genommen haben, wird so ohne direkten Hinweis deutlich beschrieben.

Jens Peter Jacobsen: "Die Pest in Bergamo"

Der dänische? Schriftsteller Jens Peter Jacobsen? (18471885), selbst Naturwissenschaftler und Botaniker, legte 1881 die Novelle "Die Pest in Bergamo" vor.

„Eines Tages brach die Pest unten in der neuen Stadt aus und griff fürchterlich um sich; es starben eine Menge Menschen und die andern flüchteten über die Ebene nach allen vier Weltgegenden. – Und die Bürger in Alt-Bergamo zündeten die verlassene Stadt an, um die Luft zu reinigen, aber das half nichts; sie fingen auch an, oben bei ihnen zu sterben, zuerst einer täglich, dann fünf, dann zehn, zuletzt zwanzig, und als es den höchsten Grad erreicht hatte, noch viele mehr.“

Jacobsen schildert, wie die Pest dazu führte, dass in Alt-Bergamo als Reaktion auf die Unausweichlichkeit vor dieser Seuche negative Verhaltensweisen ausbrachen, die Verrohung der Bevölkerung von Tag zu Tag zunahm. Wie zum Kontrast lässt er eine Prozession gläubiger, betender, fastender, sich kasteiender Menschen in die pestgeschwängerte Stadt ziehen und diese auch wieder ungehindert verlassen.

Karl May: "Von Bagdad nach Stambul"

Auch einer der bekanntesten deutschen Abenteuerschriftsteller, Karl May (1842-1912), greift das Thema „Pest“ auf. Im dritten Band? seiner sechsbändigen Orientreiseerzählung - „Von Bagdad nach Stambul“ - lässt er Hadschi Halef Omar an der Pest erkranken. Er wird liebevoll von Kara Ben Nemsi gesund gepflegt, der anschließend selbst erkrankt und wiederum von Hadschi Halef Omar von der Schwelle des Todes abgehalten wird. Was sich in der knappen Nacherzählung? so banal und schwülstig anhört, gehört sicher zu den schönsten und eindringlichsten Stellen der sechs Romanbände.

Die Pest in der Literatur des 20. Jahrhunderts

Albert Camus: "Die Pest"

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Der französische? Schriftsteller, Philosoph und Nobelpreisträger Albert Camus (19131960) veröffentlichte im Jahr 1947 das Buch „Die Pest“ („La Peste“). In einer nordafrikanischen Stadt bricht die furchtbare Seuche aus. Sie bestimmt bald das gesamte Leben der schnell von der Außenwelt abgeschnittenen Stadt. Camus stellt dar, wie sich einzelne Menschen in dieser Situation behaupten und bewähren oder auch nicht. Dass die Geschichte in Nordafrika spielt, hat nicht zuletzt damit zu tun, dass Camus in Algier aufgewachsen war. Die Erzählung von Camus hat aber kein Vorbild in einer konkreten Erfahrung oder Bezug auf eine historische Seuche. Das Buch ist gut zu lesen, stellenweise richtig spannend, aber auch in den mehr reflektierenden Passagen nie langweilig.

Louis Bromfield: "Der große Regen"

Der Amerikaner Louis Bromfield? (1896–1956) hat das Thema einer Pestseuche in seinem Roman „Der große Regen“ („The Rains Came“, 1937) eingearbeitet. Der Roman spielt in Indien, dem Land, in dem Bromfield häufig die Winter verbrachte. Auch in diesem Roman ist das Hauptthema die menschliche Bewährung. Spannungselemente sind – anders als bei Camus – aber stärker (manchmal etwas zu effektvoll) herausgearbeitet. Der Regen wird in der indischen Provinz Ranchipur sehnsüchtig erwartet, vom alten Maharadscha und von seinem Volk. Dann kommt er, aber taifunartig mit katastrophalen Auswirkungen: Überschwemmung, Elend und zuletzt auch die Pest. Der amerikanische Intellektuelle Tom Ransom, der indische Arzt Dr. Safka und Lady Heston aus England stehen vor Anforderungen, die sie bislang nie gekannt haben.

Von den vielen Romanen Bromfields, die in deutscher Übersetzung erschienen sind, ist dieses Buch das populärste in Deutschland, dass immer wieder in Neuauflagen erscheint (und ist es einmal für eine Zeit vergriffen?, wird es sicher auch die kleinste Stadtbücherei im Regal? stehen haben).

Selma Stern: "Ihr seid meine Zeugen"

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Die Historikerin Selma Stern? (18901981) ist vor allem bekannt durch ihr Werk „Der Preußische Staat und die Juden“, das zwischen 1962 und 1971 in drei Bänden erschien. Ihre Novellensammlung „Ihr seid meine Zeugen“ dagegen ist schon seit langem vergriffen. Dieser „Novellenkranz aus der Zeit des Schwarzen Todes 1348/49“ wurde von ihr in den Jahren 1942-44 im amerikanischen Exil niedergeschrieben. Sie basieren auf den erschütternden Erfahrungen, die sie in den 30er? und beginnenden 40er Jahren im „Dritten Reich“ machen musste. Diese Erlebnisse verhinderten zunächst ihre weitere wissenschaftliche Arbeit und aus dem Unvermögen, die unmittelbare Gegenwart objektiv zu beurteilen, schuf sie diese Novellensammlung.

Ganz lag ihre wissenschaftliche Arbeit allerdings nicht darnieder, denn zur Niederschrift dieser Novellen stützte sie sich auf zahlreiche historische Quellen?. Sie stellt in diesen Novellen den Untergang der Städte Basel, Speyer, Straßburg, Frankfurt und Mainz dar. Die Namen der Rabbiner sind historisch belegt, die der anderen Figuren weitgehend erfunden. „Nur Judah (Jehuda), der gerettete kleine Enkelsohn Eleasars, ist in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts in Weil der Stadt nachweisbar“, schreibt Selma Stein im Nachwort?. Trotzdem ist dies kein trocknes wissenschaftliches Buch geworden. Die Novellen sind sehr einfühlsam geschrieben und die handelnden Personen sehr realitätsnah gezeichnet. Anders als bei Boccaccio ist in diesem Novellenkranz nichts Heiteres zu finden. Auch dieses Buch ist jedoch vergriffen und eine Neuauflage nicht in Sicht.

Marianne Calmann: "Die Schöne von Avignon"

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Marianne Calmann? wurde in Hamburg geboren und floh mit den Eltern vor den Nazionalsozialisten nach London. Hier studierte sie Linguistik und Geschichte und war an der University of Warwick und in einem Verlag tätig bevor sie selbst Verlegerin und Autorin wurde. In ihrem Buch „Die Schöne von Avignon“ (2001) greift sie zwei Themen gleichermaßen auf: die Pest im Jahre 1346? und das Papsttum, das sich in dieser Zeit auf Avignon konzentrierte. Der Roman ist gut recherchiert? und spannend geschrieben. Die Gegensätze, die zwischen der Judenstadt und dem Papstpalast bestehen, sind deutlich herausgearbeitet und die menschlichen Schicksale gut in die historischen Begebenheiten eingepasst. Der Roman beschreibt die Situation der Juden in Europa nicht so eindringlich, wie Selma Stern dass in ihren Novellen schaffte – trotzdem geht dieser historische Roman weit über die bloße Unterhaltung? hinaus und hebt sich damit von so manchem Roman ab, der Historie nur als Kulissen benötigt.

Literatur

  • Die Pest in der Literatur
  • Bromfield, Louis: Der große Regen. Lübbe, Berg.-Gladbach 1989, ISBN: 3-404-10999-6
  • Calmann, Marianne: Die Schöne von Avignon. dtv, München 2004, ISBN: 978-3423206686
  • Camus, Albert: Die Pest Rowohlt, 2010, ISBN: 978-3499253072
  • Defoe, Daniel: Die Pest zu London. Hörbuch (Gert Westphal), Der Audio Verlag, ISBN: 389-813-1823
  • Hesse, Hermann: Sämtliche Werke 1, S.595 ff., Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001, ISBN: 3-518-41101-2
  • Jacobsen, Jens Peter: Die Pest in Bergamo
  • Poe, Edgar Allan: Poes Werke. Gesamtausgabe der Dichtungen und Erzählungen, Band 5: Phantastische Fahrten. Herausgegeben von Theodor Etzel, Berlin: Propyläen-Verlag, [1922], S. 47-52.Veröffentlicht auf Zeno.org
  • Poe, Edgar Allan: Sämtliche Erzählungen (4 Bd.), Insel, Frankfurt, 2002 ISBN: 3-458-06652-7
  • Sassenberg, Marina: Selma Stern. Erste Frau in der Wissenschaft des Judentum. Hentrich & Hentrich Verlag, Berlin 2005, ISBN: 978-3938485071
  • Stein, Selma: Ihr seid meine Zeugen. G. Müller, München 1972


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